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Unterschiedlicher Blutzuckerverlauf Typ 1 und Typ 2?
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Gast
Rang: Gastam 19.05.2011 10:34:39
Hallo,
habe eine Frage an euch: gibt es Unterschiede in den Blutzuckerverläufen bei mit Insulin behandelten Typ 1- und Typ 2-Diabetikern? D.h. könnte man anhand der gemessenen Werte zwischen Typ 1 und Typ 2 unterscheiden (das geht sicher nicht hundertprozentig, das ist klar, aber gibt es Anhaltspunkte/Unterschiede??)??
Danke! -
am 19.05.2011 12:20:25
Moinmoin,
Insulin ist kein Medikament, das irgend etwas bewirkt, sondern Insulin ist das Hormon, das bei allen Menschen dafür notwendig ist, dass die Zellen des Organismus Glukose aus dem Blut aufnehmen und zur Energiegewinnung nutzen können.
Diabetes (alle Typen!) ist, wenn der Organismus dafür nicht genug eigenes Insulin produziert und ausgibt. Passend für das jeweilige Essen gespritzt ist bei allen Typen immer dann, wenn der Blutzucker danach im gesunden Rahmen verläuft. Der gesunde Rahmen ist für alle Menschen gleich, eben gesund wie hier schön an der blauen Linie zu sehen. Ein davon abweichender Verlauf hat nichts mit dem Diabetes-Typ, sondern alles mit dem individuell mengenmäßig und zeitlich mehr oder weniger passenden Schuss zu tun.
Wie kommst Du auf den Gedanken, dass der BZ-Verlauf Auskunft über den Typ geben könnte?
Bisn neugierig, Jürgen -
Gast
Rang: Gastam 19.05.2011 14:41:09
Ich finde die Frage garnicht so abwegig. Allerdings glaub ich auch das es schwierig bis unmöglich sein wird aus der Kurve (Gast meint ja wohl die Kurve über einen längeren Zeitraum) den Typ heraus zu lesen.
Da spielen so viele Faktoren eine Rolle. Ernährung, Bewegung Medikamentation und und und.
Gruß Havier
--- da kann man wohl eher den Menschentyp aus dem Suchverhalten in Google bestimmen ---
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am 19.05.2011 15:18:12
Die Medikation ist ja mit der Frage vorgegeben, Insulin. Damit kann man sich praktisch jeden Verlauf machen. Deswegen bin ich ja neugierig, wie daraus jemand auf den Typ schließen will? -
Gast
Rang: Gastam 19.05.2011 20:50:38
Hallo,
danke für die Antworten: ich dachte nur, dass man evtl. anhand der Verläufe auch einen Hinweis auf den Diabetes-Typ bekommen könnte. So habe ich z.B. gelesen, dass Typ 1er immer eher zu Hypoglykämien neigen als Typ 2er, weil bei 1ern häufig auch was mit den alpha-Zellen nicht stimmt (fragt mich nicht, was genau), anscheinend auch zu ausgeprägteren Gegenregulationen, Dawn-Phänomen soll anscheinend auch eher bei 1ern auftreten. Ob das stimmt, weiß ich nicht, hatte mich aber interessiert. Könnte ja vielleicht schon möglich sein, vielleicht aber auch nicht, richtig verlässliche Studien oder so etwas ähnliches habe ich auch nicht gefunden. Hmmm.
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am 19.05.2011 21:55:28
1. Eine Hypoglykämie ist immer zu viel Insulin bei zu wenig Zucker im Blut: Man hat also mehr Insulin gespritzt, als man für den gesunden BZ in der jeweiligen Situation braucht. Das ist völlig unabhängig vom Typ.
2. Alpha-Zellen machen Glucagon, und das stimuliert (nicht als einziges) die Leber zur Zucker-Ausgabe, wenn der BZ niedrig absinkt = Gegenregulation. Aber ausgeprägte Gegenregulationen sind eher Mythos und beruhen tatsächlich auf Gegenfressen - auch unabhängig vom Typ ;-)
3. Das Dawn Phänomen ist die morgentliche vermehrte Zucker-Ausgabe der Leber zusammen mit der routinemäßig verstärkten Ausgabe von Hormonen wie z.B. Cortisol, die die Insulin-Wirkung behindern, womit der BZ ansteigt - auch unabhängig vom Typ. -
Gast
Rang: Gastam 19.05.2011 23:15:02
schrieb:
ich dachte nur, dass man evtl. anhand der Verläufe auch einen Hinweis auf den Diabetes-Typ bekommen könnte
falsch gedacht! um den typ richtig zu diagnostizieren gibt es bessere möglichkeiten. ausserdem sind (wie jürgen schon schrieb) die verläufe von den lebensumständen und der medikationsmenge/den genossenen nahrungsmitteln abhängig. weiterhin kann jeder (egal welcher typ dm) alle möglichen bz-werte und hba1c's erreichen, er muss es nur "wollen".
schrieb:
Aber ausgeprägte Gegenregulationen sind eher Mythos und beruhen tatsächlich auf Gegenfressen
du scheinst das mystische zu lieben - wenn dem so wäre, dann erklär doch mal, weshalb ich z.B. bei einem hypoglykämischen schock bei einer radtour ohne irgendwelche dinge in den hals zu stopfen (weil ich dusseliger weise auch nur ein vergesslicher mensch bin - nix dabei) einfach durch hinsetzen und abwarten nach einer 1/4 stunde wieder fit war (von 45 auf 80 mg/dl) und langsam weiterfahren konnte. war allerdings zu zeiten, als meine gegenregulation noch funzte (die zeiten sind leider vorbei) -
am 19.05.2011 23:18:47
Doch, ich liebe das Mühtische. Aber von 45 auf 80 ist völlig normal. Die ausgeprägten Gegenregulationen, von denen dieser asiatische Katzenprof namesgebend geträumt hat, drehten sich eher um 180 ;-) -
Gast
Rang: Gastam 20.05.2011 11:09:26
hjt_Jürgen schrieb:
1. Eine Hypoglykämie ist immer zu viel Insulin bei zu wenig Zucker im Blut: Man hat also mehr Insulin gespritzt, als man für den gesunden BZ in der jeweiligen Situation braucht. Das ist völlig unabhängig vom Typ.
2. Alpha-Zellen machen Glucagon, und das stimuliert (nicht als einziges) die Leber zur Zucker-Ausgabe, wenn der BZ niedrig absinkt = Gegenregulation. Aber ausgeprägte Gegenregulationen sind eher Mythos und beruhen tatsächlich auf Gegenfressen - auch unabhängig vom Typ ;-)
Wie kommst du darauf?? Das ist das erste was ich höre und es deckt sich auch nicht mit meinen Erfahrungen!
Außerdem glaube ich schon, dass man aufgrund der BZ-Verläufe zumindest eine kleine Tendenz zu einem bestimmten Diabetes-Typ abgeben kann. Große Schwankungen in den BZ-Werten deuten auf einen Typ 1 hin, genau wie eine hohe Insulinempfindlichkeit. Natürlich lässt sich keine Diagnose aufgrund von BZ-Verläufen stellen, aber sie können eine leichte Tendenz angeben.
Dadurch dass die meisten Typ 2er eine Restinsulinproduktion haben, wird ihr BZ-Verlauf geglättet, bei Typ 1ern ist dies nicht der Fall. Nicht ohne Grund sind Insulinpumpen hauptsächlich für Typ 1er gedacht, denn die haben einen wesentlich instabileren Stoffwechsel, auch wenn viele 2er dies nicht wahrhaben wollen.
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am 20.05.2011 11:25:02
Hm. Ich bin auch Typ 1 und hab keine großen Schwankungen. Das liegt höchstwahrscheinlich an einer richtig guten Einstellung und Disziplin bei der Nahrungsmittelauswahl.
Ich hab aber auch schon Typ 2 getroffen, die fürchterliche Schwankungen haben. Für mich eine geradezu gruselige Vorstellung. Die haben das ganze denn allerdings auch ziemlich locker gesehen und quasi so Pi mal Daumen gespritzt.
Die beiden BZ-Verläufe im Vergleich, dann passt das nicht, dass man es daran erkennen kann.
Liegt es denn nicht immer an der Einstellung, wie derjenige selber damit umgeht und all den anderen kleinen Störungen,
die man so haben kann?
Liebe Grüße und ein fröhliches Wochenende
Sabine -
Gast
Rang: Gastam 20.05.2011 11:33:09
Natürlich liegt es zum größten Teil an der Einstellung. Ich habe ja auch nur von einer kleinen Tendenz gesprochen. Wenn ein Typ 2er eine nicht passende Basalrate und nicht passende BE-Faktoren hat, wird er natürlich große Schwankungen haben.
Du hast Typ 1 seit 2 Jahren. Da ist es sehr wahrscheinlich, dass du noch ein wenig Restinsulin und vor allem noch funktionierende Gegenregulationsmaßnahmen, vor allem durch alpha-Zellen hast. Das kann sich aber in den nächsten Jahren ändern und dann wird der BZ trotz guter Einstellung Ausreißer nach oben oder unten aufweisen, die sich nicht unbedingt erklären lassen, weil der BZ sehr empfindlich auf vielerlei Faktoren reagiert, wie z.B. Hormone, Stress, Schlaf, Jahreszeit etc., die sich nicht alle vorhersehen lassen.
Viele liebe Grüße! -
am 20.05.2011 12:04:12
Spätestens dann, wenn beide Insulin spritzen, ist doch der Typenunterschied absolut unerheblich. Denn dann haben sowohl Typ1 wie auch Typ2 das Vergnügen, sich damit einen möglichst gesunden BZ-Verlauf zu machen. Und wenn beide nach der gleichen Scheibe Brot mit Start bei 80mg/dl vor dem Essen so spritzen, dass ihre BZs 1-2-3 Stunden nach dem Essen im Rahmen von max 140-120-100 bleiben, ist an dem Verlauf halt kein Unterschied abzulesen.
Meistens wird der Typ2 dafür allerdings mehr Insulin und eher und einen größeren Spritz-Ess-Abstand brauchen. Wenn also nach einer Typentendenz gefragt worden wäre, die sich aus Insulinmengen und Wirkkurven vermuten ließe, hätte ich nie widersprochen und sofort bestätigt.
Nur, inwiefern sollte der Typenunterschied im persönlichen Alltag interessant sein? Ich kenne in allen Typen Betroffene, die ihre BZs munter weiträumig schwanken lassen, und solche, die sie noch enger als 140 1 Stunde nach dem Essen anleinen. Der Verlauf, den sich jemand mit seinem Insulin macht, hängt einzig davon ab, wie passend für seine individuelle Situation er es jeweils für die Dauer seiner Wirkung spritzt. -
Gast
Rang: Gastam 20.05.2011 19:10:56
hjt_Jürgen schrieb:
Die ausgeprägten Gegenregulationen, von denen dieser asiatische Katzenprof namesgebend geträumt hat ...
drehten sich eher um 180 ;-)[/quote]
Mal abgesehen davon, dass es selbstverständlich das Somogyi-Phänomen gibt, auch wenn das oft fälschlich als bequeme Erklärung herangezogen wird.
Es ist erstaunlich, wie Du das burgenländische Reinersdorf nach Asien verschiebst um aus dem ungarischen k.u.k. - Biochemiker Michael S., aus dessen Laborküche die erste in den USA einem Menschen verabreichte Insulindosis kam, einen "asiatischen Katzenprofessor" zu machen. =:-)))
Gruß
Joa
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Gast
Rang: Gastam 20.05.2011 20:43:13
Hi,
Gast schrieb:
habe eine Frage an euch: gibt es Unterschiede in den Blutzuckerverläufen bei mit Insulin behandelten Typ 1- und Typ 2-Diabetikern? D.h. könnte man anhand der gemessenen Werte zwischen Typ 1 und Typ 2 unterscheiden (das geht sicher nicht hundertprozentig, das ist klar, aber gibt es Anhaltspunkte/Unterschiede??)??
an den BZ-Verläufen eher nicht. Allerdings braucht der überwiegende Teil der Typ2er, durch eine Resistenz bedingt, erheblich mehr Insulin. -
am 20.05.2011 22:02:49
Moin Joa,
danke für die Nationalitäten-Richtigstellung.
Den Namen hab ich halt vor allem im Zusammenhang mit Katzen mit Diabetes besonders häufig gefunden - das Phänomen der überschießenden Gegenregulation allerdings in allen Foren immer gerne genommen - und mit engerer BZ-Überwachung bei Menschen eher weniger bis gar nicht überschießend belegt.
Bisdann, Jürgen