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Insulinwirkung contra KH-Wirkung
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Johannes
Rang: Gastam 20.07.2007 21:47:25
Hallo,
ich bin etwas verzweifelt.
Bin Typ-1-Diabetiker, seit 20 Jahren.
Verwende Apidra und Lantus Insulin.
Seit längerer Zeit, ca einigen Monaten (nach meiner Einschätzung) steigt der Zucker trotzt Nahrungsaufnahme nicht richtig an.Nicht immer so, nur an manchen Tagen, an anderen läuft es dann wieder normal.
Vorher keine körperliche Belastung.
Wenn ich das Brot wiege und die Insulinmenge dazu spritze, passiert es, daß der Zucker abfällt, ich dann mit Konzentrationsschwierigkeiten kämpfe.
Obwohl 2 Gläser à 250 ml Saft "schleicht" der Zucker bei um die 70 herum.
Das ist mir schon öfters passiert, oder daß die Werte nach nochmaligen Messen wieder fallen.Ich habe den SEA schon verringert.
Eine Magenentleerungsstörung kann ausgeschlossen werden, laut Arzt.
Wer hat ähnliche Schwierigkeiten?
Gruß
Johannes -
Jürgen
Rang: Gastam 20.07.2007 22:26:37
Moin Johannes,
eigentlich ist eher richtig, wenn der BZ nach dem Essen nicht besonders ansteigt. Dafür spritzen wir doch zur möglichst passenden Zeit die möglichst passende Menge Insulin. Wenn der Blutzucker dabei niedriger bleibt oder sinkt, als wir ihn haben wollen, haben wir für's Essen zu viel Insulin gespritzt oder für's Insulin zu wenig gegessen.
Aber mal im Ernst, von wieviel bis wieviel mg/dl hast Du dich den bis jetzt immer wohl gefühlt?
Bisdann, Jürgen -
Johannes
Rang: Gastam 20.07.2007 23:38:58
Hallo Jürgen,
ich habe mich schon bei einem Wert von 30 wohlgefühlt, kein Scherz !
Stell Dir Folgendes vor:
Du hast einen Norm-Ausgangswert. Spritzt das Insulin, fängst gleich an zu essen.
Der Zucker fällt ab, die KH (lang + schnellwirkende wie z.B. Brot und Saft) kommen irgendwie nicht richtig zur Wirkung.
Um die 70 - 80 habe ich dann Konzentrationsprobleme und trinke dann noch Saft; 1 Glas, noch ein Glas, der Wert ist immer an der Grenze zu nach unten.
Das kann sich manchmal bis zu 1 - 1 1/2 Std. hinziehen, dann aber geht es richtig ab nach oben auf über 250 z.B.
Ich will damit veranschaulichen, daß sich KH und Insulin nicht im Einklang miteinander das Ganze regeln, so kommt es mir vor.
Gruß
Johannes
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Jürgen
Rang: Gastam 21.07.2007 01:58:20
Moin Johannes,
könntest Du mal nen normalen Tag für mich aufschreiben, damit ich mir besser vorstellen kann, was Du meinst? Also wann meistens welchen Wert messen, von welchem Insulin spritzen, wie viele BEs essen, wann zwischendurch meistens welchen Wert messen, usw.?
Bisdann, Jürgen -
Johannes
Rang: Gastam 21.07.2007 12:38:58
Hallo Jürgen,
die normalen Tage sehen ungefähr so aus:
Aufstehehen, Wert um die 120
3 BE Brot mit Wurst/Käse/O-Saft gegen 9 Uhr z.B.
Ich habe eine 1/1 Regelung,d.h. 1 BE = 1 Insulineinheit
Morgens jedoch 1 Einheit mehr, da Dawn-Phänomen.
Der Wert liegt dann nach dem Frühstück 2 Std. später so um die 130/140.
Zum Mittagessen, gegen 13 Uhr dann ein Wert von 80/90.
Esse dann z.B. 5 BE, spritze nur aber 4 BE.
Mein Zielwert liegt bei 100.
Dann kann der Wert auch mal auf 180 hochgehen, fällt dann aber meistens wieder zum Abendessen gegen 18/19 Uhr.
Dann esse ich 5 BE in Form von Suppe mit Nudeln oder Fleisch mit Reis oder Fisch mit Reis, je nach dem. Je nach dem wie eiweißhaltig die Nahrung ist, steigt der Zucker schon mal etwas höher bis 190/200,
Gegen Mitternacht sind die Werte meistens dann so um die 100 +-
Wie gesagt, so verläuft ein normaler Tag.
Ich spritze 6 I.E: Lantus gegen 22 Uhr.
Außerdem arbeite ich Schichtdienst. Mal morgens ab 7 Uhr oder mittags ab 12:30 Uhr oder nachmittags ab 15 Uhr.
Kannst Du mit meinen Daten etwas anfangen?
Gruß
Johannes -
Jürgen
Rang: Gastam 22.07.2007 18:41:07
Moin Johannes,
in der Wirkung messbare 6 IE Lantus habe ich bisher nur bei Leuten mit LADA oder in der Honigmondphase nach der Typ1 Diagnose angetroffen, also dann, wenn noch erhebliche Mengen an eigenem Insulin das Geschäft beleben. Bei allen anderen, die ich bisher mit so einem Versuch kennen gelernt hab, hat es keinen messbaren Unterschied gemacht, ob sie sich die 6 Einheiten gegönnt haben oder nicht. Die empfindlichsten Typ1, die ich kenne, spritzen 1/2 IE Basal pro Stunde, also 12 IE/Tag Lantus.
Wenn ich Du würde ich Lantus in 3-Tages- und 2IE-Schritten erhöhen und den Spritzzeitpunkt auf den Nachmittag legen. Denn wie's ausschaut, hast Du Deinen niedrigsten Verlauf am Tag zum Mittag, und da brauchst Du ja keine zusätzliche Basalwirkung. Das heißt, wenn Du da oder an einer anderen Stelle im Tagesverlauf zu niedrig kommen solltest, wäre das dann um 2 IE zuviel Lantus. - In dem Maße, in dem man Basal erhöht, kann der Bolus-Bedarf an der einen oder anderen Stelle sinken. Das muss man mit dem Messgerät rausfinden.
Beim Rest vom Tag würden mich die großen Schwankungen stören. Je kleiner Du die hinkriegst, desto weniger wirken die sich auf die Schichtarbeit aus. Aber Vorsicht! zuerst mal nicht mehr spritzen, sondern schauen, wie Du das eben ohne mehr Bolusinsulin hinkriegst!
Bisdann, Jürgen -
Haschi
Rang: Gastam 23.07.2007 16:36:35
Hallo Johannes,
bist sicher kein Mustertyp eines Typ1-Diabetikers nach 20 Jahren Diabetesdauer. Wohlbefinden schon mal bei 30 mg/dl , aber nun Konzentrationschwierigkeiten bereits bei 70 mg/dl. Letztere + Sehstörungen kann ich allerdings auch bestätigen, ebenfalls niedriger Basalbedarf (etwa 8 IE).
Deine KH–Verstoffwechslung ist definitiv verzögert. Wenn dein doc Magenentleerungsstörungen – Gastroparese häufig bei Langzeitdiabetes – ausschließt, müsste trotzdem weiter in diese Richtung gepfandet werden. Enterologe/Neurologe.
Ich würde Bolus erst spritzen, wenn postprandialer Blutzuckeranstieg beginnt.
Negativer SEA. Häufiges Austesten und in der Testphase auch schon mal etwas höhere pp- Werte tolerieren.
von Haschi