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Spritzen ohne vorherige Messung
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Gast
Rang: Gastam 28.03.2011 16:37:40
Wer kennt diese Regelung: Mein Vater ,78 J.alt, ist stationär neu eingestellt worden und bekam eine Tabelle mit, wo darauf steht, wieviel Einheiten er früh 22E, mittags 18E, abends 22E spritzen soll. Dazu soll eine vorherige Überprüfung des Blutzuckers nicht nötig sein. Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, denn in unserem Bekanntenkreis gibt es viele Leute, die grundsätzlich vorher den BZ messen müssen und sich danach erst mit der Höhe der Spritzeinheiten richten. Gibt es eine neue Variante, die ich nicht kenne... -
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Gast
Rang: Gastam 28.03.2011 16:42:02
Da sieht ganz danach aus, als würde deinem Vater die Fähigkeit, selbstbestimmt mit seinem Diabetes umzugehen nicht zugetraut. Es handelt sich also nicht um eine neue sondern um eine veraltete Variante. -
Gast
Rang: Gastam 28.03.2011 17:53:10
genau und nennt sich ct, konventionelle therapie.
ist nichts außergewöhnliches, denn in den ersten 60 jahren der insulintherapie gab es keine bz geräte und die menschen haben auch überlebt.
das ganze "einstellen" und die spritztabellen sind ja auch völlig veralteter quark, kein mensch der abwechslungsreich lebt und ißt kann eingestellt werden.
bei der og frage wurde nur vergessen , welches insulin gespritzt wird - vermutlich 50/50, denn 30/70 wird nur 2mal/d gespritzt.
und die anpassungsmöglichkeiten(ie mäßig) mit mischinsulin sind sehr beschränkt. da machen menschen ohne erfahrung oft fehler denn die wirkkurve ist recht abenteuerlich.
da niemand weiß auf welchen level der alte herr eigepegelt wurde kann es durchaus sein daß es ohne messen klappt. weshalb nicht ?
schließlich gibt es viele die spritzen ohne daß "immer" und ubedingt gemessen wird, mit ict.
oft ist es wichtiger um spitzen zu erkennen pp zu testen. -
am 28.03.2011 19:48:10
Moinmoin,
ein bisschen schwachsinnig ist das Messen vor dem Spritzen und Essen ja schon. Denn wenn das letzte Spritzen gepasst hat, ist der BZ im Zielbereich, und die Messung hat keinerlei Konsequenz. Und wenn das letzte Spritzen nicht gepasst hat und der Zielbereich erheblich überschritten ist, spritzt man halt um den Korrektur-Faktor mehr, ABER das macht den vergangenen zu hohen BZ nicht gesund niedriger UND ist noch immer keine Garantie dafür, dass der BZ mit dem neuen Spritzen und Essen dann wieder verläuft, wie beabsichtigt.
Und wenn das letzte Spritzen nicht gepasst hat und der Zielbereich erheblich unterschritten wurde, hat man die zugehörige Hypo längst hinter sich, vor der das Messen vor dem Spritzen und Essen angeblich schützen soll.
Nicht das Messen ist der Schlüssel zum möglichen größeren Nutzen der ICT gegenüber der CT, sondern das Aufteilen in Basal als langwirkende Grundlage und Bolus als schnellwirkendes Insulin zum Essen, WENN man zu erheblich wechselnden Tageszeiten erheblich verschiedene KH-Mengen isst. Bei gleichbleibend regelmäßigem Tagesablauf und regelmäßig ähnlichen KH-Mengen kann ne CT mit ner Stichprobe alle paar Tage bis Wochen völlig ausreichen für einen nahe gesunden BZ-Verlauf :-)
Bisdann, Jürgen -
Gast
Rang: Gastam 28.03.2011 21:21:57
schrieb:
das ganze "einstellen" und die spritztabellen sind ja auch völlig veralteter quark, kein mensch der abwechslungsreich lebt und ißt kann eingestellt werden.
Wie Jürgen schon schrieb, nicht das Messen ist der Schlüssel, sondern die Aufteilung in Bolus + Basal. Dazu braucht man nicht mal Mischinsulin (bei CT), denn 2x kurzwirksames und 1x Langzeit insulin (oder 4x kurzwirkende) wirken auch insg. 24 h. Zwischenmahlzeiten sind bei den Meisten eh üblich. Dass dies funktioniert, ist, wie selbst geschrieben, 60 Jahre lang bewiesen worden. Da übrigens der Normalo eine annähernd gleichbleibende Nahrungsaufnahme + einen recht gleichmässigen Tagesablauf hat, kann er sehr wohl mit dem "völlig veraltetem Quark" abwechslungsreich essen + leben. Und zwar fast ohne Einschränkungen (dass das funktioniert, habe ich als Kind/Jugendlicher selbst erfahren mit CT). Und dass ICT auch nicht das Nonplusultra ist (wenn man keine Ahnung hat) beweisen in Foren ständig genügend Anwender dieser Spritzvariante.
schrieb:
das Aufteilen in Basal als langwirkende Grundlage und Bolus als schnellwirkendes Insulin zum Essen, WENN man zu erheblich wechselnden Tageszeiten erheblich verschiedene KH-Mengen isst
Wer gesund lebt, isst zu gleichbleibenden Tageszeiten in etwa gleiche KH-Mengen (auf die paar Ausnahmen kann immer noch reagiert werden), deshalb kann man trotzdem ICT und CSII "fahren", braucht aber CT nicht als "veralteten Quark" abtun. Das ist zumindest meine Meinung (die genau wie die Anderer, kein Recht auf Richtigkeit hat). -
Gast
Rang: Gastam 28.03.2011 21:55:41
genau das , ct ist kein veralteter quark, sondern für viele die sinnvollste therapie (da nur nach plan essen und kein denken notwendig) allerdings zwei aspekte werden dabei unter den tisch gekehrt.
1.wenngespritzt ist muß gegessen werden. (nach plan)
2. abweichungen und korrekturen sind mit mischinsulin extrem problematisch,
(wohl wissend daß es für die meisten ictler mit bolus basis auch böhmische dörfer sind, sonst wären auch typische t1 foren nicht ständig mit hilferufen , - erfüllt)
auf deutsch wesentlich wichtiger als 10 messungen/d ist know how) -
Gast
Rang: Gastam 29.03.2011 16:31:50
Das das KnoffHoff das Wichtigste ist, dem kann ich nur zustimmen. Allerdings sind für mich die beiden genannten Punkte nicht "unter den Tisch gekehrt", sondern allgemeingültig. Wenn ich gespritzt habe, muss gegessen werden, egal ob CT, ICT, CSII - sonst BZ abwärts! Und zum Zweiten spritzt erstens nicht jeder CT-ler Mischinsulin (s.o.) und zweitens: warum sollte er korrigieren, wenn entspr. "Plan" alles stimmt? Und ob ständige Abweichungen und Korrekturen für den ICT-ler "gut" sind - keine Ahnung. Ich möchte übrigens NICHT als CT-Verfechter gelten, aber genau so, wie jeder DM-ler anders ist und reagiert, sollte auch jeder seine "Behandlung" durchführen, wie er (bzw. der Arzt) es möchte (egal ob CT, ICT, CSII) - Hauptsache, er kann damit seinen DM gut führen (was ja wohl das Wichtigste ist). -
Gast
Rang: Gastam 29.03.2011 21:21:15
man muß nicht eine therapie besser finden, alle haben ihre berechtigung, und viele sind mit den komplizierteren therapien weniger glücklich und manche einfach überfordert.
daher haben alle ihre berechtigung.sofern der arzt bereit ist menschen die mehr wollen auch zu uterstützen (wird leider selten gemacht)
und nein ich spritze zb basal und esse nicht, weshalb auch, wenn ich kottektur spritze esse ich auch nicht. wenn ich nicht essen will aber weiß daß ich jetzt zb 2 ie zusätzlich brauche esse ich auch nicht. also man muß nicht unbedingt essen wenn man insulin spritzt.
heute gehört ein mischinsulin zur ct (schon wegen der streifeneinsparung) das problem, wer nicht spritzt hat eine basallücke, wer spritzt muß essen denn 50-75% des insulins sind kurzzeit.(das war mit den haken gemeint)
daher die beste therapie ist die "mögliche" denn selbst eine pumpe nutzt einem pflasterallergiker überhaupt nichts. -
am 03.04.2011 00:28:56
Wenn sich dein vater wohlfühlt ist alles ok. Es muss ihn keiner mehr vor spätschäden schutzen. wenn er sich diese frage nicht stellt passt alles. Du kannst natürlich versuchen deinen vater zu einem aktiven diabetesmanagement zu bringen aber das kann maximal dein ego befriedigen jedoch nicht deinen vater glücklicher machen.
Auch ich habe eine mutter, allerdings mit 85. sie mißt vor dem frühstück und freut sich wenn sie tief ist dass sie mehr essen kann. die zweite messung ist vor dem schlafengehen um keine angst vor einem hypo haben zu müssen. ihr durchschnitts hba1c ist 7,5%. wenn sie unter 150 mg/dl am späten abend ist, gönnt sie sich noch ein joghurt. super.
auch ich habe noch vor 15 jahren versucht sie von ict zu überzeugen. ihr reicht es so wie es ist.
ich selbst bin seit 35 jahren dm1, seit 2007 mit pumpe und kann mit 70 mg/dl vor meiner bettruhe seelenruhig einschlafen weil ich mich auf meine basalrate verlassen kann. sollte ich noch iab haben stoppe ich für diese menge meine pumpe. aber das ist eine ganz ganz andere welt. mein hba1c liegt zwischen 5,6% und 6,1%, betreibe tennis, tauche, lasse keinen skiurlaub aus und führe ein sehr aktives leben.
was für mich richtig ist wäre für einen älteren menschen nicht einmal andenkbar - und auf solchen unmedizienischen aber humanen abwägungen werden therapiepläne zum glück erstellt.
dein vater hat gute ärzte/ärztinnen, schenke ihm zeit mit dir, trinke eine tasse kaffee mit torte oder was immer er mag mit ihm, höre ihm zu, gehe anschließen mit ihm eine runde, das ist eine sinnvolle unterstützung. statistisch ist dafür nicht mehr viel zeit. es ist völlig egal ob er vor dem essen 100 oder 160 bz hat.
lg erwin
Bearbeitet von User am 03.04.2011 01:12:40. Grund: Nicht angegeben