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Blutzucker in den griff bekommen bei körperliche Arbeit ?

  • Rang: Anfänger
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    Beiträge: 3
    Mitglied seit: 30.04.2014
    am 22.05.2014 20:34:01
    Hallo
    Kurz zu mir, ich bin 48 Jahre und vor 5 Wochen wurde bei mir Diabetes Typ 1 festgestellt.
    Nach 9 Tagen Krankenhaus pegelte sich der BZ wieder so langsam ein.
    Ich spritze vor den Mahlzeiten Humalog und Abends Lantus als Basis. Musste seit ich aus dem KH bin schon heftig die Dosis nach unten schrauben, KE Faktor war bei Entlassung 2-1-2....Morgens-Mittags-Abends. Nun bin ich bei 0,5-0,5-0,5.... Lantus hab ich von 20 E auf 10 E reduziert.
    So nun steht nächste Woche wieder Arbeit an, und ich habe ich in den letzten Tagen mal so langsam mein Pensum gesteigert, was körperliche Arbeit betrifft.
    Das Resultat war heute, normal gefrühstückt... 5 KE (2,5 Brötchen) und mal nichts gespritzt weil der BZ bei 4,8 lag, und ich meinem Sohn helfen wollte. Nach 1,5h lag der BZ bei 14,1....(noch Ruhe) dann zu Sohnemann hin und 2h was gemacht und siehe da BZ bei 3,1.... in den nächsten 3h hab ich 2Traubenzucker ,eine kleinen Cola und 2 Doppelschnitten gegessen und der BZ lag bei 5,4.... Ist das normal? Da bekommt man doch Angst.... Wie geht Ihr damit um? Sollte ich das Lantus noch weiter runter fahren? Das waren heute 5h Arbeit, ab Montag sind es dann 10-11h... Bin für eure Tips dankbar...
    LG Jens
  • Gast

    Rang: Gast
    am 22.05.2014 21:20:48
    Hallo Jens,
    das was sich bei dir vermutlich gerade tut ist die Remission.Heißt, deine Bauchspeicheldrüse produziert jetzt wieder mehr Insulin, da sie durch das externe Insulin entlastet wurde (Entzündung bessert sich).Das heißt aber auch, dass immer wenn der BZ Wert über ca. 70 liegt, die BSD Insulin "zuschießt".Reduziere einfach dein Basal- und Bolusinsulin soweit, dass deine Werte möglichst nicht unter 60-70 mg/dl (3,3-3,8) absinken. Ganz weglassen solltest du aber das externe Insulin keinesfalls, das belastet die BSD nur und verkürzt die Dauer der Remission.
    Gerade wenn du in den letzten Wochen wenig körperlich getan hast, macht sich die Wirkung auf den BZ deutlicher bemerkbar als im "trainierten" Zustand.
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    Beiträge: 3
    Mitglied seit: 30.04.2014
    am 22.05.2014 21:50:09
    Vielen Dank für deine Antwort.
    Ich will mal hoffen du hast recht, und das normalisiert sich im "trainiertem Zustand" ein wenig. An die Remission hatte ich auch schon gedacht, aber wäre da der Wert von heute früh nach dem essen nicht niedriger gewesen??? Oder war meine BSD noch nicht so richtig wach.... "lach" . Mich hat nur erschreckt, das 2h Arbeit nötig waren um meinem BZ um 9 runter zu bringen...
    LG Jens
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    am 22.05.2014 23:26:03
    Moin Jens,

    die Wirkung von gespritztem Insulin wird mit körperlicher Aktivität vervielfacht, und zwar entsprechend seiner Wirkkurve, und auch die ist abhängig von körperlicher Aktivität.

    Hausnummern-Beispiel:
    Start mit 5mmol/l, schnelles Analog-Insulin spritzen für 4 BEs und die dann essen
    -und anschließend 2 Stunden vor dem Compi sitzen und nach 3 Stunden mit Wirkauslauf wieder 5mmol/l messen.
    -und anschließend mauern und verputzen und schon nach 45 Minuten 5mmol/l messen und noch einmal 4 BEs essen
    -und weiter mauern und verputzen und 60 Minuten weiter wieder 5mmol/l messen und noch einmal 4 BEs essen und weitere 60 Minuten weiter 10mmol/l messen...

    Und in der Remission kommt noch das eigene Insulin dazu, und zwar abhängig von 2 Regelkreisen. Der erste sorgt bei völlig gesunden Menschen für den Löwenanteil der Insulin-Ausgabe, wenn die neu gegessene Glukose aus dem Darm in den Blutkreislauf übergeben wird. Damit treffen sich die Glukose und ihr Insulin in der Pfortader auf dem kurzen Weg in die Leber und werden da drin zusammen zum größten Teil verwurstet.
    Der zweite ist der, an den wir meistens denken, wenn wir die Reaktion unserer Betas auf Glukose meinen, also die Glukose, die direkt bei den Betas ankommt und die zur entsprechenden Ausgabe von Insulin stimuliert.

    Tatsächlich hat die Glukose schon einen Ganzkörper-Umlauf hinter sich, wenn sie selbst bei den Betas ankommt. Gesund mit nicht mehr als 7-8mmol/l für wenige Minuten in der Spitze etwa 1 Stunde nach dem Einverleiben.
    In dem Maße, in dem dieser erste Regelkreis nicht ausreichend funktioniert hat, setzt nun der zweite mit entsprechend höherem BZ ein und stimuliert die Insulin-Ausgabe. Gesund ausreichend für maximal 8mmol/l, und da kann die Insulin-Ausgabe schon deutlich übertrieben ausfallen. Mit höherem BZ natürlich noch sehr viel übertriebener - bis zu dem Zeitpunkt, zu dem die Betas zahlenmäßig nicht mehr zu übertriebenen Ausgaben imstande sind.

    Bedeutet für die meisten von uns und auch für Dich:
    Nicht wirklich berechenbarer Hintergrund. Folglich kannst Du nur systematisch beobachten und entsprechend fortlaufend und Ende-offen optimieren. Aber das macht niemand anders, der seinen BZ mit Diabetes einigermaßen gesund steuert.

    Daumendrück, Jürgen
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    Mitglied seit: 30.04.2014
    am 23.05.2014 18:18:52
    Hallo Jürgen
    Erstmal Danke für deine ausführliche Erklärung....
    Ich sehe schon, das es eine ganz schöne Herausforderung werden wird, so halbwegs mein bisheriges Arbeitspensum beizubehalten. Werde mich wohl an die ein oder andere Zwischenmahlzeit gewöhnen müssen. Hab das heute mal ausprobiert und in abständen die ein odere andere BE zu mir genommen. Mein BZ war dadurch relativ stabil um die 5. Umdenken ist also angesagt.... was wohl nicht so einfach werden wird.
    LG Jens
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    Rang: Erweitertes Mitglied
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    Beiträge: 8853
    Mitglied seit: 20.02.2011
    am 23.05.2014 21:19:21
    Moin Jens,

    mit Deinem systematisch zielgerichteten Ausprobieren bist Du voll in der Spur zu Deinem gesunden Leben mit Deinem Diabetes.
    Mit Deiner zunehmenden Erfahrung wirst Du immer mehr Möglichkeiten entdecken, wie Du dich Deiner jeweiligen Arbeitssituation mit Deiner BZ-Steuerung immer flüssiger anpassen kannst :)

    Daumendrück, Jürgen