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  • Philipp

    Rang: Gast
    am 10.02.2003 16:38:28
    Hallo liebe Diabetiker (und solche die es werden wollen ;)

    Ich habe seit 16 Jahren TypI Diabetes (bin selbst 22) und komme bestens klar. Spätnachmittags eine dicke Dosis Lantus, das langt als Basal locker für den ganzen Tag (hat ja +/- 24 Stunden Wirkzeit), obwohl ich leider zu denjenigen Menschen gehöre, bei denen das Lantus nach ca. 6 Stunden eine stark BZ-senkende Wirkung hat. Ansonsten spritze ich halt Humalog dazu wenn ich was esse. Meine HBA1c Werte liegen zwischen 6.8 und 7.5%, und das seit länger als 5 Jahren schon. "Spätfolgen" gibt es bei mir zum Glück noch nicht und ich rechne auch nicht damit, dass mir in naher Zukunft die Beine abfallen und ich erblinde. Btw. rauche ich seit gut 6 Jahren (OH GOTT, EIN DIABETIKER DER RAUCHT) ca. 3-8 Zigaretten am Tag ("lights").

    Da finde ich es doch gleich mal richtig SCH*** wenn man ständig in Foren, TV und diversen Zeitschriften wie "Diabetes aktuell" lesen/hören muss, wie ACH SO SCHLIMM die Neben- und Spätwirkungen von Diabetes sind, sollte man nur einmal nicht aufpassen! Da ist die Rede von Amputationen, Nekropathien und Augenschädigungen usw... wenn man mal nen hohen BZ hat! WAS GEHT?!
    Sicher ist es sinnvoll, uns Diabetiker auf Spätfolgen hinzuweisen, aber muss da gleich so eine Panikmache draus werden, wie es - insbesondere in Diabetes aktuell - der Fall ist?!

    Diabetikerinnen und Diabetiker - schaut nach vorne! Und das bitte ohne Angstschweiss, weil ihr irgendwo gelesen habt, dass soundsoviel Prozent der Typ I Diabetiker bei unsachgemässen BZ und HBA1c Werten die Beine abgesägt werden!

    Erstens braucht sich kaum jemand Sorgen zu machen, der einigermaßen gut (6.5-8% HBA) eingestellt ist, dass er morgen blind wird und
    zweitens kann man davon ausgehen, dass in spätestens 6 Jahren der Diabetes zumindest in den westlichen Industrienationen größtenteils besiegt worden ist! Ich sage nur Insulin zum Inhalieren, Fischzellen, Lebern die als Pankreas fungieren usw... die Möglichkeiten sind da, nur noch nicht ausgereift - aber das kommt! Nur abwarten und solange weiter mit dem Diabetes leben (der ja wohl nun wirklich im Vergleich zu anderen Krankheiten nicht sonderlich schlimm ist, wie z.B. Krebs, HIV usw...)!

    Ich für meinen Teil habe keine Lust mehr auf regelmässige Depressionen, nachdem ich einen Blick in solche Zeitschriften geworfen habe!

    Wie geht es euch denn da?? von Philipp
  • Andreas

    Rang: Gast
    am 10.02.2003 18:24:11
    Hallo Philipp!

    Du besitzt eine große Portion Selbstbewußtsein und das ist auch gut so. Dm sollte nicht zum Mittelpunkt des Lebens werden.

    Man muß jedoch auch respektieren, daß andere Menschen eine andere Einstellung dazu haben. Es gibt immerhin die Folgeerkrankungen und im Gegensatz zu dir, sind andere Diabetiker davon betroffen. Auch viele, die sich immer ordentlich um ihren Dm gekümmert haben!Es wäre also falsch, allein auf das Glück zu hoffen.

    Ein verantwortungsbewußter Umgang mit Dm muß dagegen nicht bedeuten, daß man eine introvertierte und depressive Persönlichliet entwickelt. Vielleicht spielt hier auch die Frage des Alters eine wesentliche Rolle. Die Akzeptanz oder Ablehnung von Werten ist im Alter von 20 Jahren sicherlich eine andere, als im Alter von 40 Jahren bzw. sind bei jüngeren Menschen Zukunftsängste wahrscheinlich geringer als bei älteren.

    Hoffnung besteht sicherlich in der Zukunft. Ob diese Hoffnung jedoch mit Heilung gleichzusetzen ist, bleibt vorerst fraglich.

    Übrigens ist das Ziel einer guten Einstellung ein HbA1c-Wert unter 6,5 %. Für 8 % bist du noch viel zu jung.

    Herzliche Grüße
    Andreas
  • Philipp

    Rang: Gast
    am 10.02.2003 20:05:49
    Hi Andreas,

    hast schon recht: 8% ist zu viel!

    Und da habe ich gleich ne gute Nachricht: war gerade bei meinem Diabetologen (3-Monats-Obligatorische-Untersuchung) und habe nen HBA1c von 6.4% - und so wirds auch bleiben (meine Lantus-Dosis stimmt jetzt endlich). Doch das nur nebenbei.

    Ist mir schon klar, dass viele Diabetiker ne ganz andere Einstellung zu der "Krankheit" haben... ist sicher auch so, dass viele schon die Spätfolgen zu spüren bekommen haben - das tut mir auch sehr leid und falls in so jemanden verletzt haben sollte entschuldige ich mich dafür.

    ABER: das legitimiert meiner Meinung nach noch LANGE nicht die ständigen "Hinweise" in diversen Medien auf eben diese Spätfolgen, bzw. die Dramatisierung derselben und die damit verbundene Schürung aller möglichen Ängste und Sorgen bei uns!

    Ich will nur sagen: Diabetiker sollten NATÜRLICH von ihren Ärzten (!) auf die Risiken und möglichen (!) Spätfolgen hingewiesen werden, und das nicht zu knapp - aber das genügt meiner Meinung auch! Warum sollte ich - als gesunder Mensch - ständig in Diabetes-Zeitschriften lesen, wie SCHLIMM und zermürbend der Diabetes ist?!?!?! Das sehe ich nunmal nicht ein!

    Wieso wird man denn NIRGENDS auf die Vorteile des Diabetes hingewiesen!?! Als da wären:

    1. und wichtigster Punkt:
    Schwerbehindertenausweis (50 % kriegt man auf jeden Fall als Typ Ier)

    2. der damit verbundene Steuerfreibetrag von ca. 600 EUR pro Jahr!

    3. 5 Tage BEZAHLTEN Urlaub mehr im Jahr weil man ja schwerbehindert ist! (ist mir immerwieder eine Freude, das auszunutzen ;)

    4. Dadurch ermässigter Eintritt in jede Menge Messen, Schwimmbäder, Freizeitparks, usw... (meist um die 50%)

    5. nimmt man als TypI Diabetiker weniger häufig zu, da man ja seinen Brennstoffhaushalt etwas besser im Griff hat als so manch anderer!

    6. Als H-Junkie hat man immer ne Ausrede, weshalb man ne Spritze dabei hat ;)) (das war ein Witz)

    Naja ich schätze Du weißt worauf ich hinaus will - Diabetes ist nunmal nicht NUR scheiße, sondern eigentlich, wenn man ihn einigermaßen im Griff hat, ganz nützlich! ;)

    Ich habe für meinen Teil zumindest gelernt, damit umzugehen und alle Vorteile, die diese "Schwerbehinderung" mit sich bringt, voll und ganz auszuschöpfen. von Philipp
  • Thomas

    Rang: Gast
    am 10.02.2003 23:22:12
    Hallo Philip
    Ich finde es ja soweit in Ordnung wenn du der meinung bist das mann dadurch auch Vorteile hat und deine Einstellung finde ich für dein Alter ok.
    Aber es sind mit Sicherheit gibt es Leute dabei die nur Nachteile mit sich Ziehen.
    Schwerbehinderung 50% ich Persöhnlich kämpfe schon ein Jahr damit und es wird immer Abgelehnt . Bei guter Einstellung sagt mann 40% und ich selbst trage noch andere Leiden mit mir herrum die ich garnicht aufzählen möchte.
    Dann der Job
    Dachdecker ist nicht mehr was nun das Passiert zum Beispiel wenn mann den Diabetes mit 37 Jahren bekommt,und halt immer auf dächern geklettert ist.

    PS. aber mach weiter so
    Thomas
  • Thomas

    Rang: Gast
    am 10.02.2003 23:22:12
    Hallo Philip
    Ich finde es ja soweit in Ordnung wenn du der meinung bist das mann dadurch auch Vorteile hat und deine Einstellung finde ich für dein Alter ok.
    Aber es sind mit Sicherheit gibt es Leute dabei die nur Nachteile mit sich Ziehen.
    Schwerbehinderung 50% ich Persöhnlich kämpfe schon ein Jahr damit und es wird immer Abgelehnt . Bei guter Einstellung sagt mann 40% und ich selbst trage noch andere Leiden mit mir herrum die ich garnicht aufzählen möchte.
    Dann der Job
    Dachdecker ist nicht mehr was nun das Passiert zum Beispiel wenn mann den Diabetes mit 37 Jahren bekommt,und halt immer auf dächern geklettert ist.

    PS. aber mach weiter so
    Thomas
  • Gero

    Rang: Gast
    am 11.02.2003 09:33:13
    Ganz so sorglos würde ich die Sache
    nicht sehen - ein HbA1c über 6.5
    ist auf jeden Fall auf Dauer zu hoch.

    Ich kenne allein drei DiabetikerInnen
    um die 30, die schon blind sind, weil
    sie den Diabetes nicht ernst genommen
    haben. von Gero
  • Anonym

    Rang: Gast
    am 11.02.2003 11:36:17
    Hallo!

    Ich bin ganz Deiner Meinung. Aber ich hab auch eine Frage.
    Was für ein Insulin ist eingendlich Lantus.???????
    Würde mich mal intressieren.
    Danke für die Antwort.
  • Tschik

    Rang: Gast
    am 11.02.2003 12:43:52
    Hallo Andreas,

    ich bin grundsätzlich auch Deiner Meinung, dass da jeder anders mit DM umgeht und umgehen soll und muss, doch ich muss Phillip teilweise recht geben.

    Als ich vor 5 Wochen (als 37-jähriger) DM Typ I an den Kopf geworfen bekam, hatte ich keinen Schimmer was das ist. In den Schulungen, die ich im KH genießen durfte war aber schon am 3.Tag das Thema "diabetiche Folgeschäden" volle Kanne auf dem Tablett. In aller epischen Breite und oft von Ärzten dargebracht die einem dann so richtig Mut machen mit einigen Fachausdrücken. Da kommt die volle Breitseite des diabetischen Fußes, Augen, Nieren, Zähne, Gefäße allgemein und...und...und.

    Nach meiner Entlassung habe ich dann erst einmal im Internet mit dem Thema befasst und...mal ehrlich...die allgmeinen Seiten bringe kurz eine Erklärung was DM ist und dann ab in die Erklärung was DM alles so machen kann...Das baut einen recht auf.

    Auch in Zeitschriften und sonstigen Abhandlungen gehts manchmal nur um die Folgeschäden, selten um richtige Einstellung und den Umgang mit DM...

    Mit kommt das manchmal so vor, als seinen die meistetn Publikationen für Typ II ler, da die oftmals wohl nicht richtig den Ernst der Lage erkennen...oder täusch ich mich da. In meinen Schulungen waren teilweise TYP II ler, die haben über die Vorträge oft nur gelacht...und freimütig über NüchternBZs von regelmäßig 225 geredet...vor allem nach dem 7ten Bier...

    von Tschik
  • Philipp

    Rang: Gast
    am 11.02.2003 13:16:11
    Hallo Thomas,

    tut mir leid dass Dich der DM1 zu so einem ungünstigen Zeitpunkt erwischt hat... ist aber auch ziemlich selten, dass jemand mit 37 Jahren noch an einem Typ1 erkrankt soweit ich weiß.
    Also ich für meinen Teil denke es ist nur legitim, wenn man eine Entschädigung vom Staat bekommt - wofür sonst zahle ich die ganzen Steuern? An Deiner Stelle würde ich einfach garnicht locker lassen bis ich mindestens die 50% oder eine Gleichstellung erreicht habe!

    Zum LANTUS Insulin:

    =======================
    Das neue 24-Stunden Insulin

    Derzeit oft ein Gesprächsthema: das Basalinsulin mit dem Namen "Lantus" von Aventis Pharma. Wir hatten in der Diabetes Welt vor einem Jahr bereits angekündigt, das Aventis (damals hieß die Firma noch Hoechst) an einem 24-Stunden-Insulin forscht. Und nun ist es seit Sommer diesen Jahres (2000) auf dem Markt.

    Und was ist so neu an diesem Insulin, "Insulin glargin" genannt?
    Die Antwort: seine 24-Stunden Wirkung! Eine biotechnologische Veränderung in der Struktur ermöglicht dies.

    Was wurde verändert?
    Humaninsulin besteht aus 51 Eiweißbausteinen, den sogenannten Aminosäuren. Beim Lantus Insulin wurde ein Eiweißbaustein ausgetauscht und zwei zusätzliche angefügt. Dieser geringe Unterschied in der Struktur ermöglicht eine gleichmäßige Wirkung über 24 Stunden.

    Wie funktioniert das?
    Das injizierte Insulin lagert sich im Unterhautfettgewebe zu kleinen Gruppen an. Zuerst zu 2er und dann zu 6er Gruppen. So entsteht eine Vielzahl kleiner Insulindepots. Aus diesen Depots lösen sich die einzelnen Moleküle dann wieder langsam und gleichmäßig heraus und wandern verzögert (als sogenannte Monomere) in die Blutbahn. Dank dieser Verzögerung wird eine hohe Insulinkonzentration im Blut verhindert und der Körper erhält über 24 Stunden eine gleichmäßige Versorgung.

    Was ist der Vorteil hieran?
    Andere Basalinsuline (die sogenannten NPH-Insuline) haben meist ein Wirkumsmaximum von ca. 4-7 Stunden und eine Gesamtwirkdauer von 12 Stunden. Lantus hingegen besitzt kein zeitlich ausgeprägtes Wirkungsmaximum sondern ein konstant flaches Wirkprofil von 24 Stunden. So können unter Umständen besser nächtliche Hypoglykämien (Unterzuckerungen) verhindert werden und ein möglichst normnaher Insulinspiegel (ähnlich dem eines Nichtdiabetikers, ohne starke Schwankungen) erreicht werden. Insulin glargin wird übrigens nur 1x am Tag vor dem Schlafengehen injiziert.

    Ist Lantus für jeden geeignet?
    Generell kann es in jedem Behandlungsschema eingesetzt werden. Dies sollte jedoch individuell der behandelnde Arzt entscheiden.

    =======================

    Also ich benutze seit 2 Jahren Lantus (habe es kurz nach der Einführung bekommen) und bin SEHR zufrieden! Ist einfach klasse, wenn man sich im Prinzip nur noch ein Mal täglich (!) spritzen muss - und ansonsten eben nur wenn man auch tatsächlich was isst! Allerdings dauert es eine Weile bis sich der Körper an das Insulin gewöhnt hat, bzw. bis Deine ICT darauf eingestellt ist.

    Ich kann es nur empfehlen!!

    => Das Lantus ist btw. auch eine gute Möglichkeit, (neben der Pumpe) Spätschäden zu vermeiden, da es konstant den BZ in Balance hält. von Philipp
  • Andreas

    Rang: Gast
    am 11.02.2003 14:33:00
    Hallo Tschik!

    Ich möchte hier jetzt keine statistischen Daten aufzählen, aber wir haben nun mal die entsprechende Quote der Folgeerkrankungen, sowohl bei Typ 1 als auch bei Typ 2.

    Typ 1-Patienten haben zwar den Vorteil, daß ihre Erkrankung möglicherweise nicht jahrzehntelang unerkannt bleibt, aber da sie überwiegend im jugendlichen Alter erkranken, spielt die Krankheitsdauer eine entscheidende Rolle.

    Bei Typ2-Patienten kommt hinzu, daß hier überwiegend mit oralen AntiDiabetika keine zufiredenstellende Einstellung erfolgen kann. Das sind dann eben diese Nüchternwerte von 220 und 2 Std. pp von 280, die zu einem HbA1c-Wert von 8,5 führen, den der behandelnde Allgemeinmediziner dann als zufriedenstellend bezeichnet. Einerseits wegen des höheren Alters des Patienten und andererseits, weil ihm die nötige Erfahrung fehlt.

    Hoher Blutzucker verursacht keine Schmerzen und vielfach keine Symptome. Deswegen ist es manchmal notwendig, Patienten mit den Grausamkeiten der Folgen zu konfrontieren. Die Interpretation solcher "therapeutischer Maßnahmen" bleibt natürlich jedem selbst überlassen, denn jeder ist für sich selbst vernantwortlich. Es wäre jedoch schlimm, wenn ein Patient sagen müßte: "Ach hätte man mir das doch vorher mal gesagt, dann wäre es nicht so weit gekommen."

    Jeder muß sich mit seiner Krankheit auseinandersetzen und einen für sich akzeptablem Weg finden, damit umzugehen.

    Herzliche Grüße
    Andreas