Willkommen Gast! Um alle Funktionen zu aktivieren musst Du Dich Anmelden oder Registrieren.
Nüchternwert
-
am 01.09.2022 17:03:33 | IP (Hash): 955861870
Im Forum wird aktuell in einigen Beiträgen zu diesem Thema diskutiert.
Jetzt frage ich mich (einfach weil es mich interessiert)
Warum wird der NBZ als so wichtig angesehen?
Ich frage insbesondere nach der Bedeutung bei Typ 2, bzw bei nicht insulinpflichtiger Diabetes.
Erstmal als möglicher Hinweis bei einer Diagnosefindung, das ist mir klar.
Aber wenn die Diagnose steht, der HBA1C Wert kontrolliert wird, die Werte nach der Nahrungseinnahme gemessen werden….. Welchen Unterschied macht es ob ich morgens 95 oder 115 habe? Folgenschwere Schädigungen entstehen doch in keinem von diesen Werten?
LG, Nosweets -
am 01.09.2022 18:16:51 | IP (Hash): 997249249
+Weil der Wert morgens nüchtern der erste regelmäßig im Diabetes-Zusammenhang im Labor bestimmte war, also Tradition.
+Weil es beim Diabetes außer Typ 1 keine "harten" organisch feststellbaren Größen gibt, wurden und werden nach der Statistik welche festgesetzt und z.B. beim morgendlichen Nüchternwert damit begründet, dass in auffällig vielen Fällen der BZ beim Morgenwert über 100, früher 90, zum zunehmend weiteren Ansteigen neigt und im Rahmen der nächsten 5 Jahre über 125 mg/dl schafft.
Dazu kommt
+Weil mit höherem Morgenwert die Weite der Schwankungen vom Tal vor dem Essen zur Spitze nach dem Essen zunimmt. D.h. der Morgenwert ist eigentlich der Indikator, denn der richtet sich sehr zuverlässig nach den Spitzenwerten der vorangegangenen Tage.
Und zunehmend weitere Schwankungen gelten als zunehmendes Risiko für Pipelinewände.
----------------------------------------------
Es gibt keine organisch oder physiologisch erkennbaren Anfangspunkte. Deswegen sind Prädiabetes und vor allem Diabetes Typ 2 und die Diagnose-Grenzwerte von den Fachgesellschaften für Diabetes definiert. -
am 02.09.2022 07:07:46 | IP (Hash): 955861870
Danke Jürgen für die Erklärungen! -
am 02.09.2022 10:19:31 | IP (Hash): 605225793
Deswegen messe ich meinen BZ nur noch einmal die Woche früh morgens - so habe ich einen hoffentlich guten Überblick darüber wie "gesund" ich die Woche über gelebt habe? -
am 02.09.2022 10:58:33 | IP (Hash): 1499616628
So wenig wie nötig messen, ist auch mein Ansatz. Daumendrück für weiteres gutes Gelingen!
----------------------------------------------
Es gibt keine organisch oder physiologisch erkennbaren Anfangspunkte. Deswegen sind Prädiabetes und vor allem Diabetes Typ 2 und die Diagnose-Grenzwerte von den Fachgesellschaften für Diabetes definiert. -
am 02.09.2022 13:34:48 | IP (Hash): 705993429
Auch auf die Gefahr hin, von den Moderatoren hier wieder als uninformierter Blödsinnsschreiber bezeichnet zu werden, erscheint mir das Messen des BZ einmal in der Woche als diagnostizierter Diabetiker sehr deutlich zu wenig.
Gerade meinen mich permanent unter Beobachtung stellender libre-Sensor empfinde ich mittlerweile als sehr hilfreichen Verlaufsbegleiter, mit dem ich ungesunden Spitzen z. B. durch zeitversetztes Essen regelrecht aus dem Weg gehen kann.
Wenn ich 2'er wäre und keinen Sensor hätte, würde ich sicherlich einmal täglich blutig messen... Aber gut, das kann ja letztlich jeder für sich selbst entscheiden...
Übrigens, ähnlich wie es Jürgen beschrieben hat, bin ich besonders durch den sich vergleichsweise langsam aber stetig ansteigenden Nüchternwert auf meine Diabetesproblematik überhaupt erst aufmerksam geworden.
Es könnte sicherlich viel Leid verhindert werden, wenn eine BZ-Messung wenigstens zur monatlichen Routine, wie das Besteigen der Personenwaage, auch und gerade bei (noch) Gesunden, werden würde?.
Noch nicht einmal die Hausärzte halten beim großen Blutbild die Einbeziehung des HbA1c routinemäßig für notwendig, obwohl Diabetes als Volkskrankheit vor nahezu jeder Tür in unserem Land lauert...
Gefahr erkannt, Gefahr gebannt ist beim Diabetes ein echtes Leitmotiv!
______________________________________________________________________________________________
Wer die Sache ernst nimmt und grundsätzlich diszipliniert ist, den diszipliniert dieser Diabetes vermutlich weit mehr hin zur Gesundheit, als diese Krankheit dann noch vermag zu zerstören?!
Bearbeitet von User am 02.09.2022 13:44:07. Grund: Ergänzung -
am 02.09.2022 13:47:54 | IP (Hash): 1008229721
ThomaS1968 schrieb:
Wenn ich 2'er wäre und keinen Sensor hätte, würde ich sicherlich einmal täglich blutig messen...
Typ2er, die keine Insulin spritzen, bekommen nur sehr wenige bis keine Teststreifen von der Krankenkasse bezahlt!
Das ist eine Hürde, die so manche/r nicht überwinden kann...
Ich bin Tp1erin, habe einen Sensor und messe einmal täglich blutig, um sicher zu sein, dass der Sensor keinen Mist misst, bzw. den gleichen Mist wie das Messgerät...
Bearbeitet von User am 02.09.2022 13:52:22. Grund: Ergänzung; Korrektur -
am 02.09.2022 14:44:17 | IP (Hash): 72970431
Hallo Thomas!
Das wäre MIR als Gesunder zu viel des Guten. Wie heißt es so schön: Wer viel misst, misst viel Mist ;)
Ich/man würde sich nur selbst kirre machen, wenn man ohne erkennbaren Grund ständig rauf- und runter misst, bis vielleicht irgendwann mal ein verdächtiger Wert dabei ist. Auch im Hinblick auf die Abweichungen, die diese Geräte vorweisen (können) wäre ein ev. verdächtiger Wert unter Umständen - je nach der Zahl - sowieso nur ein Anhaltspunkt, ob ich den lieben Weißkittelträger im Labor um eine genauere Bestimmung meiner BZ-Situation bitten soll(te) oder nicht. Da kann 100 genauso 115 Ü-Hu (Prädiabetes) oder 90 (unverdächtig) bedeuten.
Du hast natürlich recht: "Diabetes is on the rise" heißt es. Dies insb. durch unser immerhin zwei Drittel der deutschen Bürger betreffendes Übergewichtsproblem, als auch unsere mangelnde Bewegung in Zusammenhalt mit unserer ungesunden Ernährung und etwaigen erblichen Vorbelastungen. Bei diesen Risikogruppen macht ein regelmäßiges Screening aus meiner Sicht definitiv Sinn - und vorbeugende Maßnahmen wie Abnehmen und sportliche Betätigung sowie "gesunde Ernährung" (die es SO eh nicht gibt) auch schon dann, wenn die Werte ganz weit weg von Prädiabetes und Diabetes stehen. Selbst bei der Diagnose Prädiabetes würde ich da aber noch lieber alle paar Monate zum Dok wandern, anstatt etwaige negative Emotionen wie Angst oder Zweifel obsiegen zu lassen, welche sich so dann negativ auf den BZ auswirken (können), damit meine Situation ggf. verschlechtern.
Aber selbst ohne irgendwelche erkennbaren Risiken, ist das Diabetes-Risiko nie gleich 0. Dennoch bleibe ich dabei: "Gesund" essen, bewegen und Gewicht in Schach halten sind MIR lieber, als etwaige Messorgien.
Bearbeitet von User am 02.09.2022 14:45:27. Grund: . -
am 02.09.2022 17:57:47 | IP (Hash): 1499616628
ThomaS1968 schrieb:
Auch auf die Gefahr hin, von den Moderatoren hier wieder als uninformierter Blödsinnsschreiber bezeichnet zu werden,...
Hier gibt es keine im Forum aktiven Moderatoren. Hier schreiben ausschließlich persönliche Meinungen aktiv mit. Im Hintergrund wird nur die Reklame ausgemistet, die hier ab und zu anläuft.
Den Typ 2 halte ich für die gewaltigste Folgekrankheit vom Typ 1. Denn die Diabetologie richtet sich bei der Einstellung und in der Folge auch bei der Diagnose des Typ 2 traditionell nach der Einstellung vom Typ 1. Noch bis nach der Auswertung der UKPDS in der ersten Hälfte der 90er des vorigen Jahrhunderts sogar gern etwas höher, damit man weiter von möglichen Hypos weg war. Und höher war ja nicht schlimm, denn Typ 2 bekommt ja mit höherem BZ keine Ketoazidose. Das wurde erst mit der UKPDS revidiert, die aufzeigte, dass der Typ 2 ebenso wie der Typ 1 mit höherem BZ unter denselben Folgekrankheiten zu leiden hat.
Das ist auch die erste große Zuwachs Zeit an Typ 2, denn ab Ende der 80er wurde der Glukose-Test morgens nüchtern direkt in immer mehr Hausarztpraxen zur Normalität. Und da fing auch an aufzufallen, dass sich Folgekrankheiten bei den 2ern auch schon vor der Diagnosereife einstellen konnten, wenn sie wohl nur ausreichend viele Jahre im Bereich des Prädiabetes zubringen.
Das ist inzwischen diabetologisches Standardwissen, hat aber bislang noch keine Berücksichtigung in der Behandlung gefunden.
Dazu gehört auch, dass beim werdenden Typ 2 schon im Bereich des völlig gesunden BZ auffällig viel intaktes Proinsulin beobachtet werden kann. Das ist das ungeteilte Produktionsmolekül, das die Betas nach der Produktion speichern und bei der ordentlichen Ausgabe in C-Peptid und Insulin teilen.
Normal wird nur unter Stress das Teilen öfter vergessen, z.B. auch beim Typ 1, wenn sich die verbliebenen 20% Betas volle Pulle um die Erhaltung eines gesunden BZ bemühen. Wenn diese Bemühungen kippen und dann große Mengen an Proinsulin mit nur 10-20% der BZ-Wirkung von ordentlich geteiltem ausgegeben werden, geht’s ab in Lipolyse und Keto. Und wenn dieser Prozess mit Insulin aus dem Pen abgefangen wird und die Betas entlastet, teilen die ihre Ausgabe auch wieder ordentlich, wenigstens für ein paar Tage bis Wochen an Honeymoon.
Ok, beim werdenden Typ 2 lässt sich schon im Bereich des völlig gesunden BZ auffällig viel Proinsulin beobachten und auch auffällig viel Insulin. Und beide Auffälligkeiten verstärken sich erheblich mit dem Durchgang durch den Prädiabetes und haben mit Erreichen der Diagnosereife schon recht ausgewachsene Ausmaße. Da fängt nix klein und neu an, wie wir das Überschreiten einer Diagnoseschwelle sonst zu verstehen pflegen.
Und apropos Fett: Insulin packt nicht nur Glukose in Verbraucherzellen direkt zum Verbrauchen, sondern auch Fett in Fettzellen und hält das da drin weggesperrt. Proinsulin kann zwar nur 10-20% Glukosewirkung, aber 100% Fettwirkung.
Beste Voraussetzungen also für den Ansatz von vielen Kilos, die bei Erreichen der Diagnosereife messerscharf als Ursache vom angestiegenen BZ erkannt werden ;)
----------------------------------------------
Es gibt keine organisch oder physiologisch erkennbaren Anfangspunkte. Deswegen sind Prädiabetes und vor allem Diabetes Typ 2 und die Diagnose-Grenzwerte von den Fachgesellschaften für Diabetes definiert.
Bearbeitet von User am 02.09.2022 18:01:21. Grund: . -
am 02.09.2022 20:42:02 | IP (Hash): 705993429
@Mitglied... Wenn Du die von mir empfohlene einmalige Messung des BZ im Monat für Gesunde als "Messorgie" ansiehst,... up to you!
______________________________________________________________________________________________
Wer die Sache ernst nimmt und grundsätzlich diszipliniert ist, den diszipliniert dieser Diabetes vermutlich weit mehr hin zur Gesundheit, als diese Krankheit dann noch vermag zu zerstören?!
Bearbeitet von User am 02.09.2022 20:42:54. Grund: Ergänzung