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Diabetes aus Technikersicht
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am 10.12.2020 08:44:40 | IP (Hash): 2091117196
Hi, ich bin kein Mediziner, aber für mich als Techniker schaut die Blutzuckerhardware so aus (bitte korrigieren falls falsch):
1) Ein Blutzuckersensor mit Regler erzeugt das Steuersignal für die Bauchspeicheldrüse (BSD)
2) Die BSD konvertiert das Signal vom Blutzuckersensor zu einem für die Zellen lesbaren Signal (Insulin)
3) Die Zellen holen aus den Blutbahnen je nach Insulin die Kohlenhydrate und verarbeiten sie weiter
Ob zu wenig Insulin produziert wird oder das Insulin nicht ausreichend wirkt kann man am C-Peptid Wert sehen. Ein zu niedriger C-Peptid Wert deutet auf zu wenig Insulin hin, ein zu hoher auf nicht ausreichend wirksames Insulin.
Wenn es an Insulin fehlt, dann kannn es 2 Ursachen geben:
a) Das Steuersignal für die BSD fehlt oder ist nicht ausreichend
b) Die BSD hat eine Macke
Gibt es einen Laborwert oder ein anderes Kriterium an dem man sehen kann, ob es an a) oder b) liegt? -
am 10.12.2020 12:09:44 | IP (Hash): 1861564262
Interessanter Verständnis-Ansatz!
Es gibt etwas mehr Glukose-Sensorik, und zwar:
+ Sensor in Dünndarmwand: Signalisiert bei Passieren von neu gegessener Glukose entsprechend definierten Insulinbedarf an BSD
Das ist die erste Insulinantwort auf neu gegessene Glukose, gesund die deutlich größere.
+ Sensor A in Leber: Signalisiert bei Eintreffen von Glukose und Insulin, was davon in den Pufferspeicher muss und was direkt in Triglyzeride umgewandelt wird.
+ Sensor B in Leber: Signalisiert den Türstehern dort, wenn die Obergrenze vom persönlich normalen postprandialen bis postabsorptiven BZ erreicht ist.
+ Sensoren an Zellen: lassen Insulin andocken, wenn Glukose gebraucht wird. Schalten runter, wenn sie keine brauchen.
+ Sensoren an der BSD: verstärken die Insulinausgabe, wenn der BZ noch über dem persönlichen postabsorptiven Rahmen liegt, wenn das Blut auf dem Weg in die Leber kurz vorher bei ihnen durch kommt.
Das ist die zweite Insulinantwort auf neu gegessene Glukose, mit der Entwicklung von T2 immer ausgeprägter.
Herausforderungen für die Beobachtung und Deutung:
+ 8 Teile Glukose können ewig im Kreislauf Karussell fahren, wenn Verbraucherzellen sie nicht rausfischen.
8 Teile Insulin sind auch dann nach knapp 5 Minuten nur noch 4 Teile, wenn kein Verbraucher davon abgefressen hat, und nach weiteren knapp 5 Minuten nur noch 2 und nach insgesamt 15 Minuten nur noch 1.
+ Die meiste Glukose und das meiste Insulin werden für uns praktisch nicht messbar direkt in der Leber verwurstet.
+ Die Verbraucherzellen haben alle keine Pufferspeicher und sind auf die just-in-time Belieferung durch den Kreislauf angewiesen, und die wird bei steigendem Bedarf/Verbrauch nicht durch die Erhöhung des Gehalts pro Liter erreicht, sondern durch die Erhöhung der Umlaufgeschwindigkeit normal um den Faktor 1,5-3 und extrem bis zum Faktor 5.
In Ruhe bewegt unser Herz etwa 5 Liter Blut pro Minute insgesamt, und pro Minute fließen etwa 1,5 Liter durch die Leber.
Ob generell zu wenig Insulin = T1 lässt sich am C-Peptid gut ablesen. Auch ob mehr als normal = T2. Aber das mit dem zu wenigen Wirken ist ein altes Narrativ. Denn da funktionieren die Türsteher am Leberausgang nicht und lassen zunehmend mehr Glukose raus, als gebraucht wird. Und dann regeln die Verbraucher-Zellen ihre Insulinrezeptoren runter, wenn sie mit dauerhaft mehr Glukose zugeschwemmt werden, als sie gebrauchen können.
Hab bestimmt noch das eine oder andere vergessen, aber so weit erstmal ;)
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Prädiabetes und Diabetes Typ 2 und die Diagnose-Grenzwerte sind willkürlich von den Fachgesellschaften für Diabetes definiert. -
am 11.12.2020 15:59:18 | IP (Hash): 363003342
Weltmeister schrieb:
Hi, ich bin kein Mediziner, aber für mich als Techniker schaut die Blutzuckerhardware so aus (bitte korrigieren falls falsch):
1) Ein Blutzuckersensor mit Regler erzeugt das Steuersignal für die Bauchspeicheldrüse (BSD)
2) Die BSD konvertiert das Signal vom Blutzuckersensor zu einem für die Zellen lesbaren Signal (Insulin)
3) Die Zellen holen aus den Blutbahnen je nach Insulin die Kohlenhydrate und verarbeiten sie weiter
Ob zu wenig Insulin produziert wird oder das Insulin nicht ausreichend wirkt kann man am C-Peptid Wert sehen. Ein zu niedriger C-Peptid Wert deutet auf zu wenig Insulin hin, ein zu hoher auf nicht ausreichend wirksames Insulin.
Wenn es an Insulin fehlt, dann kannn es 2 Ursachen geben:
a) Das Steuersignal für die BSD fehlt oder ist nicht ausreichend
b) Die BSD hat eine Macke
Gibt es einen Laborwert oder ein anderes Kriterium an dem man sehen kann, ob es an a) oder b) liegt?
Hallo Weltmeister,
du stellst die die BSD als Black Box vor, in die von irgendeinem Sensor eine Steuerleitung reingeht und die dann bei Bedarf Insulin rauslässt. Das ist nicht ganz so, der Vorgang läuft auf der Zellebene.
Jede Betazelle für sich detektiert den BZ und gibt Insulin frei, wenn eine bestimmte Obergrenze (so um die 90...100mg/dl) überschritten wird. Daneben gibt es noch einige andere Einflussfaktoren, die eine physiologische Feinregulation ermöglichen, z.B. die Darmhormone in der Phase 1 der Insulinausschüttung. Aber die Höhe des BZ hat den wesentlichen Anteil an der Steuerung. Genauer kannst du dir das z.B. hier durchlesen:
https://flexikon.doccheck.com/de/Insulinsekretion
Wenn das Insulin nicht ausreicht, dann liegt das in den meisten Fällen daran, dass zu wenig funktionierende Betazellen da sind. Bei Typ1-Diabetes sind die durch den Autoimmunprozess gekillt, beim normalen Typ2-Diabetes mit Insulinresistenz wird so viel mehr Insulin (die 5 ... 10-fache Menge) benötigt, dass die vorhandenen Betazellen das auf Dauer nicht leisten können. In Ausnahmefällen kann die Ursache auch sein, dass das Insulin nicht maßgerecht aus den Betazellen raus kommt (z.B. MODY Typ3 und Typ1) oder dass der Sensor zu spät reagiert (z.B. MODY Typ2), aber diese Formen treten nicht sehr häufig auf. Bei längere Zeit bestehendem Diabetes kommt für alle Diabetesarten dann dazu, dass immer mehr Betazellen durch zu hohen BZ absterben.
Wie du dir bestimmt denken kannst, sind noch nicht alle Vorgänge rund um die Steuerung der Insulinausgabe komplett erforscht. Ich kann dir aber versichern, dass es mit Pferden, wie Jürgen es uns hier (https://www.diabetes-forum.de/forum/topic/15008/Einen-vom-Pferd-erzaehlen-oder-von-Glukoseintoleranz-oder-von-Insulinresistenz-oder) beibringen will, wirklich nichts zu tun hat.
Beste Grüße, Rainer
Bearbeitet von User am 12.12.2020 14:21:38. Grund: . -
am 11.12.2020 17:52:52 | IP (Hash): 1684151457
Rainer schrieb:
Jede Betazelle für sich detektiert den BZ und gibt Insulin frei, wenn eine bestimmte Obergrenze (so um die 90...100mg/dl) überschritten wird.
Zwischenfrage vom Pferd-Schwurbler:
In dieser Kurve https://www.bloodsugar101.com/what-is-a-normal-blood-sugar sehen wir also einen deutlichen biphasischen Verlauf der Insulinantwort auf Glukose durch die Futterluke, und bei BZ unter 90-100 den völligen Stopp der Insulinausgabe?
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Prädiabetes und Diabetes Typ 2 und die Diagnose-Grenzwerte sind willkürlich von den Fachgesellschaften für Diabetes definiert.