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Wie "krank" fühlt Ihr Euch?

  • Kiwi

    Rang: Gast
    am 26.06.2008 19:15:40
    Hallo zusammen

    Ich lese täglich mit, bin aber derzeit soweit stabil und fragenlos, dass ich mich länger nicht mehr gemeldet habe.

    Und doch beschäftigt mich seit einiger Zeit die Frage: wie krank bin ich eigentlich?

    Zur Erinnerung: Ich erhielt vor 2 Monaten die Diagnose Diabetes, vor 3 Wochen die Präzisierung Typ 1 LADA. Derzeit nehme ich Medikamente, habe einen mmol-Wer zwischen 5 und 9 mmol, (morgens höher als abends, also noch nicht optimal, aber mein Dia-Doc meinte, solange er einstellig bleibt, soll ich weitermachen wie besprochen, wie sehen uns im August wieder.)

    Nun mache ich also weiter "wie besprochen", habe ziemlich abgenommen, gucke gut, was ich esse, mache 2, 3 Mal die Woche Sport und bin ein richtig "braves Mädchen". Entsprechend fühle ich mich sehr gut, alle Symptome sind weg, ich bin vital und dank Gewichtsabnahme strotze ich voller Selbstbewusstsein.

    Ich ertappe mich manchmal dabei, mich zu fragen: Habe ich WIRKLICH Diabetes? Mein Verstand sagt und weiss. Ja, es ist so. Und doch fühle ich mich - ZUM GLÜCK - so wohl, wie schon lange nicht mehr.

    Darf ich vergessen, Diabetes zu haben? Gehe ich zu locker damit um? Ich bin sehr zuverlässig in Sachen Messen und Medikamente.

    Und ich habe Angst davor (war auch schon Thema, ich weiss!); dass mit der unvermeidlich kommenden Insulin-Spritzerei dann der "Hammer" erst kommt und ich mich gleichzeitig wie eine Krankenschwester und wie eine alte, kranke Frau fühlen werde.

    Danke, dass ich meine aktuellen Gedanken und Gefühle hier loswerden durfte, ich bin gespannt auf Eure Feedbacks.

    Süsse Grüsse aus der Schweiz, Kiwi
  • klausdn

    Rang: Gast
    am 26.06.2008 19:59:41
    na du hast sorgen ;-))
    ich habe eine stoffwechselstörung und keine krankheit,
    daß ich 5mal/d spritze ist so völlig normal daß es nicht auffällt,
    oft schaue ich in die plastikbox um festzustellen ob oder ob nicht.
    ot ,( war mal thema, die alte plastikbox vom novopen3, so ihr habt nicht entsorgen, da sind drei plätze für kanülen, mo, mi , ab, - für basis, links mo- rechts ab)
    das ist zum selbstkontrollieren- da ja der Innovo nicht mehr da ist, und der memoir nicht für novoinsulin geht.
    krank fühlt man sich mit schnupfen.
    mfg. klaus von klausdn
  • Thomas

    Rang: Gast
    am 26.06.2008 20:09:22
    Hallo Kiwi,
    ist Typ 1 Lada sicher? Warum bekommst du dann kein Insulin? Das einzige was du mit den Tabletten erreichst, ist das Deine Bsd bald ganz aufgibt, oder Dein Stoffwechsel irgendwann entgleisst. Wenn Du Glück hast, kannst Du als LADA deine Eigenproduktion lange erhalten, Jahre mitunter. Da zu musst die Bsd entlastet werden, dass geht nur mit Insulin. Zum Anfang etwas zu den Mahlzeiten noch ohne Basis. Mit einer Eigenproduktion hast du es viel leichter, mit weniger BZ Schwankungen und ohne schwere Hypos. Spreche mit dem Doc darüber, Insulin spritzen ist nicht schlimm und du weist selber das Du eh nicht drum rum kommst. Also warum nicht gleich?

    Zu deiner Frage, für mich ist Insulin spritzen, messen, zur Normalität geworden. Ich könnte gut darauf verzichten, aber krank fühle ich mich nicht.

    Gruss Thomas
  • Jürgen

    Rang: Gast
    am 27.06.2008 14:46:35
    Moin Kiwi,

    ich mach das mal noch ein bisschen präziser: gesunde Menschen wachen mit 3,3 bis 4,5 mmol/L auf und kommen zu keiner Zeit (auch nicht ne Stunde!) nach dem Essen auch von vielen BEs über 7,8. Mit 5-9 liegst Du da (wahrscheinlich morgens nüchtern schon) eindeutig drüber.

    ALLE Statistiken weisen auch für Typ1 erhebliche Lebensverkürzungen und damit zusammen erhebliche Beeinträchtigungen der Lebensqualität in der zweiten Hälfte der Diabetes-Dienstzeit aus. Und jeder Blick auf einen Jahrgang zeigt zu Anfang der Karriere die meisten beschwerdefreien Betroffenen mit relativ hohen BZ-Verläufen und nach 20-30 Jahren nur noch sehr wenige beschwerdefreie Oldies mit beinahe bis gesunden BZ-Verläufen.
    Klar findest Du auch noch den einen oder anderen gesunden Alten mit langjährig ungesundem BZ-Verlauf, aber das ist dann genau so ne Ausnahme, wie unser hanseatischer Altbundeskanzler unter den Rauchern. Hat also eher die Qualität eines unverhofften Lottogewinns.

    Wenn Du dich jetzt schon mit Deiner gesunden BZ-Steuerung anfreundest, gelingt Dir das mit vergleichsweise geringem Aufwand, UND Du erhältst dir die Voraussetzung für diesen geringen Aufwand, Deine eigene Insulinproduktion, noch für weitere Monate, wenn nicht sogar Jahre. Denn mehrstündige BZs über 7,8 mmol/L können Betazellen in ihrer Funktion erheblich behindern bis löschen :-(

    Wenn Du also Wert darauf legst, bald Deine eigene Krankenschwester zu sein, genieße heute schon Deine Zukunft und rede Dir weiter ein, dass im Moment ja alles in Ordnung ist.

    Bisdann, Jürgen
  • Kiwi

    Rang: Gast
    am 27.06.2008 15:32:40
    Tag Ihr Lieben

    Danke für die Feedbacks!
    Ich bin nun etwas ratlos, denn ich fürchte, ich bewege mich da tatsächlich auf Glatteis mit meinen doch definitiven zu hohen mmol-Werten. Hmmm..

    Mein Dia-Doc schrieb mir per Mail vor ca 4 Wochen nach einem Antikörper-Bluttest, dass die GAD-Antikörper in sehr hohem Masse nachweisbar sind, "was für einen Typ 1 LADA spricht" und meinte im gleichen Mail, er schlage vor, die Therapieform (also Medikamente) bis zum nächsten Termin im August weiterzuführen.

    Daraus schloss ich, ich hätte Zeit bis August.. Er meinte zudem beim letzten persönlichen Termin, als LADA noch nicht feststand, wenn die mmol-Werte unter 10 sind, reicht es, wenn ich erst im August komme. Nur wenn sie über 10 ansteigen, soll ich mich vorher melden.

    Nun ist es so, dass ich morgens immer (nüchtern!) zwischen 7 und 8.9 mmol habe - und abends vor dem Abendessen (bin dann auch meist hungrig und unleidig) erst den verhältnismässig niedrigen Wert von um die 5 mmol habe.

    Verstehe ich Euch richtig, ich würdet SOFORT einen neuen Doc-Termin abmachen - und dann auf Insulin tendieren?

    Besten Dank für Euer Mitdenken, beste Grüsse aus der Schweiz, Kiwi
  • Ojima

    Rang: Gast
    am 27.06.2008 16:34:07
    Hallo Kiwi,
    je eher Du mit Insulin anfängst umso besser! Ich kann den Infos von Jürgen nur zustimmen. Mit dem gespritzten Insulin schonst Du Deine BSD , Du kommst in die Remission und kannst Dich dann wenn alles gut läuft noch recht lange an einer eigenen Insulinrestproduktion erfreuen.Die hilft Dir dann einige Fehler auszubügeln. Und Du kommst mit weniger Insulin aus. Ich bin auch ein T1 LADA, habe ähnlich wie Du auch erst mit Tabs und Ernährung und Bewegung rumgepfriemelt (ich hatte noch keine Ahnung und mein Doc war ein D*** :-(..)......vergiß es, steig auf Insulin um. Man fühlt sich besser, hat bessere Werte und ein besseres Gefühl.
    Viel Glück wünscht Ojima
  • Thomas

    Rang: Gast
    am 27.06.2008 16:59:04
    Hallo Kiwi,

    Zitat Kiwi
    Verstehe ich Euch richtig, ich würdet SOFORT einen neuen Doc-Termin abmachen - und dann auf Insulin tendieren?
    Zitat Kiwi

    der Antikörpertest war positiv und damit bist Du 100% Typ1, ob LADA ist nicht sicher und auch nicht wichtig. Sicher ist das über 80% der Beta-Zellen deiner Bsd bereits zerstört sind und die übrigen 20% nicht mehr ausreichend Insulin produzieren können. Die Tabletten die Du bekommst, vermutlich Sulfonylharnstoff, regen die restlichen Beta-Zellen an noch mehr Insulin zu Produzieren und die arbeiten eh schon am Limit. Was du daran merkst, das der BZ auch mit Tabletten schon zu hoch ist.

    Die Eigenproduktion die du noch hast ist aber wertvoll, denn sie erleichtert dir die Insulintherapie erheblich und verzeiht den einen oder anderen Fehler. Warum es so wichtig ist die restlichen Zellen zu entlasten und Insulin extern hinzuzufügen. Ich kann mir gut vorstellen das du Angst hast Insulin zu spritzen, es ist aber unausweichlich und mit Eigenproduktion hast du einen sanften Einstieg.

    Du hast seit 2 Monaten Typ1 hast du eine Schulung bekommen? Wenn nicht kümmere dich darum.

    Gruss Thomas
  • double

    Rang: Gast
    am 27.06.2008 18:15:00
    Was bedeutet LADA ?

    von double
  • Jürgen

    Rang: Gast
    am 27.06.2008 19:31:40
    wie vieles in der Medizin, einfache Beschreibung weise fachologisch verschlüsselt ;-)
    Wiki sagt:
    LADA ist die medizinische Abkürzung für eine besondere Form des Diabetes mellitus. Der Ausdruck LADA bedeutet latent autoimmune diabetes in adults, also übersetzt: verborgener, autoimmun bedingter Diabetes bei Erwachsenen. von Jürgen
  • Petra

    Rang: Gast
    am 30.06.2008 02:48:15
    Moin Kiwi,
    ich bin auch LADA, seit Februar, mein Doc auf Schulung hat gesagt, mit Insulin und vernünftiger BZ Führung kann ich noch lebenslang was von meiner BSD haben.Und das hilft ungemein, wenige Hypos, keine Keto möglich, keine überschießende Lipolyse, kann ins Bett gehen wann ich will. Krank? Ganz ehrlich, bei Schnupfen fühle ich mich schlimmer. Spritzen, seitdem mir auf Schulung gezeigt worden ist wie das äusserst schmerzarm geht ist der Piks in den Finger schlimmer.
    Tschöö
    Petra
  • dipa

    Rang: Gast
    am 02.07.2008 15:09:15
    Hallo Kiwi,

    als Diabetiker ist man krank, aber bei erfolgreichem Umgang kann man leicht vergessen, dass man nicht gesund ist.
    Ich fühle mich als Diabetiker gesünder als ich offiziell noch ein Nichtdiabetiker war.
    Dank der Diagnose Diabetes sind meine gesundheitlichen Beschwerden stark zurückgegangen.

    Fazit: Ich bin Diabetiker, aber meine Werte sind gut. Wenn sie so bleiben kann ich ganz zufrieden damit leben.

    mfg dipa