Diäten unter der Lupe

Die Gründe, warum Menschen abnehmen möchten, sind unterschiedlich: Bei den einen ist es der Wunsch nach attraktiver Schlankheit, um das Selbstwertgefühl zu stärken, um sich schöner zu kleiden oder sich einfach wohler zu fühlen. Bei anderen sind es vor allem gesundheitliche Gründe: Man fühlt sich eigentlich wohl, doch der Arzt rät zur Gewichtsabnahme. So ist es häufig auch bei Menschen mit Diabetes: Rund 80 Prozent aller Typ-2-Diabetiker sind, wenn die Krankheit entdeckt wird, mehr oder weniger deutlich übergewichtig. Aber auch immer mehr Typ-1-Diabetiker haben Gewichtsprobleme.

Heute weiß man, daß Typ-2-Diabetiker, die zu viele Pfunde auf die Waage bringen, schlechtere Blutzuckerwerte haben als schlankere. Schon ein paar Kilo weniger verbessern die Blutzuckereinstellung deutlich, bei vielen Menschen können sogar blutzuckersenkende Tabletten eingespart oder das Insulin reduziert, vielleicht sogar abgesetzt werden. Auch übergewichtige Typ-1-Diabetiker profitieren von einer Gewichtsabnahme. Wie soll man sich nun verhalten, wenn man abnehmen möchte? Welche Diät, welche Methode ist empfehlenswert?

Empfehlenswert: langfristig und ausgewogen

Empfehlenswert sind langfristige Programme mit Ernährungstraining und Bewegung, die auf einer energiereduzierten Mischkost beruhen. Sie garantieren Abwechslung und ausreichende Nährstoffzufuhr. Die Erfolgsaussichten sind gut, wenn man das erlernte Eßverhalten langfristig beibehält.

Hier einige Beispiele:

Abnehmen mit Genuß:

Dieses computerunterstützte AOK-Programm wurde entwickelt von dem Göttinger Ernährungspsychologen Prof. Volker Pudel zusammen mit dem Team der Gesellschaft für Gesundheit und Prävention. Die Wissenschaftler haben dabei die Erkenntnisse zweier früherer AOK-Angebote ausgewertet: "Vier-Jahreszeiten-Kur" und "Vier-Wochen-Kur". Das Programm ist auf 1 Jahr angelegt und versucht, eine langsame, dauerhafte Ernährungsumstellung herbeizuführen. Die Teilnehmer erstellen Ernährungsprotokolle, die dann ausgewertet werden. "Abnehmen mit Genuß" ist kein ausschließliches Internet-Abnehmprogramm, alle Teilnehmer bekommen Arbeitsmaterialien per Post nach Hause geschickt und können sich per Telefon von Experten beraten lassen. Das Konzept basiert nicht auf Kalorienzählen, sondern soll das Bewußtsein für den Fettverzehr schärfen. Aber: Teilnehmen können nur AOK-Versicherte; die Teilnahme kostet 45 Euro. Wer bis zum Schluß durchhält, bekommt den Betrag zurück.

Infos:
unter www.aok.de oder bei der AOK-Hotline für Information und Neuanmeldungen (0551) 508 52 52.

Brigitte-Diät

Die Diät der Frauenzeitschrift Brigitte ist ein echter Klassiker unter den Mischkostdiäten. Um für wünschenswerte Abwechslung zu sorgen, gibt es viele schmackhafte, kalorienarme Rezepte und Menüvorschläge, die man ohne viel nachdenken und rechnen nachkochen kann. Basis ist eine fettarme, ausgewogene, abwechslungsreiche Mischkost, die mit kleineren Veränderungen als Dauerernährung übernommen werden kann. Tips zur Verhaltensänderung rund ums Essen finden Sie regelmäßig im Heft oder auf der Homepage www.brigitte.de. Als Ergänzung zur Diät wird ein Sportprogramm angeboten. Damit liegen Sie richtig: "Ich nehme ab" von der DGE oder "Brigitte-Diät". Die Diät wird zu Beginn jedes Jahres mit neuen Rezepten in der Zeitschrift verbreitet.
Bezug: Die neue Diät 2003 (das Beiheft zur Zeitschrift) und die Diätpläne können kostenlos angefordert werden bei der Redaktion Brigitte, Brieffach 22, 20444 Hamburg. Die Ideal-Diät finden Sie auch im Internet unter http://www.brigitte.de

Erfolgreich abnehmen bei Diabetes:

Dieses Buch von Dr. med. Dagmar Hauner und dem Übergewichts-Experten Prof. Dr. med. Hans Hauner schildert anschaulich die Zusammenhänge von Diabetes und Übergewicht und geht detailliert auf diabetesrelevante Aspekte beim Abnehmen ein, z. B. Abnehmen und Diabetesmedikamente, Sport und Diabetesmedikamente. Der Ratgeber hilft, die Gewichtsabnahme von Anfang an richtig zu planen, gibt konkrete Tips, wie Diabetiker eine gesunde Ernährung im Alltag umsetzen können - und vor allem, wie man sein Eßverhalten dauerhaft ändern kann. Bewegung ist Teil des Konzeptes. Außerdem gibt es einige kalorienarme Rezepte, allerdings keine Speispläne.
Bezug: im Buchhandel oder direkt beim Kirchheim-Verlag, ISBN: 3-87409-323-9, Preis: 15 ¤, Tel.: (06131) 9607028.

Ich nehme ab:

Abnehmen und wohl fühlen - das ist die Idee, die hinter dem neuen Dauerprogramm der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) steht. Dabei geht es nicht um ein spektakuläres Diätkonzept, Grundlage ist vielmehr eine kohlenhydratreiche, fettarme Ernährung. In 12 Schritten werden Übergewichtige zu einer gesunden Ernährungsweise hingeführt, verbunden mit Bewegung und Entspannung. Es gibt auch ein Rezeptheft, allerdings keine festen Speisepläne und keine Vorschriften. Das Programm in Ringbuchform ist für wenigstens drei Monate angelegt und soll den einzelnen vor allem motivieren und unterstützen. "Ich nehme ab" setzt neueste wissenschaftliche Erkenntnisse um und baut auf langjährige praktische Erfahrungen auf.
Bezug: beim DGE-MedienService, Bornheimer Straße 33b, 53111 Bonn, Fax: (0228) 909 26 10, oder unter http://www.dge-medienservice.de. Preis: 35,- €.

Weight Watchers:

Wenn Sie auch zu den Menschen gehören, die lieber in einer Gruppe mit Gruppenleiter und Gleichgesinnten gegen überflüssige Pfunde vorgehen möchten, dann ist das Konzept "Points Plus" der Weight Watchers für Sie vielleicht interessant. 12 Wochen lang werden hier statt Kalorien Points gezählt; wie viele Points ein Lebensmittel hat, richtet sich nach seinem Kalorien- und Fettgehalt. Ziel ist es, langfristig sein Eßverhalten zu ändern, hin zu einer gesunden Ernährungsweise nach den Empfehlungen der DGE. Zusätzlich gibt es Anleitungen für mehr Bewegung. Die Anmeldegebühr beträgt 15 ¤, die Wochengebühr 9,95 ¤. Infos über das Programm und die Gruppenstandorte gibt es unter der Tel.-Servicenummer (01802) 23 45 64 (0,06 ¤ pro Gespräch) oder im Internet unter http://www3.weightwatchers.com/International/germany/

Weitere Mischkostdiäten sind z. B. "Die Pfundskur" (s. Diabetes-Journal 2/2003), die "Fit for Fun"-Diät und andere.

Abnehmen bei Insulintherapie

Viele Menschen mit Typ-2-Diabetes erreichen allein durch Abnehmen, Ernährungsumstellung, blutzuckersenkende Medikamente etc. normale Blutzuckerwerte. Wenn das nicht mehr ausreicht, müssen sie auf Insulin umstellen. Typ-1-Diabetiker dagegen brauchen von Anfang an Insulin - also ab der Diagnose.

Diabetiker, die Insulin spritzen, müssen beim Abnehmen zusätzlich zwei Dinge beachten: Zum einen muß die Ernährung auf die Insulinbehandlung abgestimmt sein. Zum anderen muß die Insulinmenge an das neue Gewicht angepaßt werden. Wenn Sie es also geschafft haben, einige Kilo abzunehmen, brauchen Sie eventuell weniger Insulin am Tag.

Wichtig:
Wenn Sie abnehmen möchten, besprechen Sie vorher mit Ihrem Arzt, wie und wann Sie die Insulindosis anpassen müssen!

Nicht oder nur eingeschränkt empfehlenswert

Daneben gibt es zahlreiche nicht oder nur eingeschränkt empfehlenswerte Diäten und Methoden. Manche sind sogar gesundheitsschädlich. Hier einige Beispiele:

Blutgruppendiät:

Kennen Sie Ihre Blutgruppe? Dann haben Sie laut Peter D'Adamo den Schlüssel zum Schutz vor und zur Heilung von vielen Zivilisationskrankheiten in der Hand. Die "Blutgruppendiät" soll sogar Diabetes heilen können - Diabetes-Journal-Leser wissen, was von solchen Aussagen zu halten ist.
Laut D'Adamo sollen Lectine in Lebensmitteln in die Blutbahn übertreten können, die Blutzellen dort verklumpen und dadurch den Körper schädigen. Deshalb sollen unterschiedliche Blutgruppen-Typen bestimmte Lebensmittel unterschiedlich gut vertragen. Zusätzlich gibt es für jede Gruppe eine Reihe von Lebensmitteln, die eine Gewichtsabnahme fördern oder verhindern.
Für diese Diät inklusive ihren Heilungsversprechen gibt es keine wissenschaftliche Grundlage. Tips zur Verhaltensänderung kommen entschieden zu kurz.
Bezug: im Buchhandel.

Die magische Kohlsuppe:

Laut dem Buch von Marion Grillparzer soll die kalorienarme Kohlsuppe die Fettverbrennung ankurbeln. Diese Diät kann ein möglicher Einstieg in ein längerfristiges Programm sein. Für eine langfristige, sinnvolle Ernährungsumstellung bietet die Kohlsuppen-Diät allerdings zu wenig Hilfestellungen und ist nicht ausgewogen, der Lerneffekt bleibt aus. Vorgesehen ist die Diät für 7 Tage; als Dauerernährung nicht geeignet.
Bezug: im Buchhandel.

Fasten:

Fasten, egal welche Form (s. Diabetes-Journal 8/2002), sollte man nicht unbedingt als Lösung für Gewichtsprobleme ansehen. Ein Langzeiterfolg ist nicht belegt. Vor totalem Fasten oder Nulldiät warnen die Experten sogar (Abbau von Muskelmasse etc.). Ganz gleich, ob es sich um Typ-1- oder Typ-2-Diabetiker handelt: Eine Fastenkur bedarf grundsätzlich der ärztlichen Rücksprache und Betreuung.

Fatburner (Fettverbrenner):

Die Vertreter der Fatburner-Diäten sind der Meinung, daß bestimmte Stoffe den Fettabbau im Körper auf Touren bringen können. Überschüssige Kalorien sollen durch Fatburner quasi über Nacht wegschmelzen, wenn man nur genug davon ißt. Als Fatburner gelten z. B. Enzyme, Vitamine, Mineralstoffe oder natürliche Lebensmittel wie Tee, Ananas. Hierzu fehlt jegliche wissenschaftliche Grundlage. Tatsache ist, daß sich überschüssige Kalorien durch Bewegung oder Sport verbrennen lassen, nicht aber durch spezielle Stoffe. Schaut man genauer hin, entpuppen sich einige dieser Diäten als fettarme, energiereduzierte Mischkost.
Bezug: im Buchhandel.

FdH (Friß die Hälfte):

Diese Regel besticht durch ihre Einfachheit - die gewohnten Mahlzeiten werden einfach auf die Hälfte verkleinert. Sport spielt dabei keine Rolle, Ernährungswissen sowie eine Änderung des Eßverhaltens bleiben komplett auf der Strecke, der Lerneffekt für einen langfristigen Erfolg bleibt aus. FdH macht weder schlank noch satt! Fett- und eiweißreiche Diäten: Dazu zählen z. B. die "Dr.-Atkins-Diät", die "Mayo-Diät" und die "Hollywood-Diät". Diese Diäten kann man eigentlich zusammen betrachten, weil eiweißreiche Lebensmittel oft auch viel Fett enthalten. In diesen Diäten sind zu viel Eiweiß, Fett, Cholesterin und Purine enthalten, was gesundheitlich nicht unbedenklich ist. Kohlenhydrate und Ballaststoffe werden dagegen vernachlässigt. Bei einer solch einseitigen Kost gibt es keinen Lerneffekt hin zu einer gesunden kalorienreduzierten Mischkost, auch gesundheitlich nicht ganz unbedenklich.
Bezug: im Buchhandel.

Formula-Diäten:

Dazu zählen z. B. "Herbalife" und "Slimfast". Sie enthalten zwar die wichtigsten Nährstoffe in Form von Instantpulvern, die mit Flüssigkeit angerührt anstelle von normalen Mahlzeiten mehrmals täglich verzehrt werden. Die Erfolgsaussichten sind jedoch gering. Denn Formula-Diäten sind zwar eine sehr bequeme Art, drastisch Kalorien einzusparen, man lernt dabei jedoch nicht, sein Eßverhalten zu ändern. Für extrem Übergewichtige, bei denen eine rasche Gewichtsreduktion sinnvoll ist, kann eine Formula-Diät unter ärztlicher Aufsicht evtl. sinnvoll sein - aber nur mit anschließendem Verhaltenstraining.
Bezug: Drogerien, Apotheken, Direktvertrieb.

Glyx-Diäten:

Bekanntester Vetreter dieser Gruppe ist die "Montignac-Methode", eine Diätempfehlung zur Gewichtreduktion des Franzosen Michel Montignac. Aus seiner Sicht hat der der glykämische Index eine Schlüsselstellung beim Abnehmen: Allein die Reduzierung des glykämischen Indexes soll alle Gewichtsprobleme lösen, Kalorien sind nicht relevant. Da die Blutzuckerwirksamkeit von Lebensmitteln von mehreren Faktoren abhängt, ist es unsinnig, den glykämischen Index als alleinigen Faktor für das Abnehmen anzusehen. Montignac empfiehlt außerdem eine sehr eiweiß- und fettreiche Kost, was den wissenschaftlichen Empfehlungen widerspricht. Studienbeweise gibt es keine. Bezug: im Buchhandel.

Kohlenhydratreiche Diäten:

Dazu gehören z. B. die "Dr.-Haas-Erfolgsdiät", "7-Tage-Körner-Kur", "Reis-Diät", "Obst-Diäten". Durch den übermäßig hohen Kohlenhydratanteil dieser Diäten wird man zwar trotz Kalorienbegrenzung relativ gut satt, es wird aber auch schnell langweilig - vor allem bei den Mono-Diäten: Apfel-Diät, Ananas-Diät, Kartoffel-Diät etc. Meist enthalten sie zu wenig Eiweiß und andere Nährstoffe und führen nicht zu einer Änderung des Eßverhaltens. Einzelne Gemüse- oder Reistage sind jedoch eine Möglichkeit, um hartnäckig hohe Blutzuckerwerte zu senken, aber auch um Ernährungs"sünden" wiedergutzumachen. Besprechen Sie dies vorher am besten mit Ihrem Arzt. Bezug: im Buchhandel, Drogerien, Reformhäusern.

Trennkost-Diäten:

Die wichtigsten Vertreter dieser Gruppe sind heute die "Hay'sche Trennkost" und das darauf basierende "Fit-for-Life"-Programm von H. und M. Diamond. Grundlage ist die Behauptung, daß der Körper Kohlenhydrate und Eiweiß nicht gleichzeitig verdauen kann, sie sollen deshalb getrennt verzehrt werden. Diese Aussagen sind wissenschaftlich längst widerlegt. Durch die Trennung entstehen keinerlei Vorteile. Wenn die Behauptung zuträfe, müßten bereits alle Säuglinge krank werden, da schon die Muttermilch, aber auch die Kuhmilch Kohlenhydrate und Eiweiß enthalten. Unhaltbar sind auch die Heilungsversprechen, z. B. von Krebs, durch Trennkost. Positiv ist lediglich der hohe Anteil an Obst, Gemüse und Vollkornprodukten.
Bezug: im Buchhandel.

Mit freundlicher Genehmigung von

28.07.2003
Angelika Leidner, Redaktion Diabetes-Journal
Diabetes-Journal Heft 5, 2003, Seite: 30-37