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Diagnoseschwelle Diabetes?
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Inka
Rang: Gastam 18.04.2007 16:30:13
Hallo!
Nachdem ich mir das Buch "Diabetes-Ampel" angeschaut habe, bin ich etwas verwirrt. Dort wird angegeben, dass ein Diabetes diagnostiziert wird, wenn der Nüchterblutzucker wiederholt bei Werten über 110 mg/dL liegt. Ich habe, bevor ich das Metformin angefangen habe, immer Werte über 110 mg/dL, teilweise bis 130 mg/dL, bei den Nüchternwerten und vor den Mahlzeiten gehabt. Die Werte nach dem Essen sind in der Regel in Ordnung.
Daraufhin wurde bei mir eine Glucosetoleranzstörung diagnostiziert und Metformin verordnet.
Und nun frage ich mich, habe ich nun eine Glucosetolerantstörung oder evt. doch schon einen Diabetes?
Und wie würde man denn feststellen, dass ich irgendwnan vielleicht keine Glucosetoleranzstörung mehr, sondern dann doch einen Diabetes habe, wenn ich jetzt schon Medikamente gegen die erhöhten Zuckerwerte einnehme. Es wird ja wohl kaum jemand sagen, dass ich die Medikamente mal ne zeitlang weglassen soll, um einen Glucosetoleranztest zu machen. Manchmal fehlt mir einfach der Durchblick.
Liebe Grüsse
Inka -
thomas2002
Rang: Gastam 18.04.2007 17:14:12
der übergang von einer glukosetoleranzstörung zu einem manifesten diabetes ist fließend, da es keinen schwellenwert gibt, ab dem die warscheinlichkeit einer folgekrankheit sprunghaft steigt. die praktizierten grenzwerte sind eher das ergebnis einer güterabwegung bzw der gelebten einschränkungen durch die behandlung.
die weitere eskalation deiner behandlung wird durch die höhe deines blutzuckerwertes bzw mit dessen abbildung durch den hba1c-wert begründet.
das weitere fortschreiten deiner bz-entgleisung kann durch sport und angemessenes essen verlangsamt werden, wobei angemessenes essen ein strittiges thema ist. so schwanen die mir bekannten angaben der kalorien, die durch kohlehydrate eingenommen werden darf zwischen 33% und etwa 55%, je nach dem, welche ernährungsmeinung gerade empfohlen wird. von thomas2002 -
klausdn
Rang: Gastam 18.04.2007 19:08:37
hallo inka,
du hast den finger auf die wunde gelegt!
--- "es " -- ist eine reine "definition" die morgen geädert werden kan, je nach gefühl nach oben oder unten.
weil es eine stoffwechselstörung ist, und "keine" zb infektionskrankheit, die ist da oder nicht.
bitte nicht vergessen: es gibt etliche die sport machen und trotzdem resistent sind.
es gibt ebenso dünne die es hahen, so wie dicke die es nicht haben.
und wenn deiner leber es gefällt morgens besonders viel glucose zu schmeißen, und deine betas morgens noch müde reagieren, deine insulinrezeptoren , morgens noch pennen,
dann kannst du am vortag soviel gerannt sein wie du willst, dein bz geht hoch.
übrigens ist es ja noch nicht solange her daß man auf nen streifen gepinkelt hat, wurde er nicht blau/grün warst du gesund, das waren dann auch mal 160., also knapp unter der nierenschwelle.
mfg klaus
von klausdn -
Haschi
Rang: Gastam 18.04.2007 21:02:18
Hallo Inka,
die Natur macht keine Sprünge.
Stoffwechselstörungen gehören in der Regel zu den Krankheiten, die eine meist latente Vorstufe und eine manifeste Hauptphase besitzen. Manifest bedeutet, dass ein bestimmter oder definierter bzw. höherer Wert - z.B. Nüchtern 110/126 mg/dl – sich aufeinander folgend oder in einem vorgegebenen Testverfahren zeigt.
In der Hauptphase angekommen, sind viele Krankheiten wie auch der Diabetes mellitus irreversibel, d.h. nicht umkehrbar.
Wenn dein sogenannter „ Prädiabetes“ nun erfolgreich behandelt wird, kann es bei der Vorstufe bleiben oder bei weniger Erfolg auch nicht. Die genetische Disposition zur Insulinresistenz wird bei 40 % der Menschheit geschätzt, aber – Gott sei’s gedankt – nicht alle bekommen die Zuckerkrankheit.
Lange bevor die Blutglukose festgestellt werden konnte, erfolgte die Diagnose des Diabetes mit Hilfe der Harnzuckerbestimmung. Der „süße Durchfluss“ stand auch bereits bei der Namensgebung Pate. Schon im Altertum schmeckten die Heiler den Urin, um nach „Zucker“ zu fanden.
Urin- oder Harnzucker stellt sich jedoch nur ein bei Blutzuckerwerten über der Nierenschwelle. Diese ist nun nicht definiert, sondern Fakt - beim Menschen so zwischen 160 und 180 mg/dl
Blutglukose. Beim mehrmaligen Überschreiten des Nüchternwertes 110/126 mg/dl oder bei Zufallsmessungen über 200 mg/dl kann man halt sicher davon ausgehen, dass ein „süßer Durchfluss“ vorliegt.
von Haschi -
Jürgen
Rang: Gastam 19.04.2007 00:27:35
Moin Inka,
wie Du's beschreibst, hast Du noch Glück und bei Dir funktioniert auch noch die erste Phase der Insulinantwort noch wenigstens zum Teil: Dein BZ macht nach dem Essen keinen großen Satz. Und Du hast Glück, weil Deinem Arzt Dein BZ-Verlauf schon bei diesem wenig Zuhoch aufgefallen ist.
Wie Klaus schon schreibt, ist das Ding mit Insulinresistenz und Glukoseintolerenz und Prädiabetes (darunter werden in USA seit 2002 Insulinresistenz und Glukoseintoleranz zusammengefasst) und Diabetes ein reines Definitionsspiel. Wenn Du dir den Blutzucker von gesund bis total diabetisch als mit immer weiteren Ausschlägen vor allem nach oben immer höher ansteigend vorstellst, dann verteilen sich die Benennungen nach medizinisch in keiner Weise begründeten und eher Verwaltungs-Definitionen auf die Bereiche, die nicht mehr als gesund gelten. Und natürlich ist damit auch die Obergrenze von gesund reine Definitionssache. Der süße Urin, von dem der Diabetes seinen Namen hat, ist ja auch nicht mehr, als so eine Definition, die lediglich beschreibt, was unsere Altvorderen schon ohne unsere heutigen Analysetechniken wahrnehmen konnten. Auch diese Nierenschwelle hat schließlich keinen Krankheitswert insofern, als dass in den 20 mg/dl darüber nicht wesentlich mehr Folgekrankheiten auftreten als in den 20 mg/dl darunter.
Und so verschieden die bisherigen Studien zum Diabetes auch sein mögen, in einem stimmen sie ALLE überein: bis hinab zum völlig gesunden Blutzucker-Verlauf gibt es keine Schwelle, unter der das Folgekrankheiten-Risiko nicht noch nennenswert weiter verringert werden könnte!
Bisdann, Jürgen -
Pia
Rang: Gastam 19.04.2007 10:23:28
Hallo Inka,
die Natur macht keine Sprünge.
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Haschi, du bist heute irgendwie sehr poetisch...:-)) von Pia -
Inka
Rang: Gastam 22.04.2007 00:24:20
Hallo Ihr Lieben!
Vielen lieben Dank für Eure Antworten! Was würde ich nur ohne Euch machen! ;-)
Und mal wieder habt Ihr es geschafft etwas Licht in meinen persönlichen Diabetesdschungel zu bringen. Danke!
Liebe Grüsse!
Inka