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Ich pack das nicht....
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Neko
Rang: Gastam 20.12.2004 00:17:37
Hallo alle zusammen,
mein Name ist Sonja und ich bin 23 Jahre alt. Vor ca. zwei Jahren bekam ich von meinem Hausarzt die Nachricht, dass ich Diabetikerin bin. Für mich war das ein totaler Schock. Bis heute kann ich diese Krankheit nicht akzeptieren. Meine Oma hat auch Diabetes Typ I. Sie war schon des öfteren deshalb im Krankenhaus. Sie lag auch deswegen schon im Koma. Auch im weiteren Freundes- und Verwandtenkreis sind einige Diabetiker dabei. Alle kommen mittlerweile klasse mit dieser Krankheit klar. Nur ich nicht. Ich glaube, ich kann es an einer Hand abzählen, wie oft ich in den letzten Monaten meinen BZ gemessen habe. Im Gegenteil sogar, ich habe mit Absicht darauf geschaut, dass mein BZ schön hoch ist. Dadurch habe ich ganze 20 Kg abgenommen. Als ich letztens beim Arzt war hat er mir fast den Kopf abgerissen. Mit Recht. Aber ich kann mich einfach nicht zusammen reissen. Wie habt ihr das alle geschafft das ihr damit so gut zurecht kommt? Über die ganzen Folgeschäden weiß ich bestens Bescheid. Kann einer von euch mir irgendwie helfen und mir vielleicht sagen, wie ich mich am besten selbst soweit bekomme das ich messe und spritze?
Liebe Grüße
Sonja von Neko -
Thayla
Rang: Gastam 20.12.2004 01:40:32
Hallo Sonja,
leider kann ich Dir keinen Rat dazu geben. Mir geht es nämlich ähnlich wie Dir. Bin 29 J. und seit 20 Jahren Typ 1 und kümmer mich auch gar nicht darum. Ich hab zwar immer mal wieder kurze Zeiten, in denen ich voller guter Vorsätze bin und mich richtig gut um den Zucker kümmer, aber diese "Anfälle" gehen dann auch immer sehr schnell wieder vorbei. :-( Mein Arzt wird noch wahnsinnig mit mir!
Falls Du irgendwann den Dreh rauskriegst kannst Du mir ja schreiben, wie Du es geschafft hast. Bin für jeden Tip dankbar!
Liebe Grüße
Sandra von Thayla -
Lovely
Rang: Gastam 20.12.2004 16:23:45
Hallo Ihr beiden, Sonja und Sandra.
Ich bin 35 Jahre alt und habe seit 32 Jahren Typ 1. In jungen Jahre habe ich ähnlich gedacht wie Ihr, darum weiß ich genau, das es nicht einfach ist umzudenken. Wobei es damals aber auch definitiv nicht so leicht war, wie heute.
Ein Patentrezept kann ich Euch nicht geben. Ich kann nur ein bisschen von mir erzählen und hoffen, dass es Euch den einen oder anderen Impuls gibt, etwas zu verbessern.
Heute habe ich den Diabetes so sehr akzeptiert und in mein Leben eingeschlossen, dass ich mir kaum noch vorstellen könnte, nicht mehr spritzen zu müssen...es würde mir etwas fehlen. Es gehört einfach zu mir, wie meine Nase und meine Hände. Ich achte darauf, dass alles besonders einfach ist und mir die "Anforderungen des Zuckers" keine Unannehmlichkeiten bereiten. So habe ich z.B. meine Testgeräte und Pens verteilt (Esstisch, Auto, Schreibtisch), sodass ich nicht immer laufen muss, sondern direkt an Ort und Stelle messen und spritzen kann.
Ebenso einfach mache ich mir das Abschätzen der Broteinheiten. Ich rechne in KE und nicht in BE, weil ich dann die Menge der Kohlenhydrate nur simpel im Kopf durch 10 teilen muss. Die meisten Lebensmittel kann ich aber so abschätzen, weil ich es gut trainiert habe - nur ab und zu frische ich das mal auf.
Ich verkneife mir keine Süßigkeiten, denn das könnte ich nicht. Ich esse das Zeug einfach zu gerne. Allerdings halte ich hier auch ein paar simple Tricks ein. 1.) Meine Figur darf nicht ruiniert werden :-) Also alles in Maßen. 2.) Keine Hemmungen, auch ein zweites oder drittes mal zu spritzen, wenn es dann doch mehr Süßigkeiten geworden sind. Auch wenn es jedesmal nur eine Einheit ist, die ich je Riegel Schokolade spritze, das muss halt sein! 3.) Süßigkeiten, insbesondere purer Zucker wie Gummibärchen, am besten (und am liebsten) nach dem Mittagessen, weil dann der Zuckeranstieg nicht so schnell ist (durch Ballaststoffe und Fett).
Ich verkneife mir keinen Alkohol, wobei ich seltenst mehr als 2 Gläser trinke. Das ist ok und gut mit dem Zucker vereinbar. Aber selbst eine lange Mega-Party mit mehr Alkohol läßt sich problemlos meistern.
Ich galube das A und O ist, dass man sich selbst so akzeptiert, wie man ist. Wenn klar ist, dass es eine der normalsten Sachen der Welt ist, dass man eben vor dem Essen mißt und spritzt, dann ist es auch keine Beeinträchtigung und auch nicht lästig.
Dann könnte ich noch als Tipp geben: Schaut da hin, wo Ihr Euch am meisten beeinträchtigt fühlt. Was ist für Euch das schlimmste am ganzen Zucker? Und da kann man dann ansetzen, etwas zu verändern und zu verbessern. Denn wenn man mal die Blockaden im Kopf außer Acht läßt, dann kann man doch sagen, dass der Diabetes nicht sonderlich einschränkt! Wo genau, bei welchen Dingen, in welchen Situationen liegt euer Problem?
Ich gebe auch immer wieder gerne das Beispiel meines Cousins, der aufgrund einer leichten Behinderung in der Schule nicht gut war und von den Mitschülern gehänselt wurde. Der sagte mal: "Ach hätte ich doch auch nur einfach Diabetes..."
Gruß,
Lovely
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Anke
Rang: Gastam 20.12.2004 18:44:30
Hallo Sonja !
Nur nicht verzweifeln ... ! Du stehst damit nicht alleine da.
Allerdings habe ich so das Gefühl, dass du den einzig entscheidenden Schritt in Richtung guter Diabetestführung bereits gemacht hast: wenn ich das richtig interpretiere, MÖCHTEST du dich dorthin bringen, wo die Leute regelmässig messen und angepasst spritzen ...?! Das ist doch wunderbar :-). Das ist der wichtigste Schritt. Jetzt bleibt also nur noch zu klären: WIE du dorthin kommst.
Jetzt würde mich zuerst einmal interessieren: sicherlich weisst du, was du mit Diabetes alles nicht darfst. Aber weisst du auch, was du alles darfst ? Mit ganz wenigen Ausnahmen: alles. Denn beim Diabetes geht es heute eigentlich nicht mehr um das OB, sondern nur noch um das WIE - wie schaffe ich es, die Pommes mit guten Werten zu meistern, wie schaffe ich es, am Marathon ohne BZ-Entgleisung mit zu machen und wie schaffe ich es, im ganz normalen Alltag meine ganz normalen Hobbys zu erleben, ohne dass die Werte in die Hose gehen und mir die Stimmung samt gesunden Zukunftsaussichten vermiesen.
Wär´es nicht eine Option für dich, gleich heute noch einen Plan aufzustellen:
Was möchte ich morgen gern machen ?
Und dann zu überlegen: wie könnte ich das mit guten Werten hinbekommen ?
Wichtig ist ein Arzt, der dir nicht den Kopf abreisst, wenn´s weder mit BZ noch mit der Motivation klappt. Gute Dottores wissen, dass es in jedem (!) Diabetiker-Leben Zeiten schlechter und guter Diabetes-Führung gibt und akzeptieren das als Tatsache. Was nicht heissen soll, dass sie nicht zur guten Führung motivieren sollten ;-)
Ich finde es etwas heikel, nach sehr langen Zeiten hoher Werte alleine den niedrigen Goldstandard anzustreben. Wenn du dich jetzt zu Feuereifer anregen lässt und Insulin noch und nöcher spritzt, droht dir immerhin die Gefahr, dass du in den nächsten Unterzucker saust und auch damit nicht glücklich wirst. Wäre ein gutes Diabeteszentrum eine Anlaufstelle ...? Ohne dass dich das Grausen packt ?
So schrecklich viel anderes kann man dir guten Gewissens nämlich nicht vorschlagen. Aber wenn du konkrete Fragen hast, maile gern auch an o.g. eMail-Adresse, ich bin nicht regelmässig im Forum. Obwohl ich finde, jeder unglückliche Diabetiker ist einer zu viel ... !
Also, schön dass du den ersten Schritt gemacht hast !
Trau dich an den zweiten ran - dass es sich lohnt, wirst du hinterher erleichtert sagen können.
Viele Grüsse und alles Gute !
Anke
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Lovely
Rang: Gastam 20.12.2004 23:13:14
Hallo Anke.
Das ist ein tolles Posting, das Du da angepinnt hast!!! Es macht Mut.
Danke!
Gruß,
Lovely -
klausdn
Rang: Gastam 21.12.2004 13:46:22
hallo loveley hallo anke,
ihr beide habt mut gemacht. ganz prima.
jetzt kommt fuer die beiden jungen da oben noch ein kleiner anschub:
ich bin ueber 60 spritze seit 8 monaten, habe meine werte im griff, wollt ihr beiden jungen euch von sonem alten was vormachen lassen???
der spruch ist geklaut!!
"nicht ich muss mit dm leben, der dm muss mit mir leben"
schoene weihnachten fuer alle mfg klaus von klausdn -
Sara
Rang: Gastam 24.12.2004 13:24:25
Hallo Klaus, Anke, Lovely,
super Postings!
@Anke: ich hoffe, es geht Dir gut und das Du Dich gut in der neuen Wohnung eingelebt hast!
Ich bin auch nicht regelmäßig hier im Forum, aber es tut immer wieder gut, von Zeit zu Zeit solche Postings zu lesen und sich danach einfach besser zu fühlen.
Und Euch anderen beiden kann ich nur sagen: tut es nicht für Euren Arzt, sondern für Euch! Es ist wirklich nicht schwer und ich kann mir das auch nicht mehr ohne messen und spritzen vorstellen.
Viele liebe Grüsse
Euch allen,
ein frohes Fest und alles Gute im Neuen Jahr!
Sara
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Anke
Rang: Gastam 25.12.2004 14:05:47
Hi Sara !
Schön von dir zu hören ! Und ja: ich habe mich inzwischen wirklich gut eingelebt ... dabei habe ich inzwischen (nicht nur im echten Leben sondern) auch eine virtuelle neue Adresse, da ich den Internet-Anbieter gewechselt habe. Leider sind mir dabei bei AOL gespeicherte eMail-Adressen abhanden gekommen :-(( und ich konnte mich bei mehreren Leuten seitdem nicht mehr melden.. Mail mir, wenn du Zeit und Lust hast, doch einmal an anke.schweitzer@gmx.net. Ich würde gerne hören, wie´s dir geht :-)))
Viele Grüsse, alle guten Wünsche für die Feiertage und ein glückliches neues Jahr !
Anke -
Daniela
Rang: Gastam 29.12.2004 15:29:39
Hallo Sonja,
ja, ich kann es sehr gut nachvollziehen. Mir ging es ähnlich mit der Diagnose. Du wirst sowieso dort hinkommen wenn die Ketonkörper in Deinem Blut zu hoch werden, Du wirst dann nicht mehr laufen können, an Krämpfen leiden, Sehstörungen haben und dann wirst Du es einfach tun, so als wäre es völlig normal, denn es hilft Dir zu gehen, auf den Beinen zu bleiben, denn es hilft Dir zu sehen und zu denken.
Wenn Du garnicht erst dort hin möchtest, nicht völlig erschöpft und mit hölzernen Beinen, schwindelig im Kopf und wie stoned durch die Gegend schwankend willst, dann geh jetzt schon zum Arzt. Kopf in den Sand stecken hilft nichts, denn die Therapie kann doch so heilsam und einfach sein...
Kopf hoch, Augen geradeaus!
Stolziere in die Praxis eines Facharztes und nimm die Therapie dankend entgegen, bemitleiden kannst Du Dich (solltest Du auch tun) nachdem Du die erste Injektion Insulin bekommen hast, denn es gibt keinen Grund vor der Spritze Angst zu haben, aber vor den Folgeerkrankungen musst Du Dich sorgen.
Alles, alles Gute und Liebe, Daniela -
esther
Rang: Gastam 07.01.2005 21:56:21
Hi Anke!
Finde ich auch. Gutes posting!
Soll Dir Grüße von Schwester Esther ausrichten.