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Diabetes und starker Alkoholkonsum
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Thomas
Rang: Gastam 31.12.2004 17:41:27
Mein Kolleg hat seit 1/2 Jahr Diabetes Typ 1 und muss spritzen. Früher gab es bei uns ein allsommerliches "Saufen und durch die Gassen Ziehen". Dabei ist sicher pro Kopf mehr als 1 Liter Sekt zusammengekommen. Wir haben ein wenig ales durcheinandergetrunken, hauptsächlich billigen Sekt aber auch noch Red Bull, Likör usw.
Nun da mein Kolleg Diabetiker ist, frage ich mich nun, ob ein solches "Saufgelage" wenn es nur 1 Mal pro Jahr oder noch seltener vorkommt irgendwie durchführbar ist, und worauf man achten sollte. Soviel ich bis jetzt weiss, wäre es wohl sehr wichtig, dass man viel Zucker zu sich nimmt, da man nicht weiss, wann die Unterzuckerung durch den Alkohol einsetzt. Also lieber zuviel Zucker als zu wenig, denn zuviel Zucker ist weniger gefährlich (zumindest über sehr kurze Zeit) als Unterzuckerung.
Hat jemand von euch Erfahrungen damit und kann wirklich aus Erfahrung und objektiv berichten, wie die Risiken sind. Ich möchte hier keine Grundsatzdiskussion, denn dies interessiert mich nun wirklich nicht. Es geht mir nur darum, aus medizinischer Sicht konkret zu hören, ob es irgendwie möglich wäre, solche Anlässe sehr selten einmal durchzuführen.
Vielen Dank von Thomas -
Lovely
Rang: Gastam 31.12.2004 18:06:28
Hallo Thomas.
Durchführbar ist das, aber nur mit Einhaltung von bestimmten Regeln.
Alkohol wirkt sich kaum auf den Zucker aus, wenn nicht mehr als 2 Gläser getrunken werden.
Anderthalb Flaschen Sekt (ca. 1 Liter) wirken sich sehr stark aus.
Wichtig ist, dass Dein Freund während des "Saufens" häufiger mißt, weil die blutzuckersenkende Wirkung schon beim längerwährenden Trinken einsetzt.
Ganz wichtig! Bei soviel Alkohol muß der Zucker beim Einschlafen sehr stark erhöht sein, damit man nicht nachts in den Unterzucker fällt. (Ich persönlich würde hier einen Wert von 250 oder 300 bevorzugen, weil ich weiß, dass ich sehr stark auf Alkohol reagiere, das muß aber jeder auch selbst austesten.)
Auch wichtig: Alkohol wirkt bis zu 12 Stunden nach! Also einen erhöhten Wert am Morgen nicht sofort korrigieren! Lieber für diesen einen Tag höhere Werte in Kauf nehmen.
Ebenfalls wichtig: Sollte Dein Freund in ein Koma durch Unterzucker fallen, dann hilft keine (!) Glucagon-Spritze (Hormon gegen Unterzucker), weil die Leber mit der Entgiftung beschäftigt ist und das Hormon ignoriert. In diesem Fall bitte unbedingt den Notarzt rufen und ihm mitteilen, dass Alkohol getrunken wurde. Er wird dann Glucose (Zuckerlösung) intravenös geben.
Likör ist für Diabetiker wegen des hohen Zuckergehaltes übrigens nicht zu empfehlen. Besser trockener Wein, Sekt, Bier. Du könntest jetzt sagen "ist doch gut gegen Unterzucker", aber das stimmt nicht ganz. Dieser "reine" Zucker bringt die Werte sehr schnell hoch, aber wenn der Zucker in der Nacht abfällt, dann ist vom Likör-Zucker nichts mehr da. Also besser vorm Schlafengehen noch eine Scheibe Brot essen, das hält länger vor.
Ich drück die Daumen, dass nichts passiert und Ihr Euren Spaß habt.
Gruß,
Lovely -
Thomas
Rang: Gastam 31.12.2004 22:45:36
Danke für die Antwort.
Gibt es einen Grund, vor dem Saufen nicht einfach einige Dextrogen oder Traubenzucker zu essen, so dass der Blutzucker deutlich erhöht ist und vor dem Schlafen gleich noch mal ne kräftige Portion Zucker dazu?
Ab wann wird zuviel Zucker gefährlich? Bzw. ist 1 Mal im Jahr einiges zuviel an Zucker im Blut sehr schädlich oder vernachlässigbar? von Thomas -
Christof
Rang: Gastam 01.01.2005 07:37:43
also so machs ich immer wenn ich mit freunden in die stadt gehe esse ich vorher etwas brot um eine grundlage zu schaffen
trinken tue ich so viel wie ich kann.
wichtig ist mann darf nichts zu süsses trinken wenn ich dann daheim bin gehe ich so mit 200 - 250 ins bett spritz mich vorsichtig dazu mit langzeit insulin und wache mit 110 auf im schnitt aber bei solchen fällen gilt lieber ein zu hoher blutzucker als ein zu niedriger das is wichtig von Christof -
ANONYM
Rang: Gastam 01.01.2005 10:39:38
Viel Spaß allerseits beim Saufen!
Polyneuropathie ist noch die harmloseste aller Folgeschäden ...ihr armen Wichte. von ANONYM -
Lovely
Rang: Gastam 01.01.2005 15:53:40
Hallo Thomas.
Vorweg: die Antwort von "Anonym" ist vernachlässigbar, denn man bekommt nicht gleich eine Polyneuropathie von einem Trinkgelage pro Jahr.
Zum Traubenzucker:
Ich bereits oben erwähnt, dass purer Zucker, also auch Traubenzucker, nicht lange anhält. Es bringt nichts, vor dem Trinken Traubenzucker zu essen. Die Folge wäre ein zu stark erhähter Zucker während des Trinkens (wo er am Anfang noch gar nicht benötigt wird) und trotzdem die Gefahr in der Nacht abzusinken, weil dann der Traubenzucker längst verbraucht ist.
Also besser: Während des Trinkens öfter messen und dann bei Bedarf mehr essen.
Und das wichtigste ist der höhere Wert beim Einschlafen! Das ist das A und O. Falls der Zucker "nur auf 160 oder 180 ist, darf man auch hier nicht einfach noch Traubenzucker nehmen, weil er zu "kurzlebig" ist, sondern man muß schon lanwirkende Kohlenhydrate, wie Brot, nehmen!
Gruß,
Lovely -
Lovely
Rang: Gastam 01.01.2005 16:02:55
Hallo Thomas.
Deine zweite Frage "Wann wird hoher Zucker gefährlich?" läßt sich leicht beantworten.
Sicher ist hoher Zucker niemals vorteilhaft, aber wenn der Zucker normalerweise gut eingestellt ist, dann ist eine Ausnahme von einem Tag im Jahr auch nicht gefährlich.
Ein Diabetiker hat niemals so gleichmäßig gute Werte wie ein Nicht-Diabetiker, man kann halt immer nur versuchen, der Ideallinie nahe zu kommen. Wenn man eine starke Unterzuckerung hat, kann es danach zu einer "Gegenregulation" kommen, d.h. der Zucker klettert, ohne dass man etwas dazu tut, auf 200 oder 300. Auch dieses Auf und Ab ist nicht vorteilhaft, aber es kann halt trotzdem passieren.
Wichtig ist, dass der Zucker normalerweise "ruhig" und "gleichmäßig" gut verläuft. Und wenn das der Fall ist, dann kann der Körper auch ohne Weiteres mal einen Ausrutscher verkraften.
Gruß,
Marion von Lovely -
Christian
Rang: Gastam 18.01.2005 19:35:32
Hallo ich dachte man sollte nach Alkoholgenuss, vor dem Schlafengehen kein Insulin spritzen? Man sollt dann noch was essen? von Christian -
Holger
Rang: Gastam 21.02.2005 16:58:54
Nicht dass ich stolz darauf bin, aber ich bin seit einigen Jahren sehr aktiv was Alkohol und Diabetes angeht.
Prinzipiell kann ich meinen Vorrednern zustimmen, eine Entgleisung pro Jahr ist sicher kein groesseres Problem.
Ich trinke ueblicherweise recht viel Alkohol abends, wobei cih z.B. Vodka mit etwas zuckerhaltigem mische (z.B. Lemon oder O-Saft), fuer die Zeit des Trinkens habe ich fuer mich damit einen konstanten Blutzucker.
Nachts sinkt er aber nochmals ab, sodass ich auch vor dem Schlafengehen langsamwirkende Kolenhydrate zu mir nehme, oder 2 Einheiten weniger spritze.
Ich wuerde die Reaktion des Koerpers einfach ausprocieren, trinken wie man will und alle 30 min Blutzucker messen, nach dem schlafengehen alle stunde.
Damit duerfte man sich selbst gut kennenlernen.
Gruss,
Holger -
Thomas
Rang: Gastam 21.02.2005 19:05:53
Mein Kolleg hat mir aber gesagt, dass man den Unterschied im Blutzuckerspiegel erst ungefähr 2 Stunden später messen kann. Es also nichts bringt, wenn man alle halbe Stunden misst. Ist das falsch? von Thomas