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Der Nüchternwert, die eierlegende Wollmilchsau der Diagnostik
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Tom
Rang: Gastam 09.06.2008 10:08:07
Zitat: Der Nüchternwert ist die eierlegende Wollmilchsau der Diagnostik. Er ist Indikator und hat absolut keine schwerwiegender krankmachende Bedeutung als ein gleich lange gleich hoher Wert zu jeder anderen Tageszeit. Zitatende.
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Das hat Jürgen mal so hübsch formuliert. Trotzdem geht der immer noch hohe Nüchternwert mir tierisch auf den Keks, er tut, was er will....
Ich habe die Tageswerte zwar in "schönen Bahnen", aber der Nüchternwert bleibt immer noch unvertretbar mit zwischen 140-220. Dabei ist es wurscht, ob der Wert vor dem Schlafengehen gut oder schlecht war.
Und ich habe auch schon um 3 Uhr mit Bolus korrigiert. Aber hier hat wohl dann die Leber gedacht: Achtung, die Olle steht auf, sie setzt sich in Gang, spucken wir mal zu den 6 IE Insuin eine Runde Zuckerwürfelchen. Und der 6:00 Uhr-Wert war trotz Korrektur höher als der 3 Uhr-Wert.
Wie sehen Eure Nüchternwerte aus und was tut ihr, um die senkend zu beeinflussen? Ich hätte gern Eure Erfahrungen gewusst. Ich bin mit meinem Latein am Ende. Ganz zu Anfang war das mit Novo Semilente gut in den griff zu bekommen, aber das gibt es nicht mehr. Vielen Dank schon mal dafür. von Tom -
BARBRA
Rang: Gastam 09.06.2008 10:27:12
Hallo!
meine Nüchternwerte liegen meist zwischen 120 und 150. Egal wie hoch die Abendwerte sind. Hab ich Abends vorm schlafengehen über 200 und korrigiere, liege ich am morgen trotzdem hoch.Komme auch bei niedrigeren Abendwerten(120) morgens hoch raus.Hab auch schon nachts gemessen und oder korrigiert.Manchmal hab ich dann nüchtern wieder 80,obwohl mit Abends 170 ins Bett gegangen.
Kann da kein klares System dahinter finden.
Auch etwas ratlos.
lg
BARBRA -
Petra
Rang: Gastam 09.06.2008 10:34:33
Moin Tom,
das würde mich auch interessieren, meine Schwiegermutter (T2) hat das gleiche Problem, bei der kann auch wirklich nichts den Zucker dazu bewegen nachts unten zu bleiben. Ich persönlich habe das Problem nur wenn ich abends fett(er) esse, bei sehr dunkler (80%) Schokolade oder Nüsse und das spritzen von Lanzeitinsulin noch nicht "lohnt". Dann habe ich den BZ Anstieg von dem Fett morgens auf der Uhr.
Schönen Tag noch
Petra -
Barbara
Rang: Gastam 09.06.2008 11:52:46
Moin Tom, morgens liegen die Werte bei mir auch zwischen 110 und 150 im Laufe des tages bewegen sie sich um 100 ev. auch drunter. Ich spritze abds
vor dem schlafengehen 14 E Protaphane und komme
damit ganz gut hin. und zum Essen spritze ich dann
Novorapid FRaktor 3 plus Korrektur..
Vielleicht solltest Du mal mit dem Insulin wechseln
Aber nicht Lantus u. Levimir, das soll nach Dr.
Sawicki bald nicht mehr bezahlt werden. Also würde ich davon gleich Abstand nehmen
Einen schönen tag noch
Barbara -
Tom
Rang: Gastam 09.06.2008 11:59:39
Die Frage ist: Wie wichtig ist der Wert wirklich, wenn er alleiniger hoher des Tages ist? NUR deshalb Insulin wechseln? Möchte ich nicht. von Tom -
Jürgen
Rang: Gastam 09.06.2008 12:33:29
Moinmoin,
der BZ-Verlauf morgens nüchtern ist am schwierigsten von dem zu den übrigen Tageszeiten beeinflussbar, weil der Organismus ihn ohne unser Zutun selbst fabritziert. Aber wenn man den BZ zu allen übrigen Zeiten unter 140/120/100 gesund führt, lässt sich die Zeit mit ihm eher vernachlässigen UND oft beobachten, wie auch er dann nach einiger Zeit gesünder absinkt.
Dumm nur, dass sich der tageshöchste Nüchternwert mit unserer Futtertradition gewissermaßen zur DM-Förder-Combi verbindet. Denn eine BE erfordert bei den meisten von uns und natürlich auch bei denen, die nicht spritzen, zu keiner anderen Tageszeit so viel Insulin, wie zum Frühstück. Und mit dem höheren Ausgangswert und dem selbst mit Spritzen oft nicht ausreichend gedeckten Mehbedarf machen sich die meisten von uns nach dem Frühstück die höchste und ausgedehnteste postprandiale Spitze :-(
Wer zwischen den Mahlzeiten auch dann nicht mehr regelmäßig deutlich unter 100 kommt, wenn er praktisch weitgehend auf BEs verzichtet, sollte sich mit dem Gedanken an eine konstante Langzeitinsulin-Versorgung vertraut machen. Konstant deswegen, weil dann die eigene Insulinversorgung meistens voll läuft und dabei auch ein Maximum an intaktem Proinsulin ausgibt, das zwar nur 10% BZ-Senkwirkung hat, aber super Arteriosklerose und Adipositas fördert.
Die konstante Basal-Versorgung macht man sich entweder mit 1-2mal Lantus oder 1-2mal Levemir oder 3mal NPH pro Tag.
Wer schon Bolus spritzt, stellt beim Hinzunhemen von Basal oft verwundert fest, dass er sehr viel weniger Bolus braucht und in der Summe Basal+Bolus pro 24 Stunden für den gleichen BZ-Verlauf deutlich weniger Insulin braucht als mit Bolus alleine.
Wer mit Basal auf den morgentlichen Nüchternwert schießen will, sollte nur so viel nehmen, dass er zwischen 2 und 3 Uhr nicht unterzuckert. Auch mit Basal bleibt der Wert morgens nüchtern der am wenigsten steuerbare.
Und noch einmal: Er ist genau so gefährlich oder ungefährlich, wie ein gleich hoher und gleich langer BZ-Verlauf zu jeder anderen Tageszeit.
Bisdann, Jürgen -
Tom
Rang: Gastam 09.06.2008 13:41:03
...sollte sich mit dem Gedanken an eine konstante Langzeitinsulin-Versorgung vertraut machen. Konstant deswegen, weil ...
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Was meinst du mit konstanter Langzeitversorgung, Jürgen? Insulinpumpe? von Tom -
Jürgen
Rang: Gastam 09.06.2008 14:36:54
Moin Tom
wenn Du keine Ölquelle mit Vorrat für den Rest Deines Lebens hast, vergiss die Insulinpumpe. Nach der seit Jahren beobachtbaren Politik der kranken Kassen wird die immer seltener zum Neugebrauch genehmigt und immer häufiger aus dem laufenden Gebrauch gestrichen.
Mit kostant meine ich eine Insulinwirkung, die ohne Berge und Täler gleichmäßig durchlaufend die restliche Eigenproduktion bis an 80 mg/dl entlastet, so dass die mal ausschalten und sich erholen kann.
Ohne Berge und Täler kommen die meisten bei Lantus ab etwa18 IE/Tag (3/4 IE pro Stunde) mit 1mal spritzen hin, darunter besser wohl 2mal. Levemir muss eh immer 2mal, wenn man ca 16-18 Stunden nach dem Spritzen kein natürliches BZ-Tal hat. Und NPH muss für einigermaßen gleichmäßige Wirkung 3mal gespritzt werden. Bei nur 2mal hat man immer für die Stunden des alten Auslaufs und für die Stunden des neuen Anlaufs wenig Wirkung und dazwischen 2 ausgeprägte Wirkberge. Ich habe bislang noch niemanden kennen gelernt, dem die praktisch zusätzliche passende Berücksichtigung dieser Berge und Täler mit dem Bolus wirklich gelingen würde.
Bisdann, Jürgen -
dipa
Rang: Gastam 10.06.2008 01:27:18
Hallo Tom,
man hat den Diabetes gut in Griff, aber nicht den Nüchternwert. Das Schlimmste daran ist, dass die Ärzte diesen als Referenz nehmen und man sich ungerechtfertigte Kritik anhören muss.
Vor Jahren war mein Nüchternwert 200 derzeit ist er meistens 120-130.
Wie ich das geschafft habe?
Ich habe die bsd in Ruhe gelassen!
Ich glaube nicht, dass du diese Methode anwenden kannst.
Dennoch viel Glück.
mfg dipa -
thomas2002
Rang: Gastam 10.06.2008 01:45:40
mein nüchternwert ist zwischen 80 und 100 mg bzw zwischen 4,4 und 5,6 mmol
wenn der nüchternwert etwas hoch und der nachtwert normal ist, könnte dahinter das aufsteh- bzw aufwachphenomen stecken. sowohl beim aufwachen als auch beim aufstehen schüttet der körper ein hormonkoktail aus. alternativ ein fett- oder eiweisreiches abendessen. von thomas2002 -
Tom
Rang: Gastam 10.06.2008 09:17:12
Ich geh mit unter 120 schlafen und wache mit 140-220 auf. Abendessen findet spätestens 19 Uhr statt, wenn ich es bis 18 Uhr nicht geschafft habe. Eiweißreich oder fettreich fällt aus. Korrigieren um 3 Uhr bewirkt das Gegenteil. Und nun? *ratlos* von Tom -
Petra
Rang: Gastam 10.06.2008 10:25:09
<- Diabetikermarmelade selber macht.
3:1 Gelierzucker, macht je nach Obst ca.40g
Marmelade für 1 BE und schmeckt sogar noch besser als gekaufte. Apfel-Erdbeer mit Banane *lecker* von Petra -
Jürgen
Rang: Gastam 10.06.2008 10:34:54
Du futterst eiweiß- und fettarm, brauchst jede Menge Insulin, produzierst damit trotz all Deiner Aufmerksamkeit miese Werte und nimmst eifrig zu. Zu erwarten steht noch mehr Insulin und noch mehr Zunahme.
Die einzige mir bekannte Möglichkeit, diese Entwicklung nennenswert zu ändern isst weniger Stärke und stattdessen mehr Eiweiß und Fett. Und bitte nicht glauben, was auf den Packungen oder in irgend einer Liste steht: Stärke und Zucker enthält alles, wo Dein BZ ne Stunde nach dem Input deutlich höher als vorher ist.
Nur noch einverleiben, was den BZ im Stundenrahmen z.B. nicht mehr als 50 mg/dl nach oben bewegt (noch besser gleich auf 6-12-12g beschränken). Dabei schauen - aufschreiben und überprüfen! - wie sich Eiweiß und Fett nach 4 und mehr Stunden auswirken können!
Basal beibehalten und ggf. im Anfang auch ohne Futter-KHs mit Bolus-Insulin einen zu hoch verlaufenden BZ korrigieren. Aber insgesamt solltest Du schon nach spätestens 3 Tagen einen ausgeglicheneren und niedrigeren BZ-Verlauf mit weniger Insulin erreichen.
Wenn Du nach 14 Tagen bis 4 Wochen bei nem sehr viel gesünderen BZ-Verlauf angekommen bist und vielleicht auch schon 1 Pfund oder 2 weniger wiegst, kannst Du dann ja mal vorsichtig ausprobieren, wie sich BZ- und Insulinmäßig auswirkt, wenn Du wieder mehr KHs und weniger Eiweiß und Fett nimmst :-)
Und ich bin mir recht sicher, dass nach nem Monat in der Art auch Dein Nüchtern-BZ sehr viel besser als gegenwärtig aussehen wird :-) von Jürgen -
Tom
Rang: Gastam 10.06.2008 12:37:37
..mehr Eiweiß und Fett? Das wird mir schwer fallen, vor allem das Fett...
Ich muss aber noch mal dumm nachfragen:
6-12-12g? Worauf sind die bezogen? von Tom -
Jürgen
Rang: Gastam 10.06.2008 13:22:35
wo Eiweiß drin ist, ist meistens auch Fett drin, Bsp Ei oder Quark. 6-12-12 bezieht sich auf Gramm Stärke oder/und Zucker, also z.B. vor allem in Brot, Kartoffeln, Reis verteilt auf die 3 Hauptmahlzeiten.
Das Schema stammt vom alten usanischen Diabetes-Dok Bernstein (selber seit 12.Lebnsjahr 146 Diabetiker), der seine Patienten damit seit gut 20 Jahren erfolgreich behandelt, auch wenn sie austherapiert mit nem Tagesbedarf von 500 IE und mehr von anderen Ärzten schließlich zu ihm kommen. Er steht übrigens auf noch gesündere BZ-Verläufen als ich und hält dazu an, dass nach dem Essen zu keiner Zeit 100 überschritten werden.
Geht jetzt aber nicht drum, dass Du das ewig so machst, sondern dass Du dir mit weniger Insulin alltäglich nen gesunden BZ-Verlauf produzierst und schaust, wie Du damit Dein Gewicht wenigstens halten oder vielleicht sogar ein wenig senken kannst.
Wie Du das mit der Fett-Eiweiß-KH-Verteilung dann anschließend weiter machen willst, kannst Du doch dann in Ruhe ausprobieren, oder? von Jürgen -
Tom
Rang: Gast -
Maria N
Rang: Gastam 10.06.2008 15:23:10
Hallo Tom!
Versuch doch mal, um 22h noch eine Kleinigkeit (etwa ein Jogurt)
zu essen und diese BE mit Insulin abzudecken. Das führt manchmal zu einem niedrigeren Morgenwert.
Ganz liebe Grüße
Maria N -
Tom
Rang: Gastam 11.06.2008 09:22:31
Danke, liebe Maria, aber um die Zeit schlafe ich schon, denn um 5:15 Uhr klingelt der Jobwecker. Aber der Tipp ist gut, ich kann mich erinnern, dass früher DMler um 22 Uhr noch eine kleine Mahlzeit bekamen, als ich mal länger im Krankenhaus lag. Das hatte sicher seinen Sinn und Zweck. von Tom -
Rolf
Rang: Gastam 11.06.2008 15:46:29
Hi, Tom,
stimme Maria zu, dass mit der Spätmahlzeit mache ich auch so, dann ist am Morgen der Nüchternwert um bis zu 20 Punkten niedriger, vergesse ich es mal, frühstücke ich und gehe danach joggen oder fahre mit dem Rad, anders geht es bei mir nicht.
Gruß
Rolf