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Schwangerschaftsdiabetes? Bedenkliche Messwerte?
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am 14.03.2021 19:50:14 | IP (Hash): 281484583
Guten Abend,
ich bin schwanger und wurde nach meinem letzten Besuch beim Frauenarzt das erste Mal mit dem Thema "Diabetes" konfrontiert. Seitdem mache ich mir viele Gedanken (und Sorgen) und hoffe, dass sich hier Menschen zurückmelden, die mit Diabetes praktische Erfahrung haben. Ich würde mich über eine ehrliche Einschätzung und Tipps sehr freuen!
:: Meine Situation in Stichpunkten
- Anfang 30, 185 cm groß, schlank, eher unsportlich, vor 1. SSW ca. 72 kg, vor 2. SSW ca. 80 kg
- 1. Schwangerschaft 2018/2019 unauffällig, Mädchen kam zum ET mit ca. 3500 g
- 2. Schwangerschaft 2020/2021 kleiner Zuckertest 8,06 mmol (145 mg) statt 7,5 mmol (135 mg) (Grenze laut dem Befund)
Und damit fing mein Dilemma an. Ich erhielt eine Überweisung zum Diabetologen für den großen Zuckertest mit 75mg. Allerdings habe ich sehr große Angst vorm Blutabnehmen und (dann) auch Kreislaufprobleme. Auch macht es mir Angst, Insulin spritzen zu müssen. Daher würde ich die Überweisung gern einfach ignorieren...
Aber: Ich habe ja auch eine Verantwortung für mein ungeborenes Kind. Was also tun? Nach einer ersten Internetrecherche erfuhr ich, dass viele Patientinnen nach dem großen Zuckertest zunächst ein Blutzuckertagebuch führen sollten. Also habe ich mir ein Testgerät besorgt, in der Hoffnung, dass die Werte unauffällig sind ... - Und zu diesen Werten hätte ich gern eure Meinung / Einschätzung!
:: Grenzwerte
Nüchtern / vor den Mahlzeiten: kleiner als 5.0 mmol (umschwanger 5.6 mmol), ab 7.0 Diabetes
1h nach den Mahlzeiten: kleiner als 7.8 mmol
2h nach den Mahlzeiten: kleiner als 6.7 mmol (umschwanger 7.8 mmol) ab 11.1 Diabetes
Ich habe gelesen, dass Schwangerschaftshorme die Insulinproduktion hemmen können. Warum dann die Grenzwerte bei Schwangeren niedriger sind, erschließt sich mir nicht wirklich ...
:: Meine Werte (Durchschnitt aus einer Woche, Abweichungen um +/- 0.2 mmol möglich)
Nüchtern nach dem Aufwachen: 5.9 = zu hoch
Nüchtern vor dem Frühstück: 5,2 = als Schwangere zu hoch (sonst okay)
1h nach Frühstück: 5,8 = ok
2h nach Frühstück: 5,4 = ok
Nüchtern vor dem Mittag: 4,7 = ok
1h nach Mittag: 6,2 = ok
2h nach Mittag: 5,4 = ok
Nüchtern vor dem Abendbrot: 4,7 = ok
1h nach Abendbrot: 8,1 = zu hoch
2h nach Abendbrot: 7,1 = als Schwangere zu hoch (sonst okay)
Hinweis: Typischerweise esse ich zum Frühstück Müsli oder auch mal ein süßes Teilchen und ein Stück Obst. Mittags gibt es häufig Gurkensalat, Caprese & Co und dazu auch mal 1-2 Scheiben Brot mit Putenbrust. Die "Hauptmahlzeit" findet bei mir am Abend statt (da dann die ganze Familie anwesend ist). Dort gibt es beispielsweise Spaghetti Bolognese, Kartoffelgratin, Lachs mit Salat, ...
:: Eigene Einschätzung
Meine Blutzuckerwerte haben zwei kritische Momente: Morgens und Abends.
Der Wert am Abend pendelt sich ja nach zwei Stunden ein und wäre unschwanger völlig in Ordnung. Da ich hier am Meisten esse und auch worauf ich Lust habe (Kohlenhydrate) kann ich mir die Werte erklären und finde sie eigentlich nicht wirklich dramatisch. Was meint ihr?
Der Nüchternwert am Morgen macht mir allerdings Sorgen. Ich messe ihn häufig gegen 6 Uhr morgens. Zuletzt nehme ich Obst gegen 21 Uhr zu mir. Außerdem schlafe ich seit Wochen durch die Schwangerschaft sehr schlecht / nicht mehr durch. Könnten das bereits Ursachen sein? Und selbst wenn nicht: schätzt ihr ihn als problematisch "zu hoch" ein - im Sinne, dass man Insulin spritzen sollte?
Kurzum: Findet ihr die Werte so problematisch, dass ihr zum Diabetologen gehen würdet (inkl. Insulin, denn meine Ernährung kann ich auch ohne ärztliche Hilfe umstellen ...)?
Ich freue mich auf den Austausch!
Liebe Grüße, Regenwolke -
am 14.03.2021 20:52:32 | IP (Hash): 788752244
Stichpunkte finde ich gut ;)
Herausforderung:
Für werdende Mütter gelten die alten Gesundgrenzen, die ich noch vor 30 Jahren gelernt habe und die für den Rest der Allgemeinheit längst weiter gefasst worden sind. Das ist eigentlich reiner Formalismus, den auch Fachleute längst infrage stellen.
Aber zu ner weiteren Fassung auch für die Schwangerschaft hat es bis jetzt in den maßgeblichen Gremien nicht gereicht :(
Konkret:
Sooo schlimm scheint das für Dich doch aber gar nicht zu sein. Denn Du treibst Deinen BZ doch nur abends in verbotene Höhen. Und da könntest Du doch einfach nur die Hälfte Deiner gewohnten KHs oder noch weniger davon einverleiben - eben so, dass die Grenzen nach dem Essen unterschritten bleiben - und stattdessen ein leckeres Stück voll fetten Käse nehmen. Und mit den weniger höheren Spitzen am Abend könnte sogar Dein Morgenwert ein bisschen sinken, oder wenigstens nicht mehr höher ansteigen.
Einer meiner Töchter an Deiner Stelle würde ich raten, bei den übrigen doch praktisch völlig stimmigen Werten - den am Abend regelst Du! - von etwas mehr morgens nüchtern keinen Herrmann zu machen.
Und ich würde ihr von ALLEM abraten, was ihr Aufregung und Stress macht, solange keine unmittelbare Gefahr droht. Denn Aufregung und Stress belasten beide Kinder und vor allem das noch drinnen sehr viel mehr als 0, bis X mmol/l über irgendeiner Normgrenze.
Nein, früher war nicht alles besser. Aber noch vor gut 20 Jahren war eine Mutter mit Diabetes sehr gut eingestellt, wenn sie keinen Zucker im Urin hatte. War damals einfacher zu messen als seitdem der Blutzucker und bedeutete Blutzucker zuverlässig unter 9-10 mmol/l. Damit hatte kein Neugeborenes irgendwelche direkten Folgen von höher als gesundem BZ.
Seitdem haben sich die Vorgaben für die Schwangerschaft immens verschärft, aber ich kenne keine Statistik, die einen nennswerten Unterschied in irgendwelchen Folgen für die Kinder zwischen damal und heute bis heute ausgewiesen hätte.
Wichtig:
Ist meine Opa-Jürgen Einschätzung. Und ich muss auch nicht weiter mit Deinen Ärzten zurecht kommen. - Is gemein, ich weiß. Daumendrück :)
Nachtrag:
https://a7582688-a1e5-4056-88a2-dfd422642832.filesusr.com/ugd/32a606_b02597c39b5c4f6e9b6f2291ca6c9d08.pdf erweitert um die 5 morgens nüchtern ;)
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Prädiabetes und Diabetes Typ 2 und die Diagnose-Grenzwerte sind willkürlich von den Fachgesellschaften für Diabetes definiert.
Bearbeitet von User am 14.03.2021 21:09:33. Grund: Nachtrag1 Benutzer dankte für diesen Nützlichen Beitrag. -
am 14.03.2021 21:13:48 | IP (Hash): 1660869907
Hallo Regenwolke,
Glückwunsch zur SS. in welcher SSW bist du eigentlich?
Die akzeptierten BZ-Werte für nicht Schwangere brauchst du dir wirklich nicht anzusehen. Der Körper von uns Erwachsenen verträgt ser viel mehr als dein ungeborenes Baby,. Das gilt insbesondere für das 3. Trimester der SS, in dem sich die Organe voll ausbilden.
Deine BZ-Werte nach dem Abendessen kannst du bestimmt mit etwas Umsicht jetzt noch in den Grenzen halten. Allerdings könnten sich die Werte mit fortschreitender SS auch noch verschlechtern. Bei den Nüchternwerten sehe ich zwei Probleme. Die kannst du nicht durch Ernährung oder durch andere Sachen beeinflussen. Du weißt allerdings auch nicht, wie genau dein BZ-Messgerät geht. Das könntest du nur mit einer Vergleichsmessung gegen den Laborwert beim Arzt feststellen. Wenn es etwas zu hoch anzeigt, dann wären auch deine Nüchernwerte kein Problem. Allerdings könnte es auch die Werte etwas zu niedrig anzeigen. Deshalb halte ich die Betreuung beim Diabetologen für wichtig.
Vielleicht kommst du ja auch ohne Insulin durch die SS - ich drück die Daumen.
Alles Gute für dich und dein Baby, Rainer
____
Gegebene Vorschläge und Einschätzungen sind ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und können in keinem Fall professionelle Beratung oder die Behandlung durch einen Arzt ersetzen.
Bearbeitet von User am 14.03.2021 22:48:13. Grund: .1 Benutzer dankte für diesen Nützlichen Beitrag. -
am 14.03.2021 22:22:17 | IP (Hash): 1398849525
Hallo Regenwolke,
auch von mir Glückwunsch zum Nachwuchs. Zu deinen Werte sage ich mal nix dazu habe ich viel zu wenig Erfahrung.
Ich bin seit gut 4 Monaten Typ 2 Diagnostiziert und muss seit dem Insulin spritzen.
Und du musst da echt keine Angst davor haben, klar kostet es die ersten male etwas Überwindung aber wenn man merkt das es nicht weh tut ist es echt kein Problem mehr.
Bei mir tut das stechen für das BZ messen meistens mehr weh als die tägliche Insulin Spritze und das machst du ja bereits wie ein Profi.
Also keine Angst vor dem Diabetologen, der wird dir nur Insulin verschreiben wenn du es wirklich benötigst und dann wirst deine Angst sicher sehr schnell überwinden können denn es ist wirklich nicht schlimm.
Gruß Tobias1 Benutzer dankte für diesen Nützlichen Beitrag. -
am 15.03.2021 13:08:57 | IP (Hash): 281484583
Hallo,
zunächst erst einmal herzlichen Dank für eure Antworten.
@Jürgen
Du beruhigst mich ungemein und deine Tipps zum Abendbrot werde ich ab dieser Woche mal beherzigen und schauen, ob/inwieweit sich etwas verändert. Danke auch für den Link.
Eigentlich sehe ich das auch alles so. Ich hab selbst nur Angst, dass ich mir das "schönreden" will (weil ich ja nicht wirklich Lust auf einen Arzttermin beim Diabetologen und das ganze, was dann folgen könnte habe) ... daher tut eine aussenstehende Meinung sehr gut!
@Tobias
Selbst wenn das Insulinspritzen nicht soooo schlimm ist - will man das? Vor allem, wenn es "offiziell" "nur" um Schwangereschaftsdiabetes geht (was ja per Definition nach der Schwangerschaft nicht mehr vorhanden ist)...? Dennoch - Danke fürs Mut machen!
@Rainer
Mittlerweile bin ich in der 32. Schwangerschaftswoche. Den Test beim Frauenarzt habe ich vor 3 oder 4 Wochen gemacht. Vor zwei Wochen habe ich dann angefangen, selbst meinen Blutzucker zu messen. Du hast also Bedenken wegen den zu hohen Morgenwerten? Aber kann es nicht einfach wirklich sein, dass die mit Schlafmangel & Co zusammenhängen?
Liebe Grüße, Regenwolke
Bearbeitet von User am 15.03.2021 13:13:42. Grund: Ergänzung -
am 15.03.2021 13:41:59 | IP (Hash): 1343061330
Hallo Regenwolke,
Glückwunsch zum Nachwuchs. Ich drücke Dir die Daumen!
Deine Werte scheinen mit Deiner Nahrungswahl zusammenzuhängen. Morgens ein süßes Teilchen (hat viel Zucker ...), mittags viel Grünes, was okay ist, allerdings ist der Mittags-BZ immer niedriger, aber abends haust Du voll rein mit Nudeln Bolognese usw.
Was hast Du gegen eine Visite bei einem guten Diabetologen? Er wird Dir nichts geben, was für Dich oder für Deinen Mitbewohner schädlich ist. Und Du bist dann auf der sicheren Seite, schon Deinem Baby zu liebe.
Gruß,
Biggi -
am 15.03.2021 15:48:37 | IP (Hash): 281484583
Hallo Biggi,
ich halte generell nicht so viel von Ärzten und habe auch im Internet (leider!) oft von Frauen gelesen, die sich Insulin spritzen sollten, obwohl die Werte quasi eigentlich perfekt waren ... wo ich mir denke: Why?
Natürlich kann ich das auch selbstbestimmt ablehnen. Aber wozu dann überhaupt der Stress? Außerdem denke ich mir mittlerweile, dass es eh "nur" noch 8 Wochen sind. Bis der mein Tagebuch usw. ausgewertet hat... ist die SSW schon fast vorbei.
Und ja - ich möchte den großen Zuckertest vermeiden...
LG, regenwolke
PS: Bei der Feindiagnostik Anfang Januar war bei dem Kind - soweit man es erkennen kann - alles in Ordnung (zwecks Entwicklung, da wird ja auf Herz & Co geschaut). -
am 15.03.2021 18:08:06 | IP (Hash): 866387131
Die beste Mutter unseres liebsten Enkels hatte vor gut 12 Jahren für sich und ihr Kind beschlossen, in der Spitze nach dem Essen bis zu 10 mmol/l zuzulassen und morgens nüchtern 6-7. Die Werte schaffte sie, ohne sich den ganzen Tag unter BZ-Stress zu halten.
Der Dok hat ihr dann gerne Sonofotos mit nem immer dickeren Bauch beim Baby gemacht und auf der Basis 5kg Geburtsgewicht avisiert. Macht sich super beruhigend fürn knapp über 160 cm großes Mädel.
Rausgekommen sind dann schließlich 54 oder 55cm lange leicht untergewichtige Haut & Knochen.
Nimmt die große Schwester eigentlich schon Anteil an der Erwartung vom Zuwachs?
Unser Großer war damals 3, als ihn vor allem die andauernde Diskussion um mögliche Namen echt aufregen konnte: “Wenn’s rauskommt, wird’s euch schon sagen, wie es heißt!”
Daumendrück für weiter gutes Gelingen!
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Prädiabetes und Diabetes Typ 2 und die Diagnose-Grenzwerte sind willkürlich von den Fachgesellschaften für Diabetes definiert.
Bearbeitet von User am 15.03.2021 18:10:22. Grund: k -
am 19.03.2021 12:53:10 | IP (Hash): 65650428
Hi,
Ich hatte SSW Diabetes bereits ab der 6. Woche und ich habe es geschafft, nur durch Ernährungsberatung nicht spritzen zu müssen 👍🏻
Ich hatte bereits in der 1.SSW unentdeckten Diabetes und in der 2. SSW dann bereits zu Beginn.
Du tust dir und deinem Baby einen großen Gefallen, wenn du dich unter ärztlicher Kontrolle begibst.
Unentdeckter Zucker führt u.a. Zu sehr schnellem Wachstum deines Kindes und ein 4000g+ Baby zu gebären ist auch risikoreich.
Ich hatte kurz vor der Entbindung morgens auch starke Probleme, so dass ich quasi nur Wasser und ein Stück Brot essen konnte.
Aber die Zeit ist doch endlich: du weißt, wann es vorbei ist! Und das hat mich ungemein motiviert!
Zudem galt die SSW als Risiko und ich bekam regelmäßig intensive Ultraschalluntersuchungen und konnte mein Baby schon vorher intensiv sehen und beim wachsen zusehen. 👶🏻
Ich kann dir nur raten: lass dich ärztlich begleiten!
Alles Gute für euch 👶🏻 -
am 19.03.2021 18:38:13 | IP (Hash): 630882368
cosili schrieb:
Unentdeckter Zucker führt u.a. Zu sehr schnellem Wachstum deines Kindes und ein 4000g+ Baby zu gebären ist auch risikoreich.
Bitte nicht verrückt machen! Es gibt auch Babys 4000+ bei Müttern mit völlig gesundem BZ.
Größere und schwere Babys infolge Diabetes gibt es nicht davon, dass die Mutter Diabetes hat, sondern davon, dass sie sich in der Schwangerschaft erheblich zu hohen Blutzucker leistet. Die Mutter hier im Fred achtet ganz eindeutig auf ihren Blutzucker, und ich habe kein Verständnis für die Unruhe, die Du hier vermittelst.
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Prädiabetes und Diabetes Typ 2 und die Diagnose-Grenzwerte sind willkürlich von den Fachgesellschaften für Diabetes definiert.