Willkommen Gast! Um alle Funktionen zu aktivieren musst Du Dich Anmelden oder Registrieren.

Maximale Dosis Insulin pro Injektion

  • Sebastian

    Rang: Gast
    am 17.04.2008 23:45:25
    Hallo Forum,

    ich habe kein Diabetes, interessiere mich aber berufsbedingt für die Thematik. Folgende Frage hat sich mir gestellt:
    Gibt es für die Verabreichung von Insulin mittels Insulinpen Empfehlungen oder Vorgaben, wie viel Insulin (Einheiten oder ml) mit einer einzelnen Injektion maximal verabreicht werden sollen?
    Ich hörte davon, dass Einzelinjektionen von mehr als 40 Einheiten schlechter (oder unberechenbarer) resorbiert werden können, was zu verminderter oder verzögerter Wirksamkeit des Insulins führen kann. Daraus leitet sich die Empfehlung ab, Dosen von 40 Einheiten und mehr in mehrere Einzelinjektionen zu splitten.
    Leider finde ich dazu keinerlei Quelle. Kann hier jemand diese Empfehlung bestätigen oder widerlegen? Wenns dazu noch eine Quellenangabe gäbe wäre es perfekt, mich interessieren aber natürlich auch sonst eure Meinungen :-)

    Vielen Dank für eure Hilfe!
    Gruß, Sebastian
  • Jürgen

    Rang: Gast
    am 18.04.2008 01:51:41
    Moin Sebastian,

    ich kenne Leute, die sich zu einer Mahlzeit mehr als 100 Einheiten Insulin spritzen, und andere, die für die selbe Mahlzeit nur 3 Einheiten brauchen, und wieder andere, die jede Insulindosis über 7 oder 8 oder 10 oder ... Einheiten auf 2 Injektion aufteilen, und ...

    Bisdann, Jürgen
  • Tom

    Rang: Gast
    am 18.04.2008 09:31:07
    Lieber Sebastian,

    hier ist ein link, unter dem du lesen kannst, weshalb man Insulindosen splitten sollte.
    http://www.diabetesinfo.de/grundlagen/resorption.php von Tom
  • diotmari

    Rang: Gast
    am 18.04.2008 09:34:37
    Guten Morgen!

    Laut Prof. Berger, einem Diabeteshäuptling, liegt die optimale Wirkkinetik des Insulines bei ca. acht Einheiten.

    Viele Grüße
    diotmari
  • Sebastian

    Rang: Gast
    am 18.04.2008 11:12:13
    Moin Sebastian,

    ich kenne Leute, die sich zu einer Mahlzeit mehr als 100 Einheiten Insulin spritzen, und andere, die für die selbe Mahlzeit nur 3 Einheiten brauchen, und wieder andere, die jede Insulindosis über 7 oder 8 oder 10 oder ... Einheiten auf 2 Injektion aufteilen, und ...

    Bisdann, Jürgen

    Hi Jürgen,

    dabei kommt es ja sicher auch auf die Insulinsorte an (lang- oder kurzfristig wirksam / Mix)? Weißt du darüber genaueres?
    Allemal scheint das ein sehr individuelles Problem zu sein, zu dem es vielleicht (?) keine pauschale Antwort gibt...
    Danke!

    Gruß,
    Sebastian
  • Jürgen

    Rang: Gast
    am 18.04.2008 11:42:29
    Moin Sebastian,

    bei den großen Dosen, die ich kenne, sind alle Insulinsorten vertreten. Und in meinem Beobachtungsrahmen fällt auf, dass die Dosen generell umso größer ausfallen und im Behandlungsfortschritt umso schneller zunehmen, je schemaverhafteter verordnet wird.

    Deine Annahme, dass es sich dabei um individuelle Probleme handeln könnte, trifft mithin in besonderer Weise zu. Tatsächlich kann jede defekte Blutzucker-Automatik optimal nur ganz individuell von ihrem Besitzer unterstützt bis ersetzt werden, und das auch nur, wenn der in irgend einer Weise ne individuell passende Anleitung dazu erfahren hat.

    Bisdann, Jürgen
  • thomas2002

    Rang: Gast
    am 19.04.2008 19:45:19
    als zusatz zu jürgens posting:
    durch unterschidliche insulinresistenzen benötigen verschiedene dm'ler ein unterschiedliches insulin:kohlenhydratverhältnis.

    die insulinresistenz ist z.t. genetisch bedingt, zum teil das ergebnis eines zu hohen insulinspiegels. jedoch:100 ie insulin je malzeit sind heftig, also eine abnorme resistenz oder doch eine etwas kh-lastige mahlzeit. von thomas2002
  • Sebastian

    Rang: Gast
    am 20.04.2008 13:27:26
    Also nochmal herzlichen Dank an alle!

    Inzwischen hab ich im Diabetes-Handbuch von Hien/Böhm noch eine Empfehlung gefunden, Dosen >30IE zu splitten, um einer Verlängerung der Wirkungsdauer (durch das große Depot) entgegenzuwirken und ein Zurückfließen des injizierten Insulins zu vermeiden.

    Ich denke, die Quelle hilft mir schonmal, werd aber noch bissl weitersuchen mit Euren Antworten im Hinterkopf...

    Gruß und schönes Wochenende!
    Sebastian
  • Jürgen

    Rang: Gast
    am 20.04.2008 16:22:55
    Moin Sebastian,

    1. Zurückfließen ist Mythos. Wenn Du einen Querschnitt durch die Haut betrachtest, kommst Du schon nach weniger als 2 mm in sehr wässrige Strukturen. Klar will das Insulin dann da drin seinen Platz, je mehr umso mehr. Und klar wirkt dann da mit der größeren Menge auch größerer Druck. Aber in dem Moment, in dem Du die Kanüle raus ziehst, schließt sich dahinter die wässrige Strucktur. Da bleibt also kein Kanal offen, durch den das Insulin wieder zurück könnte. So ein Kanal bleibt nur in den weniger als 2 mm fester äußerer Hautstruktur, und durch den kann dann von dem Wasser aus der Struktur darunter etwas austreten.

    2. Eine Verlängerung der Wirkdauer beobachten manche von uns schon ab etwa der Größenordnung von 10 IE. Hausnummer 30 IE schnelles Analoginsulin wirken statt 2-3 eher 4-5 Stunden und womöglich länger, und mit der selben Menge Humaninsulin erreicht mancher von uns dann schon Wirkzeiten von 5-8 Stunden.
    Bei manchen von uns bewirkt das Aufteilen größerer Insulinmengen auf mehrere Spritzstellen gegenüber einer eine messbare Intensivierung der Wirkung und Verkürzung der Wirkzeit.

    3. Wenn Du das Wissen für eine theoretische Arbeit brauchst, sind Bücher wie das gut, was Du schon gefunden hast. Gerne genommen wird auch immer der Schmeisl. Nach solchen Werken müssen sich Ärzte und Pfleger auch dann richten, wenn die in ihren Grundzügen 20 Jahre und älter sind. Dabei täuscht das Datum der letzten Überarbeitung oft eine nicht vorhandene Aktualität in der Sache vor.
    So sind z.B. in allen diesen Werken die Blutzucker-Verläufe nach dem Essen egal, so lange der Blutzucker vor der nächsten Mahlzeit wieder im Zielbereich eintrifft. Und nur das lässt sich mit den darin angesprochenen/dargestellten Einstellschemata bewirken.

    Dagegen gilt längst zeitgemäßer, dass die hohen Blutzucker-Ausflüge nach den Mahlzeiten keineswegs so egal sind, sondern vielmehr den Löwenanteil zur diabetischen Schadwirkung beitragen. Deswegen wird fortschrittlich längst empfohlen, diese Ausflüge auf max 140 mg/dl (7,8 mmol/l) 2 Stunden nach jedem Essen zu begrenzen. Aber es gibt bislang kein Einstellschema, nach dem sich der Arzt dafür richten könnte. Denn einfach nur das bekannte verschärfen macht einfach umso mehr Unterzuckerungen, je näher man an einen Durschnitt von HBA1c 7 kommt.
    Zeitgemäßer gilt aber ein HBA1c-Wert unter 6,5 als erstrebenswert, also ein Ziel, das sich mit dem bisher gültigen Einstellschema ohne ein unerträgliches Maß an Unterzuckerungen überhaupt nicht erreichen lässt. Und damit ist dieses Ziel im Zusammenhang der fachoffiziellen Lehre oder auch der Betreuung und Pflege anderer de facto unrealistisch.

    Von der fachoffiziellen Lehre abweichen und einen nahe gesunden bis gesunden alltäglichen Blutzucker-Verlauf ohne Unterzuckerungen machen kann nur ein Betroffener für sich selbst. Und so kann auch nur ein Betroffener für sich selbst den Insulinbedarf gesund optimieren.

    Bisdann, Jürgen