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Was soll ich noch mit ihm machen? (lang und verzweifelt)

  • Andrea

    Rang: Gast
    am 09.05.2005 14:15:58
    Ich bin heute durch Zufall auf dieses Forum gestossen, und hoffe, hier kann mir jemand helfen!

    Mein Mann ist 29 und seit 9 Jahren Typ-1-Diabetiker. Er spritzt Novorapid und Lantus und ist damit (eigentlich) auch sehr gut eingestellt. "Eigentlich" deshalb, weil seine Werte völlig in Ordnung wären, wenn er denn auch pünktlich zu den Mahlzeiten spritzen würde, und nicht erst zwei Stunden später :(

    Das war nicht immer so, bis vor fast zwei Jahren, hatte er immer einen HbA1c von 5,8 -6,0

    Dann hat er den Arbeitsplatz gewechselt, ist jetzt in einer Führungsposition, arbeitet 12-13 Stunden täglich, oft sechs Tage die Woche. Keine feste Mittagspause und Dauerstress. Zuhause funktioniert es einigermassen, aber in der Arbeit... er vergisst einfach zu spritzen, messen tut er nur zu Hause.

    Letztes Jahr im März war er eine Woche stationär, wurde noch einmal geschult, es hat nur ganze sechs Wochen angehalten! Jetzt ist er bei einer neuen Diabetologin, die aber das selbe sagt wie unser Hausarzt: Sie können ihm nicht helfen, solange er so schlampig damit umgeht.

    Ich bin Krankenschwester, bin also nicht ganz ahnungslos die Materie betreffend. Ich habe immer den Gedanken, dass ihm eine Pumpe helfen könnte, das nimmt weniger Zeit in Anspruch!
    Wenn er in der Arbeit direkt nach dem Essen ausgerufen wird, das Telefon klingelt, ein Angestellter möchte etwas von ihm und drei Kunden warten, kann ich sogar nachvollziehen, das er nicht ans spritzen denkt! Mit einer Pumpe wäre das Problem gelöst, da er die auch im Laden, im Besprechungsraum und überall bedienen kann, und ja auch immer dabei hat! Oder sehe ich das ganz falsch? Ich muss gestehen, mit Pumpen hab ich kaum Erfahrung...

    Hausarzt und Diabetologin wehren sich aber gegen die Pumpe, hab aber langsam den Verdacht, dass das an den Kosten liegt????

    So kann es jedenfalls nicht weitergehen, wir haben einen zweijährigen Sohn und bekommen im Juli wieder Nachwuchs! Er muss das langsam echt wieder in den Griff kriegen! Wie kann ich ihm helfen, oder was können wir tun? Wie steht ihr zu der Idee mit der Pumpe?

    Bin für jede Anregung dankbar!

    LG, Andrea (die langsam nicht mehr weiter weiß)
  • Hans

    Rang: Gast
    am 09.05.2005 18:48:09
    Hallo Andrea,

    eine Pumpe ist bestimmt eine sehr gute Therapieform. Diese Therapie kostet viel Geld und sollte deshalb nur bei motivierten Betroffenen eingesetzt werden.

    Dein Mann ist, zumindest zur Zeit alles andere als motiviert. Für ihn scheint die Arbeit in der Führungsebene das wichtigste zu sein was es überhaupt gibt.

    Ein Wechsel zur Pumpe wäre bestimmt nicht die Lösung von seinen Problemen. Mit einer Pumpe musst Du häufiger messen als mit einer ICT Therapie und auch die notwendige Kontrolle ist aufwendiger.

    Das Problem deines Mannes ist die Wichtung seines Lebens. Er scheint dich und die Kinder nur ungenügend wahrzunehmen und zu wichten.

    Solange er so weitermacht wird die Biologie zurückschlagen und Folgeschäden manifest werden.

    Das einzige was hier helfen kann ist eine psychologische Therapie. Es gibt einige Diabetiker, die obwohl viel Wissen vorhanden ist ihrem Körper Schaden zufügen.

    Führungspersonen ohne Füße und täglich an der Dialyse hängend werden auch in toleranten Firmen nicht mehr geduldet.

    Mache dich nicht zur Co-Abhängigen, dein Mann muss entscheiden was er will, notfalls halt ohne Dich.


    Grüße von Hans

  • Anke S.

    Rang: Gast
    am 10.05.2005 12:16:39
    Hallo Andrea,

    schwierig ;-)
    Leute, die im Beruf engagiert sind, geraten mit ihren BZ-Werten nicht selten ins Hintertreffen und es ist wirklich nicht immer leicht, "bei der Stange zu bleiben". Was einen natürlich leider nicht von der Sorgfaltspflicht gegenüber dem eigenen Diabetes entbindet ;-) ....
    Eine Pumpe ist aber ganz sicher eine sehr gute Möglichkeit, sich das Diabetes-Management zu erleichtern. Nicht zuletzt, weil Mahlzeiten unter Pumpentherapie tatsächlich sehr unregelmäßig gelegt oder ausgelassen werden können, während man bei der ICT trotz aller relativen Freiheiten immer noch bestimmte zeitliche Höchstabstände zwischen den Injektionen einhalten muss.
    Wenn dein Mann es in der Vergangenheit geschafft hat, derart gute HbA1c-Werte zu erzielen, spricht das für ein fundiertes Wissen. Medizinisch spricht also sicher nichts gegen eine Pumpentherapie (im Gegenteil), wenn der Arzt ein entsprechendes Attest schreibt (notfalls den Diabetologen wechseln, falls er das nicht tut ...), sollte die Kasse die Kosten in aller Regel auch anstandslos übernehmen.

    Viel Erfolg und viele Grüße, Anke von Anke S.
  • Ronny

    Rang: Gast
    am 13.05.2005 08:54:02
    Ja ich denke Anke hat Recht und alles gesagt.
    Mit Pumpe würde sicherlich einiges leichter fallen. Er würde es sicherlich auch nicht so einfach vergessen. Essen und dann gleich einen Bolus per Tastendruck und alles ist Easy.
    Natürlich muss dein Mann aber an der persönlichen Einstellung arbeiten.
    Für einen Arbeitgeber bist du nur so lange interessant, wenn du 100% Leistung bringst und das geht nur mit einer guten BZ Einstellung auf Dauer gut, wie schon weiter oben beschrieben ist, ohne Beine, Augen, etc. wird dein Mann keine Arbeit mehr haben und somit auch zum Pflegefall. Vorallem muss er sich mal Klar machen das er ja auch Vater ist und ich denke eure Kinder brauchen ihn auch noch in 10 Jahren.
    BZ Messen muss man auch auf Arbeit, auf Verdacht spritzen !!!!! ISt nicht gut !
    Ronny
  • Daniela

    Rang: Gast
    am 27.05.2005 01:02:54
    Ja, die Pumpe ist eine Möglichkeit, Disziplin und Selbstverantwortung braucht es aber auch :-(
    Und genau daran hapert es momentan, ich denke er hat die Schnauze vom Diabetes vielleicht voll und will "normal" leben, das ist dann ein Verdrängungsmechanismus und muss durch Gespräche mit Betroffenen oder einem, am besten sich mit Diabetes auskennenden, Psychologen geschehen.

    von Daniela