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Wie wollt ihr richtig behandelt werden?
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am 13.07.2016 13:06:17 | IP (Hash): 505840041
Hallo Zusammen!
Ich lebe seit drei Jahren mit einem Diabetiker Typ1 zusammen. Er bekam die Diagnose mit 16 und lebt jetzt nun seit fast 20 Jahren damit.
Ich wende mich an euch, da ich manchmal einfach nicht mehr weiter weiß.
Wie gehe ich als Angehörige, richtig mit diesem Thema um?
Ich habe inzwischen schon viel damit erlebt. Vor allem das Thema Unterzucker ist ein Problem.
In den meisten Fällen bemerke ich noch vor meinem Partner, dass er im UZ ist. Man kennt ja sein gegenüber und ich lag vielleicht einmal von 100mal falsch damit. Nun kennt ihr das sicher auch, dass dann der Betroffene meint, er habe keinen UZ und alles sei in Ordnung. In den Besten Fällen machen wir dann einen Test und er trinkt oder isst selbständig. in anderen Fällen muss ich ihm die Cola Schluck für Schluck wie einem Vögelchen einflößen. Das ist ja alles auch ok wenn das so klappt.
Ich habe bei ihm schon jegliche Gefühlsreaktionen im UZ erlebt. Von Albernheit und Anschmiegsamkeit, bishin zu Angstzuständen und leider auch Aggressionen. Ich weiss dass ich am Besten einfach ruhig und bsonnen bleiben muss.
Aber ich kam leider auch schon öfter in Extremsituationen. Damit meine ich nicht, nächtliche Krampfanfälle; da rufe ich inzwischen einfach den Notruf und fertig (Die Notfallspritze will ich ihm dann nicht geben, weil er zu sehr krampft).
Um nur zwei zu nennen: Einmal wollte er mir im UZ aus dem fahrenden Auto springen. (ich fuhr, da er keinen Füherschein mehr hat wegen schon zwei Unfällen im UZ). Zum Glück(!!!) war da eben eine Tankstelle an die ich schnell ranfahren konnte.
Ein ander mal war er so aggressiv dass er mir voll eine geknallt hat! (ich wollte ihn eigentlich nur dazu bringen was zu trinken) Natürlich wusste er hinterher nix mehr davon und es tat ihm auch sehr leid. Das glaube ich ihm auch weil er sonst sehr gutmütig und gegen jede Form von Gewalt ist. Aber, und jetzt werde ich absichtlich etwas provokant - bitte seid nicht böse, er hat es da etwas einfacher. Er hat nen Filmriss und wird irgendwann wieder klar. Er hat die Situation gar nicht miterlebt. Aber an mir bleibt das natürlich emotional hängen.
Wir haben schon mehrere Gespräche darüber geführt. Mal mehr, mal weniger produktiv. Aber er wird dann eigentlich jedes mal sauer. Das Thema Diabetes ist ein rotes Tuch!
Ich werde niemals wirklich verstehen können, wie es ist mit Diabetes zu leben, da ich es eben nicht habe. Aber ich kann wirklich, wirklich verstehen, dass man sich dann oft bevormundet, kontrolliert, beobachtet fühlt. Und ich denke, für viele Diabetiker ist es auch schwer, sich dann auch noch mit den Sorgen der Angehörigen auseinanderzusetzen. Da hat man schon diese blöde Krankheit und muss sich auch noch mit den Gefühlen der anderen rumschlagen oder gar Schuldgefühle bekommen. Das ist sicher schwer.
Aber da komme ich nun zu meiner ursprünglichen Frage zurück. Wie soll sich denn ein Angehöriger am Besten verhalten? Wenn man merkt, da kommt ein UZ - da reagiert man doch natürlich! Und natürlich achtet man doch auch mehr auf den Partner, wie soll das denn ausbleiben?
Wie soll ich damit umgehen ohne bei meinem Gegenüber das Gefühl der Bevormundung hervorzurufen?
Ich versuche wirklich mit viel Verständnis und Liebe an dieses Thema heranzugehen, aber für meine Sorgen und Ängste ist da im Gegenzug kaum Verständnis.
Fakt ist doch: Er hat Diabetes und daran kann man nix ändern. Ich habe aber nicht nur mit meinem Freund eine Beziehung, sondern auch mit seinem Diabetes. Der gehört nunmal dazu und ich bin unmittelbar auch davon betroffen.
Wie also, liebe Diabetiker soll sich denn ein Angehöriger am Besten verhalten? Ich hoffe es ist klar geworden, dass ich hier niemanden angreifen will, ich hoffe einfach nur auf Tipps und Ratschläge.
Ich denke, man kann nicht erwarten, dass man sich einfach komplett raushält.
Ich bin für jeden Tip dankbar!!! -
am 13.07.2016 15:07:44 | IP (Hash): 2108455638
Hi!
Jeder Mensch ist anders, so auch die Diabetiker...
Was ich aus Deinem Text rauslese: Dein Freund hat ein maximales Hypo-Problem. Pappe weg, etliche Krämpfe – das ist gar nicht gut.
Filmriss und Umkippen müssen heutzutage wirklich nicht mehr Tagesordnung sein...
Vielleicht wäre eine CGM was für ihn – eine dauerhafte Messung des "Blut"zuckers mit einem Sensor, aktuell ist der FreeStyle Libre wohl so was wie ein Dauerbrenner.
Tipps und Ratschläge, da hat man kaum Bock drauf. Ich persönlich wäre allerdings mit den ewigen Hypos so richtig unzufrieden... und nach der Dia-Dauer ist die Motivation wohl komplett im Eimer.
Liebe und Verständnis, auf den Partner aufpassen – schön und gut, Dein Freund sollte aber in nicht-Hypo-Momenten auch ein verständnisvolles Gespräch über DEINE Probleme mit Typ 1 haben! Fehlt da die Einsicht, wird's schwer...
Mein Rat wäre: Schleunigst eine Hypo-Wahrnehmungs-Schulung und ein neues Hilfsmittel Richtung CGM, und den nötigen Nachdruck kannst Du verleihen, wenn Du zum nächsten Quartals-Arztbesuch einfach mal mitgehst und in der Sprechstunde Deine Probleme damit ansprichst.
Typ 1 muss heutezutage nicht mehr so in den Alltag eingreifen.1 Benutzer dankte für diesen Nützlichen Beitrag. -
Elfe
Rang: Gastam 13.07.2016 17:20:56 | IP (Hash): 616579549
Hallo,
ja, möchte den Hinweis im Beitrag von TypEinser bzgl. Hypo-Wahrnehmungs-Schulung bestätigen.
Ich war bei so einer Schulung, hatte aber noch nie einen Filmriss, sondern viele Werte um die 50 und kleiner.
Als langjähriger Diabetiker verändern sich die Anzeichen, werden schwächer.
In der Schulung lernt man, die Anzeichen zu erkennen, und zwar BEVOR es kritisch wird, und man selber allein gegensteuern kann !
Wir waren ganz unterschiedliche Betroffene - als neues Anzeichen bei mir war z.B., daß ich nicht mehr richtig gucken kann, beim Lesen die Buchstaben verschwimmen, Blendwirkung eintritt. Die anderen hatten das in ähnlicher Form.
Auch lernt man, unterschiedliche Einflüsse wie Sport, Stress, Anstrengung in der Insulin-Menge zu berücksichtigen.
Es gab auch einen Angehörigen-Termin, mit einer ähnlich dramatischen Beschreibung wie deiner.
Also diese Schulung wäre die erste Maßnahme - der Diabetes-Arzt sollte wissen, wo diese in eurer Stadt / Nähe angeboten wird.
Du hast wirklich eine Engelsgeduld.
In erster Linie ist das seine Krankheit und muss damit umgehen, das würde ich ihm auch sehr deutlich sagen !
Mit besten Grüßen
Elfe -
Elfe
Rang: Gastam 14.07.2016 23:41:54 | IP (Hash): 616579549
Minnie-Maus schrieb:
Ich werde niemals wirklich verstehen können, wie es ist mit Diabetes zu leben, da ich es eben nicht habe.
Hallo,
bewundere dich für deine Geduld und Empathie.
Diabetes ist lästig, viel zu beachten zu Essen und Behandlung,
Versuche mal Unterzucker für dich zu beschreiben.
Auch im persönlichen Gespräch nehme ich gerne das Beispiel Alkohol:
Das Männlein mit dem Hämmerchen meldet sich durch Anzeichen - also genug, heißt für einen Diabetiker: Messen und ggf. mit Zucker gegensteuern.
In beiden Fällen sind die Sinne nicht mehr optimal, so oder so bleibt Zeit und Erkenntnis entsprechend zu handeln.
Mit besten Grüßen
Elfe -
am 15.07.2016 10:52:28 | IP (Hash): 505840041
Hallo!
Erst mal danke für die Antworten und für die netten Worte!
Das mit der Wahrnehmungs-Schulung werde ich ihm mal vorschlagen.
Ich habe ihn schon oft, nachdem der UZ wieder vorbei war, gefragt, ob er denn selber nix gemerkt hat.
Aber dem ist meistens nicht so. Ganz selten merkt er es mal von alleine.
In seinen Augen ist der UZ auch nicht so schlimm- er meint, solange er zu Hause ist kann ja nicht wirklich was passieren. Als er noch allein gewohnt hat, hat er halt manchmal die halbe Nacht gekrampft, aber da die Leber ja irgendwann Zucker ausschüttet...
Er hat im November die erste wirkliche Schulung nach 20 Jahren gemacht und natürlich geht er auch regelmäßig zum Diabetologen. Diese Argumente reichen für ihn um mir klar zu machen, dass er alles ernst nimmt.
Es ist selten, dass mal eine Woche vergeht ohne UZ. Meist ist das so 2-3 mal pro Woche, mal heftiger mal weniger. Er meint nicht, das sei zuviel. Manchmal ist es ganz klar ein Spritz-Fehler oder zu wenig gegessen.
Aber manchmal ist das auch wirklich unerklärlich und er sagt, dass das halt eben manchmal passieren kann.
Zum Arzt würde er mich nicht mitnehmen - dann mische ich mich zu sehr ein...
Neulich fragte ich nach seinem letzten Wert, da sich UZ-Zeichen bemerkbar machten und da erfuhr ich, dass er vor ca. 30 min einen Wert von ca. 50 gemessen hatte. Als ich dann fragte, warum er denn dann ne halbe Stunde wartete, ohne gegenzusteuern und warum er mir von dem Wert auch nix gesagt hatte, da fühlte er sich gleich kontrolliert und angegriffen.
Wenn ich ihm vorschlage mich mehr mit einzubinden, dann klappt das ein paar Tage und dann hört das wieder auf.
In seinen Augen mäckere ich zuviel und gebe ihm das Gefühl, er würde das alles nicht ernst genug nehmen. In seinen Augen nimmt er es ernst genug - nach dem Motto: UZ passiert halt mal.
Mische ich mich wirklich da zu sehr ein? Das ist alles so ein hochsensibles Thema!
Ihm wäre wohl am liebsten, ich würde gar nichts sagen und ihn einfach machen lassen.
Wie kann ich ihm klar machen, dass ich nicht "Mutter" spielen will.
Ich habe hier schon einiges gelesen, und viele Diabetiker scheinen das Gefühl zu kennen, das sich andere zu sehr einmischen.
Aber, bitte, bitte was wäre denn die Konsequenz, wenn man sich nie "einmischt"? Wäre euch das am Liebsten?
Wieso ist das Gefühl, andere würden sich einmischen so augeprägt? Wieso wird das als Vorwurf interpretiert?
Ich habe mehrmals betont, dass das nicht meine Intention ist, sonder nur unterstützen will.
Aber das kommt irgendwie nicht an. Fast alles was ich zu dem Thema sage, wird als Vorwurf und Einmischung interpretiert.
Soll ich etwa anfangen mich komplett rauszuhalten? Na toll - dann schafft er vielleicht das nächste mal wirklich aus dem fahrenden Auto zu springen...
Hilfe...
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am 15.07.2016 14:29:27 | IP (Hash): 1543836638
Jede Verbesserung seiner Situation kann ein INSULINER nur in dem Maße erreichen, in dem er die selbst will. Dazu braucht er in aller Regel ein für ihn anreizendes Ziel. Und für jemanden, der sich über Jahre an mehrere wöchentliche Hypos gewöhnt hat und damit offensichtlich bislang für sein Empfinden ausreichend gut durch gekommen ist, sind sehr viel weniger bis keine Hypos absolut kein Anreiz :(
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Dieser Beitrag ist kein Ersatz für eine persönliche ärztliche Diagnose oder/und Behandlung. -
Elfe
Rang: Gastam 15.07.2016 18:18:42 | IP (Hash): 616579549
Hallo,
das ist aber auch schwierig.
Wenn er 20 Jahre ganz gut durchgekommen ist, hat er wohl die Schulung kürzlich nicht so ganz ernst genommen. Da ist UZ auch schon ein großes Thema, ist also fraglich, ob eine Hypo-Schulung was bringt.
Eigentlich sollte sein Arzt die UZ anmahnen !
Mein Arzt fragt mich immer zu den niedrigen Werten anhand der Aufzeichnungen: Nicht immer weiß ich warum - zuviel gespritzt, verrechnet, Obst muss ich niedriger ansetzen -
Möchte dir noch einen anderen Blickwinkel zu der Problematik beschreiben.
Ich habe auch so ein stolzes männliches Herzblatt an meiner Seite.
Und wenn ich ihn dann z.B. bei einer simplen Erkältung frage: Soll ich dir Tee machen ? Soll ich dir eine Tablette holen ? Kommt spätestens bei der 3. Frage seine Kritik: Du bemutterst mich !
Autsch :-(
Die ungebetenen Ratschläge habe ich mir fast abgewöhnt und wenn dann doch mal, sehr sehr vorsichtig formuliert.
Rate dir darauf hin, ihn mal machen zu lassen, nicht fragen nach Werten.
Natürlich lässt sich deine Sorge nicht einfach abschalten, aber du könntest eher der stille Beobachter sein, um auch weiter im Notfall helfen zu können.
Aber du könntest auch mal etwas unfreundlicher im Ton werden und ggfs. sagen:
Selber schuld - und wenn 's sein muss, steht jedes mal der Krankenwagen vor der Tür.
Das mit dem Auto ist natürlich furchtbar. Als unausgesprochene Mahnung würde ich ein Paket Traubenzucker, Saft-Tetrapacks schön vor seiner Nase deponieren. Vielleicht reicht das schon zum Nachdenken.
Bleibe tapfer !
Elfe -
Elfe
Rang: Gastam 17.07.2016 01:15:44 | IP (Hash): 1662633706
Ach Du,
meine Antwort hat dir nicht gefallen.
Einfache Antworten gibt 's leider nicht.
Bei Tamy ist die Frage genau umgekehrt = mangelnde Unterstützung !?
Meint Elfe
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am 17.07.2016 21:24:47 | IP (Hash): 1195592755
Also ich finde jetzt Diabetes ist kein Drama. Manchmal liest es sich als ob man ne Behinderung hat. Liegt auch evtl. daran das ich nur Typ 2er bin. Aus meiner Sicht relativ easy um meine Freundin damit zu belasten. Morgens und Abends paar Pillen reinschmeissen und vor jedem Luckenfüllen ne Spitze Insulin.
Ansich brauch sich ja meine Partnerin nicht darum kümmern was ich mache. Ich persönlich hab es mir nun selbst eingebrockt kann ich die Suppe auch selbst wieder auslöffeln. Ein Typ 1er kann ja meistens nix dafür.
Das einzige was meine Partnerin macht Sie hat halt auch ihre Ernährung meiner angepasst. Was jetzt nicht wirklich zum Nachteil für Sie ist denn Sie profitiert ja auch davon wenn sie (gesünder) lebt.
1 Benutzer dankte für diesen Nützlichen Beitrag. -
Elfe
Rang: Gastam 18.07.2016 02:15:06 | IP (Hash): 1662633706
Hallo,
mein männlicher Partner hat bei meiner Diagnose brav alle Informationen (einschl. Schulungsbuch) gelesen
und war auch bei den Angehörigen-Terminen mit dabei.
Und er hat sich zu Anfang jegliche Süßigkeit in meinem Beisein verkniffen.
Das war mir sehr unangenehm !
Mittlerweile hat sich das wieder eingependelt.
Und immer wieder sage ich ihm: Sei froh und glücklich, daß du alles essen und genießen kannst und gönne ihm das.
Wir hatten auch vor meiner Diagnose schon andere Lebensmittel-Vorlieben.
Ich bin der Gemüse/Obst/Leichtes-Typ und er der Fleisch/Wurst/Bratkartoffel-Freund.
Und wir bekommen das hin, ohne den anderen oder die andere zu bevor-/benachteiligen.
Allerdings war seine klare Ansage von Beginn an: Du bist erwachsen und du musst selber auf dich aufpassen. Die Notfallspritze gibt er mir grundsätzlich nicht, weil - bei einer Hypo stirbt sich 's nicht so schnell, bis der Krankenwagen kommt.
Dieses ist mir schon ein Stich ins Herz.
Wäre die Diabetes-Diagnose umgekehrt, nicht ich sondern er, wäre mein Verhalten ganz bestimmt anders.
Bisher habe ich mir bei den Hypos immer noch selbst helfen können.
Mit besten Grüßen
Elfe
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am 20.07.2016 15:09:42 | IP (Hash): 505840041
Hallo!
Danke für die Anregungen. Klar ist jeder Diabetiker anders und jeder geht anders damit um.
Aber als Antwort auf meine anfängliche Frage, hab ich jetzt am meisten rausgehört:
"Lass ihn machen und misch dich nicht zu sehr ein, er muss wissen was er tut, er trägt ja auch die Folgen"
Ich habe das Gefühl, dass sich (fast) alle Typ1er hier wünschen, dass man sie mit dem Thema am besten in Ruhe lässt.
Hey, Sorry, wie könnt ihr das erwarten? Wie schon beschrieben kann ich das ganze emotionale Dilemma das mit dieser Krankheit einhergeht ganz gut nachvollziehen, deswegen wollte ich ja wissen, wie ich mich am besten verhalten kann.
Das das Resultat heißt: am besten gar nicht. Aber damit kann ich, ehrlich gesagt, nicht umgehen.
Wie kann man erwarten, dass sich die nächsten Angehörigen komplett raushalten, wenn sie doch DIREKT auch davon betroffen sind? So ein Scheiß Unterzucker ist für uns kein Zuckerschlecken!!! Vor allem dann, wenn man dann in extreme Situationen kommt. Davon können bestimmt viele Angehörige ein Lied singen.
Wenn mein Partner in UZ kommt, dann MUSS ich reagieren! Denn je länger man dann wartet, desto schwieriger und langwieriger wird es ihn da wieder rauszuholen, und desto schwieriger wird es mit der Kooperation. Ich kann und will nicht jedes mal warten, bis er bewusstlos wird und ich ihm ne Spritze geben kann oder den RTW rufen muss. Das kann doch keine Lösung sein!
Ausserdem ist es nicht nur so, dass ich aus menschlichen Gründen dann helfen will und sollte. Es gibt auch sowas wie unterlassene Hilfeleistung. Ist eine Person hilflos (und das ist man ja wohl im UZ) dann habe ich die Pflicht zu helfen. Nicht nur menschlich, auch rechtlich!
Wenn ich dann auf meinen Partner mehr achte, damit ich den UZ auch schnell bemerke dann ist das doch auch wohl zu verstehen, oder? Aber nein, man fühlt sich gleich kontrolliert. Das ist alles was intressiert, aber nicht, dass ich bloss schlimmeres verhindern will. Und dafür werde ich angeklagt? Und dazu sagt man mir, halte dich am besten einfach raus?
Ich halte mich schon extrem zurück und ich denke nicht daran ihn wegen dem Essen oder dem Spritzen zu korriegieren, und auch die Arztbesuche usw. soll ruhig seine Sache bleiben.
Aber bei UZ hört das auf!!! Ist das denn so schwer zu verstehen? Im UZ passieren manchmal die Übelsten Sachen, und die muss dann ICH ausbaden! Und ich soll mich raushalten?
DAS GEHT NICHT!!!
Nicht nur ihr habt Stress mit dem Diabetes, die Angehörigen auch!!! -
am 20.07.2016 15:55:09 | IP (Hash): 2108455638
Auch Hallo!
Unterzuckerungen, und insbesondere diese Sorte, die Dir Dein Freund präsentiert, gehören heute NICHT mehr zum normalen Alltag!
Meine letzte Hypo "mit Wesensveränderung" liegt jetzt 3 Jahre zurück, umgekippt bin in all den Jahren noch nie. (Was nicht heißt, dass es nicht passieren kann).
Dein Freund verlässt sich wohl ein bisschen zu viel auf Dich – Dabei ist er es, der sich um seinen Körper kümmern muss. Die vielen Hypos schädigen den Körper mehr als gelegentlich höhere Werte. Und die Blutzuckerführung ist nunmal seine Sache. Punkt.
Wenn Dir SEINE Auffassung der Therapie solche Probleme bereitet und ER völlig uneinsichtig weiter diesen üblen Stil weiterfährt, solltest Du der Beziehung (und Dir) eine Pause gönnen.
Ich kenne Typ1er im Leistungssport, andere sind Berufskraftfahrer – es geht mit den heutigen Hilfsmitteln WIRKLICH ANDERS. -
am 20.07.2016 16:10:47 | IP (Hash): 505840041
Hallo TypEinser,
wie schaffst du es, deine Hypos so im Griff zu haben? -
am 20.07.2016 18:16:13 | IP (Hash): 1330269405
Wie ich Dich verstehe, verstehst Du Unterzuckerungen als den Tribut, den der beschissene Diabetes von jedem INSULINER fordert. Einfach so immer mal wieder plötzlich und unerwartet.
So stellt sich das Leben unter all den Insulinern in meinem Bekanntenkreis dar, die sich nicht nach ihrem Diabetes richten wollen.
Wer sich dagegen mit Bewegen und Spritzen und Essen und Trinken nach seinem Blutzucker richtet, kommt in aller Regel völlig ohne schwere und mit wenigen leichten Unterzuckerungen pro Quartal aus.
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Dieser Beitrag ist kein Ersatz für eine persönliche ärztliche Diagnose oder/und Behandlung. -
am 20.07.2016 18:54:42 | IP (Hash): 518379541
Minnie-Maus schrieb:
wie schaffst du es, deine Hypos so im Griff zu haben?
Es geht nicht darum, Hypos im Griff zu haben!
Es geht darum, Hypos zu vermeiden. Und auch hohe Werte.
Deshalb MESSEN Insulinpflichtige regelmäßig der Blutzucker und führen ein TAGEBUCH. Diese Informationen muss man dann AUSWERTEN. Jürgen beschreibt das sehr oft.
Leider gibt es viele, die zwar messen und schreiben, aber keine Rückschlüsse ziehen - dann läuft das so wie bei Deinem Freund. Über die Jahre geht dann alles den Bach runter... Natürlich gibt es Fälle, die nicht einfach einzustellen sind. Gerade Frauen haben schon wegen der Periode und den damit verbundenen hormonellen Schwankungen große Probleme (eine Indikation für eine Pumpe).
Das trifft auf Deinen Freund ja wohl nicht zu... ;)
Wenn man häufige Hypos und hohe Werte toleriert, verliert man sehr schnell die Hypowahrnehmung - deshalb der Tipp mit den Hypowahrnehmungs-Kursen.
Setzt aber vorraus, daß der Kandidat den Fehler bei sich erkennt!
Und die Sache mit "die Einstellung macht der Arzt".... der macht das Grund-Setup. Kohlenhydrate/Dosis berechnen und den Alltag mit berücksichtigen muss man dann schon selbst...
Macht nicht immer Spaß. Aber was Du beschreibst kommt für mich nicht in Frage. Dann lieber täglich insgesamt ne halbe Stunde investieren als zuckend in der Ecke liegen.... oder mit dem Auto vor nen Baum oder in den Gegenverkehr.... oder im Schwimmbad /Freibad ersaufen... oder oder oder. -
Elfe
Rang: Gastam 21.07.2016 01:16:52 | IP (Hash): 101547598
Minnie-Maus schrieb:
Hallo TypEinser,
wie schaffst du es, deine Hypos so im Griff zu haben?
Antworte mal als Elfe auf deine Frage.
Habe ja schon mehrfach geschrieben, daß das durchaus möglich ist.
Bei einer Hypo wird hinterfragt: warum, wieso, weshalb.
Die simple Antwort ist: Zuviel Insulin = reduzieren !
So einfach !
Insulin macht nichts anderes, als im richtigen Verhältnis zu Kohlenhydraten die Aufnahme zu ermöglichen. Nicht mehr und nicht weniger.
Insulin ist als Medikament nicht so einfach zu dosieren, aber auch aufgrund der heutigen Möglichkeiten gut zu meistern.
Daß wir hier dir schreiben, wir möchten als Betroffene selber eigenständig damit umgehen und damit unsere Angehörigen, Kollegen, Freunde und Umfeld lieber nicht belasten, ist unsere Rücksichtnahme, aber keinesfalls eine Kritik an Dir !!!
Nun aber mal von Frau zu Frau.
Ich hätte schon längst meinen Geduldsfaden verloren.
Du hast doch auch Wünsche an die Beziehung mit einem Partner, ganz bestimmt nicht als Aufpasser-Rolle, was dich wahrscheinlich sogar den Nachtschlaf kostet.
Habe auch verstanden, daß du dich rechtlich wegen Hilfeleistung sorgst.
Und genau dieses, berechtigt dich, mit dem Arzt/Praxis deines Partners in Kontakt zu treten und einen Gesprächstermin wahrzunehmen.
In der mich betreuenden Schwerpunkt-Praxis werden Angehörige durchaus in die Therapie mit einbezogen und werden als Begleitung für den Patienten und auch mit ihren Ängsten beraten.
Würde dem Partner sagen: Da du nicht alleine in der Lage bist und mich nicht ernst nimmst, bespreche ich mich mit deinem Arzt !
Die Möglichkeit seinerseits zu reagieren ist gegeben und er ist vorgewarnt, du tust nichts hinter seinem Rücken.
Mache dich bitte nicht kleiner als du bist - als 'Minnie'.
Du bist 'Maxi' ! mit all deiner Persönlichkeit und Mitgefühl !
Mit besten Grüßen
Elfe
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am 21.07.2016 08:04:43 | IP (Hash): 2108455638
Elfe schrieb:
Bei einer Hypo wird hinterfragt: warum, wieso, weshalb.
Die simple Antwort ist: Zuviel Insulin = reduzieren !
Da muss ich Einspuch einlegen!
Oft wird nach dem Essen zu früh korrigiert – der Bolus ist noch nicht durch, man misst aber einen hohen Wert und korrigiert. Die Folge: Hypo. Das sind dann auch meistens die üblen.
Klassiker sind auch fehlende Anpassung an mehr Bewegung. Und das kann schon mal die Shoppingtour mit der Freundin sein...
Gemein ist, wenn man einen steigenden Insulinbedarf hatte, ohne den Grund zu kennen. Das kann auch eine "versteckte" Entzündung sein. Ist die abgeheilt, sinkt der Insulinbedarf - Peng. Gleiches nach Erkältungen.
Und nicht zu vergessen: Die Hypogefahr nach dem Feiern. Alkohol und Dance. Verliert man bei Alk und Mucke den Überblick hat der Sani was zu tun. Da hilft dann die Notfallspritze nicht! -
am 21.07.2016 11:32:55 | IP (Hash): 1467949085
Aber auch für Deinen Einspruch passt Hypo=zu viel Insulin mit der Ergänzung IN DER SITUATION!
Die Shoppingtour verläuft nach Auslauf der Bolus-Wirkung, also mit Start gut 2 bis eher 3 Stunden nach dem letzten Essen und Spritzen eher völlig unauffällig, während mit dem Tourstart in der Stunde nach dem selben Spritzen und Essen die Hypo ohne sogenannte Sport-BEs im Zeitrahmen von anderthalb bis 3 Stunden nach dem Essen meistens schon bestellt und keineswegs unerwartet ist.
Hintergrund: Bewegung beschleunigt den Kreislauf. Beschleunigter Kreislauf beschleunigt den Umsatz von Insulin und Glukose in der Leber.
Wir schauen beim Stichwort Bewegung immer auf den Mehrbedarf arbeitender Muskeln. Denn wir haben irgendwie in den Schirm eingebrannt, dass Glukose aus dem Blut vorrangig dann verschwindet, wenn sie in Muskelzellen verbrannt wird.
Das ist wohl auch so bei anhaltender besonders starker körperlicher Belastung wie beim Marathon. Aber Shopping ist selbst über 2-3 Stunden noch lange kein Marathon und sorgt wesentlich nur dafür, dass unser Blut vielleicht 2mal so schnell und schneller wie in Ruhe in unserem Körper umläuft.
Und diese Beschleunigung liefert wahrscheinlich den Hauptgrund für den geringeren Insulin-Bedarf mit aller Bewegung. Denn Insulin hat eine Halbwertzeit von knapp 5 Minuten. Dort, wo eine Einheit 10 Minuten nach dem Eintritt in den Blutkreislauf ankommt, kann sie nur noch wie eine viertel Einheit wirken. Mit der Kreislaufbeschleunigung kommt die Einheit da aber z.B. schon nach 5 Minuten an und wirkt wie ne halbe = verdoppelte Wirksamkeit! Die verdoppelte Wirksamkeit reicht schon für die Shopping-Hypo. Und mit zunehmender Anstrengung kann sich die Umlaufgeschwindigkeit unseres Kreislaufs vervier- bis verfünffachen mit der entsprechend vervier- bis verfünffachten Wirkung des gerade aktiven Insulins.
Und die beschleunigungsverstärkte Wirksamkeit betrifft ja nicht nur die in den Muskelzellen. Sondern sie betrifft vor allem doch die Wirksamkeit in unserem am intensivsten durchbluteten Organ, in unserer Leber. Je mehr wirksames Insulin da drin mit der Kreislaufbeschleunigung ankommt, desto mehr Glukose wird darin aus dem Blutkreislauf genommen und zur Speicherung in Glykogen oder Triglyzeride umgebaut. So wird recht leicht verständlich, warum die Typ2 Hunde-Oma mit 20 Minuten Gassigehen direkt nach dem Essen ihre BZ-Spitze auf um 100 und sogar darunter senken kann - statt über 200 im Schaukelstuhl. Und warum ne Typ1 Joggerin in meinem Bekanntenkreis zu den 2KEs direkt vor dem Lauf und den 2KEs während ihrer Laufstunde noch 4 KEs danach in Form eines leckeren Stücks Kuchen einverleiben kann für ihren BZ 2 Stunden nach dem Joggen in ihrem Zielbereich. Wo kalorienverbrauchsmäßig allein der Kuchen für das Laufen mehr als ausreichen würde.
Da lässt sich Nichts in Formeln fassen. Aber es hilft verstehen, wenn sich unser BZ völlig anders als auf den ersten Blick erwartet und mit einfachen Apps vorhergesagt verhält. Wie viel von welchem Insulin bei uns INSULINERn jeweils gerade wirksam ist und mit unserem Kreislauf beschleunigt und BZ-wirkmäßig verstärkt wird, richtet sich nach unserer ganz individuellen wirkkurve. Die richtet sich nur sehr grob nach der allgemeinen Wirkbeschreibung der verschiedenen Insuline. Die kann auch kein noch so toller Arzt hellsehen, sondern die können wir nur mehr oder weniger fleißig uns systematisch austesten. Da können dann locker für morgens und mittags und abends recht verschiedene rauskommen und für Arbreitstage noch wieder andere als für Wochenenden und… Und für nen einigermaßen gesunden alltäglichen Blutzucker-Verlauf ohne Hypos bleibt dann immer noch, dass man sich dann auch verhaltensmäßig alltäglich danach richtet.
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Dieser Beitrag ist kein Ersatz für eine persönliche ärztliche Diagnose oder/und Behandlung. -
am 21.07.2016 11:51:13 | IP (Hash): 2108455638
...wobei man bei Typ 1 eine bis zu siebenmal höhere Insulinsensibität bis zu 12 Stunden nach einem (auch geringen) mehr der üblichen Bewegung feststellen kann!
Und bei dem ganzen darf man die Insulin-Gegenspieler nicht vergessen. Völlig unkalkulierbar sind kleine Sportler, die mit Eifer z.B. Fußball spielen. Gewinnt die Mannschaft ist die Tendez zur Hypo höher – verliert das Team, kann man auch mal 400er messen. Und das bei gleicher Ausgangskonstellation.
In Bezug auf Shopping kommt es tatsächlich mehr darauf an, ab die Nummer Spaß macht. Oder eben eine Pflichveranstaltung ist.... gerade bei niedrigen Faktoren/hohen Korrekturzahlen sollte man eine Zwischenmessung einlegen.
Was für die Fragestellerin wichtig ist:
Der Diabetiker MUSS sich selbst gut kennen. Sonst klappt die Therapie nur sehr schlecht - und das ist schlechte Lebensqualität und ist mit den heutigen Möglichkeiten wirklich nicht mehr nötig. -
Elfe
Rang: Gastam 22.07.2016 00:10:04 | IP (Hash): 101547598
Oh je, was habe ich da verursacht.
Bitte Euch, Typ Einser und Jürgen, um Entschuldigung - meine eigentliche Intention war und ist, Minnie-Maus als Angehörige den Rücken zu stärken.
Bei dem Versuch, zu vereinfachen, habe ich nicht gut formuliert, und ihr habt reagiert.
Könnten wir uns auf BE/Insulin, personenbezogen, situationsbedingt einigen ?
Diese Grundsatzdiskussion wäre besser für den Partner von Minnie-Maus zielführend, aber nicht für eine/n Angehörige/n.
Zich Parameter aufzuzählen, die den Blutzucker beeinflussen, ist mir m. E. für die Fragestellerin nicht zielführend.
Da ich ja selbst Hypos in den Griff bekommen muss, kenne ich so einige Einflüsse wie zu früh korrigieren, Bewegung, Stress ...
Aber, wenn mein Arzt meine Werte anhand meiner Aufzeichnungen überprüft, heißt es überwiegend,
Insulin reduzieren = entspr. Faktor je nach Tageszeit zu BE/Insulin zu senken.
Für 'Diabetiker' gibt es kein Allgemein-Rezept ! Wir sind keine eigene Spezies - Typ 1 und Typ 2 sind eine grobe Einteilung, mit Unterkategorien.
Mir ist wichtig, Minnie-Maus zu sagen, daß es einem Diabetiker mit seinem Arzt durchaus möglich ist, aufgrund seiner persönlicher Anlagen und Lebensumständen diese schweren Unterzucker zu vermeiden. Zumal 'Krampfen' noch andere schwerwiegende Folgen haben kann.
Diabetes-Behandlung ist durchaus zwischen Arzt und Patient gut möglich.
Mit besten Grüßen
Elfe
Bearbeitet von User am 22.07.2016 00:28:54. Grund: . -
am 22.07.2016 07:51:55 | IP (Hash): 2108455638
Elfe schrieb:
Oh je, was habe ich da verursacht.
Im Prinzip ja nicht ;-))
Zeigt ja nur deutlich, dass man sich selbst um seinen Zucker kümmern muss!
Wenn man als Angehöriger in die Aufpasser-Rolle gedrängt wird, bringt das beiden nichts.
Ich persönlich finde es OK, wenn man mir wortlos eine "echte" Cola reicht wenn ich Anzeichen einer Hypo habe.
Mich darauf ansprechen ist in solchen Momenten seeeehr kontraproduktiv!
Zuhause beschränkt sich der Anteil "Partner behandelt mit" auf "in 10 Minuten ist Essen fertig" – der Rest ist dann wieder mein Problem.
@Minni-Maus
Schau doch mal in einer Forum für Dia-Kids. Da findest Du genau die Situation vor: Eltern kümmern sich um die Krankheit der Kinder. Mit all den kleinen und großen Problemen... heimliches Naschen, Probleme mit Hypowahrnehmung... -
am 22.07.2016 10:42:34 | IP (Hash): 505840041
Hallo Zusammen!
Vielen, vielen lieben Dank für eure Worte. V.a. Danke an Elfe für dein Mitgefühl!
Es ist schön zu lesen, dass es eben auch anders geht und man das alles doch mehr im Griff haben kann.
Da hat mich meine Intuition wohl doch nicht getäuscht.
Ich fürchte nur, das alle Kommunikation mit meinem Freund, sei es mit viel Verständnis oder auch mal mit klaren Worten nichts bringen wird.
Ich habe ihm inzwischen erzählt, dass ich mich hier informiere. Dachte, er hört vielleicht mehr auf andere Diabetiker. Aber Pustekuchen!
Hab ihm das mit der Wahrnehmungsschulung erzählt und ihn gefragt, ob er sich das vorstellen könnte.
Da hat er aber sofort abgeblockt. Er meinte davon schon gehört zu haben, aber dass das nix für ihn sei, weil das wohl nur für die Leute in Frage kommt, die wohl gar keine Symptome eines UZ mehr bekommen, also nicht mal mehr Kaltschweiss, zittern, krampfen usw. Anscheinend hat wohl selbst die Ärztin gesagt, dass das für ihn nix sei. Als ich dann fragte, ob das nicht vielleicht trotzdem was wäre, fühlte er sich gleich bedrängt, meinte ich will ihn irgendwo "reinstecken" und das er jetzt sowieso keinen Nerv und Zeit dafür hätte... (Er hat seit zwei Monaten ne neue Arbeit, klar das ist Stress, das kann ich auch verstehen). Dann hat er mir noch gestanden, dass er sogar seine letzte Blutabnahme nicht wahrgenommen hat. Weil er wohl Sorgen wegen der Arbeit hatte.
Also, ich renne da echt gegen ne Wand.
Dann meinte er noch dass es bei ihm schon immer so wahr, dass er den UZ gar nicht, oder viel zu spät bemerkt. Ja, was soll ich da noch sagen?
Das mit der Aufpasserrolle ist echt wahr! Die hab ich wohl, aber er checkt gar nicht, dass er mich ja eigentlich dazu treibt, und beschwert sich aber dann, wenn ich sie einnehme...
Man kann schon mit ihm reden, er ist eigentlich echt ein toller Typ, aber Diabetes ist ein no-go-Thema.
Ich glaube, er hat immer noch nicht akzeptiert, das er es hat. Er ist sehr oft richtig sauer, dass er sich damit aueinandersetzen muss und schimpft oft über den Diabetes.
Wahrscheinlich ist das das Hauptproblem. Er sieht es quasi wie eine Strafe des Schicksals, dem er sich nicht beugen möchte.
Schade finde ich, dass er gar nicht sieht, wie gut ich die Problematik eigentlich nachvollziehen kann, sondern nur dass ich mich "einmische"....
Am liebsten würde ich ihm, diese ganzen Beiträge zu meinem gestellten Thema zeigen, aber ich fürchte der Schuss würde nach hinten los gehen.
Aber nun weiß ich, es geht auh anders. Ich hoffe er würde das genaso sehen. Aber ich fürchte, ich werde es nicht schaffen ihn davon zu überzeugen...
Aber nochmal danke an euch alle! Es tut gut verstanden und ernst genommen zu werden!
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Elfe
Rang: Gastam 23.07.2016 00:35:35 | IP (Hash): 101547598
Minnie-Maus schrieb:
Hab ihm das mit der Wahrnehmungsschulung erzählt und ihn gefragt, ob er sich das vorstellen könnte.
Da hat er aber sofort abgeblockt. Er meinte davon schon gehört zu haben, aber dass das nix für ihn sei, weil das wohl nur für die Leute in Frage kommt, die wohl gar keine Symptome eines UZ mehr bekommen, also nicht mal mehr Kaltschweiss, zittern, krampfen usw. Anscheinend hat wohl selbst die Ärztin gesagt, dass das für ihn nix sei.
Hallo Minnie-Maus,
die Wahrnehmungsschulung ist für Menschen gedacht, bei denen sich UZ-Vorfälle häufen - bei mir waren das viele Werte um die 50 - 60, bei einigen 30ern bekam ich dann vom Arzt die rote Karte = Schulung. Dort wird gelehrt, daß man Werte mindestens über 60 aufspüren kann, einem Bereich, bei dem man sich selbst helfen kann.
Die geschilderte Reaktion der Ärztin halte ich für unverantwortlich.
ABER, weiß sie überhaupt von den Vorfällen ? Schreibt dein Partner seine Werte in ein Tagebuch oder nutzt eine App ? Ohne ehrliche Kommunikation kann auch ein Arzt nicht richtig helfen.
Da du gerade seine Arbeit angesprochen hast, hoffe ich mal, daß die Kollegen informiert sind.
Ihr trefft euch dann wieder zum Abendessen.
Du könntest ev. mal versuchen, die BEs abzuschätzen.
BE sind 12 g Kohlenhydrate, neuerdings wird mit KE sind 10 g Kohlenhydrate gerechnet.
Hast du ein verarbeitetes = verpacktes Lebensmittel sind Kohlenhydrate angeben, eine Null abstreichen ergeben dann die KEs.
Es gibt auch Werte für Grundnahrungsmittel
z.B. https://www.lilly-pharma.de/de/gesundheit/diabetes/infomaterial.aspx
Die gespritze Insulin-Menge bekommst du wahrscheinlich nicht zu sehen.
Aber ev. könnten dir Zusammenhänge auffallen, wann 's schief geht ?
Nudeln/Reis sind z. B. schwierig - Angaben auf der Verpackung betrifft die Trockensubstanz, erfordert nach Kochen wiegen und rechnen nach Wasseraufnahme (Salzkartoffeln sind für mich mit 65 g bei 1 KE auch als Sattmacher viel sympathischer).
Bitte nicht falsch verstehen, dein Partner sollte das wissen, aber ev. hilft dir das mit Bauchgefühl den Abend und Nacht besser zu überstehen.
Auch die Wirkungszeit des Insulins spielt eine Rolle. Nach ca. 3 Stunden ist die Wirkung zu sehen und sollte sich im besten Fall mit der aufgespaltenen Nahrung treffen und der Blutzuckerwert ok. sein.
Soll heißen, deine 'Aufpasser'-Zeit begrenzt sich, fällt aber ev. in die Nachtruhe.
Aber vielleicht kommt ihr auch über gemeinsames Kochen mit KE-Einschätzung in einen Dialog.
Du wirst dann mit einbezogen und dein Partner fühlt sich hoffentlich nicht kontrolliert.
Mit besten Grüßen
Elfe -
am 23.07.2016 08:17:53 | IP (Hash): 1617049405
Meine 2 gemeinen Cents:
Mit über 35 Jahren ist Mann in seinen alltäglichen Gewohnheiten fest eingefahren und ausgelatscht. Und mit 20 Dienstjahren Typ1 kennt Mann, was es dazu gibt, und hat davon drauf, was Mann für sein für ihn ausreichendes Auskommen damit drauf haben mag. Das schließt auch die von Dir beklagten Hypos ein.
Er weiß, dass er mit so ner Hypo zwar ne mehr oder weniger armselige Figur macht und krampft und dass auch für ein paar Minuten bis ne halbe oder auch mal ganze Stunde das Licht ausgehen klann. Und dann geht es auch wieder an. Und dann brummt zwar der Kopf, aber wenn er sich den beim Krampfen nicht ernsthaft gestoßen hat, ist auch ohne Notfallspritze und ohne Notarzt und ohne Notaufnahme weiter nix passiert.
Klar könnte Mann seinen Umgang mit seinem Diabetes SOFORT TOTAL umkrempeln, wenn das für ihn unausweichlich dafür notwendig wäre, ein Ziel zu erreichen, das er unbedingt über das hinaus erreichen wollte, was er bislang ohne solches Umkrempeln erreicht hat und täglich erreicht. Ja einschließlich der gegenwärtigen Lebenspartnerschaft.
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Dieser Beitrag ist kein Ersatz für eine persönliche ärztliche Diagnose oder/und Behandlung. -
Elfe
Rang: Gastam 23.07.2016 16:54:00 | IP (Hash): 101547598
Hallo Minnie-Maus,
habe dir als Ergänzung noch eine Nachricht geschickt.
Die kannst du (nur) sehen, wenn du angemeldet bist.
Gruß Elfe