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Diskrepanz zwischen hba1c und postprandialen-1h-Werten
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am 23.03.2021 20:11:24 | IP (Hash): 126890117
Hi in die Runde!
Ich würde euch gerne mal um eure Meinung/ Einschätzung bitten.
Ich war dreimal schwanger und hatte in zwei von drei Schwangerschaften einen diagnostizierten (nicht insulinpflichtigen) Gestationsdiabetes. Meine letzte Schwangerschaft liegt jetzt ein Jahr zurück. Ich messe gelegentlich meinen Nüchternblutzucker (immer um die 90) und meine 1h- und 2h-Werte. Jetzt ist mir aufgefallen, dass meine 1h-Werte zum Teil für mein Empfinden sehr hoch sind (Beispiel: nach einem Teller Gemüsecurry mit verhältnismäßig kleiner Portion Reis am Abend: 170, Portion Spaghetti mit Tomatensoße: 160). Die 2h-Werte sind meist wieder auf Nüchtern-Niveau (um die 90). Deshalb habe ich jetzt meinen Hba1c-Wert mal bestimmen lassen. Der lag bei 4,4.
Jetzt meine Frage: kann man bei diesem vergleichsweise niedrigen Langzeitwert einen Prädiabetes ausschließen?
Meiner Ärztin nach ist ein oGTT zur weiteren Abklärung überflüssig. Sie schlägt jährliche hba1c-Kontrollen vor und ich soll die Messerei sein lassen. Ich habe aber Angst vor zu vielen BZ-Spitzen und die sind ja beim hba1c-wert nicht sichtbar.
Weiß jemand, warum beim oGTT der 1h-Wert keine Relevanz hat (wie z.B. bei der Diagnostik eines Gestationsdiabetes)?
Ich danke euch schon mal und schicke liebe Grüße in die Runde
Steffi -
am 23.03.2021 22:07:36 | IP (Hash): 1929085126
Hallo Steffi,
vergiss die Grenzwerte aus der SS. Die sind zum Schutz des ungeborenen Babys sehr viel niedriger, als es bei uns notwendig ist. Hier hast du mal eine Grafik über den BZ-Verlauf bei Gesunden. Du kannst sehen, dass Spitzen bis 160mg/dl auch normal sind.
https://www.bloodsugar101.com/what-is-a-normal-blood-sugar
Selbst wenn du mit 170 oder vielleicht sogar mal 180mg/dl etwas darüber liegst, bist du noch meilenweit weg von Diabetes und auch von Prädiabetes.
Beim oGTT hat der 1-Std.-Wert keine entscheidende Bedeutung, weil man davon ausgeht, dass die BSD noch genug leisten kann, wenn sie nach 2 Stunden den BZ wieder unter 200 senken kann. Erst wenn sie das nicht mehr schafft, ist die festgesetzte Diagnosegrenze überschritten, wobei die Höhe der BZ-Spitze egal ist. Für Prädiabetes ist ein 2-Std.-Wert von 140mg/dl festgesetzt. Da selbst aus Prädiabetes nur sich manchmal Diabetes entwickelt, brauchst du dir mit deinem fast perfekten BZ.Verlauf keine Sorgen zu machen.
Wenn du trotzdem etwas tun willst, dann versuche deine Mahlzeiten so auszuwählen, dass du nicht allzu oft mit dem 1-Std.-Wert über 160mg/dl kommst. Dann bist du so ziemlich auf der sicheren Seite.
Alles Gute, Rainer -
am 23.03.2021 22:30:55 | IP (Hash): 368759314
Weil die Grenzwerte so definiert sind, ist die einfache Antwort auf Deine Frage. Für die Schwangerschaft gelten die engen alten Gesundwerte, für ohne Schwangerschaft die sehr viel weiter gefassten neueren ohne 1-Stunden-Obergrenze.
Deine Sorge wg der höheren 1-Std-Spitzen kann ich verstehen. Aber medizinisch fachoffiziell gilt, dass sie ohne Bedeutung seien. Das ist völlig normal, wo die Fachmedizin sich einstweilen noch nicht um das aktive Erhalten oder Wiederherstellen vom gesunden Blutzucker kümmert oder gar dazu anleitet. Und viele Leute, denen ich mit Werten wie Deinem dazu rate, ihr Essen so zu wählen und zu portionieren, dass die Stundenspitzen meistens unter 140 bleiben und wirklich sehr selten über 170 ansteigen, reagieren sehr empört, weil sie sich damit zu Diabetikern gestempelt fühlen. Dabei rate ich’s ja nur, weil hohen Stundenspitzen über die Jahre die Täler dazwischen gern folgen. Und wenn die erstmal zu steigen anfangen, sind dann deutlich größere Einschränkungen bei der Auswahl und Portionierung vom Essen notwendig, wenn frau keine Medis dafür nehmen will.
Zu Bewegung brauche ich Dir nicht zu raten. Eure Rasselbande wird Euch schon munter auf Trab halten ;)
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Prädiabetes und Diabetes Typ 2 und die Diagnose-Grenzwerte sind willkürlich von den Fachgesellschaften für Diabetes definiert. -
am 24.03.2021 09:44:15 | IP (Hash): 126890117
Ich danke euch ganz herzlich für eure Einschätzung.
Ich werde weiter darauf achten, dass der 1h-Wert nicht zu hoch geht und hoffen, dass ich so lange wie möglich passable Werte habe.
Ich weiß nicht so recht, was ich von den festgelegten Werten halten soll. Ich bin auf eine interessante Studie gestoßen, die den 1h-Wert beim oGTT für die Diabetesdiagnose für relevant hält (https://www.asu-arbeitsmedizin.com/diabetes-und-praediabetesdiagnostik/diabetes-und-praediabetesdiagnostik-mit-hba1c-und-ogtt-im).
Ich habe da noch etwas, das mich beschäftigt: Ich habe oft gelesen, dass ein Typ 2 bzw. ein Prädiabetes reversibel ist. Aber wenn ich doch auf meine KH-Zufuhr und die Bewegung achte, dann sinken doch automatisch meine Werte. D.h. aber doch nicht, dass meine Insulinresistenz sich verbessert, oder?. Meine Frage an euch also: Kann man durch die Veränderung der Lebensgewohnheiten die Insulinresistenz direkt beeinflussen oder eben nur indirekt, indem man seine kh-Menge herunterschraubt und somit seine Werte beeinflusst. Der oGTT müsste ja trotzdem Alarm schlagen, oder? Keine Ahnung, ob die Frage vielleicht sinnfrei ist und ob ihr versteht, was ich meine, aber ich hab‘s für mich noch nicht so richtig begriffen.
Danke schon mal an euch und ganz liebe Grüße von mir
Steffi -
am 24.03.2021 10:23:43 | IP (Hash): 847365716
steff-steff schrieb:
Ich bin auf eine interessante Studie gestoßen, die ...
Hallo Steffi,
es gibt sehr viele Studien mit unterschiedlichen Ergebnissen und/oder unterschiedlicher Interpretation der Ergebnisse. Die Fachgesellschaften ADA bzw. DGE haben dann auf der Grundlage der Studien, die die Fachleute für relevant gehalten haben, die Diagnosegrenzwerte für die Leitlinien festgelegt. Aber ehrlich, was interessieren dich die Diagnosegrenzwerte für Diabetes? Davon bist du sehr sehr weit entfernt und dort willst du ja auch nie hinkommen.
Wenn es darum geht, was alles gesund ist und was du an Werten noch akzeptieren kannst, dann kannst du dir zwar viele Meinungen anhören, musst dir aber am Ende dein eigenes Urteil bilden. Natürlich bist du auf der sichersten Seite, wenn du dich in den engen Grenzen (nüchtern 90 und in der Spitze nach den Mahlzeiten 140) hältst. Aber keiner kann dir sagen, ob gelegentliche höhere Spitzen schädlich sind und bei welchen Werten das Diabetesrisiko erheblich ansteigt. Da kannst du dir sowohl bei den Fachleuten als auch bei den Laien von der schärfsten bis zu ganz laschen Meinungen alles anhören. Meine Meinung dazu hast du (siehe oben) und Jürgen ist bekannt dafür, dass er jedem gerne einen Fast-Diabetes andichtet, der keine Idealwerte hat.
Eine Insulinresitenz, falls das bei dir die Ursache ist, wird sich auf jeden Fall kaum verschärfen, wenn du wie vorgesehen auf deine Werte achtest. Zum Abbau einer Insulinresistenz, sind solche Maßnahmen wie Fasten, IF, Leberfasten, ... geeignet, durch die falsch eingelagertes Fett (ektopes Fett) aus Leber und BSD abgebaut wird. Ich denke nicht, dass du mit deinen fast vollständig gesunden BZ-Werten zu solchen Maßnahmen greifen musst.
Alles Gute, Rainer
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Gegebene Vorschläge und Einschätzungen sind ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und können in keinem Fall professionelle Beratung oder die Behandlung durch einen Arzt ersetzen.
Bearbeitet von User am 24.03.2021 10:24:40. Grund: .1 Benutzer dankte für diesen Nützlichen Beitrag. -
am 24.03.2021 11:41:47 | IP (Hash): 1040372874
[quote=steff-steff ;108507]
Ich habe da noch etwas, das mich beschäftigt: Ich habe oft gelesen, dass ein Typ 2 bzw. ein Prädiabetes reversibel ist. Aber wenn ich doch auf meine KH-Zufuhr und die Bewegung achte, dann sinken doch automatisch meine Werte. D.h. aber doch nicht, dass meine Insulinresistenz sich verbessert, oder?. Meine Frage an euch also: Kann man durch die Veränderung der Lebensgewohnheiten die Insulinresistenz direkt beeinflussen oder eben nur indirekt, indem man seine kh-Menge herunterschraubt und somit seine Werte beeinflusst.
[/quote]
Eine Reversion ist eben keine Heilung sondern nur eine Reversion.
Man kommt dann im Idealfall ohne Medikamente aus aber man muss seine Lebensgewohnheiten anpassen. Wie stark ist wohl sehr individuell und hängt davon ab wie früh man damit begonnen hat.
Eine starke Verbesserung der körperlichen Gesundheit kann wohl auch die Insulinresistenz wieder verbessern. Also verbessern sich wohl auch die Werte bei einem OGTT aber wahrscheinlich eben nicht komplett in den gesunden Bereich.