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Wie wollt ihr richtig behandelt werden?

  • Rang: Anfänger
    Punkte: 0
    Beiträge: 5
    Mitglied seit: 13.07.2016
    am 13.07.2016 13:06:17 | IP (Hash): 505840041
    Hallo Zusammen!

    Ich lebe seit drei Jahren mit einem Diabetiker Typ1 zusammen. Er bekam die Diagnose mit 16 und lebt jetzt nun seit fast 20 Jahren damit.
    Ich wende mich an euch, da ich manchmal einfach nicht mehr weiter weiß.
    Wie gehe ich als Angehörige, richtig mit diesem Thema um?
    Ich habe inzwischen schon viel damit erlebt. Vor allem das Thema Unterzucker ist ein Problem.
    In den meisten Fällen bemerke ich noch vor meinem Partner, dass er im UZ ist. Man kennt ja sein gegenüber und ich lag vielleicht einmal von 100mal falsch damit. Nun kennt ihr das sicher auch, dass dann der Betroffene meint, er habe keinen UZ und alles sei in Ordnung. In den Besten Fällen machen wir dann einen Test und er trinkt oder isst selbständig. in anderen Fällen muss ich ihm die Cola Schluck für Schluck wie einem Vögelchen einflößen. Das ist ja alles auch ok wenn das so klappt.
    Ich habe bei ihm schon jegliche Gefühlsreaktionen im UZ erlebt. Von Albernheit und Anschmiegsamkeit, bishin zu Angstzuständen und leider auch Aggressionen. Ich weiss dass ich am Besten einfach ruhig und bsonnen bleiben muss.
    Aber ich kam leider auch schon öfter in Extremsituationen. Damit meine ich nicht, nächtliche Krampfanfälle; da rufe ich inzwischen einfach den Notruf und fertig (Die Notfallspritze will ich ihm dann nicht geben, weil er zu sehr krampft).
    Um nur zwei zu nennen: Einmal wollte er mir im UZ aus dem fahrenden Auto springen. (ich fuhr, da er keinen Füherschein mehr hat wegen schon zwei Unfällen im UZ). Zum Glück(!!!) war da eben eine Tankstelle an die ich schnell ranfahren konnte.
    Ein ander mal war er so aggressiv dass er mir voll eine geknallt hat! (ich wollte ihn eigentlich nur dazu bringen was zu trinken) Natürlich wusste er hinterher nix mehr davon und es tat ihm auch sehr leid. Das glaube ich ihm auch weil er sonst sehr gutmütig und gegen jede Form von Gewalt ist. Aber, und jetzt werde ich absichtlich etwas provokant - bitte seid nicht böse, er hat es da etwas einfacher. Er hat nen Filmriss und wird irgendwann wieder klar. Er hat die Situation gar nicht miterlebt. Aber an mir bleibt das natürlich emotional hängen.
    Wir haben schon mehrere Gespräche darüber geführt. Mal mehr, mal weniger produktiv. Aber er wird dann eigentlich jedes mal sauer. Das Thema Diabetes ist ein rotes Tuch!
    Ich werde niemals wirklich verstehen können, wie es ist mit Diabetes zu leben, da ich es eben nicht habe. Aber ich kann wirklich, wirklich verstehen, dass man sich dann oft bevormundet, kontrolliert, beobachtet fühlt. Und ich denke, für viele Diabetiker ist es auch schwer, sich dann auch noch mit den Sorgen der Angehörigen auseinanderzusetzen. Da hat man schon diese blöde Krankheit und muss sich auch noch mit den Gefühlen der anderen rumschlagen oder gar Schuldgefühle bekommen. Das ist sicher schwer.
    Aber da komme ich nun zu meiner ursprünglichen Frage zurück. Wie soll sich denn ein Angehöriger am Besten verhalten? Wenn man merkt, da kommt ein UZ - da reagiert man doch natürlich! Und natürlich achtet man doch auch mehr auf den Partner, wie soll das denn ausbleiben?
    Wie soll ich damit umgehen ohne bei meinem Gegenüber das Gefühl der Bevormundung hervorzurufen?
    Ich versuche wirklich mit viel Verständnis und Liebe an dieses Thema heranzugehen, aber für meine Sorgen und Ängste ist da im Gegenzug kaum Verständnis.
    Fakt ist doch: Er hat Diabetes und daran kann man nix ändern. Ich habe aber nicht nur mit meinem Freund eine Beziehung, sondern auch mit seinem Diabetes. Der gehört nunmal dazu und ich bin unmittelbar auch davon betroffen.
    Wie also, liebe Diabetiker soll sich denn ein Angehöriger am Besten verhalten? Ich hoffe es ist klar geworden, dass ich hier niemanden angreifen will, ich hoffe einfach nur auf Tipps und Ratschläge.
    Ich denke, man kann nicht erwarten, dass man sich einfach komplett raushält.
    Ich bin für jeden Tip dankbar!!!
  • Rang: Erweitertes Mitglied
    Punkte: 0
    Beiträge: 1905
    Mitglied seit: 14.11.2014
    am 13.07.2016 15:07:44 | IP (Hash): 2108455638
    Hi!

    Jeder Mensch ist anders, so auch die Diabetiker...

    Was ich aus Deinem Text rauslese: Dein Freund hat ein maximales Hypo-Problem. Pappe weg, etliche Krämpfe – das ist gar nicht gut.
    Filmriss und Umkippen müssen heutzutage wirklich nicht mehr Tagesordnung sein...

    Vielleicht wäre eine CGM was für ihn – eine dauerhafte Messung des "Blut"zuckers mit einem Sensor, aktuell ist der FreeStyle Libre wohl so was wie ein Dauerbrenner.

    Tipps und Ratschläge, da hat man kaum Bock drauf. Ich persönlich wäre allerdings mit den ewigen Hypos so richtig unzufrieden... und nach der Dia-Dauer ist die Motivation wohl komplett im Eimer.


    Liebe und Verständnis, auf den Partner aufpassen – schön und gut, Dein Freund sollte aber in nicht-Hypo-Momenten auch ein verständnisvolles Gespräch über DEINE Probleme mit Typ 1 haben! Fehlt da die Einsicht, wird's schwer...


    Mein Rat wäre: Schleunigst eine Hypo-Wahrnehmungs-Schulung und ein neues Hilfsmittel Richtung CGM, und den nötigen Nachdruck kannst Du verleihen, wenn Du zum nächsten Quartals-Arztbesuch einfach mal mitgehst und in der Sprechstunde Deine Probleme damit ansprichst.

    Typ 1 muss heutezutage nicht mehr so in den Alltag eingreifen.
     1 Benutzer dankte für diesen Nützlichen Beitrag.
  • Elfe

    Rang: Gast
    am 13.07.2016 17:20:56 | IP (Hash): 616579549
    Hallo,
    ja, möchte den Hinweis im Beitrag von TypEinser bzgl. Hypo-Wahrnehmungs-Schulung bestätigen.

    Ich war bei so einer Schulung, hatte aber noch nie einen Filmriss, sondern viele Werte um die 50 und kleiner.
    Als langjähriger Diabetiker verändern sich die Anzeichen, werden schwächer.
    In der Schulung lernt man, die Anzeichen zu erkennen, und zwar BEVOR es kritisch wird, und man selber allein gegensteuern kann !
    Wir waren ganz unterschiedliche Betroffene - als neues Anzeichen bei mir war z.B., daß ich nicht mehr richtig gucken kann, beim Lesen die Buchstaben verschwimmen, Blendwirkung eintritt. Die anderen hatten das in ähnlicher Form.
    Auch lernt man, unterschiedliche Einflüsse wie Sport, Stress, Anstrengung in der Insulin-Menge zu berücksichtigen.
    Es gab auch einen Angehörigen-Termin, mit einer ähnlich dramatischen Beschreibung wie deiner.

    Also diese Schulung wäre die erste Maßnahme - der Diabetes-Arzt sollte wissen, wo diese in eurer Stadt / Nähe angeboten wird.

    Du hast wirklich eine Engelsgeduld.
    In erster Linie ist das seine Krankheit und muss damit umgehen, das würde ich ihm auch sehr deutlich sagen !

    Mit besten Grüßen
    Elfe
  • Elfe

    Rang: Gast
    am 14.07.2016 23:41:54 | IP (Hash): 616579549
    Minnie-Maus schrieb:

    Ich werde niemals wirklich verstehen können, wie es ist mit Diabetes zu leben, da ich es eben nicht habe.



    Hallo,
    bewundere dich für deine Geduld und Empathie.

    Diabetes ist lästig, viel zu beachten zu Essen und Behandlung,

    Versuche mal Unterzucker für dich zu beschreiben.
    Auch im persönlichen Gespräch nehme ich gerne das Beispiel Alkohol:
    Das Männlein mit dem Hämmerchen meldet sich durch Anzeichen - also genug, heißt für einen Diabetiker: Messen und ggf. mit Zucker gegensteuern.

    In beiden Fällen sind die Sinne nicht mehr optimal, so oder so bleibt Zeit und Erkenntnis entsprechend zu handeln.

    Mit besten Grüßen
    Elfe
  • Rang: Anfänger
    Punkte: 0
    Beiträge: 5
    Mitglied seit: 13.07.2016
    am 15.07.2016 10:52:28 | IP (Hash): 505840041
    Hallo!
    Erst mal danke für die Antworten und für die netten Worte!
    Das mit der Wahrnehmungs-Schulung werde ich ihm mal vorschlagen.
    Ich habe ihn schon oft, nachdem der UZ wieder vorbei war, gefragt, ob er denn selber nix gemerkt hat.
    Aber dem ist meistens nicht so. Ganz selten merkt er es mal von alleine.
    In seinen Augen ist der UZ auch nicht so schlimm- er meint, solange er zu Hause ist kann ja nicht wirklich was passieren. Als er noch allein gewohnt hat, hat er halt manchmal die halbe Nacht gekrampft, aber da die Leber ja irgendwann Zucker ausschüttet...
    Er hat im November die erste wirkliche Schulung nach 20 Jahren gemacht und natürlich geht er auch regelmäßig zum Diabetologen. Diese Argumente reichen für ihn um mir klar zu machen, dass er alles ernst nimmt.
    Es ist selten, dass mal eine Woche vergeht ohne UZ. Meist ist das so 2-3 mal pro Woche, mal heftiger mal weniger. Er meint nicht, das sei zuviel. Manchmal ist es ganz klar ein Spritz-Fehler oder zu wenig gegessen.
    Aber manchmal ist das auch wirklich unerklärlich und er sagt, dass das halt eben manchmal passieren kann.
    Zum Arzt würde er mich nicht mitnehmen - dann mische ich mich zu sehr ein...
    Neulich fragte ich nach seinem letzten Wert, da sich UZ-Zeichen bemerkbar machten und da erfuhr ich, dass er vor ca. 30 min einen Wert von ca. 50 gemessen hatte. Als ich dann fragte, warum er denn dann ne halbe Stunde wartete, ohne gegenzusteuern und warum er mir von dem Wert auch nix gesagt hatte, da fühlte er sich gleich kontrolliert und angegriffen.
    Wenn ich ihm vorschlage mich mehr mit einzubinden, dann klappt das ein paar Tage und dann hört das wieder auf.
    In seinen Augen mäckere ich zuviel und gebe ihm das Gefühl, er würde das alles nicht ernst genug nehmen. In seinen Augen nimmt er es ernst genug - nach dem Motto: UZ passiert halt mal.
    Mische ich mich wirklich da zu sehr ein? Das ist alles so ein hochsensibles Thema!
    Ihm wäre wohl am liebsten, ich würde gar nichts sagen und ihn einfach machen lassen.
    Wie kann ich ihm klar machen, dass ich nicht "Mutter" spielen will.
    Ich habe hier schon einiges gelesen, und viele Diabetiker scheinen das Gefühl zu kennen, das sich andere zu sehr einmischen.
    Aber, bitte, bitte was wäre denn die Konsequenz, wenn man sich nie "einmischt"? Wäre euch das am Liebsten?
    Wieso ist das Gefühl, andere würden sich einmischen so augeprägt? Wieso wird das als Vorwurf interpretiert?
    Ich habe mehrmals betont, dass das nicht meine Intention ist, sonder nur unterstützen will.
    Aber das kommt irgendwie nicht an. Fast alles was ich zu dem Thema sage, wird als Vorwurf und Einmischung interpretiert.
    Soll ich etwa anfangen mich komplett rauszuhalten? Na toll - dann schafft er vielleicht das nächste mal wirklich aus dem fahrenden Auto zu springen...
    Hilfe...
  • Bild User
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    Mitglied seit: 20.02.2011
    am 15.07.2016 14:29:27 | IP (Hash): 1543836638
    Jede Verbesserung seiner Situation kann ein INSULINER nur in dem Maße erreichen, in dem er die selbst will. Dazu braucht er in aller Regel ein für ihn anreizendes Ziel. Und für jemanden, der sich über Jahre an mehrere wöchentliche Hypos gewöhnt hat und damit offensichtlich bislang für sein Empfinden ausreichend gut durch gekommen ist, sind sehr viel weniger bis keine Hypos absolut kein Anreiz :(


    ----------------------------------------------
    Dieser Beitrag ist kein Ersatz für eine persönliche ärztliche Diagnose oder/und Behandlung.
  • Elfe

    Rang: Gast
    am 15.07.2016 18:18:42 | IP (Hash): 616579549
    Hallo,
    das ist aber auch schwierig.
    Wenn er 20 Jahre ganz gut durchgekommen ist, hat er wohl die Schulung kürzlich nicht so ganz ernst genommen. Da ist UZ auch schon ein großes Thema, ist also fraglich, ob eine Hypo-Schulung was bringt.

    Eigentlich sollte sein Arzt die UZ anmahnen !
    Mein Arzt fragt mich immer zu den niedrigen Werten anhand der Aufzeichnungen: Nicht immer weiß ich warum - zuviel gespritzt, verrechnet, Obst muss ich niedriger ansetzen -

    Möchte dir noch einen anderen Blickwinkel zu der Problematik beschreiben.
    Ich habe auch so ein stolzes männliches Herzblatt an meiner Seite.
    Und wenn ich ihn dann z.B. bei einer simplen Erkältung frage: Soll ich dir Tee machen ? Soll ich dir eine Tablette holen ? Kommt spätestens bei der 3. Frage seine Kritik: Du bemutterst mich !
    Autsch :-(
    Die ungebetenen Ratschläge habe ich mir fast abgewöhnt und wenn dann doch mal, sehr sehr vorsichtig formuliert.

    Rate dir darauf hin, ihn mal machen zu lassen, nicht fragen nach Werten.
    Natürlich lässt sich deine Sorge nicht einfach abschalten, aber du könntest eher der stille Beobachter sein, um auch weiter im Notfall helfen zu können.
    Aber du könntest auch mal etwas unfreundlicher im Ton werden und ggfs. sagen:
    Selber schuld - und wenn 's sein muss, steht jedes mal der Krankenwagen vor der Tür.

    Das mit dem Auto ist natürlich furchtbar. Als unausgesprochene Mahnung würde ich ein Paket Traubenzucker, Saft-Tetrapacks schön vor seiner Nase deponieren. Vielleicht reicht das schon zum Nachdenken.

    Bleibe tapfer !
    Elfe
  • Elfe

    Rang: Gast
    am 17.07.2016 01:15:44 | IP (Hash): 1662633706
    Ach Du,
    meine Antwort hat dir nicht gefallen.

    Einfache Antworten gibt 's leider nicht.
    Bei Tamy ist die Frage genau umgekehrt = mangelnde Unterstützung !?

    Meint Elfe
  • Rang: Erweitertes Mitglied
    Punkte: 0
    Beiträge: 91
    Mitglied seit: 02.06.2016
    am 17.07.2016 21:24:47 | IP (Hash): 1195592755
    Also ich finde jetzt Diabetes ist kein Drama. Manchmal liest es sich als ob man ne Behinderung hat. Liegt auch evtl. daran das ich nur Typ 2er bin. Aus meiner Sicht relativ easy um meine Freundin damit zu belasten. Morgens und Abends paar Pillen reinschmeissen und vor jedem Luckenfüllen ne Spitze Insulin.

    Ansich brauch sich ja meine Partnerin nicht darum kümmern was ich mache. Ich persönlich hab es mir nun selbst eingebrockt kann ich die Suppe auch selbst wieder auslöffeln. Ein Typ 1er kann ja meistens nix dafür.

    Das einzige was meine Partnerin macht Sie hat halt auch ihre Ernährung meiner angepasst. Was jetzt nicht wirklich zum Nachteil für Sie ist denn Sie profitiert ja auch davon wenn sie (gesünder) lebt.


     1 Benutzer dankte für diesen Nützlichen Beitrag.
  • Elfe

    Rang: Gast
    am 18.07.2016 02:15:06 | IP (Hash): 1662633706
    Hallo,

    mein männlicher Partner hat bei meiner Diagnose brav alle Informationen (einschl. Schulungsbuch) gelesen
    und war auch bei den Angehörigen-Terminen mit dabei.

    Und er hat sich zu Anfang jegliche Süßigkeit in meinem Beisein verkniffen.
    Das war mir sehr unangenehm !

    Mittlerweile hat sich das wieder eingependelt.
    Und immer wieder sage ich ihm: Sei froh und glücklich, daß du alles essen und genießen kannst und gönne ihm das.
    Wir hatten auch vor meiner Diagnose schon andere Lebensmittel-Vorlieben.

    Ich bin der Gemüse/Obst/Leichtes-Typ und er der Fleisch/Wurst/Bratkartoffel-Freund.
    Und wir bekommen das hin, ohne den anderen oder die andere zu bevor-/benachteiligen.

    Allerdings war seine klare Ansage von Beginn an: Du bist erwachsen und du musst selber auf dich aufpassen. Die Notfallspritze gibt er mir grundsätzlich nicht, weil - bei einer Hypo stirbt sich 's nicht so schnell, bis der Krankenwagen kommt.
    Dieses ist mir schon ein Stich ins Herz.

    Wäre die Diabetes-Diagnose umgekehrt, nicht ich sondern er, wäre mein Verhalten ganz bestimmt anders.

    Bisher habe ich mir bei den Hypos immer noch selbst helfen können.

    Mit besten Grüßen
    Elfe