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ich vertraue meiner Therapie

  • Jürgen

    Rang: Gast
    am 20.05.2007 03:04:34
    Moinmoin,

    in einem anderen Thread habe ich gelesen: "ich vertraue meiner Therapie? und "man soll erst 2 Stunden nach dem Essen messen?.

    Alle DiabetikerInnen, die ich bisher mit nem HBA1c-Wert um 5 kennen gelernt habe, vertrauen ausnahmslos ihrer eigenen Erfahrung, und die widerspricht häufig genug jeder ärztlichen Therapie.

    Und wenn der völlig gesunde Organismus dafür angelegt ist, auch nach größeren BE-Inputs selten überhaupt und dann nur für kurze Zeit über 100 zu kommen, WIESO in 3teufelsnamen sollte ich dann nicht dafür sorgen dürfen, dass mein BZ 1/2/3 Stunden nach dem Essen unter 140/120/100 bleibt?

    Bisdann, Jürgen
  • diesel

    Rang: Gast
    am 20.05.2007 09:37:11
    Hallo Jürgen,
    natürlich kannst oder besser sollst du dafür sorgen, dass der BZ im Normbereich liegt. Nehmen wir mal folgendes an:
    dein Normwert ist 100 (5,5 mmol) vor dem Essen. Du spritzt entsprechend deinem BE-Faktor. Zwei Stunden nach dem Essen wäre ja ein Wert von 140 normal, denn bei einem Nichtdiabetiker (ich verwende extra nicht den Begriff bei einem Gesunden) ist der BZ nach dem Essen ja auch erhöht. Jetzt stellst du aber fest, du hast einen BZ von 160 und korrigierst entsprechend. Was würde dir jetzt das Messen nach einer weiteren, also drei Stunden nach der Mahlzeit bringen? Nicht viel, denn Normalinsulin braucht ja rund drei Stunden um seine höchste Wirkung zu erreichen. Deine Messung ca. 5-6 Stunden nach der Korrektur wäre erst aussagekräftig, denn so lange wirkt ja noch dein Normalinsulin! Bei Insulinanaloga wäre es entsprechend früher, also etwa 1 Stunden nach der Korrektur, und nach etwa 2-3 Stunden ist die Wirkung vorbei. Das heißt, du hast völlig sinnlos nach 3 und 4 Stunden gemessen.
    Und dann wundern sich alle, dass wir immer mehr selbst bezahlen sollen. Wie schon in dem anderen Beitrtag erwähnt, ich bekomme als Pumpi 400 Teststreifen im Quartal, und komme damit gut aus. Ich messe normalerweise 4 mal am Tag, und habe somit 40 Stück für besondere Situationen übrig.

    MfG

    Gerd von diesel
  • Jürgen

    Rang: Gast
    am 20.05.2007 11:14:49
    Moin Gerd,

    das Messen 1/2/3 Stunden nach dem Essen ist nicht als tägliche Routine gemeint, sondern als Richtschnur zum Entwickeln eben dieser persönlichen Routine. Wenn die steht, lässt sich so wie im Teststreifen-Thread beschrieben, mit wenigen Messungen, und zwar an den Stellen, an denen die Abweichungen am größten sein können, am gezieltesten Kurs halten.
    Wenn ich da wegen der langen Wirkzeit des Insulins nicht nachspritzen kann, muss mir das halt für die Zukunft sagen, dass ich mir so nen Anstieg das nächste mal nicht anfressen darf. Und wer auf diese engmaschig messende Weise herausgefunden hat, was an Futter wann in seinen grünen Rahmen passt und sich dran hält, braucht seine Einhaltung nur noch ab und an stich zu proben.

    Bei den Nichtdiabetikern, von denen Du schreibst, werden zunehmend Gefäßschäden entdeckt, die zunehmend auf die BZ-Spitzen zurück geführt werden, die noch nicht als Diabetes gelten. Dazu muss man vielleicht wissen, dass die geltenden Schwellen 1974 definiert wurden, als die Bestimmung des BZ noch nicht einmal in einer gut ausgestatteten Arztpraxis möglich war und als guter Therapie-Erfolg galt, wenn ein INSULINER nicht alle paar Tage mit ner schweren Hypo oder Keto in der Notaufnahme eingeliefert wurde.

    Wir proaktive orientieren uns an den wenigen Fällen, in denen die Entwicklung von Folgekrankheiten nicht nur verlangsamt wurde, sondern eindeutig gestoppt und sogar ein Stück weit zurück gedreht. Solche Beispiele sind bisher nur für zuverlässig gesund flache & niedrige BZ-Verläufe verbrieft. Das ist dann zwar immer noch keine Garantie für alle, aber die bei weitem wirksamste Möglichkeit der Vorsorge.

    Bisdann, Jürgen
  • diesel

    Rang: Gast
    am 20.05.2007 14:15:39
    Hallo Jürgen,
    so, wie du es in deinem letzten Beitrag geschrieben hast, stimme ich dir voll und ganz zu. So hatte das, ich glaube es war Jan, aber nicht geschrieben und so habe ich das auch nicht deuten können. Und wie schon erwähnt, ich tue mir doch freiwillig nicht öfter weh als notwendig. Wenn man dann seine Therapie gefunden hat, kommt man auch mit vier Messungen pro Tag gut hin. Ausnahmen bei Besonderheiten bestätigen auch hier die Regel. Es reichen also 400, bzw, wie in einigen Bundesländern sogar 600 Teststreifen völlig aus, und keiner braucht sich welche zu kaufen oder auf andere Weise zu besorgen.

    Viele Grüße

    Gerd von diesel
  • EH

    Rang: Gast
    am 20.05.2007 15:28:57
    @Gerd

    "Und dann wundern sich alle, dass wir immer mehr selbst bezahlen sollen."

    Genau so ist es. Manchmal habe ich das Gefühl, daß das Anspruchsdenken bei Diabetikern besonders ausgeprägt ist.
    Muß es wirklich immer der neueste Pen und das neueste Meßgeräte (mit den teueresten Meßstreifen) sein? Manche scheinen ganze Schränke voll Diabetiker-Material zu bunkern. von EH
  • diesel

    Rang: Gast
    am 20.05.2007 17:44:54
    Hallo EH,
    es muß bestimmt nicht das Neuste sein. Aber es sollte schon so modern wie möglich sein, um den BZ optimal einzustellen, damit sich sehr viel teurere Spätfolgen vermeiden lassen. So eine Insulinpumpe kostet auch 3680,-¤, und der Materialbedarf im Jahr noch einmal um die 2000,- ¤. Wenn ich aber bereit bin mich mit dem Diabetes zu beschäftigen, damit ich gute Werte habe, spricht doch nichts dagegen. Wenn man vergleicht, was zum Beispiel die Behandlung eines Herzinfarkts (infolge schlecht eingestellter Werte) kostet, sind die Kosten für die Pumpe Kleinigkeiten. Vorausgesetzt, man geht nicht ran und denkt : mit der Pumpe geht es von allein. Disziplin gehört natürlich dazu! Ich war im vergangenen Jahr zu einer Auffrischungsschulung und war entsetzt, wie wenig viele Diabetiker (Typ I) von sich und dem Diabetes wissen. Sogar eine Krankenschwester war dabei, hatte aber null Ahnung.

    Viele Grüße

    Gerd von diesel
  • EH

    Rang: Gast
    am 20.05.2007 19:37:16
    @Gerd

    Natürlich soll jeder mit dem ausgerüstet werden, was er braucht. Aber niemand braucht z.B. mehrere Pens in Reserve und wenn ich höre, daß jemand 1000 Teststreifen pro Quartal durch die Allgemeinheit finanziert haben will (und etwas anderes ist es doch nicht), dann finde ich das dreist.
    von EH
  • diesel

    Rang: Gast
    am 20.05.2007 21:47:53
    Ja, EH, da gebe ich dir Recht. Zumal es keinen Sinn macht im Normalfall so oft zu testen. Krankheiten und besondere Situationen sind da natürlich etwas anderes. Und dann meckern wir aber alle, wenn wieder etwas erhöht wird oder mehr zugezahlt werden soll.

    MfG

    Gerd von diesel
  • cat

    Rang: Gast
    am 21.05.2007 18:00:24
    Hallo Gerd,
    weißt du, deine Argumentation erinnert mich irgendwie an folgende Argumentation: die meisten Frauen in Deutschland haben Schuhgröße 39. Wieso sollten also die Geschäfte größere Schuhe als 41 anbieten? 2 Nummern nach oben sollten doch jeder Frau reichen!?

    Kannst du dir nicht vorstellen, dass sich nicht jeder Mensch in eine Norm reinpressen lässt? Nicht jeder hat die gleichen Lebensumstände. Nicht jeder hat einen geregelten Tagesablauf, die einen eben mehr, die anderen weniger. Manche müssen 1-2mal am Tag Kantinenessen schätzen, manche arbeiten im Schichtdienst und andere machen zu unterschiedlichen Tageszeiten Sport in unterschiedlicher Intensität… Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen.

    Freue dich doch einfach wenn du ein ausreichend geregeltes Leben hast (und das du nicht jeden Monat mit einer kompletten Hormonumstellung zu kämpfen hast!) und dir so wenige Teststreifen ausreichen.

    Und im Übrigen denke ich dass sich die meisten Diabetiker nicht aus lauter Gaudi an der Freude ihre Finger kaputt stechen, egal wie oft sie das Gefühl haben ihren Blutzucker messen zu müssen.

    Und wegen den Kosten: ich denke es stimmt mit mir jeder darin überein, dass ein guter Blutzuckerverlauf billiger ist als ein schlechter Blutzuckerverlauf (bzw. dessen Folgeschäden), selbst wenn er mit ein paar Teststreifen mehr erkauft werden muss. Korrigiert mich wenn ich falsch liege. von cat
  • diesel

    Rang: Gast
    am 22.05.2007 07:20:38
    Hallo Cat,

    genau das, was du schreibst meine auch ich. Auch ich arbeite im Schichtdienst, esse in der Kantine treibe unregelmäßig Sport, usw. Leider hat keiner der Vieltester auf meine Argumente geantwortet. Z.B. ob man nachts aufsteht um zu messen, oder wie diejenigen das machen, wenn sie 2 Std. nach dem Essen zu hohe Werte haben? Korrigieren, nach 1 Std. wieder messen usw? Welche Schlußfolgerungen werden aus den gemessenen Werten gezogen? Nicht eine Antwort hierzu!

    MfG

    Gerd von diesel
  • Pia

    Rang: Gast
    am 22.05.2007 14:05:58
    Liebe Cat,

    wenn ein erhöhter Bedarf medizinisch indiziert ist, wie z.B. bei dir mit monatlichen Hormonschwankungen und der BZ dazu Rumba tanzst, wird es sicher keine Probleme geben, das auch abzurechnen.
    Aber es geht darum: Messen, so oft, wie nötig. Jan hatte geschildert, er ist DM seit dem 13. Lebensjahr, und hat über Jahre hin mehr als 600 Messtäbchen je Quartal vermessen, aber nur, weil ein Arzt in der Familie ihm die Dinger in der Anzahl besorgt hat. Und der hat sie sicher auch nicht privat bezahlt.
    Meine Hausärztin hat auch immer welche in der Praxis, die ab und zu einfach so mitgegeben werden.
    Und auch, wenn ich in Schichten arbeite oder Sport treibe oder der Tag nicht geregelt abläuft - bei wem tut er das heutzutage noch - weiß ich über die Anfangsmessungen, wie sich der BZ verhält in verschiedenen Situationen, ohne, dass ich jede Stunde messen muss. DAS ist mein Teil der Verantwortung, zu gucken, was passiert z.B. mit dem Blutdruck, wenn der BZ hoch geht oder absinkt... von Pia
  • Jan

    Rang: Gast
    am 24.05.2007 10:55:27
    ich denke auch so wie cat. jeder so wie er am besten zurecht kommt.

    gruß

    Jan
  • Nena

    Rang: Gast
    am 19.07.2007 15:20:04
    Endlich mal ein vernünftiger Beitrag - viele Nicht-Diabetiker scheinen BZ-Werte mit Cholesterin zu verwechseln, was sich nicht so schnell verändert.
    Der BZ-Wert schwankt stündlich. Beispielsweise gehe ich Sonntags schwimmen und hatte schon vor dem schwimmen - quasi nach dem Frühstück einen Wert von 300 und 30 Minuten später 27. Daran sieht man, dass Menschen nicht wie Computer programierbar sind - ausser sie essen jeden Tag zur gleichen Zeit das gleiche und bewegen sich jeden Tag zur gleichen Zeit gleich viel! von Nena