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Typ 1 Newbie-Frage: Schnelle Faktorenveränderung
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am 11.03.2024 18:42:56 | IP (Hash): 490839912
Moin zusammen!
Vorab eine kurze Info: Die Diagnose T1D hat mich nun vor zwei Wochen ereilt, als ich mit schon fortgeschrittener Ketoazidose von der Notaufnahme auf die Intensivstation geschickt wurde. Im Krankenhaus wurde mein Zucker von Werten über 550 langsam auf ca. 200 runtergedrückt und ich nach einem Crashkurs und Anschlusstermin in der Diabetologie übers Wochenende heimgeschickt, im Gepäck Tresiba und NovoRapid-Spritzen. Das Feedback des Diabetologen war super, kam auch ganz gut zurecht. KE-Berechnung ist kein Problem, ich wiege einfach alles ab und rechne prozentual nach Tabellen aus.
Zunächst ging alles gut, die letzten Tage allerdings ist Chaos angesagt. Ich habe schon Tresiba von 14 auf 12 runtergesetzt, weil mir die konstanten Abfälle (trage Dexcom G7) einfach zu hoch waren. Gerade in Kombi mit sanften Spaziergängen ist mein Zucker einfach mal von stabilen 160 auf 80 runtergeknallt - ist das normal?! Waren da zu wenig langkettige KH's im Gepäck?!
Anfänglich waren als Faktor morgens 2 und mittags/abends 1 angesetzt. Entweder verpasse ich nun die SEA's konsequent oder meine Faktoren haben sich radikal verändert.
Nun ist es so, dass mein C-peptid noch bei 1,1 liegt, eine resteigene Produktion gibts also noch.
Ist das die angekündigte Honeymoon-Phase? Bin etwas verzweifelt, da selbst Faktoren von 0,75 morgens und 0,5 im Tagesverlauf heute meinen Zucker immer wieder um 40-60 mg runter und Richtung Hypo gedrückt haben.
Vielleicht kann mir jemand sagen, wie groß der SEA und die Art der Kohlenhydrate (schnell/lansam) Einfluss auf die Blutzuckerkurve nimmt? Im Krankenhaus wurde natürlich auf die Art der Kohlenhydrate überhaupt keine Rücksicht genommen. Ich hab einfach 10 Minuten vor dem Essen gespritzt und gut war, allerdings hatte ich ja auch ordentlich Puffer mit Werten zwischen 200 und 300 am Ende, jetzt zuhause liege ich morgens nüchtern zwischen 90 und 140. Bewegung führt auch zu einem sehr raschen und großen Fall, heute früh bin ich mit stabilen 160 aus dem Haus, war 20 Minuten zu Fuß unterwegs und landete 10 Minuten später bei 70. Gespritzt hatte ich quasi mit 0,75, allerdings 10 Minuten nach dem Essen weil ich schließlich bei 90 lag. Im Krankenhaus hieß es, bis 120 erst essen, dann spritzen.
Wann erreicht NovoRapid denn ungefähr das Wirkmaximum? Kann ich vllt. irgendwie besser abschätzen, wann welche Kohlenhydrate "ankommen" und entsprechend den Spritzzeitpunkt verbessern, um diese Schwankungen besser abzufangen? Manchmal klappt es zufällig total gut, aber die letzten beiden Tage hat fast nichts funktioniert - nur ein Croissant, mit Faktor 0,5 gespritzt ;) Beim Spaziergang anschließend wieder Abfall, bei 120 mg nochmal 6 g Traubenzucker eingeworfen, damit kam ich immerhin stabil mit 133 zuhause an. Muffin mit Faktor 0,5, 10 Minuten gewartet; der Zucker ging runter. Kartoffeln auch nur halb berechnet und etwa 15 Minuten nachgespritzt - runtergeknallt und mit O-Saft ausgeglichen. So gehts den ganzen Tag.
Natürlich erwarte ich nun keine fertige Problemlösung von euch, hoffe auf die Profi-Beratung am Donnerstag, aber vielleicht gibt es ja Erfahrungswerte aus ähnlich achterbahnähnlichen Anfängen zum Thema SEA und so schnellen Veränderungen in den Faktoren?
Viele Grüße!
Lena -
am 11.03.2024 19:17:21 | IP (Hash): 264499604
Hallo Lena,
hier schreiben nur sehr wenige Typ1er mit.
Deutlich mehr Infos zu deinen durchaus berechtigten Anfänger-Fragen und Problemen findest du bei insulinclub.de. Das ist ein Typ1 Forum.1 Benutzer dankte für diesen Nützlichen Beitrag. -
am 11.03.2024 19:28:55 | IP (Hash): 1318947266
Willkommen im Club ;)
Ne super Wissenszusammenstellung findest du auf diabetesinfo.de. Da gibt es auch ein Forum, in dem der Jörg (Betreiber, selbst mit T1D) auch die verzwicktesten Fragen diabetologisch sachgerecht beantwortet. Sehr viel mehr Menschen mit T1D findest du im insulinclub.de, aber halt ohne die umfassende Info.
Konkret zu deiner Auffälligkeit:
Die Ketoazidose tritt meistens auf, wenn noch um die 20% der Betas ordentlich Insulin ausgeben können. Im Stress tun sie das nicht. Dann geben sie sogenannt intaktes Proinsulin aus. Das ist das Produktionsmolekül, in dem Insulin und C-Peptid noch zusammenhängen.
Das Proinsulin hat nur etwa 10% der Glukosewirkung vom ordentlich abgetrennten Insulin. So kannst du dir vorstellen, dass der Stress, mit dem ein paar Betas mit dem Proinsulin anfangen, sich für den Rest halt bald so verstärkt, dass ganz schnell keine mehr ordentlich teilt.
Mit dem Insulin aus dem Pen senkst du nun den BZ und entlastest deine restlichen Betas nach und nach so weit, dass die wieder zunehmend nomaler funktionieren.
Das bedeutet für Mahlzeiten, dass sie beim Übergang der Glukose aus der Dünndarmwand gleich nach dem Durchgang durch den Magen mit Start um 30 Minuten nach dem Essen von den dortigen Hormonen den Auftrag zur dafür passenden Ausgabe von Insulin kriegen. Dann gelangt die Glukose aus der Darmwand in den innerbäuchlichen Kreislauf in die Pfortader und trifft sich darin mit dem bestellten Insulin auf dem kurzen Weg in die Leber. Und wenn beides tatsächlich mengenmäßig zueinander passt, gibt die Leber am Endes ihres Verarbeitungsprozesses den Blutzucker im völlig gesunden Rahmen aus.
Diese Insulinausgabe kann deine Peneingabe nicht berücksichtigen. Deswegen ist weniger Spritzen, wie du das machst, die einzig sinnhafte Möglichkeit.
Und dann noch zum Spazierengehen und sonstigem intensiverem Bewgen. Damit beschleunigen wir den Blutkreislauf, und das Insulin kommt in seiner Wirkzeit mit sehr viel mehr Nutzerzellen in Kontakt, als auf der Station im kranken Haus. Da kann mit 20-30 Minuten Spaziergang direkt nach dem Essen schon die Hälfte der Einheiten ausreichen, die du für den selben Blutzuckerverlauf brauchst, wenn du wenigstens die erste Stunde nach dem Essen vor dem TV oder am Arbeitsplatz sitzt. - Weiter gutes Gelingen!
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Typ 2 Diagnose 01.1991, Basal-Bolus seit 1998, HbA1c 5,5 und besser seit 2002.
Das Reframing vom Typ 2 ist mein Hobby und mein T2D mein engster Lebenspartner und bester Gesundheits-Coach :) -
am 12.03.2024 09:55:24 | IP (Hash): 799794984
Hallo Lena,
ich hoffe, dass du Julys guten Rat befolgt hast und dir im Insulinclub-Forum weiter helfen lässt.
Falls du hier noch mitliest, dann von mir die klare Aussage: Ja, es ist mit großer Wahrscheinlichkeit die Honeymoon-Phase, die deinen Insulinbedarf für eine gewisse Zeit stark verringert.
Vielleicht würdest du jetzt eine Weile sogar erst mal ganz ohne Insulin auskommen. Es wird aber vermutet, dass diese Phase länger anhält, wenn du weiter eine kleine Dosis Basalinsulin spritzt. Die Einstellung im Krankenhaus, sowohl die Basaldosis als auch die Faktoren, musst du allerdings komplett vergessen. Wenn es sich um die Honeymmon-Phase handelt, wovon du mit ziemlicher Sicherheit ausgehen kannst, dann spritzt du dir damit viel zu viel Insulin.
Ich wünsche dir eine möglichst lange Honeymoon-Phase, Rainer
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Gegebene Vorschläge und Einschätzungen sind ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und können in keinem Fall professionelle Beratung oder die Behandlung durch einen Arzt ersetzen.
Bearbeitet von User am 14.03.2024 03:21:21. Grund: BBCodes