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Spritzen bei Tisch

  • eva weichwald

    Rang: Gast
    am 18.01.2007 13:14:44
    Liebe Diabetiker Kinder und junge Erwachsene,

    ich bin Lehrerin an einer Berufsfachschule, habe selber kein Diabetes.

    Ich wende mich heute an Euch als Fachleute für Diabetes weil ich etwas besser verstehen möchte.

    Wie gesagt bin ich Lehrerin, ich unterrichte das Fach "Nahrungszubereitung". Das heißt ich bring den Schülern das Kochen bei.

    Es ist so, dass wir, wenn fertig gekocht ist natürlich alle gemeinsam am Tisch sitzen und zusammen essen.
    Dass ein Diabetiker seinen Zucker messen muss und auch spritzen muss ist mir klar, er soll das auch nicht auf der Toilette tun.

    Die Frage die ich euch stellen möchte ist folgende:
    Stellt euch vor ihr seid im Kochunterricht in einer großen Schulküche, die Tür des Raums steht immer offen und im Vorraum steht ein Tisch und Stühle die aus der Küche gut einsehbar und mit 6-8 Schritten - vom Esstisch aus gesehen- zu erreichen ist.
    Ist es möglich für einen Diabetiker zum Spritzen an diesen Tisch zu gehen und das nicht während des Essens am Tisch zu tun? Oder jagen die 6-8 Schritte den Zucker dann wieder so hoch, dass man nochmal neu messen müsste?

    Kann man mit dem Pen auch durch das T-shirt stechen, also ohne den ganzen Bauchg auszupacken?
    Ist es problematisch sich zum Spritzen zur Seite zu drehen wie man es z.B. zum Niesen oder Naseputzen tut?

    Ich hoffe Ihr versteht meine Frage nicht falsch ich möchte wirklich verstehen wie Ihr das seht.

    Also, ich freu mich auf viele Antworten und wünsch euch alles, alles liebe
    Grüße
    Cindy

  • WUn

    Rang: Gast
    am 18.01.2007 13:59:37
    Das ist eine sehr gute und auch sehr sensible Frage.
    Gerade als Kind möchtest Du auch mit Deiner Stoffwechselstörung akzeptiert werden - so, wie du eben bist.
    Daher ist das Messen und Spritzen etwas völlig Normales und gehört zum Kind so dazu wie auch die Nase und die Haarfarbe.

    Meiner Erfahrung nach stört es andere Kinder/Jugendliche ÜBERHAUPT NICHT, wenn sich mein Sohn neben ihnen misst und spritzt. Ein/zwei Fragen am ersten Tag und dann wird's von den anderen Jugendlichen übergangen. Das ist so in der Schulklasse, in diversen Schikursen, beim Tennis,...

    Offensichtlich ist's nur für manche Erwachsene ein Problem.

    Nun, zu Deiner Frage: Nein, das Gehen von ein paar Schritten treibt den Blutzucker weder nach oben noch nach unten, aber für Kinder kann das soziale Ausgrenzung sein.

    Warum soll man das dem Kind antun?

    LG
    von WUn
  • eva weichwald

    Rang: Gast
    am 18.01.2007 15:51:41

    Vielen dank schon mal für die Antwort!!

    Das Kind ist ein 18 jähriger junger Mensch, alle Lehrer und Klassenkameraden wissen um die Krankheit bescheid.

    Es geht eigentlich darum, dass ich mich frage ob es im Rahmen einer Erziehung zu guten Tischmanieren (was u.a. mein Lehrauftrag ist), bzw. einem gutem Benehmen so verkehrt ist, den Bauch eben nicht vor allen anderen Essenden auszupacken.
    Ob es im Rahmen dessen "wie wollen wir miteinander umgehen", auch vom Diabetiker verlangt werden kann, dass er erst mal nachfragt ob eventuell jemand anderes Angst hat vor Spritzen oder es ihm ungangenehm ist.

    Ob es wirklich so unzumutbar ist im Vorraum zu spritzen, oder sich zumindest zur Seite zu drehen?

    Es geht nicht darum einen Diabetiker zu diskreminieren .
    (habe selber einen behinderten Sohn, weiß also durchaus um die Empfindlichkeiten bescheid.

    Ist es denn wirklich so, dass ein Diabetiker auch wenn er mal schick ausgeht in ein schönes Lokal, am Tisch während die Begleitung noch ißt den Bauch entblößt und spritzt?
    So auch im "kleinen Schwarzen"?

    Ich gebe zu es fällt mir schwer mir das vorzustellen.

    Ist es nicht wichtig einen offenen aber trotzdem angepassten Umgang mit der Krankheit zu lernen? Es sollen ja alle wissen, da bin ich auch dafür, am besten auch wirklich richtig mit Aufklärung und allem drum und dran.
    Nur dieser eine Punkt ist mein großes Fragezeichen.

    Es ist einfach auch so, dass manche Schüler dementsprechend negativ reagieren lachen, lästern,...- und das wirkt auf den Betroffenen Schüler sehr unangenehm. Ist es so empfehlenswert sich dem Stress ständig zu stellen obwohl es immer wieder zu Tränen führt?
    sollte man nicht erstmal sein Selbstbewußtsein mit der Krankheit in geschützterem Rahmen aufbauen?

    Was ist möglich? Wie kann man wohl am besten einen Kompromiss finden??

    Und wie gesagt, wirklich überall den Bauch auspacken und spritzen ohne Rücksicht auf andre denen es vielleicht recht mulmig oder gar schlecht wird?

    Für mich ist es eine Gratwanderung und ich möchte es gerne so regeln, dass keiner als Verlierer dasteht, weder der Diabetiker, noch die anderen Schüler.
    Und ich muss dabei einfach die Bedürfnisse aller berücksichtigen.

  • klausdn

    Rang: Gast
    am 18.01.2007 16:00:30
    hallo cindy,
    bin zwar ein alter knacker, aber mein vorschreiber hat völlig recht. - bz hoch/runter durch ein paar schritte das ist nix- aber das extra aufstehen und eine vorstellung geben , das ist ärger und der treibt den bz hoch.
    sofern keine schau abgezogen wird ist messen und spritzen von außenstehenden praktisch nicht zu bemerken.
    durch die kleidung spritzen einige, empfohlen wird es nicht, und daher mache ich es nicht.
    beim letzten restaurantbesuch kam ein tischnachbar und fragte nur ob ich mit dem neuen pen zufrieden bin, staunte über meine kurzen nadeln, hat dann
    welche zum selber testen bekommen.
    obwohl wir ne menge leut waren wurde dann gefragt was ist , mußt du nicht spritzen. niemand hatte gemerkt daß schon alles erledigt war.
    das soll nur zeigen daß selbstverständliches von anderen garnicht bemerkt wird.
    auf der toilette würde ich nicht spritzen, dann würde ich gehen.
    also , wenig aufhebens machen es ist so normal wie atmen.
    mfg klaus von klausdn
  • eva Weichwald

    Rang: Gast
    am 18.01.2007 17:25:02

    Nein, auf die Toilette sollte niemand gehen müssen zum Spritzen.

    Ich habe eine Freundinn mit Diabetes, es hat ein halbes Jahr gebraucht bis ich gemerkt habe dass sie sich spritzt. Obwohl sie auch bei mir gespritzt hat.

    Das ist wohl doch auch eine Frage der Übung wie stark es auffällt oder nicht. Und vor allem welche Einstellung man selber zu seinem Handycap hat.

    Ich habe den Eindruck, dass der Fall bei uns einfach etwas anders liegt und es doch mehr eine Schau ist als was anderes. Es wirkt zumindest so, weil es sehr inszeniert aussieht.

    Die Krankheit wird auch leider als Ausrede für alles hergenommen und das finde ich nicht gut, denn die Person nimmt sich selbst einige Möglichkeiten.
  • mämchen

    Rang: Gast
    am 18.01.2007 20:54:16
    Als ich meine Pumpe noch nicht hatte, habe ich nach einer ict-Schulung in der Diabetes-Klinik jahrelang durch die Kleidung in Bauch oder Oberschenkel gespritzt und niemals eine Entzündung o. ä. gehabt. Das ist auch im Restaurant mit vielen Gästen kaum einem aufgefallen.
    Wie Klaus schon sagt ist aber spritzen durch die Kleidung umstritten. Dein Schüler macht das wahrscheinlich so, wie er es gelernt hat. Mein Vorschlag wäre, dass er/sie ein wenig vor den anderen an den Tisch geht und dort mißt und spritzt. Bis die anderen Schüler das Essen aufgetragen haben oder du noch ein paar Worte gesagt hast, kann er/sie damit fertig sein.
    Sollte dein Schüler seine Art zu spritzen beibehalten wollen, versuch, die anderen zu mehr Gelassenheit zu bewegen: würde jemand eine Tablette einwerfen würde sich niemand aufregen! Je gleichmütiger sie damit umgehen desto weniger bringt "die Show".
    Falls das ganze einem gewissen Geltungsbedürfnis entspringen sollte könnte man bei Tisch über gesunde Ernährung, Abstimmung Insulin/Ernährung/Bewegung reden und den Betroffenen als "Moderator" einsetzen.
    Den Diabetes immer als Ausrede herhalten zu lassen kann sich leicht ins Negative wandeln.
    Auch ich habe mal schlechte Tage/sehr tiefe Werte, wo ich etwas Rücksicht brauche, aber ich wehre mich dagegen, als Kranker betrachtet zu werden!
    Ich bin nicht krank, ich bin bedingt gesund!

    Liebe Grüße
    von mämchen
  • Fuchs

    Rang: Gast
    am 19.01.2007 12:39:37
    Meiner Meinung nach ist öffentliches Spritzen am Tisch völlig o.k.. Wer etwas Benimm hat, der macht es möglichst unauffällig und dreht sich etwas zur Seite.

    Andere essen vielleicht gerade und haben beim Anblick der Spritze Probleme, darauf nehme ich je nach Situation auch Rücksicht.

    So mache ich es jedenfalls. Und ich steche seit Jahren durch Hemd und T-Shirt.

    Nur ganz frische Diabetiker stehen auf und gehen zum Spritzen weg.

    Dies alles ist weniger eine Frage der mdizinichen Notwendigkeit, sondern mehr eine Frage von Toleranz (der Nicht-Diabetiker) und Rücksicht/Feinfühligkeit der Diabetiker.

    Fuchs

  • eva weichwald

    Rang: Gast
    am 21.01.2007 20:45:30
    Hallo Mämchen und Fuchs,

    vielen lieben Dank für eure Antworten.
    Würde meine Schülerin es so machen wie ihr das beschreibt, hätten wir kein Problem.

    Aber Probleme sind dazu da gelöst zu werden und ich bin zuversichtlich, dass wir das hinbekommen.

    Mämchen, ja, eigentlich wäre es gut möglich etwas bevor die anderen zu Tisch gehen zu messen und zu spritzen, meine Schülerin misst aber direkt bevor sie die erste Gabel in den Mund schiebt und spritzen tut sie während oder kurz nach dem Essen (was ich komisch findef). Daher sieht es jeder und der halbe Bauch wird fast auf den Teller gelegt.

    Fuchs:
    Toleranz (der Nicht-Diabetiker) und Rücksicht/Feinfühligkeit der Diabetiker.
    Da möchte ich gern hin. Toleranz von beiden Seiten.

    Und die Krankheit nicht als Krankheit sondern als bedingt Gesund zu verstehen, dass finde ich klasse!!!

    Ein großes Stück anerkennung für Euch von mir, denn das hört sich wirklich selbstbewußt an. So kann ein Diabetiker doch ein "fast" normales, aber vor allem ein erfolgreiches und glückliches Leben führen.

    Grüßle an alle die sich für mein Problem interessiert haben. Ich bin gespannt wie es weiter geht.

    Cindy
  • mämchen

    Rang: Gast
    am 21.01.2007 23:37:58
    Hallo, Cindy
    das scheint dann wohl eher ein Problem in der Persönlichkeit oder der pers. Einstellung deiner Schülerin zu sein. Das ist ja auch das Alter, wo man gegen alles rebelliert...
    Stell doch deine Frage noch mal bei
    www.diabetes-kids.de
    in der passenden Rubrik, vll. gibts da noch hilfreiche Ideen im Umgang mit Jugendlichen.

    Viel Erfolg! von mämchen
  • eva weichwald

    Rang: Gast
    am 22.01.2007 19:57:53
    Danke Mämchen,
    wenn ich dazu komme werde ich deinen Rat befolgen.

    Ich hätte da allerdings noch eine Frage. Wie ist das eigentlich heute, darf man wirklich als Diabetiker immer alles und so viel man möchte essen und gleicht es einfach nur durch das Spritzen aus?

    Werden nicht mehr Broteinheiten pro Tag vorgegeben die man nicht überschreiten sollte??

    Ich kenne es halt nur anders, das man vorgeschrieben bekommt wieviele Broteinheiten man pro Tag hat und man eben nur im Ausnahmefall darüber geht und entsprechend anders spritzt.

    Ist mit Folgeschäden zu rechenen, wenn man einfach drauf los futtert ohne Maß und entsprechend mehr spritzen muss und das immer?? Also ich mein wegen der hohen Insulinmenge.

    Ich bin etwas erstaunt darüber, kann mir nur schwer vorstellen, dass übergewichtige Diabetiker heute nicht mehr abnehmen sollen, aber es kann ja sein dass das so ist und ich möchte meinen Schülern da auch nix falsches sagen.

    Kommt euch bestimmt komisch vor was ich da so frage oder??

    Liebe grüße an alle
    Cindy


    Kannst du mir da weiterhelfen??
  • mämchen

    Rang: Gast
    am 22.01.2007 22:42:58
    Hallo, Cindy,
    nein, deine Fragen kommen mir überhaupt nicht komisch vor: du hast eine provozierende, uneinsichtige übergewichtige Schülerin ohne Manieren und versuchst, im Sinne von(Tisch-)manieren, Ästethik und gesunder Ernährung zu retten, was zu retten ist. Je mehr du sagst, desto bockiger wird sie, oder?
    Diabetes wird auf unterschiedliche Weise behandelt. Es gibt z. B. die sog. ct = Konventionelle Therapie mit starrem Spritz-Eß-Plan, also eine auf vorgegebene Broteinheiten abgestimmte Insulindosis zu festen Zeiten, ganz gut für Menschen mit gleichmäßigen Tagesabläufen, und, wohl wie bei deinem Zickchen, die ict = intensivierte Insulintherapie. Hier sieht die Einstellung so aus, dass man einen sog. BE-Faktor hat, die Anzahl der gewünschten zu essenden BE ermittelt u. mit dem Faktor multipliziert. Der Faktor kann zu den verschiedenen Tageszeiten unterschiedlich hoch sein: morgens 2 IE pro BE, mittags 1,25 / 1 BE, abends 1,75 /1BE. Esse ich mittags 4 BE, spritze ich 5 Einheiten Insulin.
    GGf. kommt noch Korrekturinsulin hinzu, wenn der Wert zu hoch sein sollte, oder ich ziehe was ab, wenn der Bz eher niedrig ist. Oder, bei schnellem Insulin u. niedrigem Wert spritze ich nach der Mahlzeit.
    Es ist ein sehr komplexes Thema, deshalb wird Zickchen denken, du hast keine Ahnung u. sie hat (vermutlich) eine Schulung, also läßt sie sich von dir nichts sagen.
    Das Thema gesunde Ernährung gilt gleichermaßen für alle, und, wie mein Vorredner schrieb, wer zu viel ißt , wird fett, egal ob dm oder nicht. Aber jemand, der Insulin spritzt, hat es schwer abzunehmen. IInsulin ist ein Masthormon, verlangt immer wieder essen, wer ißt, spritzt, braucht essen...... Es bedarf eiserner Disziplin, lies hier im Forum mal die Hilfeschreie!
    Um noch mal auf die ict zu kommen: dadurch kann man wirklich sehr frei leben, aber die Verführung ist groß, schließlich kann man ja alles "abspritzen". Ich gönne mir auch gerne mal was, aber "die Dosis macht das Gift".
    Folgeschäden durch Insulin sind nicht zu erwarten, wenn man mal das angefutterte Gewicht außen vor läßt. Folgeschäden entstehen durch dauerhaft zu hohe Werte, in den Augen, Nieren, Füßen bis zur Erblindung, Dialyse, Amputation. Wenn sie noch so jung ist wäre eine gute Einstellung besonders wichtig, aber das geht über deine Belange hinaus.
    Ich finde es toll, was du dir für Gedanken machst und wünschte, mehr Lehrer hätten so viel Engagement.
    von mämchen
  • mämchen

    Rang: Gast
    am 22.01.2007 23:42:58
    Hallo Cindy,
    hab mich auch auf den Text in "Ernährung" bezogen, aber du verstehst mich schon.
    Liebe Grüße! von mämchen
  • eva weichwald

    Rang: Gast
    am 23.01.2007 10:04:19
    Hallo Mämchen,

    vielen, vielen Dank für deine Ausführliche Antwort!!!

    Du hast genau verstanden um was es bei mir in der Klasse geht.

    Das Thema gesunde Ernährung und gute Tischsitten, bzw. Benehmen, werde ich nicht ad akta legen, darin hast du mich jetzt bestärkt.

    Ich werde mich noch etwas mehr informieren, damit meine Schülerin merkt, dass ich sehr wohl auch bescheid weiß.

    Das Thema Insulin und Abnehmen möchte ich noch genauer recherschieren, vielleicht macht es ja auch irgendwann "klick" bei meiner Schülerin.

    Dir alles alles liebe.

    Gibt es denn vielleicht ganz leicht verständliche Literatur in der man in kürze alles nachschlagen kann??
    Ich mein wie so eine Zusammenfassung des aller wichtigsten?

    Mir ist inzwischen klar geworden, dass das Thema sehr komplex ist, aber ich habe einfach nicht die Zeit um viele dicke Bücher nur über das Thema Diabetes zu lesen. Und jeden Sonderfall muss ich ja wohl auch nicht kennen, dazu sind die Ärzte da und letzendlich ist doch jeder diabetiker über kurz oder lang Fachmann/frau für sein Handycap.

    Grüßle Cindy
  • mämchen

    Rang: Gast
    am 23.01.2007 20:17:43
    Hallo, Cindy,
    danke für die netten Worte.
    Ja, du hast sehr höflich u. vorsichtig umschrieben, aber ich hab jahrelang Jugendgruppen geleitet, war auf div. Diab.-Schulungen, wo man mit den unterschiedlichsten Menschen zusammen kommt, und jetzt hab ich einen Sohn von 20 u. eine Tochter von 14 Jahren, zum Glück beide gesund, aber durchaus auch mal eigensinnig, intolerant, provozierend.
    In den Schulungen wird einem vermittelt, dass man sich wg. des dm nicht schämen muss u. bspw. spritzen am Tisch eine Selbverständlichkeit ist. Tu ich auch, überall, kann man aber so oder auch so machen... Wo es da bei Zickchen fehlt, hat nichts mit dem Diabetes zu tun, denke ich. Du steckst da ganz schön in der Zwickmühle.
    Literatur, wie du sie suchst, kenne ich leider nicht, da Betroffene es einfach bis ins Detail wissen müssen. Aber du könntest hier mal gucken, da gibt es Infos für Einsteiger, Fortgeschrittene, Profis, Angehörige...

    http://www.forum.diabetesinfo.de/

    Mußt dich durchknabbern, vielleicht hilft es dir weiter.
    Du kannst mich auch gerne direkt anmailen, Adresse ist oben versteckt.

    Gib nicht auf, irgendwann wird deine Klasse wissen, was sie deinem Engagement verdankt.

    Liebe Grüße

    mämchen







  • friedi

    Rang: Gast
    am 25.01.2007 14:23:44
    Ich möchte Ihnen auch meine Erfahrungen und Gedanken zu dem Thema. Spritzen am Tisch mitteilen.
    Ich bin 37 Jahre alt und seit einem Jahr spritzende Typ I Diabetikerin.
    Am Anfang ist einem das natürlich sehr unangenehm und ich habe anfänglich auch nur auf der Toilette gespritzt.
    Mit der Zeit (wahrscheinlich dann wenn man die Krankheit akzeptiert hat) ist es ein Teil von einem selbst. Mittlerweile spritze ich auch bei Tisch. Wenn man alles gut vorbereitet hat. (Nadel gewechselt, Pen griffbereit) und die entsprechende Kleidung anhat (T-shirt oder Pulli, den man nur leicht anheben muss) fällt das Spritzen niemanden auf. Ich könnte also nicht bestätigen, das mein Bauch dabei am Tisch liegt.
    Das Blutzuckermessen knapp vor dem Essen ist wichtig, damit man die entsprechende Insulindosis richtig berechnen kann. Im Restaurant messe isch schon meist bevor ich mich zu Tisch setzte. (da es etwas auffälliger ist als das Spritzen)
    Auch bei mir kommt es vor, dass ich während des Essens spritze., da ich im Vorfeld nicht immer weiß wieviel ich essen werde. Bei mehreren Gängen kann es sorgar vorkommen, dass ich zwischendurch spritze. Man kann ja nicht immer in vorhinein abschätzen wie groß die einzelnen Portionen sind.

    Im Falle eines Jugendlichen Typ I -Diabetikers ist die Pubertät sicher ein wesentliches Kriterium für das Verhalten. Viele Jugentliche neigen in der Pubertät dazu ihren Diabetes überhaupt nicht zu beachten, da sie wie alle Anderen leben wollen. Ich find es gut, dass Ihre Schülerin sich anscheinend doch damit auseinandersetzt. Das ihr Spritzverhalten im Moment nicht der Ettiket entspricht würde ich eventuell übersehen. Oder vielleicht mit Ihrem Einverständnis vor der ganzen Klasse thematisieren. So nach dem Motto - muss sein - ist nicht lustig - Hintergründe dazu - aber auch das Thema diskretes Spritzverhalten ansprechen. Wie empfinden das die anderen? So haben auch die anderen die Möglichkeit Fragen zu stellen und die Diabetikerin hat auch die Möglichkeit Ihre Sichtweise darzulegen und erfährt so nebensbei, wie ihr Spritzverhalten bei den Tischnachbarn so ankommt.
    Und zum Schluss, muss ich als Mutter von 2 Kindern noch anmerken, dass ich es auch sehr toll finde, wieviele Gedanken Sie sich um Ihre Schüler machen und wieviel Energie und Zeit Sie in das Thema investieren. Viel Glück noch mit Ihrer "Süßen"
  • Eva Maria Weichwald

    Rang: Gast
    am 25.01.2007 17:12:45
    vielen Dank für Ihre Antwort, und den Zuspruch.

    Ich glaube Ihnen, dass Ihr Bauch nicht auf dem Tisch liegt, ich habe das auch bei meiner Freundin nie bemerkt.

    Wie man oben schon sehen kann, geht es doch wirklich darum ob man eine Schau draus macht oder nicht.

    Das Thema ist für mich auf jeden Fall Unterrichtsthema und ich werde versuchen es wirklich aus allen Perspektiven zu behandeln.
    Nicht nur rein Ernährungsphysiologisch, sondern vor allem das Thema Akzeptanz und Sozialverhalten wird dabei eine große Rolle spielen.

    Ihnen wünsche ich, dass Sie lernen gut mit Ihrem "Freund" (dem Diabetes) klar zu kommen.

    Grüße Cindy
  • Claudia

    Rang: Gast
    am 28.01.2007 20:46:40
    Hallo Cindy!
    Ich möchte meine Aussage bzgl. Deiner Einstellung zu Diabetikern revidieren. Ich fühlte mich persönlich angegriffen, wahrscheinlich, weil ich selbst oft ein Problem mit meinem Diabetes habe. Ausserdem bin ich echt genervt von den Menschen(meine nicht Dich), die ihr theoretisches Fachwissen über Diabetes zum Besten geben, aber keine Ahnung vom Umgang damit haben. Denn das Wissen darüber zu haben ist eine Sache, aber tagtäglich damit zu leben, eine andere. Wenn man dann-wie ich momentan-ständigen unerklärlichen BZ-Schwankungen ausgesetzt ist, obwohl man sich alle Mühe gibt, ist man eben irgendwann genervt.
    Zu Deiner Schülerin: Ich vermute, dass Sie unabhängig von ihrem Diabetes noch einige andere Probleme hat, und ihre Krankheit dafür nutzt, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, was ihr scheinbar auch gelingt. Dadurch bekommt sie negative Aufmerksamkeit. Deshalb ist mein Gedanke, die Schülerin in ihren positiven Eigenschaften zu bestärken und ihr das Gefühl zu geben, dass sie, so wie sie eben ist, gut ist. Vieleicht lässt ihr Zurschaustellen mit dem Spritzen dann nach.
    Liebe Grüsse
    Claudia