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Nichtdiabetische Unterzuckerung
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am 30.12.2014 16:02:28
Hallo zusammen,
eins vorweg: ich bin kein Diabetiker, jedenfalls noch nicht. Ich habe im Prinzip das gegenteilige Problem, nämlich das meine Bauchspeicheldrüse nach einer Mahlzeit scheinbar zu viel und/oder zu lange Insulin ausschüttet und ich so in den Unterzucker rutsche - mit den entsprechenden Symptomen.
Es sieht so aus, als ob Hypoglykämien, die nicht durch extern verabreichtes Insulin ausgelöst werden, recht selten sind und wohl auch nicht gut erklärbar. Auch der behandelnde Arzt ist da ein bisschen ratlos und hat mir lediglich empfohlen, möglichst Zucker und schnelle Kohlenhydrate zu meiden. Leider konnte mir der Arzt auch nicht sagen, was denn eigentlich "normal" ist und deshalb habe ich die Hoffnung, dass in diesem Forum jemand das vielleicht sagen kann.
Ich habe vor einer Weile zum dritten Mal den oGTT gemacht und das Ergebnis ist jedesmal das Gleiche: ich starte morgens nüchtern mit ca. 100mg/dl, nehme die Glucoselösung, dann geht der Zucker hoch, dann kommt er wieder runter - und dann rauscht er ungebremst nach unten durch. Beim ersten Mal bis auf 30mg/dl, da stand ich kurz vor dem Kollaps.
Dieses Mal wurde ein Port gelegt und die Werte wurden in engeren Abständen gemessen. Sie sahen wie folgt aus:
Min. Insulin (mU/l) Blutzucker(mg/dl)
------------------------------------------------
0 7,3 90 (Einnahme von 75g Glucose)
15
30 47,8 165
45
60 80,0 173
75
90 39,5 104
105
120 10,2 57
135 7,7 51
150 8,2 58
165
180 4,8 75
------------------------------------------------
Nun frage ich mich, was bei mir das Problem sein könnte:
- Wird bei mir zu viel Insulin ausgeschüttet ?
- Oder zu lange ? Oder zu spät und dann zu viel ?
- registriert der Körper nicht oder zu spät, dass der Zuckerwert wieder normal aus und schüttet deshalb noch weiteres Insulin aus ?
- oder habe ich bereits eine Insulinresistenz, so dass trotz zeitnaher und ausreichender Insulinausschüttung der Zucker (zunächst) nicht runter kommt ?
- Oder funktioniert die Gluconeogenese nicht richtig ?
Darauf hatte der Arzt auch keine Antworten. Deshalb versuche ich das mal umzudrehen und frage mich, wie diese Werte denn bei einem "gesunden" Menschen aussehen würden. Aber dazu hat mir auch das weltweite Netz bislang keine Antworten gegen. Vielleicht wisst Ihr dazu ja mehr ?
Im Detail:
- Wie sollte der Ruhe-Insulin-Wert aussehen, sprich, wenn der Zuckerwert im Normbereich liegt (so um 100 herum) und keine Nahrung zugeführt wird ? Bei mir scheint dieser Wert so bei 7-8 mu/l zu liegen. Ist das normal ?
- Wie hoch sollte der Insulin-Wert bei maximaler Zucker-Provokation liegen ? Was bei mir auffällt, ist dass das Insulin nach 30 Minuten von 7 auf 40 hochgegangen ist. Aber dennoch steigt der Zuckerwert in den darauffolgenden 30 Minuten noch weiter an und der Insulinwert verdoppelt sich sich nochmal auf 80.
- Nach weiteren 30 Minuten ist der Zucker wieder bei 100, aber Insulin ist immer noch bei 40. Eigentlich sollte das Insulin da ja schon wieder auf den Normalwert von unter 10 zurückgegangen sein. Hier ist für mich jetzt die große Frage: liegt das daran, dass ein wohl sehr hoher Insulinwert von 80 einfach nicht so schnell wieder runterkommt oder hat der Körper nicht registriert, dass der Zuckerwert wieder normal ist und er aufhören sollte, Insulin auszuschütten ?
- nach dem der Zuckerwert auf 57 runtergegangen ist und auch Insulin wieder unten ist, dauert es 60 volle Minuten, bis der Zucker wieder bis auf wenigstens 75 gestiegen ist, was ja immer noch am untersten Ende des normalen Wertes liegt ? Oder hätte die Leber schneller Zucker freisetzen sollen ?
Noch als Zusatzinfo: ich kann ohne Probleme fasten, der Zucker bleibt dabei stabil.
Weitere Zusatzinfo: das war das dritte Mal,beim dritten Test, dass der Zucker-Wert so einen Verlauf nimmt, die Daten waren bei den vorhergehenden Tests nur nicht so detailliert und engmaschig gemessen, aber im Prinzip ist wohl jedes Mal das gleiche passiert.
Ich wäre Euch extrem dankbar, wenn jemand von Euch vielleicht wenigstens auf eine oder zwei Fragen eine Antwort wüsste, oder mir vielleicht einen guten Link geben könnte oder ...
Euch allen einen guten Rutsch und ein vor allem gesundes Jahr 2015 !
Frank
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am 30.12.2014 17:24:20
hjt_Jürgen schrieb:
vielleicht hilft ja schon diese Erklärung hier?
Ja, das beschreibt dieses Phänomen. Und - der von mir beschriebene Effekt tritt auch nach einer normalen Mahlzeit auf, nur eben nicht so extrem.
Aber dennoch: was mich so interessieren würde: wie sieht der Verlauf bei einem "gesunden, normalen" Menschen bei so einem oGTT aus ? Im Sinne von, wie steigt der fällt der Zuccker und wieviel Insulin wid wann ausgeschüttet ? Gibt es da irgendwie so eine Art "Normkurve" ?
VG
Frank -
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am 30.12.2014 17:44:41
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am 30.12.2014 17:54:44
http://www.phlaunt.com/diabetes/pics/164224951NormalBGGraphs.jpg -
am 30.12.2014 18:04:25
Jetzt hat es funktioniert, vielen Dank !
Tja .... dann muss ich wohl bei mir eine begonnene Insulinresistenz befürchten.
Was ist denn der Königsweg dafür ? Zucker und kohlenhydrate meiden ?
VG
Frank
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am 30.12.2014 18:41:19
Die Wege anderer können nur Beispiele sein. Die systematische medizinische Beobachtung von dem, was sich zwischen der Oberkante vom gesunden Blutzucker-Verlauf und der Unterkante von der Diagnosereife zum Diabetes tun oder nicht tun kann, steht erst noch aus. Einstweilen findet da noch keine ärztliche Behandlung statt, und jeder ist da praktisch sein eigener König.
Wenn ich heute in Deiner Situation mit meinem Diabetes starten könnte, würde ich mich nach meinem BZ-Gerät richten und immer nur so viele KHs essen, dass der anschließende Verlauf in der Spitze im Rahmen von maximal 120-140mg/dl bliebe. Mit etwas systematischer Beobachtung lassen sich da die verträglichen Mengen in ein paar Tagen bis Wochen ermitteln, so dass man dann anschließend nur noch hin und wieder ne Stichprobe braucht, um zu sehen, ob diese Mengen noch immer passen.
Mich würde brennend interessieren, wie lange ich allein auf diese Weise und mit einem guten Pensum an alltäglich regelmäßiger Muskelarbeit meinen BZ im gesunden Rahmen halten könnte. Denn bislang sagt die überwiegende Erfahrung, dass die BZ-Automatik mit der Zeit immer schlechter automatisch funktioniert und zu immer mehr Rücksichtnahme auch zunehmend medikamentöse Unterstützung braucht. - Ok, davor braucht heute auch niemand mehr zu verzweifeln, denn dazu sagen schon viele echte Langzeiterfahrungen, dass sich auch mit Insulin gut und gesund und lange leben lässt :)1 Benutzer dankte für diesen Nützlichen Beitrag. -
am 30.12.2014 22:06:18
Vielen Dank !
Was hat muskeltraining mit BZ zu tun ? Das macht mich neugierig ...
Viele Grüsse
Frank -
am 30.12.2014 22:36:14
Konventionell müssen mit Insulin eingestellte Diabetiker bei Bewegung Sport-BEs essen. Seit wir unseren BZ selbst messen können, können wir statt der Sport-BEs auch für die normalen BEs entsprechend weniger spritzen. Wenn ich nach dem Mittagessen einen Rolli-Ausflug mit meinem Handrad mache, brauche ich für KHs nur die Hälfte vom Insulin zu spritzen.
Viele 2er mit junger Diagnose schaffen mit Bewegung direkt nach dem Essen, den Blutzuckeranstieg gesund zu begrenzen. Die Hunde-Oma, die ich mal betreut hab, mit so um 20 Minuten Hunderunde statt um 250 in der Spitze nach ihrem Essen-auf-Rädern unter 100. Unser Muster Typ2, Hans Lauber, macht mit Messen-Essen-Laufen aus seinem Diabetes seit Jahren ein gesundes Geschäft. Und in ner fortschrittlichen Diabetes-Klinik kostet der Spekulatius ne viertel Stunde Laufen. -
am 31.12.2014 00:03:09
Ok verstehe. Hmm ... Nach dem Essen steht mir so gar nicht der Sinn nach laufen ... aber es macht Sinn. Ginge Krafttraining auch ? So hanteln oder Liegestütze ?
Nebenbei, ein anderer Effekt bei mir ist der, dass ich für -ernstzunehmenden- Sport Zucker brauche. Ich trinke dann immer Cola, ohne das entwickle ich einfach keine kraft mehr. Das ist doch auch verrückt oder ??? -
am 31.12.2014 10:33:21
Für Bewegung und Zucker schaust Du vielleicht z.B. mal hier. Was da drin steht, kann ich im großen und ganzen aus eigener Erfahrung unterschreiben - bis auf das Heilen. Da heilt nix, sondern das ist eine sehr wirksame Behandlung zur Herstellung des gesunden Zustands. In dem Moment, in dem die aufhört, tritt der kranke Zustand wieder ein. -
am 31.12.2014 13:14:29
Klingt sehr interessant, danke !
Stimmt es, dass muskeltraining die insulinsensibilität der Zellen erhöht ? -
am 31.12.2014 13:32:15
Alles, was die körperliche Leistungsfähigkeit erhöht, macht weniger Insulinbedarf :)
Und weniger Insulinbedarf wird allgemein mit besserer Insulinsensitivität der peripheren Zellen erklärt so wie mehr Insulinbedarf halt mit schlechterer ;) -