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Der Anti-Diabetiker stellt sich vor
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am 29.10.2018 17:34:35 | IP (Hash): 1354558143
Hallo zusammen,
ich habe nicht Diabetes, dafür aber reaktive Hypoglykämien und das ist auch sehr unschön. Aber ich vermute ja, dass Ihr das alle auch schon mal erlebt habt und wisst wie das ist.
Einmal wurde bei mir ein oGTT gemacht und nach 2h war ich bei 30mg/dl, da war ich wirklich kurz vorm Kollabieren.
Nachdem bei mir ein Insulinom zum Glück ausgeschlossen werden konnte, lautet die offizielle Diagnose "postprandiale reaktive Hypoglykämie", aber ohne erkennbare Ursache. Ich habe jetzt "Proglicem" verschrieben bekommen, das ich zu den Mahlzeiten nehmen soll. Ich habe aber nicht das Gefühl, dass das sinnvoll ist, denn soweit ich es bisher messen konnte, bleibt der BZ mehrere Stunden hoch (bis 170) um dann doch runterzukrachen. Vermutlich weil dann die Wirkung des Medikaments nachlässt. So schiebe ich den Zucker letztlich nur wie eine Bugwelle vor mir her, bis diese dann einbricht.
Die beschriebenen Nebenwirkungen von Proglicem sind auch nicht gerade geringfügig, deshalb habe ich mir überlegt, ob ich das vielleicht besser über die Ernährung zu lösen und da habe ich die Hoffnung, dass ich mich dazu mit Euch austauschen kann. Ich hoffe, ich bin hier auch als Spezialfall willkommen.
Viele Grüße
Frank -
am 29.10.2018 18:11:37 | IP (Hash): 1815675983
Der Insulinomausschluss sagt mir, dass Du mit mehreren Stunden Fasten nicht unterzuckerst, also auch nicht bei der Nacht. Ok?
Reaktiv bedeutet ja, dass der Reaktion ein Auslöser vorausgehen muss, meistens mehr KHs, als das betroffene System im normal gesunden Rahmen mit ner Stundenspitze nach dem Einfüllen bis max 140mg/dl verarbeiten kann. Hast Du da schon mal ein bisschen systematisch getestet? Und weißt Du noch den 1-Stunden-Wert bei Deinem Zuckerwassertest?
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Dieser Beitrag ist kein Ersatz für eine persönliche ärztliche Diagnose oder/und Behandlung.1 Benutzer dankte für diesen Nützlichen Beitrag. -
am 29.10.2018 19:56:18 | IP (Hash): 1552368368
Frank183 schrieb:
..., deshalb habe ich mir überlegt, ob ich das vielleicht besser über die Ernährung zu lösen und da habe ich die Hoffnung, dass ich mich dazu mit Euch austauschen kann.
Hallo Frank,
ich kann dir mit gutem Gewissen zwei Ernährungskonzepte empfehlen, die du dir mal ansehen könntest.
1. LOGI: https://forum.nicolai-worm.de/
Das ist eine Ernährung mit vile Gemüse und moderater KH-Reuzierung, bei der viel Wert auf Menge und Qualität der KH gelegt wird.
2. Wenn das noch nicht genug hilft, dann läge auf jeden Fall bei einer ketogenen Ernährung noch eine große Chance. Dazu kann ich dir
LCHF https://forum.nicolai-worm.de/
Wenn du näheres Interesse an 1. oder 2. hast und sich Rückfragen ergeben, dann frag ruhig. Wenn ich kann, dann beantworte ich gerne deine Fragen dazu.
Beste Grüße, Rainer
P.S.: Für die reaktive Hypoglykämien gibt es den neueren Fachbegriff 'alimentäre Hypoglykämie'. Vielleicht findest du unter diesem Begriff mehr Infos.1 Benutzer dankte für diesen Nützlichen Beitrag. -
Elfe
Rang: Gastam 29.10.2018 23:24:45 | IP (Hash): 550942137
Hallo Frank,
deine Bezeichnung 'Anti-Diabetiker' bezeichnet von zwei Seiten das Grundproblem:
Blutzuckersteuerung klappt nicht so und braucht medikamentöse Unterstützung.
Zur Recherche deines Medikamentes ist mir dieses aufgefallen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Diazoxid
mit noch zwei weiteren möglichen Diagnosen Leucin-Hypersensibilität oder Nesidioblastose (verlinkt).
Was hilft's.
Du schreibst, daß du das Proglicem ZU den Mahlzeiten nehmen sollst - vor/während den Mahlzeiten.
Im Beipackzettel steht aber eindeutig: NACH den Mahlzeiten.
Mag oberflächlich nicht so wichtig zu sein, genau hingesehen aber schon.
Gibt einen Zeit-Unterschied ca. 1/2 bis 3/4 h, wo das Medikament denn wirkt.
Per Ernährung könntest du darauf achten, Kohlenhydrate 'verpackt' zu dir zu nehmen, bedeutet mit Anteilen von Fett, Eiweiß, Ballaststoffen den BZ-Anstieg zu verlangsamen und BZ-Spitzen vermeiden - um speziell bei dir, das Signal für deine hyperaktiven Inselzellen zu vermindern.
Na klar, herzlich willkommen :-)
BZ-Problem gesehen von anderer Seite, erscheint mir aber vergleichbar mit Dosierung von Insulin (bei mir).
Auch auf mg/kg Körpergewicht bezogen - in Anfangsdosis - und wann nehmen (zu allgemeinen Ernährungsempfehlungen).
Gruß Elfe -
am 30.10.2018 09:09:39 | IP (Hash): 1354558143
hjt_Jürgen schrieb:
Der Insulinomausschluss sagt mir, dass Du mit mehreren Stunden Fasten nicht unterzuckerst, also auch nicht bei der Nacht. Ok?
Ja, ich habe jetzt 72h unter ärztlicher Aufsicht gefastet. Die ersten 48h war der BZ bei 85-95mg/dl, dann ist er gesunken und war die letzten 24h bei 65-75, bis ich dann wieder etwas gegessen habe.
Mein Nüchternwert morgens direkt nach dem Aufstehen liegt idR bei 80-85.
hjt_Jürgen schrieb:
Reaktiv bedeutet ja, dass der Reaktion ein Auslöser vorausgehen muss, meistens mehr KHs, als das betroffene System im normal gesunden Rahmen mit ner Stundenspitze nach dem Einfüllen bis max 140mg/dl verarbeiten kann. Hast Du da schon mal ein bisschen systematisch getestet? Und weißt Du noch den 1-Stunden-Wert bei Deinem Zuckerwassertest?
Der 1h-Wert beim oGTT war 190. Ansonsten ist es auch reproduzierbar. Nach einer normalen Mahlzeit steigt der BZ rasch an, sinkt dann irgendwann rapide ab und kommt dann irgendwo bei 70-80 raus. Je mehr KH die Mahlzeit enthält, desto stärker sind die Aussschläge.
VG
Frank
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am 30.10.2018 09:56:09 | IP (Hash): 1354558143
Elfe schrieb:
Zur Recherche deines Medikamentes ist mir dieses aufgefallen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Diazoxid
mit noch zwei weiteren möglichen Diagnosen Leucin-Hypersensibilität oder Nesidioblastose (verlinkt).
Was hilft's.
Ja, das habe ich auch gesehen. Über die Leucin-Hypersensibilität habe ich leider nichts gefunden und Nesidioblastose(oder auch kongenitaler Hyperinsulinismus) kann ich wohl ausschliessen, da mein Nüchtern-Insulinwert normal ist und eben auch beim Fasten normal bleibt.
Elfe schrieb:
Du schreibst, daß du das Proglicem ZU den Mahlzeiten nehmen sollst - vor/während den Mahlzeiten.
Im Beipackzettel steht aber eindeutig: NACH den Mahlzeiten.
Mag oberflächlich nicht so wichtig zu sein, genau hingesehen aber schon.
Gibt einen Zeit-Unterschied ca. 1/2 bis 3/4 h, wo das Medikament denn wirkt.
Das habe ich gar nicht gelesen. Der Arzt hat mir gesagt "zu den Mahlzeiten". Aber wie auch immer, die Beschreibung von Diazoxid sagt "Er bewirkt durch Hemmung der Insulinausschüttung der Langerhans-Inseln einen raschen und befristeten dosisabhängigen Anstieg des Blutzuckerspiegels..."
Ich verstehe das so, dass für die Wirkdauer, dass die Insulinausschüttung der Bauchspeicheldrüse gehemmt/blockiert wird und der BZ dementsprechend solange hoch ist/bleibt, aber sobald der Wirkstoff nachlässt, wird wieder Insulin augeschüttet und dann wohl wieder zu viel/zu lange. Was habe ich denn dadurch gewonnen? Hoher BZ über einen längeren Zeitraum ist ja nun auch nicht erstrebenswert, oder?
Was mich aber vor allem irritiert: In meinem Beipackszettel der Firma MSD steht auch:
"Eine Dauertherapie mit PROGLICEM 25 und PROGLICEM 100 ist nur bei lebensbedrohlichen Zuständen und bei Versagen oder Nichtanwendbarkeit anderer therapeutischer Maßnahmen bzw. Medikation ange-
zeigt."
Also, das kann es ja doch wohl auch nicht sein, oder?
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am 30.10.2018 09:59:41 | IP (Hash): 1354558143
Rainer schrieb:
Frank183 schrieb:
ich kann dir mit gutem Gewissen zwei Ernährungskonzepte empfehlen, die du dir mal ansehen könntest.
Vielen Dank, Rainer. Ja, so in der Art werde ich das wohl machen, erscheint mir im Moment als die sinnvollste Lösung.
VG
Frank
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am 30.10.2018 17:25:37 | IP (Hash): 2037391032
Frank183 schrieb:
Ja, ich habe jetzt 72h unter ärztlicher Aufsicht gefastet. Die ersten 48h war der BZ bei 85-95mg/dl, dann ist er gesunken und war die letzten 24h bei 65-75, bis ich dann wieder etwas gegessen habe.
,,,
Mein Nüchternwert morgens direkt nach dem Aufstehen liegt idR bei 80-85.
,,,
Der 1h-Wert beim oGTT war 190. Ansonsten ist es auch reproduzierbar. Nach einer normalen Mahlzeit steigt der BZ rasch an, sinkt dann irgendwann rapide ab und kommt dann irgendwo bei 70-80 raus. Je mehr KH die Mahlzeit enthält, desto stärker sind die Aussschläge.
Sagt mir, dass Du Deine Herausforderung am elegantesten meisterst, indem Du zu Deinen Mahlzeiten immer nur so viel an BZ-Treibmittel isst, dass in der Spitze um ne Stunde danach 140mg/dl nicht überschritten werden. Dann läuft Dein BZ 2-3 Stunden weiter im völlig nomalen Bereich bei um 70 aus. Warum willst Du dann was snäcken?
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Elfe
Rang: Gastam 30.10.2018 19:34:45 | IP (Hash): 550942137
Hallo Frank,
Leucin-empfindliche Hypoglykämie scheint nicht zu passen.
(Wirklich doof bei Wiki: Leucin-Hypoglykämie sind als zwei einzelne Begriffe verlinkt)
Jedenfalls was ich sonst so finden konnte, betrifft das Kinder im Säuglingsalter - hätte sich schon sehr viel früher zeigen müssen.
https://www.gesundheit.de/lexika/medizin-lexikon/hypoglykaemie-leucinempfindliche
Würde Nesidioblastose nicht ausschließen.
Nüchternwerte und Fasten sind dazu meines Erachtens nicht geeignet.
Wenn du keine Kohlenhydrate isst, fehlt das Signal für die Inselzellen, Insulin auszuschütten.
Frühes Abendessen, verdaut bis zum Schlafengehen und BZ messen.
Sollte sich dann nicht weiter verringern.
Beim Fasten fehlt sowieso der Reiz von zugeführten Kohlenhydraten.
Das Prolicem NACH den Mahlzeiten zu nehmen, macht in sofern Sinn, daß die 'verpackten' Kohlenhydrate per Verdauung einige Zeit brauchen, um sich als Glukose im Blut zu zeigen.
Dann sollte auch die Hemmung der Insulinausschüttung wirken.
Ist meine persönliche Ableitung aus Umgang mit Insulinspritzen: Gebe bei Leichtverdaulichem vor, bei Schwerverdaulichem nach der Mahlzeit.
So ein 30 mg/dl, wie du beim oGTT beschrieben hast, ist gefährlich.
Muss mir öfters eine Standpauke vom Diabetologen anhören, weil bei mir die Insulinempfindlichkeit immer noch hoch ist mit doch schwieriger Dosierung.
Nicht unbedingt lebensbedrohlich, aber Krampfgefahr steigt.
Deine sonstig beschriebenen BZ-Werte liegen ganz gut - über der Unterzuckerungsgrenze von 60 mg/dl, die den Diabetikern so eingetrichtert wird.
~
Habe beim Googeln zu Thema noch dieses gefunden
"Häufig wird eine Beschränkung der Kohlenhydratezufuhr, besonders von Einfachzuckern, zur Vorbeugung einer Unterzuckerung nach einer Mahlzeit (reaktive Hypoglykämie genannt) empfohlen. Alpha-Glukosidase-Hemmer, wie Acarbose, die die Aufnahme von Kohlehydraten verlangsamen, wurden ebenfalls bei Menschen mit reaktiver Hypoglykämie und Unterzuckerung nach einer bariatrischen Operation mit Erfolg eingesetzt."
Siehe ganz unten auf
https://www.msdmanuals.com/de-de/heim/hormon-und-stoffwechselerkrankungen/diabetes-mellitus-dm-und-störungen-des-blutzuckerstoffwechsels/hypoglykämie-unterzuckerung
Genanntes Medikament 'Acarbose' hat einen anderen Wirkungspunkt - den Darm
https://flexikon.doccheck.com/de/Acarbose
https://flexikon.doccheck.com/de/Alpha-Glucosidase-Hemmer
Ob dies bei dir ev. hilfreich (dir 'sympathischer') ist, kannst du nur mit deinem behandelnden Arzt besprechen.
Gruß Elfe
Bearbeitet von User am 30.10.2018 19:42:34. Grund: Korrektur Schreibfehler -
am 31.10.2018 10:57:40 | IP (Hash): 1354558143
hjt_Jürgen schrieb:
Dann läuft Dein BZ 2-3 Stunden weiter im völlig nomalen Bereich bei um 70 aus. Warum willst Du dann was snäcken?
Weil es mir bei unter 85 nicht gut geht und ab unter 75 richtig schlecht. Sowohl körperlich als auch psychisch. Und das möchte ich gerne vermeiden. Außerdem führt das zu Heißhunger. -
am 31.10.2018 11:01:19 | IP (Hash): 1354558143
Elfe schrieb:
So ein 30 mg/dl, wie du beim oGTT beschrieben hast, ist gefährlich.
Ja, ich war kurz vorm Kollabieren, hatte schon einen Tunnelblick. Da war eine SB-Bäckerei nebenan, da habe ich mir irgendwas Süßes geschnappt, habe es aber fast nicht in den Mund bekommen, weil ich gezittert habe wie ein Alkoholiker im Endstadium.
Elfe schrieb:
Genanntes Medikament 'Acarbose' hat einen anderen Wirkungspunkt - den Darm
Gruß Elfe
Ja, das möchte ich als nächstes probieren.
VG
Frank -
am 31.10.2018 11:28:00 | IP (Hash): 942245415
Frank183 schrieb:
Weil es mir bei unter 85 nicht gut geht und ab unter 75 richtig schlecht. Sowohl körperlich als auch psychisch. Und das möchte ich gerne vermeiden. Außerdem führt das zu Heißhunger.
Dem würde ich an Deiner Stelle weiter auf den Grund gehen wollen, denn 70-85 mg/dl sind sogar für INSULINER völlig normaler BZ, für Leute ohne BZ-senkende Mittel auch noch bis um 60, und was Du da an Auffälligkeiten beschreibst, kenne ich aus Bereichen unter 50.
Ausnahmen:
1. Bei manchen bei seeehr schnellem Absinken über einen weiteren Bereich so wie von 200 auf 80 in ner halben Stunde. Hab selbst damit überhaupt keine Schwierigkeiten.
2. Bei Leuten, die sich die meisten von 24 Stunden BZ-mäßig im Bereich von 150-200 und darüber aufhalten. Wenn die dann mal an die 80 kommen, fühlen die sich genau wie Du's beschreibst.
UND dann gibts auch noch die Möglichkeit, dass Dein Messer zu hoch anzeigt und Du bei 85 auf der Anzeige tatsächlich schon bei 55 bist.
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am 31.10.2018 13:22:45 | IP (Hash): 1354558143
Hallo Jürgen,
ja, es ist gut möglich, dass ich Wirklichkeit tiefer bin als der angezeigte Wert. Aber wie eingangs erwähnt, war ich bei diesem 72h-Fastenversuch in der Klinik und die haben da mit ihrem Gerät regelmässig gemessen und das sollte doch ziemlich genau und verlässlich sein. Und auch da war es so, dass es mir mit 65-75 richtig dreckig ging.
In der Tat habe ich auch beobachtet, dass es mir auch schon schlecht geht, wenn der Wert rapide absinkt, obwohl er absolut gesehen noch ok ist.
Was mich ja auch uMTReibt: wieso bleibt mein BZ so lange so niedrig? Dass es Schwankungen gibt, klar, aber irgendwann sollte doch mal diese "Gluconeogenese" einsetzen und aus den Fettzellen neue Energie bereitstellen? -
am 31.10.2018 14:49:44 | IP (Hash): 942245415
Glukoneogenese läuft von Essenspausen unterbrochen immer mehr oder weniger und macht im gesunden Tagesablauf bei normal sogenannt ausgewogener Ernährung etwa 25% vom alltäglichen Gesamtumsatz an Glukose aus. Übrigens in der Hauptsache aus Eiweiß. Unser Körper ist beständig damit beschäftigt, sich zu erneuern, also Neu auf- und Alt abzubauen. Und das wie alle übrigen Funktionen möglichst sparsam. Also werden die Abbaustoffe in Glukose umgewandelt und energetisch recycelt. Auch Altfette gehen wohl zuerst dann meistens noch in den Schwimmgürtelspeicher.
Es sieht ganz so aus, als wenn die Glukoneogenese in Leber und Nieren einigermaßen beständig durchläuft und als wenn die Glukose daraus halt wie alle Glukose, die nicht in den Ganzkörperumlauf ausgegeben wird, in Form von Glykogen in der Leber gespeichert oder in Speicherfett umgewandelt und in die Schwimmhilfen weiter gegeben wird. Und die Leber gibt halt aus ihrem Speicher fortlaufend immer so viel Glukose aus, dass der persönliche Mindest-BZ erhalten bleibt, bei den meisten gesunden Menschen irgendwo zwischen um 60 und um 90. Und bei denen mit um 60 reicht die Stundenspitze bis so um 110 und bei denen mit um 90 bis um 140.
Wenn Deine Leber also normal für um 70 sorgt, macht sie in der Hinsicht eigentlich alles richtig. Denn auch alle Leute, von denen ich mit nüchtern meistens um 90 weiß, kennen mit 70 noch keinerlei Hypo-Anzeichen, geschweige denn Beschwerden.
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am 31.10.2018 16:45:24 | IP (Hash): 1354558143
Vielen Dank!
Ist es dann so, dass während der ersten 48h die Leber das gespeicherte Glukagon verwendet hat und als das verbraucht war, hat sie dann über die Gluconeogenese gerade so viel Glukose erzeugt, dass ich überleben konnte? In diesen ersten 48h lag ich nicht im Bett, habe ich mich aber auch kaum bewegt. Könnte das hinkommen?
Vielleicht ist es eben einfach so, dass ich mich unter 80 einfach nicht gut fühle, vielleicht ist das individuell verschieden, wer weiß...
VG
Frank -
Elfe
Rang: Gastam 31.10.2018 18:56:49 | IP (Hash): 550942137
So ist das.
Solange noch Glukose vorhanden ist, wird diese bevorzugt zur Versorgung des Organismus verwertet.
Erst bei längeren Essenpausen und niedrigem Insulinspiegel geht es an die Fettreserven.
Daß du dich mit 80 mg/dl persönlich schlecht fühlst, kann gut sein.
Diese UZ-Werte, die wir dir hier nennen, sind ja auf Diabetes bezogen, speziell auf Umgang mit äußerlich gegebenen Insulin, was zu einigen Vorsichtsmaßnahmen führt.
Daß, was wir dabei als Unwohlsein spüren, sind keine absoluten BZ-Werte, sondern der Unterschied.
Und wenn du bei hohen BZ-Werten startest, deine hyperaktiven Inselzellen (anderes Krankheitsbild) zu viel Insulin produzieren und schnell den BZ senkt, merkst du das.
Wenn du dich mit höheren BZ-Werten besser fühlst, kannst du das auch 'einstellen', indem du ein paar wenige schnelle Kohlenhydrate zu dir nimmst.
Nenne das ganz gerne Titrieren. Mit
Gummibärchen: 1 Stück = 2 g, 3 Stück wären 1/2 KHE
Traubenzucker einzeln verpackt - runde Form: Rossmann = 2,5 g, Apotheke = 2 g
Dextro minis (nicht einzeln verpackt): auch ca. 2 g je Stück.
Als INSULINER liegen vorsichtshalber die BZ-Werte höher als bei Gesunden:
Zielwert 100 mg/dl - mit besagter UZ-Grenze 60 mg/dl, ab 180 mg/dl als hoher Wert ist die Nierenschwelle (kurzzeitig höher auch kein Problem).
Nur mal so als Bereich, auch 'Bugwelle' betreffend.
Gruß Elfe -
am 31.10.2018 20:40:32 | IP (Hash): 942245415
Frank183 schrieb:
Ist es dann so, dass während der ersten 48h die Leber das gespeicherte Glukagon verwendet hat und als das verbraucht war, hat sie dann über die Gluconeogenese gerade so viel Glukose erzeugt, dass ich überleben konnte? In diesen ersten 48h lag ich nicht im Bett, habe ich mich aber auch kaum bewegt. Könnte das hinkommen?
Du hast bei Deinen 72 Stunden nur noch etwa 3 vom vorher Gegessenen gelebt, wenn Du vorher gut gegessen hattest, danach aus dem Speicher. Der wird auch nie leer, auch nie randvoll, denn der hat die Aufgabe zu puffern: Wenn mehr Glukose rein kommt als gebraucht wird, muss der die aufnehmen, und wenn weniger reinkommt als gebraucht wird, muss der entsprechend dem Verbrauch ausgeben. Und die ganze Zeit liefert die Glukoneogenese zu.
Wenn länger gefastet und dabei auch noch gearbeitet wird, liefert sie halt mehr, was allerdings gemein ist, weil sie dafür Muskeln verwertet. Natürlich zuerst von denen, die gerade nicht gebraucht werden. Deswegen geht die Mehrlieferung dann von um 200g und mehr in 24 Stunden immer mehr zurück, und parallel dazu entwickeln praktisch alle Körper- und die meisten Hirnzellen die Möglichkeit, Ketone und wenige Tage weiter zum größten Teil sogar direkt freie Fettsäuren zu ihrer Energieversorgung nutzen zu können, so dass schließlich nur noch für den Verbrauch der wenigen Zellen gesorgt werden muss, die ausschließlich Glukose zu ihrer Energieversorgung nutzen können. Und für die und für den ganz normalen Blutzucker irgendwo zwischen um 60 und um 90 reichen von da an schlappe 20g Glukose.
Wenn nach wenigen Tagen Fasten der Nüchternzucker ein bisschen sinkt, wird das generell damit erklärt, dass die Leber bei so anhaltendem Nahrungsdefizit zuallererst das Fett zum Verbrauch auflöst, das etwas deplaziert in ihr eingelagert war. Solche Einlagerungen sorgen meistens zum größten Teil für die immer höher über den Verbrauch ansteigende Blutzuckerlast beim Typ2.
In der Umstellung von Glukose zu Fett als Hauptenergieträger fühlen sich die meisten Leute für einen Tag bis mehrere mehr oder weniger mies und ist bei solchen Fastentests am 3. Tag recht normal. Damit haben sich die Ärzte in der Klinik Deine Beschwerden erklärt. Sie haben ja nicht gewusst oder nicht geglaubt, dass Du die auch dann hast, wenn Dein BZ nach dem letzten guten Essen nur 5 Stunden zuvor und ohne jedes Fasten auf eigentlich recht normale und gesunde 80-70mg/dl absinkt.
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am 05.11.2018 17:16:30 | IP (Hash): 1354558143
Elfe schrieb:
Nenne das ganz gerne Titrieren. Mit
Gummibärchen: 1 Stück = 2 g, 3 Stück wären 1/2 KHE
Traubenzucker einzeln verpackt - runde Form: Rossmann = 2,5 g, Apotheke = 2 g
Dextro minis (nicht einzeln verpackt): auch ca. 2 g je Stück.
Vielen Dank!!! Kann man das eigentlich irgendwie berechnen? Also, wieviel Gramm Zucker man benötigt, um den BZ um z.B. 10 Punkte abzuheben?
VG
Frank -
am 05.11.2018 17:17:44 | IP (Hash): 1354558143
hjt_Jürgen schrieb:
Frank183 schrieb:
In der Umstellung von Glukose zu Fett als Hauptenergieträger fühlen sich die meisten Leute für einen Tag bis mehrere mehr oder weniger mies und ist bei solchen Fastentests am 3. Tag recht normal. Damit haben sich die Ärzte in der Klinik Deine Beschwerden erklärt. Sie haben ja nicht gewusst oder nicht geglaubt, dass Du die auch dann hast, wenn Dein BZ nach dem letzten guten Essen nur 5 Stunden zuvor und ohne jedes Fasten auf eigentlich recht normale und gesunde 80-70mg/dl absinkt.
1000 Dank für die Erklärung! Frage mich nur, warum die Ärzte mir das nicht erklären konnten...
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Elfe
Rang: Gastam 05.11.2018 19:33:55 | IP (Hash): 1693252663
Frank183 schrieb:
Elfe schrieb:
Nenne das ganz gerne Titrieren. Mit
Gummibärchen: 1 Stück = 2 g, 3 Stück wären 1/2 KHE
Traubenzucker einzeln verpackt - runde Form: Rossmann = 2,5 g, Apotheke = 2 g
Dextro minis (nicht einzeln verpackt): auch ca. 2 g je Stück.
Vielen Dank!!! Kann man das eigentlich irgendwie berechnen? Also, wieviel Gramm Zucker man benötigt, um den BZ um z.B. 10 Punkte abzuheben? Frank
Hallo Frank,
erst ausprobieren und messen, dann berechnen.
Lt. Diabetesschulung sollten wir bei 50 mg/dl per Panikmache 3 - 4 KHE einwerfen :-(
War bei mir viel zu viel, musste hohe Werte dann mit Insulin runterspritzen.
Bei 50 mg/dl brauche ich persönlich nur 1 KHE = 5 Gummibärchen,
bei 30 mg/dl trinke ich lieber 200 ml Orangensaft (Tetrapack), enthält ca. 20 g,
Getränk lässt sich schneller schlucken.
Vielleicht fängst du mal mit 20 g Zucker an und schaust mal, wie BZ-Wert ist und wie du dich fühlst. - Und, wie da deine hyperaktiven Inselzellen darauf reagieren.
So langsam hin tasten.
Gruß Elfe
Bearbeitet von User am 05.11.2018 19:37:51. Grund: x -
Elfe
Rang: Gastam 06.11.2018 23:13:05 | IP (Hash): 1417815281
Möchte noch etwas ergänzen:
Die schnellen Kohlenhydrate sind bei mir recht schnell innerhalb weniger Minuten körperlich in Verminderung der Hypo-Symptome spürbar.
Per BZ-Messung nach ca. 10/15 Minuten, ob Zuckermenge ausreicht.
Reagiere lieber auf direkte Messwerte (können auch mal nur 2-3 Gummibärchen sein, um auf Zielwert 100 ml/dl zu kommen), als auf 'vorausschauenden Snack' - dein zweites Thema.