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merkwüdige schulungstipps?
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Marie
Rang: Gastam 30.07.2009 18:09:51
hallo,
ich habe nun auch an 3 gruppenschulungen teilgenomen und bin etwas verwirrt über einige empfehlungen. wäre nett wenn ihr mir dazu eure meinung sagt.
1) ein bultzucker von 170 ist vor dem schlafen gehen ok. meiner liegt immer bei 90 und das sei zu niedrig.
2) es ist ok, sich vor dem sport oder einem rockkonzert einen wert von 350 anzufressen um das risiko einer unterzuckerung zu hemmen.
3) man darf alles essen was man will auch soviel süßes wie man will, hauptsache man deckt es ab
4) es ist nicht schlimm wenn man öfter über die 200-er grenze gelangt.
5) zu 4. das schädigt die nieren nicht, man muss nur häufiger zur toilette.
mmh, das ist kein schlechter scherz. ich bin eher so eingestimmt: umso näher an der 80 umso besser, egal wann und möglichst 2 studen nach dem essen. bei werte >200 würde ich eher panik bekommen! ist mir aber auch noch nicht passiert.
viele grüße
marie von Marie -
g
Rang: Gastam 30.07.2009 18:45:30
1) Find ich massiv zu hoch. Ich schau, dass mein Wert über 5 liegt. Aber grad das Doppelte ... halte ich für total falsch.
2) Autsch. Mein Wert war nicht viel höher, als ich beinahe zusammengebrochen bin. Niemals im Leben würd ich mir sowas anfressen wollen. Wenn man merkt, dass der Zucker sinkt (wobei ich nicht weiss, warum man beim Rockkonzert einen derart hohen Zuckerbedarf haben sollte), kann man sich immer noch mit Zucker versorgen.
3) Nicht falsch. Jedenfalls bei Typ 1. Wobei natürlich eine sinnvolle, gesunde Ernährung das Ziel und die Regel sein sollte.
4) Nach dem Essen kann mein Wert durchaus so hoch sein. Nicht immer, aber je nachdem halt schon. Auch, wenn ich mal Bier trink. Aber das ist dann nur für kurze Zeit. Und wäre zu vermeiden.
5) Weiss ich nicht, möchts aber nicht riskieren. -
Jürgen
Rang: Gastam 30.07.2009 21:35:24
Moin Marie,
bei den 2 Malen, die ich in meinen um die 10 Jahren als INSULINER gegen 1 Uhr vom Notarzt geweckt worden bin, hätte auch 170 als Ausgang keinen Unterschied gemacht, wie die Glukosemenge belegt hat, die jeweils notwendig war, mich nach der ersten Infusion nicht gleich wieder in der nächsten Hypo versinken zu lassen. Da hat mein vor dem Schlafengehen gespritztes Basal-Insulin gewirkt wie schnelles Analog-Insulin. Mein Fazit daraus: Ich spritze größere Mengen Insulin nur noch mehrere Stunden vor dem Schlafengehen, denn zum Glück bekomme ich in wachem Zustand das Absinken des BZ in Richtung Hypo rechtzeitig (sonst müsste ich regelmäßig ne Stunde nach dem Spritzen messen) mit und kann weiteres Sinken mit Trinken und Essen stoppen.
Wenn unsere Ärzte/Berater erwarten, dass wir optimal mit 80-90 morgens aufwachen, scheint mir nur logisch, wenn wir auch mit 80-90 schlafen gehen.
Wenn ein Bekannter nach dem Frühstück über 200 misst, hat er nicht gespritzt und die Morgenzeitung vor dem Hundegang gelesen. Dann legt er die weg und geht seine üblichen 20 Minuten mit dem Hund. BZ danach um 80, nach nicht einmal einer halben Stunde und keiner besonderen sportlichen Belastung. Er verstärkt mit seinem Hundegang schlicht die Wirkung seines körpereigenen Insulinrestes. Wo würde er landen, wenn er welches spritzen würde? Klar, in ner Hypo. Wenn er übrigens die selbe Hunderunde nachmittags bei einem BZ um 100 ohne Essen und Spritzen macht, kommt er daraus mit 150-180 wieder. Woher er das weiß? Wenn er nicht mit dem Hund geht, braucht er für sein normales Frühstück 8 IE schnelles Analog-Insulin, und zwar 30 Minuten vor dem Essen gespritzt, damit sein BZ 2-3 Stunden nach dem Essen wieder unter 100 ist. Und am Nachmittag braucht er etwas Insulin zur basalen Versorgung, wenn er mit dem Hund geht, sonst nicht. Er hat alles ausprobiert und super aufgeschrieben. Und das eigene systematische Ausprobieren ist tatsächlich der einzige Weg, zum eigenen brauchbaren Ergebnis zu kommen.
Wenn 200 und mehr keine Schäden verursachen würden, gäbe es keinen Grund für die Entwicklung der Medis, die aktuell in der klinischen Erprobung sind und die Nierenschwelle von 160-180 deutlich, also wahrscheinlich etwa auf 120-140, absenken sollen.
BEs soviel man will, sagen viele Berater und Ärzte, Hauptsache, man spritzt sie ab. Tatsächlich wird da nicht ab-, sondern angespritzt, denn alle Energie, die wie in der Form von KHs zu uns nehmen und nicht direkt verbrauchen, wird mit Hilfe von Insulin in Fett umgewandelt - Stichwort Triglyzeride - und in die Schwimmpölsterchen eingelagert.
Was Du da aus den Schulungen berichtest, entspricht allerdings den DDG-zertifizierten Richtlinien :-(
Zusammengefasst: ich kenne keinen Grund, warum zu irgendeiner Tageszeit oder aus irgendeinem Anlass der BZ außerhalb meiner Gebetsmühle von max 140-120-100 mg/dl 1-2-3 Stunden nach jedem Input liegen sollte. Klar produziere auch ich immer wieder mal einen Ausreißer ;-)
Bisdann, Jürgen -
°°°
Rang: Gastam 30.07.2009 23:24:33
@jürgen: "BEs soviel man will, sagen viele Berater und Ärzte, Hauptsache, man spritzt sie ab. Tatsächlich wird da nicht ab-, sondern angespritzt, denn alle Energie, die wie in der Form von KHs zu uns nehmen und nicht direkt verbrauchen, wird mit Hilfe von Insulin in Fett umgewandelt" das ist sicher richtig, war aber nicht gefragt/gesagt, sondern: "man darf alles essen was man will auch soviel süßes wie man will, hauptsache man deckt es ab" und auch das ist richtig, wenn man die gesamtkalorienmenge beachtet, die der körper braucht ohne zuzunehmen +nicht zusätzlich. also damit kein merkwürdiger schulungstipp!
von °°° -
take-it-ISI
Rang: Gastam 30.07.2009 23:33:31
Hallo,
Ich bin entsetzt über die Schulungserfahrungen, denn ich habe selber Diabetes und schule in einer Praxis. Ich gehe davon aus, dass Du Typ 1 bist.
Mein Kommentar:
Es gibt Leitlinien der DDG zur Behandlung, die diese Schulungstipps nicht abdecken. Leider gibt es aber überall noch Schulungskräfte, die auf dem Niveau von vor Jahren schulen und deren Ausbildung auch schon lange zurück liegt.
Einige Anmerkungen zu :
1) BZ vor dem Schlafengehen: Ausgangswert sollte 120 (manche Empfehlungen gehen bis zu max 150) sein, denn der Bedarf an Insulin ist zwischen 24 Uhr und 2 Uhr sehr gering und man sollte ein Polster haben, wenn das Basalinsulin anfängt zu wirken. Bz von 80 halte ich für problematisch.
2) BZ von 350 vor Sport oder ähnlichen starken körperlichen Belastungen ist absolut nicht zu empfehlen. Marathonläufer, die Typ 1 Diabetes haben gehen nicht einmal bis zu einem BZ von 300, die Empfehlungen richten sich nach der Anstrengung und liegen zwischen 180 und 250 mg/dl.
3) Man kann alles essen, wenn man es abdeckt, ob dies aber sinnvoll für die Gesundheit langfristig ist, bleibt zu bezweifeln. In Ausnahmen ja, aber nicht täglich!
4) Gerade die Niere reagiert äußerst beleidigt (!) auf postprandiale Anstiege und diese sollten nach Möglichkeit die 140 nicht übersteigen, as nicht heißt, dass dies ab und zu mal passiert, wenn man ein Essen nicht richtig einschätzen kann oder den Insulinpen vergessen hat. Gruß von take-it-ISI -
Katja
Rang: Gastam 31.07.2009 12:55:22
Hallo Marie,
1) als ich noch gespritzt habe, hat mich auch ein BZ von 150 mg/dl vor dem Schlafengehen nicht vor schweren nächtlichen Hypos geschützt! Seit ich die Pumpe habe, wache ich i.d.R. wieder mit dem Wert auf, mit dem ich schlafen gehe. Der Grund dafür ist ganz einfach: meine nächtliche Basalrate ist genau an meinen Bedarf angepaßt, und der ist nachts nun mal konstant! Das früher verwendete NPH-Insulin hatte in den frühen Morgenstunden ein Wirkmaximum, das ich nicht gebrauchen konnte. Man muß also selbst ausprobieren, mit welchem Wert man schlafen gehen sollte, um morgens gut rauszukommen! Wenn Du nachts keine Hypos hast, ist gegen 90 nichts einzuwenden!
2) Ich halte 350 vor Sport oder Rockkonzert für zu hoch! Ich habe die Erfahrung gemacht, daß ich optimalerweise mit einem BZ zwischen 150 und 180 starte. Liege ich über 200, steigt mein BZ meist weiter an - trotz Bewegung! Man kommt nicht drum herum, bei solchen Aktivitäten hin und wieder den BZ zu messen und bei Bedarf zu korrigieren. Allgemeine Empfehlung: liegt der BZ über 240 und ist ein Test auf Ketonkörper positiv, sollte man unbedingt auf die geplante Bewegung verzichten, weil sonst eine Ketoazidose droht! Hintergrund: bei Insulinmangel ist die Ernährung der Zellen nicht mehr gesichert, so daß die Leber immer weiter Zucker freisetzt. Der BZ steigt immer weiter an, die Muskelzellen erhalten keine Energie, und die Abfallprodukte der Zuckerfreisetzung, die Ketonkörper, übersäuern den Körper. Das kann bis zum diabetischen Koma gehen!
3) Es gibt heute keine Diabetesdiät mehr, das ist richtig! Selbst Typ-2-Diabetikern werden heute keine Diabeteslebensmittel mehr empfohlen. Kehrseite der Medaille: waren früher Typ-1-Diabetiker eher schlanker als die gleichaltrige Normalbevölkerung, hat sich die Gewichtsentwicklung heute angeglichen...
4) Es ist zumindest für Typ-1-Diabetiker nicht zu verhindern, daß man die 200-er Marke immer wieder mal knackt. Eine Regelung durch eine Steuerung zu ersetzen klappt nun mal nie perfekt, und jeder Ingenieur kann einem erklären, warum das so ist. Man sollte sich dadurch nicht verrückt machen lassen, sondern darauf achten, daß solche Hochs nicht zu lange anhalten. Folgeschäden entstehen nicht, weil man meist einen normnahen BZ hat, bei dem es kurze Ausreißer nach oben gibt, sondern weil der BZ über lange Zeiträume zu hoch liegt! Hintergrund: es gibt eine Korrelation zwischen der Höhe des Hba1cs und dem Auftreten von Folgeschäden. Der HbA1c ist der verzuckerte rote Blutfarbstoff. Allerdings ist diese Verzuckerung in den ersten Stunden reversibel, so daß sie sich bei sinkendem BZ wieder löst. Ich habe mittlerweile 46 Jahre Diabetes auf dem Buckel und keinerlei(!) Folgeschäden, obwohl ich zwischen meinem 21. und 41. Lebensjahr fast jeden Abend viel zu hohe BZ-Werte hatte. Mit Anfang 30 stellte der Augenarzt eine beginnende Retinopathie fest, die aber seit etlichen Jahren wieder völlig verschwunden ist. Der Grund war, daß die abendlichen Hochs kürzer wurden und sich so meine Einstellung und damit mein HbA1c verbesserte! Seit 7 Jahren trage ich eine Pumpe, aber auch damit sind Werte über 200 oder auch mal 300 nicht zu vermeiden - bei einem HbA1c unter 6%! Damit kann ich 5) nur zustimmen.
Viele Grüße
Katja -
Jürgen
Rang: Gastam 31.07.2009 14:01:41
Moin Katja,
gratuliere zu Deinem persönlichen Erfolg der Beschwerdefreiheit nach so vielen DM-Jahren :-)
Trotzdem einige Anmerkungen. Fängt damit an, dass alle Beschwerden, die wir uns als Folgen des dauerhaft ungesunden BZ-Verlaufs einhandeln können, nicht gleichmäßig verteilt nach BZ-Höhe und Zeit auftreten, sondern schön verstreut als damit zunehmendes Risiko. Wie beim Rauchen können dabei Nichtraucher an Lungenkrebs sterben und Kettenraucher wie unser hanseatischer Altbuindeskanzler bis ins hohe Alter unbeschadet Kette rauchen. Von denen, die mit Dir als Diabetiker damals angefangen haben, sind heute mit Sicherheit nicht nur die nicht beschwerdefrei oder gar nicht mehr am Leben, die ihren BZ schlechter geführt haben, als Du Deinen.
Ketone sind die aus Fett abgeleitete Energieform, die nahezu alle Zellen unseres Organismus völlig normal und unbegrenzt statt Glukose verwerten können. Das ist z.B. die völlig normale Winterspeckverwertung, mit der sich nicht nur die Menschheit über Jahrmillionen entwickelt hat. Die völlig normale Umstellung auf die ketogene Energieversorgung setzt vollautomatisch voll gesund immer dann ein, wenn die Versorgung mit Glukose normal bei ausreichender Insulinversorgung und damit gesund niedrigem BZ nicht ausreicht.
Zum im Ergebnis vergiftenden Konflikt der Ketoazidose kommt es nur dann, wenn infolge Insulinmangels bei Glukoseüberschuss die Glukosekonzentration im Blut ansteigt und der Organismus diese Situation aber - Zellen schreien "Hunger!" - als Glukosemangel missversteht und entsprechend immer größere Mengen Ketone ausgibt.
Obwohl der HBA1c-Wert nach wie vor als Hauptgröße für das Therapieergebnis angesehen wird, nimmt seit gut 20 Jahren die Zahl der für uns Laien erreichbaren Fachveröffentlichungen zu, die vor allem im Hinblick auf Gefäße und Nerven der Weite der häufigen BZ-Schwankungen, die wegen ihrer zeitlichen Kürze nicht mit dem HBA1c erfasst werden, eine besondere Bedeutung zumisst. 3Mal die Woche über 200 wird sich auch bei guter Führung nur mit Mühe vermeiden lassen, aber 3mal am Tag wäre mir eindeutig zuviel. Übrigens haben Gruppenversuche der JDRF (Juvenile Diabetes Research Foundation) mit kontinuierlicher BZ-Messung ergeben, dass bei einem HBA1c um 6,5 im Schnitt schon mehr als 10 Stunden am Tag über 180-200 verbracht werden.
Bisdann, Jürgen -
Katja
Rang: Gastam 31.07.2009 19:56:34
Hallo Jürgen,
daß ich keine Folgeschäden (mehr) habe, liegt nur daran, daß mein BZ den größten Teil meines (Diabetiker-)Lebens im oder nahe dem Normbereich lag. Ich gebe zu, daß ich sehr viel bessere Bedingungen als andere Diabetiker meiner Generation hatte. In den 60er und 70er Jahren war Selbstkontrolle bei deutschen Medizinern verpönt. Stattdessen sollte man alle paar Wochen beim Arzt auflaufen, dort den BZ bestimmen lassen und sich dann Insulin- und Ernährungsplan für die nächsten Wochen geben lassen - meist verbunden mit einem Anschiß, weil der BZ zu hoch war. Von der ärztlichen Verordnung durfte nicht abgewichen werden. Mein Vater ist Ingenieur, und als solchem war ihm klar, daß ein solches Diabetesmanagement nie funktionieren konnte! Deshalb begann er schon zwei Wochen nach meiner Diabetesdiagnose, in der medizinischen Fachliteratur nach brauchbaren Texten zu suchen. Er fand schließlich das Buch des amerikanischen Diabetologen Joslin, das er sich kaufte. Damit und mit seinem Wissen über Regelkreise hat er mich dann eingestellt. Deshalb haben meine Eltern seit 1963 mehrmals am Tag meinen Harnzucker kontrolliert und meine Insulindosis bzw. mein Essen an die Meßergebnisse angepaßt. Ich war damals ein Kleinkind, das noch nicht mal in den Kindergarten ging... Meine Eltern ließen die Diabetestherapie mit mir mitwachsen und ersparten mir damit jede Menge Krankenhausaufenthalte "zur Neueinstellung".
Als ich älter wurde, habe ich natürlich angefangen auszuprobieren, was selbstverständlich auch Einfluß auf meine Diabeteseinstellung hatte. Als Twen und mit Beginn meiner Berufstätigkeit habe ich zwar immer noch mehrmals am Tag gemessen und darauf reagiert, aber meine Spritzenangst verhinderte, daß ich meine abendliche Spritze rechtzeitig (also vor dem Abendbrot) gemacht habe. Deshalb lag ich fast jeden Abend viel zu hoch. Wegen dieser Spritzenangst habe ich mich auch nie auf ICT umstellen lassen, denn ich befürchtete eine massive Verschlechterung meiner Diabeteseinstellung. So habe ich bis 2002 Harnzuckerkontrollen durchgeführt und eine CT gemacht. Der HbA1c lag in den letzen vier Jahren dieser Therapie im Mittel bei 6,7%. Ich kann nicht mehr genau sagen, wie hoch mein mittlerer HbA1c war, bevor die Retinopathie diagnostiziert wurde. Einzelne mir noch vorliegende Werte lassen mich vermuten, das er da wohl um 8% lag. Der Augenhintergrund verbesserte sich aber bereits wieder, als mein HbA1c später im Mittel auf 7% und noch später auf die o.g. 6,7% sank. Meine abendlichen Hochs hielten aber an, bis ich die Pumpe bekam!
Es ist richtig, daß der Körper mit Ketonen normalerweise kein Problem hat. Ich hatte mich aber ausdrücklich auf einen Insulinmangel bezogen, und ins diabetische Koma fällt ein Typ-1-Diabetiker nicht, weil sein BZ zu hoch ist, sondern weil der Körper übersäuert ist! Deshalb heißt diese Form auch ketoazidotisches Koma. Bei Typ-2-Diabetikern gibt es eine andere Komaform, das hyperosmolare Koma. Dies entsteht aufgrund der Austrockung und deren Folgen; der BZ liegt dabei meist im vierstelligen Bereich. Ich hatte damals "gerade mal" 800 mg/dl, als ich im diabetischen Koma lag.
Mir ist durch die "gesunde" ketogene Energieversorgung schon mal richtig schlecht geworden! Der BZ lag bei 100(!), ich hatte ausreichend Insulin, aber +++! Grund dafür war, daß ich an dem Tag gerade mal 4 BE gegessen hatte. Innerhalb weniger Minuten half mir dann eine Scheibe Brot mit der entsprechenden Insulindosis :-)
Tut mir leid, ich kann aufgrund meiner eigenen Erfahrungen nicht nachvollziehen, daß häufige BZ-Schwankungen Folgeschäden hervorrufen sollen! Hinzu kommt, daß mit der heute üblichen Diabetestherapie Schwankungen gar nicht zu verhindern sind! Auch mit der Pumpe habe ich immer noch Phasen, in denen ich auch dreimal am Tag über 200 liege - ganz einfach deshalb, weil mein Insulinbedarf sehr stark schwankt! Da ich leider kein Display am Bauch habe, das mir anzeigt, warum mein BZ nach dem Essen bei 250 liegt (verschätzt? gestiegener Insulinbedarf?, neuer Katheter nötig?), bleibt mir nichts anderes übrig, als mit meiner Basalratenanpassung zu warten, bis ich halbwegs sicher sein kann, daß es doch mein Insulinbedarf ist! Da sich der Anstieg meist über mehrere Tage erstreckt, dauern diese Phasen halt entsprechend lange! Sobald die Basalrate wieder paßt, treten die 200er Werte auch wieder nur selten auf... Ach ja, mein letzter HbA1c lag bei 5,8% - trotz der beschriebenen Probleme! Und Folgeschäden habe ich absolut keine - weder an den Augen noch an den Nieren noch an den Nerven oder den Arterien! Und mich schützt NUR meine gute Diabeteseinstellung!
Viele Grüße
Katja -
°°°
Rang: Gastam 31.07.2009 20:49:58
Hey Katja, wenn ich mich recht besinne, habe ich dir schon mal auf deine "Behandlungsmethodik" ab 1963 geschrieben. Wenn ich so etwas lese, klappt immer "irgendetwas" bei mir auf! Harnzuckerkontrollen!!!! Was willst du denn da kontrollieren? Doch nur, ob der BZ unterhalb der Nierenschwelle liegt. Da diese aber bei etwa 180 mg/dl liegt sind die darunterliegenden Werte über Jürgens oft genannten 100/120/140 (3/2/1 h nach KH-Zufuhr) immer noch viel zu hoch. Wenn du noch keine Spätschäden hast, ist das schön, aber auch grosses Glück!
"Tut mir leid, ich kann aufgrund meiner eigenen Erfahrungen nicht nachvollziehen, daß häufige BZ-Schwankungen Folgeschäden hervorrufen sollen! Hinzu kommt, daß mit der heute üblichen Diabetestherapie Schwankungen gar nicht zu verhindern sind! Auch mit der Pumpe habe ich immer noch Phasen, in denen ich auch dreimal am Tag über 200 liege - ganz einfach deshalb, weil mein Insulinbedarf sehr stark schwankt!" Das sind eindeutig deine Erfahrung (die ich dir auch nicht nehmen will), aber sie sind nicht allgemeingültig. Es ist nachgewiesen, dass häufige Schwankungen des BZ schädlicher sind, als ein gleichmässiger Verlauf (selbst mit erhöhten Werten). Übrigens stimmt es nicht, dass mit den heutigen Therapien Schwankungen zu verhindern sind - es gibt genug DMler, die das Gegenteil beweisen! Allerdings ist es nicht für/ bei jeden möglich.
Ich selbst habe mit der Pumpe recht konstante Werte (um die 100mg/dl +-40) erreichen können. von °°° -
Jürgen
Rang: Gastam 01.08.2009 09:51:05
Moin Katja,
Du schreibst, "Mir ist durch die "gesunde" ketogene Energieversorgung schon mal richtig schlecht geworden! Der BZ lag bei 100(!), ich hatte ausreichend Insulin, aber +++! Grund dafür war, daß ich an dem Tag gerade mal 4 BE gegessen hatte. Innerhalb weniger Minuten half mir dann eine Scheibe Brot mit der entsprechenden Insulindosis :-)"
Dass dir da schlecht war, kann ich sofort nachvollziehen, denn Du hattest einfach mächtig "Schmacht". Denn mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hattest Du an dem Tag nicht nur wenig KHs gegessen, sondern überhaupt gehungert.
Bisdann, Jürgen -
J ürgen
Rang: Gastam 01.08.2009 09:52:09
Moin 3punkt,
das BZ-Testgerät entfernt ähnlich dem heute ist auf dem allgemein zugänglichen Markt gerade etwa 25 Jahre alt und galt vielen Ärzten in der Hand der Patienten bis in die 90ger Jahre hinein als mehr als suspekt. Es gab zwar vorher schon visuelle BZ-Teststreifen, auf denen die Testgerätetechnologie der ersten Generation ja aufsetzte, aber die waren eher Labor- als Patientenmittel. Patientenmittel war von Altersher die Urinzuckerüberprüfung. Kein Zucker im Urin = kein honigsüßer Durchfluss = gesund. Z.B. gerne ausgegebenes Schwangerenziel bis an die Jahrtausendwende, und noch heute läuft der erste und einzig immer von der kranken Kasse getragene Zuckertest auf Schwangerschaftsdiabetes vielfach über den Pipistreifen.
Die Ausrichtung von Essen und Insulin auf der Grundlage der Pipistreifen kann mit Fug und Recht als Einstellung bezeichnet werden. Denn abgesehen von der irren Ungenauigkeit läuft der Urinzucker dem BZ um etwa 2 Stunden hinterher. Und mit so einer Einstellung lassen sich kurzfristig auch größere BZ-Schwankungen absolut nicht vermeiden. Auch nicht, wenn man dann irgendwann die BZ-Messung an die Pipistreifen-Stelle setzt. Ziel sind dabei immer Zielwerte nüchtern und vor den Mahlzeiten. Sind die dauerhaft höher als beabsichtigt, wird praktisch der gesamte Tages-BZ-Verlauf als Ganzes um die Differenz zur beabsichtigten Höhe gesenkt. Damit bleibt der Abstand von unteren zu oberen Spitzen und die Anzahl dieser Schwankungen pro Tag natürlich voll erhalten. Tatsächlich entspricht diese Art der Einstellung eben der ärztlich allgemein üblichen Diabetes-Einstellung. Dazu, wie man Spitzen ohne die nachfolgenden Täler absenken kann, wird in der normal üblichen DDG-INSULINER-Schulung praktisch nicht angeleitet. Ja, der Gedanke, dass das möglich sein könnte, kommt darin nicht einmal vor.
Bisdann, Jürgen von J ürgen -
Rainer
Rang: Gastam 03.08.2009 13:03:36
Hallo Katja,
für deine Erfahrung: „Mir ist durch die "gesunde" ketogene Energieversorgung schon mal richtig schlecht geworden! Der BZ lag bei 100(!), ich hatte ausreichend Insulin, aber +++! Grund dafür war, dass ich an dem Tag gerade mal 4 BE gegessen hatte....“ gibt es eine ganz einfache Erklärung.
Dein Gehirn hat verlernt, sich außer mit Glukose auch von Ketonkörpern zu ernähren. Diese Ketolysefähigkeit des Gehirns kannst du wieder erwerben, wenn du mehrere Tage nur wenig KH, höchstens 80g pro Tag zu dir nimmst. Das Gehirn muss dafür entsprechende Mengen eines Enzyms herstellen, wozu es bei der heute üblichen kohlenhydratreichen Ernährung erst nach einigen Tagen in der Lage ist. In Abhängigkeit vom Alter kann das bis zu drei Wochen dauern. Bei Kindern geht es sehr viel schneller und in deinem Alter reichen vielleicht schon zwei Wochen aus. Säuglinge besitzen übrigens die Ketolysefähigkeit des Gehirns und benötigen sie auch, um sich von der Muttermilch ernähren zu können. Genauer kannst du dir das alles hier www.miginfo.de/molmain/main.php?docid=980 ansehen.
Wenn du dir die Fähigkeit des Gehirn, sich auch von Ketonkörpern zu ernähren wieder aneignest, dann wird es zu den beschriebenen Mangelzuständen im Gehirn nicht mehr kommen. Aber auch andere miese Zustände wie übermäßige Hungergefühle, Kopfschmerzen u.v.m. kann man damit erfolgreich in den Griff bekommen. Deshalb lohnt sich das jeden Fall.
Wenn du die Ketolysefähigkeit einmal zurückgewonnen hast, dann reicht übrigens ab un zu mal wieder ein KH-armer Tag, um diese zu erhalten. Dazu muss man sich nicht unbedingt dauerhaft KH-arm ernähren.
Beste Grüße, Rainer