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Warum vorausschauende BZ Steuerung?

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    am 01.03.2022 22:20:51 | IP (Hash): 1301616689
    Wenn ich JETZT 36 mg/dl oder 2 mmol/l fingerpiekse und mir JETZT Glukose einverleibe, bräuchte die wenigstens 20 Minuten bis zu ihrer ersten BZ-Wirksamkeit und wenigsten weitere 20 Minuten bis zu ihrer maximalen. Ne verdammt lange Zeit für die fachoffizielle Begründung für’s BZ-Messen. Denn bis zur ersten Wirksamkeit kann der BZ schon locker unter 20 mg/dl und an oder unter 1 mmol/l sinken, also in den Bereich von vorübergehendem Lichtaus.
    Mit Libre und CGMs müssen wir die Zeit noch einmal um 20 Minuten auf praktisch 1 Stunde verlängern :(

    Dagegen lässt sich einfach argumentieren, dass so niedrige BZ-Werte in der normalen Einstellung mit nem Zielbereich von 100-140 mg/dl nicht vorkommen, auch nicht mit dem scharfen von 80-120. Aber das Argument bleibt: Erst wird der Wert gemessen, den man nicht haben will, und dann reagiert. Nur sind das nur sehr bedingt BZ-Werte im gesunden Rahmen

    Und nach dem System würden alle Schüsse auf’s Fußballtor bis auf zufällige Ausnahmen zählende Treffer. Vor allem alle 11-Meter-Schüsse. Denn der Torwart könnte ja erst nach dem erfolgten Schuss in etwa absehen, wohin genau der Ball denn fliegen würde. Und das wäre in jedem Fall viel zu spät.
    Tatsächlich springt der Torwart inzwischen längst schon in der Regionalliga nach dem Ball, kurz bevor der Tritt tatsächlich erfolgt ist. Denn er hat sein Gegenüber in tausenden von Anläufen genau studiert und die eigenen Reaktionen genau auf diese Anläufe ausgerichtet. Ok, passt auch dann nicht immer, aber immer öfter.

    Nach DEM System müssen wir eigentlich nicht jeden Tag X mal fingerpieksen oder Handy- oder Lesegerät-Anzeige schauen, wenn wir unseren BZ in unserem alltäglichen Zielrahmen halten wollen. Sondern dafür reicht systematisch ne Menge lernen und sich dann praktisch intuitiv danach richten. Und 1 mal am Tag nachschauen, wie weit die (Re)Aktionen über den Tag gepasst haben.

    Mit 101 mg/dl hab ich gerade meine persönliche optimale Vorgabe um 11 mg/dl verfehlt, die ausreichende um 1.

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    Prädiabetes und Diabetes Typ 2 und die Diagnose-Grenzwerte sind willkürlich von den Fachgesellschaften für Diabetes definiert.
  • Lena8107

    Rang: Gast
    am 08.03.2022 09:18:03 | IP (Hash): 55176132
    Hallo Jürgen,
    das was du schreibst gilt definitiv nicht für einen T1 Diabetiker ohne Restfunktion.
    Bei mir reicht Stress, schlechter Schlaf, Nachtarbeit um die Werte durcheinander zu bringen.
    Als ich hingegen noch etwas Eigeninsulin hatte,
    konnte ich mich immer darauf verlassen, dass ich nüchtern und 2 bis 3 Stunden nach dem Essen immer wieder brav bei 100 gelandet bin. Da stieg auch beim Aufstehen nichts an. Zu dem
    Zeitpunkt hätte wahrscheinlich einmal täglich messen gereicht. Den hba1c konnte ich da auch ohne Probleme bei 5,2 halten.
    So ist das wahrscheinlich auch bei dir. Man darf sowas nur nicht auf einen Typ 1 Diabetes übertragen.
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    am 08.03.2022 22:14:23 | IP (Hash): 385466698
    Jeder Diabetes ist halt anders - UND ich denke, dass viel dabei auch von dem Bereich abhängt, in dem der BZ alltäglich gehalten wird.

    Der Typ 1, der mich vor um 20 Jahren zum HbA1c 5,5 und besser und ner Spitze um ne Stunde nach jedem Essen nach Möglichkeit nicht über 140 mg/dl angereizt hat, hatte keine auffälligen Stress-BZ-Reaktionen. Und das Paradebeispiel für Typ 1 mit gesundem BZ Doc Bernstein http://www.diabetes-book.com/bernstein-life-with-diabetes/ (Buch nicht unbedingt kaufen, aber z.B. beim Amazon ein gutes Stück reinlesen) hat da über all die Jahre auch nix von geschrieben, weder von sich noch von den vielen tausend Patienten, die durch die Kliniken gegangen sind, für die er mitverantwortlich war.

    Warum? Weil vielleicht zur passenden Menge an Insulin auch noch ein gutes Stück mehr an Regelprozessen gesund ineinander greifen müssen, damit wir den BZ im gesunden Rahmen messen können? Und weil diese Prozesse ihren passenden Beitrag nur im gesunden BZ-Rahmen leisten können?
    Dafür würde auch sprechen, dass ich nach nem Tag völlig außerhalb meines gewohnt gesunden Rahmens immer ein paar Tage mit intensiverem Beobachten und Nachjustieren brauche, um wieder in meine pflegeleichte Spur zu kommen, an die ich gewöhnt bin.

    Aber die Trefferquote von "Jade Diabetes" für mehrere Stunden BZ-Verlauf im Voraus bei Typ 1 ist ein sehr überzeugender Beleg dafür, dass sich aus der systematischen Beobachtung vergangener Verläufe auch mit Typ 1 sehr zuverlässig der jeweils aktuell anstehende für die Stunden bis zu nächsten Essensaufnahme voraussagen und ggf. entsprechend modifizieren/steuern lässt, damit der angestrebte Rahmen erhalten wird/bleibt.

    Und auf der Grundlage kann man sich eben mit dem Auslassen der Routine-Kontrolle belohnen/empowern, wenn z.B. 3 Tage nacheinander zu ähnlichen Zeiten unter ähnlichen Bedingungen ähnliche (den Rahmen dafür muss man sich natürlich setzen) gemessen werden :)

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  • Lena8107

    Rang: Gast
    am 08.03.2022 22:37:50 | IP (Hash): 1557121140
    Ich kann nur für mich sagen, dass ich mit meiner kleinen Restfunktion einen sehr ruhigen Verlauf hatte.
    Ohne Restfunktion ist das eine völlig andere Welt und ich würde niemals mit nur einer täglichen Messung auskommen.
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    am 09.03.2022 21:36:39 | IP (Hash): 1281120966
    Lena8107 schrieb:
    ...ich würde niemals mit nur einer täglichen Messung auskommen.


    Hätte ich die meisten meiner über 20 INSULINER Jahre voll unterschrieben. Da hab ich 8-10 und mehr Löcher pro Tag in meine Finger gepiekst :)

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  • Lena8107

    Rang: Gast
    am 09.03.2022 21:57:22 | IP (Hash): 1557121138
    Mit meiner kleinen Restfunktion wusste ich, genau wie du, auch ohne Messen wo ich ungefähr liege.
    Das darfst du aber wirklich nicht vergleichen.
    Meine Oma hat seit über 40 Jahren ihren Typ 2 Diabetes und hat bis heute eigenes Insulin. Sicherlich nicht viel, aber das reicht um alles glatt zu bügeln. Die ist mittlerweile 89 Jahre alt und vergisst auch mal ihr Lantus und auch dann kommt es nicht zur Katastrophe……….

    Bearbeitet von User am 09.03.2022 21:59:56. Grund: *
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    am 09.03.2022 22:21:50 | IP (Hash): 1281120966
    Lena8107 schrieb:
    Meine Oma hat seit über 40 Jahren ihren Typ 2 Diabetes und hat bis heute eigenes Insulin. Sicherlich nicht viel, aber das reicht um alles glatt zu bügeln. Die ist mittlerweile 89 Jahre alt und vergisst auch mal ihr Lantus und auch dann kommt es nicht zur Katastrophe……….


    Glückwunsch zur und an die Oma!
    Aber Du machst mich neugierig: Zu was für einer Katastrophe kommt es bei einem Menschen mit Typ 1, wenn der einmal sein Basal auslässt?

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  • Lena8107

    Rang: Gast
    am 09.03.2022 23:09:09 | IP (Hash): 1557121138
    Meine Oma spritzt Lantus nur zur Nacht und das vergisst sie aufgrund ihrer beginnenden Demenz hin und wieder, auch mal mehrere Tage hintereinander. Das geht in ihrem Fall ohne größere Ausreißer, eben weil sie noch eigenes Insulin hat.
    Das Spritzen übernimmt nun der Pflegedienst………
    Solche Basallücken lasse ich nicht entstehen, mir hat eine Ketoazidose aufgrund der anfänglich falschen Typ 2 Diagnose gereicht. Natürlich hatte ich zu dem Zeitpunkt nur Metformin und dazu habe ich streng Diät gehalten. Das ging tatsächlich auch jahrelang gut und irgendwann habe ich nicht mehr gemessen………



    Bearbeitet von User am 09.03.2022 23:13:22. Grund: *
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    am 10.03.2022 15:40:23 | IP (Hash): 1459445624
    Deine Oma hat wahrscheinlich einen BZ-Verlauf, mit dem Du schon Bedenken vor der nächsten Keto hättest. HbA1c 7,5-8 und mehr gilt bei fortgeschrittenem Alter und Versorgung durch Pflegedienst als medizinisch ausreichend, und da sind Spitzen nach den gesunden=KH-reichen Mahlzeiten um und über 300 mg/dl recht normal.
    Mich hat der Dok vor gut 30 Jahren mit HbA1c über 15 und nüchtern über 400 mg/dl eingefangen. Rekonstruierter täglicher Flüssigkeitsumsatz 12-15 Liter. Und wo der Nephrologe entsprechende Fortsätze an der Niere gefunden hatte, musste der Zustand schon einige Jahre angehalten haben.

    Dir nachträglich Beileid zum "kompetenten" Dok :( Und wo er Dir wahrscheinlich nur wenige Teststreifen verordnet hatte und Du wahrscheinlich morgens nüchtern gemessen hast, immer praktisch dasselbe, wäre wahrscheinlich ne wöchentliche Stichprobe voll ausreichend gewesen.
    Voll ausreichend wofür?
    Voll ausreichend dafür, rechtzeitig zu sehen, wie Dein BZ schließlich munter immer höher wollte. Das ist vorausschauendes Beobachten.
    Und auch voll ausreichend dafür, diesen Vorlauf zur Ketoazidose rechtzeitig zu stoppen. Die rechtzeitige Hinzunahme von Insulin VOR der Keto wäre vorausschauendes Behandeln/Steuern gewesen.

    Im Thread "Neu und unsicher was BZ…" könntest Du bestimmt ne Menge Info finden, die Dir für Deinen Einstieg sehr geholfen hätte.

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  • Lena8107

    Rang: Gast
    am 10.03.2022 20:05:02 | IP (Hash): 1752827116
    Meine Oma hat einen sehr guten hba1c Wert von 6,2.
    Der lag aber vor vielen Jahren auch mal bei 14. Deshalb wurde dann auch eine Insulintherapie eingeleitet, vorher gab’s Tabletten.
    In meinem Fall war’s der Hausarzt. Der dachte, dass Typ 1 Diabetes nur Kinder bekommen.
    Als dann mit Metformin und Diät alles gut lief, habe ich mich dann leider auch nicht mehr drum gekümmert.