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Gedanken zum Leben, zum Tod, zum Chaos

  • Bea

    Rang: Gast
    am 23.04.2004 02:00:00
    vor einigen Wochen habe ich erfahren, dass ich Diabetes mellitus Typ 2 (ohne Med. u. Insulin) habe, was ich zuerst "ganz locker weggesteckt" habe. Einige Tage später fuhr mein neuer Arzt in Urlaub und ich fühlte mich dann ziemlich allein mit diesem Problem. Als die Praxis wieder eröffnete, nahm ich an der Schulung teil, die mir (außer dass ich Diät leben soll - was ich vorher auch schon wußte) eigentlich nichts gebracht hat. Mein Mann war sofort sehr verständnisvoll, hilfsbereit und ging sogar zur ersten Stunde mit, was einen guten Eindruck hinterließ. Die folgenden Stunden ging ich allein hin. In den letzten Tagen geht es mir immer schlechter, habe Depressionen und werde des Lebens müde. Da ich nicht gern über meine Probleme rede, komme ich vielleicht anders bei meinen Mitmenschen an als ich eigentlich bin oder fühle. Mein Mann und ich hatten gestern einen heftigen Streit und er winkte mit der Hand in der Luft das Thema Diabetes ab, ist "nur" Diabetes. Dazu muß ich sagen, dass ich seit 2 Jahren Schmerzen im linken Bein habe und komische Flecken, womit ich aber nicht zum Arzt gegangen bin. Mein jetziger Arzt hat dann Durchblutungsstörungen festgestellt. Manchmal ist mir etwas "komisch". Ich habe auch Asthma und vorgestern beim Röntgen erfahren, dass Schmerzen die ich in der Nierengegend habe von der Wirbelsäule kommen. Dazu soll mein Arzt aber mehr sagen, der Radiologe wollte es nicht. Ich habe seit einigen Tagen nicht mehr regelmäßig gemessen, weil ich es einfach leid bin immer auf die Uhr zu sehen und 2 Stunden später ins Bad "muß". Außerdem muß ich nachts 4 - 5 mal raus, aus diesem Grunde trinke ich jetzt kaum noch was, weil mir das alles zu viel wird. Und es gibt noch einen peinlich intimen Grund: ich ekel mich auch vor dieser Art Messung. Leider geht es nicht anders, die Teststreifen sind umsonst. Die anderen Teststreifen für die Blutzuckermessgeräte sind ja sehr teuer, sonst würde ich mir so etwas kaufen. Ist Diabetes wirklich keine Krankheit, so wie meiin Mann sagt? Stelle ich mich nur an? Es ist nur so schrecklich, weil ich mich nur noch unter Druck gesetzt fühle, sowohl von der Diabetes als auch von Seiten des Arztes und meines Mannes. Ich kaufe mir Diabetikerschokolade, weil ich gern Süsses esse. Ich weiß, dass es nicht richtig ist. Aber es liegt vielleicht auch daran, dass ich psychisch krank bin, leide unter Ängsten (was nicht immer schliimm ist, aber z.B. bin ich lange nicht zum Arzt gegangen, weil ich die Menschenmassen in Wartezimmern nicht ertragen kann). Außerdem leide ich unter Konzentrationsstörungen und behalte nicht gerade viel und bekomme nicht allzu viel mit. Kann das auch an der Diabetes liegen (weil es in der letzten Zeit auch schlimmer geworden ist)? Mein Mann sagt, ich muß eben damit leben und müßte mich nun endlich damit abfinden. Gibt es eine "Richtlinie" die vorschreibt wie lang ich mich schlecht fühlen darf? Wie lang darf ich trauern? Kennen jemand diese Art von Problemen? Oder liegt es nur an mir und ich stelle mich einfach nur an? Seine Oma hat auch Diabetes, muß aber drei mal die Woche zur Dialyse, was sie aber mittlerweile ganz locker wegsteckt. Sie kommt gut damit zurecht, hat es aber auch schon Jahrelang. Sie ist 75. Ich bin 40 und weiß es erst ca. 7 Wochen. Ich empfinde diese Krankheit oder nicht Krankheit, was immer es auch ist, als einen tiefen Einschnitt in mein Leben, ein Eingriff in mein intimstes Leben und darüber bin ich unglücklich. Darf ich das nicht sein? Wenn ich eine Krankheit habe, darf ich mich dann nicht mal krank fühlen, schlecht fühlen, depressiv? Oder soll ich in Zukunft eine "Maske" aufziehen, damit mein Mann zufrieden ist, weil ich ja "achso fröhlich bin"? Kann dadurch eine Ehe kaputt gehen? Im übrigen ist mir eine Lebensversicherung oder ähnliches wichtig, denn ich möchte nicht gern mit Schulden beerdigt werden, ob nächste Woche oder in 50 Jahren, das ist egal. Aber davon nimmt mein Mann sich nichts an. Ich weiß gerne solche Dinge geregelt, vor allem jetzt. Denn ich möchte eines tages in Ruhe gehen können. Ob das hier jemand versteht, weiß ich natürlich nicht. Das alles beschäftigt mich nur mehr und mehr. Ist das nicht verständlich? Andererseits sehe ich wie schön der Frühling erwacht ist und es duftet herrlich nach Blumen und die Sonne scheint öfter. Das sehe ich auch und darüber bin ich sehr froh und dankbar. Ich hoffe, ich habe nicht allzu sehr genervt, aber ich bin froh, dass ich es hier einmal schreiben durfte. Ich weiß ja, dass es vielen Menschen viel schlechter geht als mir. Aber ich bin auch ein Mensch, der sicher das Recht haben darf, sich auch mal nicht gut zu fühlen. Könnt ihr das verstehen? Ich wünsche Euch allein einen guten Start ins Wochenende. Sonnige Grüße, Bea
  • Marga

    Rang: Gast
    am 23.04.2004 10:15:44
    Hallo Bea,

    Du hast eine Menge Probleme, und wenn Du willst, daß
    sich das ändert, mußt Du aktiv werden.

    Klar, darfst Du darüber besorgt und auch raurig sein,
    aber den Kopf in den Sand stecken, nützt gar nix.

    Zum einen ist Diabetes eine Krankheit, sowohl Typ 1
    als auch Typ 2, die ernsthafte Folgeschäden nach sich
    ziehen kann. Bei Dir scheint das schon der Fall zu sein,
    also tu was! Schulung ist unbedingt wichtig, und Dein
    Mann sollte immer mitgehen, dann weiß er endlich
    Bescheid darüber.

    Ich nehme an, Du bist bei einem Diabetologen, denn
    viele Hausärzte haben von Diabetes eher wenig Ahnung.

    Dein 2. großes Problem ist die psychische Erkrankung.
    Auch die gehört therapiert. Es gibt Pschotherapeuten,
    die sich auf Diabetiker spezialisiert haben:

    http://www.diabetes-psychologie.de/ptplz.htm

    3. Und wegen des Asthmas solltest Du einen
    Lungenfacharzt oder Allergologen aufsuchen.

    Das ist ein bißchen viel, ich weiß, aber es ist in Deinem
    ureigensten Interesse, aktiv zu werden, damit es
    Dir wieder besser geht!

    Alles Gute!

    von Marga
  • Bea

    Rang: Gast
    am 23.04.2004 13:32:40
    Hallo Marga,

    vielen Dank für Deine schnelle Antwort.

    Dazu möchte ich natürlich auch noch gern etwas schreiben. Ich war wg. der Psyche vor 5 Jahren in der Klinik, es hat 1 Jahr gedauert und hat mir gut getan. Aber die Ängste sind in bestimmten bereichen noch geblieben und da weiß ich, dass ich da was tun muß. Ich warte ja noch auf Antwort von einer Psychologin, die Wartezeiten sind ja immer ziemlich lang.

    Während dieses Klinikaufenthaltes habe ich Asthma bekommen und bin auch seit dem bei einem guten Lungenspezialisten in Behandlung und habe auch lange Zeit keine Anfälle mehr gehabt, die Medikamente helfen super, da kann ich mich nicht eigentlich nicht beklagen.

    Die Diabetikerschulung habe ich mitgemacht, jedoch habe ich leider die letzte Stunde verpaßt wo es um die Fußpflege ging. Aber die Leiterin der Schulung sagte mir, dass sei nicht schlimm, weil sie mich in der letzten Stunde des nächsten Kurses dazu einlädt, das fand ich sehr nett.

    Ich wollte eigentlich gestern nur schreiben, dass ich echt ein Problem damit habe, immer auf Zeiten achten zu müssen, das muß man ja eh im Leben schon sehr viel. Und jetzt muß ich zu bestimmten Zeiten essen, danach zu bestimmten Zeiten zur Toilette und das 3 mal täglich, wovor ich mich auch noch ekele. Ich weiß nicht, ob Du das verstehen kannst. Das mache ich ja mittlerweile seit einigen Wochen. Vor einigen Tagen kam der Punkt, da ging es einfach nicht mehr. Es kam mir so vor als wäre ich einen hohen Berg heraufgeklettert und immer wieder abgerutscht und irgendwo in der Mitte bin ich jetzt liegengeblieben. Kannst Du Dir das vorstellen? Die Bemerkung meines Mannes fand ich so erniedrigend, so als ob nichts wäre. Natürlich hat er Recht, dass es seiner Oma schlechter geht als mir, da sie drei mal die Woche an die Dialyse muß. Aber sie hat soweit keine Beschwerden, z. B. im Bein. Die habe ich aber und die Flecken sind ja deutlich zu sehen, worüber er sich anfangs auch "große" Sorgen gemacht hat. Aber ich möchte auch ernst genommen werden und mich einfach mal fallenlassen dürfen. Ich reiße mich wirklich sonst ganz schön zusammen und es gelingt mir auch ganz gut und ich beschwere mich kaum. Irgendwie kam gestern einfach so viel zusammen, dass es wohl alles mal "raus mußte". Es geht mir jetzt schon besser und ich habe heute morgen auch schon wieder gemessen.

    Ich bin Dir sehr dankbar für Deine Antwort und werde mich gleich mal auf dieser Seite umsehen, die Du mir geschickt hast. Vielen DAnk dafür.

    Hast Du auch Diabetes? Wenn ja, wie ist es Dir ergangen? Das würde mich sehr interessieren.

    Herzlichen Dank noch mal für Deine Antwort.

    Sonnige Grüße,
    Bea
  • Marga

    Rang: Gast
    am 23.04.2004 18:46:06
    Hallo Bea,

    schon an der Länge Deiner Beiträge
    sehe ich Deinen Leidensdruck.

    Übrigens solltest Du Diabetiker, die
    an die Dialyse müssen, nicht beneiden,
    sie überleben diese nicht seher lange,
    aber sag es ihr nicht.

    Ein gut geschulter und modern therapierter Diabetiker kann sehr frei über seine Essenszeiten und die aufgenommene Nahrung entscheiden. Wir können ganz
    normale Lebensmitel zu uns
    nehmen, nur evtl. die Menge der Kohlenhydrate - je nach Therapie - beachten.

    Bez. des Ekels sollte das auch in der
    Psychotherapie thematisiert werden.

    Ja, ich bin Typ 2, leider schon mit
    Folgeschäden. Mein Bericht ist unter
    diabeticus nachzulesen, vielleicht
    entdeckst Du ihn.

    Aber ich komme gut klar. Vielleicht
    würden Dir auch Bücher von
    Dr. Axel Hirsch, selbst Diabetiker
    und Psychologe an einem Hamburger Krankenhaus, helfen?

    Hab Mut, es läßt sich alles managen
    am besten mit Hilfe eines Diabeto-
    logen. Hinsichtlich der Beine/Füße
    würde ich eine diabet. Fußambulanz
    aufsuchen. Das könnte sonst ein ernstes Problem sein.

    BZ-Werte und Blutdruck müssen
    gut eingestellt sein!
    Liebe Grüße von Marga
  • m

    Rang: Gast
    am 25.04.2004 15:15:15
    Im großen und Ganzen kann ich unterstreichen, was Marga zu diesem Thema gesagt hat.
    Eine Freundin hat nach Jahren der Dialyse eine Spendeniere und eine Bauchspeicheldrüse transplantiert bekommen, sie lebt immer noch! Mit noch viel Antibiotika, aber es geht ganz gut! Was die Mutter deines Mannes angeht, die kommt doch wohl aus einer anderen Schule, und außerdem, es kommt überhaupt nicht darauf an, WAS man an Problemen/ Krankheiten hat, sondern, WIE man damit umgehen kann! Der eine bricht zusammen, wenn seine Mutter stirbt, der andere vergießt keine Träne! Jeder reagiert anders! Dein Mann hat auch gut reden! Er versteckt sich wohl hinter seiner heldenhaften Mama, nur um sich nicht mit deinem Problem näher auseinandersetzen zu müssen, wie? Naja, reine Vermutungen! Versuche, eine psychologische Betreung zu finden und einen guten Diabetologen, dann hast du die richtigen Leute zusammen, um deine Probleme zu klären.
    Sei aktiv im Lösen deine Probleme, es macht keiner für dich! Man kann dir das laufen zeigen, bewegen mußt du dich selber!
    Alles Gute dabei!
    M
  • Sara

    Rang: Gast
    am 02.05.2004 16:32:58
    Liebe Bea,

    wie geht es Dir mittlerweile? Ich hoffe, das es Dir wieder besser geht.
    Ich bin 29 und bei mir wurde nach Ostern der Diabetes festgestellt. Ich war in der 4. oder 5. Woche schwanger, hatte plötzlich Bauchschmerzen und Blutungen und kam ins Krankenhaus. Dort wurde routinemäßig auch der Blutzucker gemessen - ich hatte einen Wert von 598 und spürte nichts davon.
    Ich habe mein Baby aufgrund der Diabetes verloren. Ich wurde zwei Tage später auf ein anderes Krankenhaus verlegt, um mich mit Insulin richtig einzustellen.
    Es gab viel Neues zu lernen: Blutzucker messen, Insulin spritzen, die benötigte Dosis ausrechnen etc.
    Das lenkte mich zunächst vom Verlust des Babys ab, auch mein Mann und unsere Familie war mir in dieser Zeit eine große Hilfe und ist es noch.
    Letzte Woche hatte ich auch einen Riesendurchhänger. Ich fühlte mich von der Diabetes eingeengt, ich war traurig, wütend, ärgerlich, depressiv, hoffnungslos... das übertrug sich auch auf meinen Mann, der die ganze Zeit für mich dagewesen war und wir bekamen Krach.
    Ich heulte wie ein Schloßhund, so intensiv wie ein kleines Kind, alles kam aus mir raus, die Enttäuschung, der Verlust, auch die Ängste, die ich mit der Krankheit verbinde.
    Nachdem ich mich beruhigt hatte, ging ich zu meinem Mann und wir entschuldigten uns gegenseitig beieinander. Das tat gut.
    Daraufhin traf ich den Entschluss, mich nicht mehr so hängen zu lassen, mich von der Krankheit nicht ins Boxhorn jagen zu lassen und für meinen Mann und meine Familie stark sein zu wollen.
    Ich hoffe, das du inzwischen auch einen ähnlichen Entschluss gefasst hast: nimm dein Leben selbst in die Hand, kämpfe! Es ist auch nicht schlimm, Deinen Gefühlen und Gedanken mal freien Lauf zu lassen, geh hinterher mal raus in die Natur, spazieren, das beruhigt, macht Dir einen klaren Kopf und tut Dir sicher gut.
    Ich habe mir ein gutes Buch besorgt, es heißt: "Fit und selbstbewußt mit Diabetes " von Rainer Paust und Heiner Ellebracht und ist gerade für die Anfangszeit mit Diabetes gut geeignet. Dabei geht es nicht so sehr um die Handhabung von Insulinspritzen sondern vielmehr um die Stärkung von Selbstbewußtsein und die Außeinandersetzung mit der Krankheit.
    Ich wünsche Dir, daß Du offen mit Deinem Mann sprechen kannst über all Deine Sorgen und Ängste, daß Du ihn zu Deinem Partner machen kannst, der Dich unterstützt und für den Du stark sein kannst.
    Ich bin mir sicher, daß du es schaffen wirst, gut mit der Diabetes zurechtzukommen, daß Du in dir selbst eine Stärke trägst, sobald du bereit bist, die Herausforderung, die das ganze mit sich bringt, anzunehmen.
    Es geht um DICH - achte auf Dich, sei Dir selbst Deine beste Freundin!

    Alles Gute,
    bis dann,

    Sara
  • Till

    Rang: Gast
    am 03.05.2004 16:36:51
    Guten Tag!

    Zuerst einmal:Die Teststreifen für die Blutzuckermessung bezahlt die Krankenkasse komplett. Ich würde ihnen raten sich mit der Krankheit mehr zu befassen es gibt Krankheiten die viel schlimmer sind. Ich habe Diabetis Typ1 und lebe gut damit. Sie haben schon die ersten Spätfolgen jetzt kann man vielleicht gegenwirken. Wenn sie sich nämlich vernüftig mit der Krankheit auseinandersetzten wird das Leben auch wieder lebenswert. Wenn sie die Vorzeichen nicht beachten wird es noch viel schlimmer. Amputation des Beines, blind, Niederen kaputt usw. Mit dieser Krankheit kann man, wenn man sich damit beschäftigt, gut leben.

    Mit freundlichen Grüßen

    Till K.
  • Bea

    Rang: Gast
    am 13.05.2004 19:48:53
    Liebe Sara,

    ich danke Dir sehr für Deinen Eintrag, der mich sehr betroffen macht. Andererseits freue ich mich für Dich und finde es toll, dass Du wohl eine nette Familie hast, die Dir hilft und hinter Dir steht. Ich wünschte, ich könnte auch mit meinem Mann offen darüber sprechen wenn es mir schlecht geht, aber das geht nicht. Ich muß immer so tun als ginge es mir gut und genau das wollte ich in der Ehe vermeiden. Dann hätte ich ja gleich zum Theater gehen können. Als ich nicht so gut drauf war und mal einen durchhänger hatte, wie ihn sicher jeder mal hat wenn er krank ist, mußte ich mir noch anhören, dass es mir doch gar nicht so schlecht geht. Seine Oma muß sogar an die Dialyse und ich soll doch froh sein, dass es bei mir nicht so ist. Natürlich bin ich froh, das alles weiß ich schließlich auch selber, aber nur ein offenes Ohr wäre doch schon schön. Oder ist das zu viel verlangt? Ich bin echt kein Jammerlappen und ich kann viel vertragen, bin bisher auch nicht für jedes bischen zum Arzt gegangen. Aber jetzt fühl ich mich ja gezwungen dazu wg. Diabetes weil das eine Krankheit sein soll. Mein Arzt sagte heute, dass er mir Metformin geben will, aber ich habe abgelehnt, das möchte ich nicht. Das kennst Du wahrscheinlich auch nicht, denn ich habe Deinem Schreiben entnommen, dass Du sofort Insulin spritzen mußtest. Wie kommst Du damit zurecht? Danke übrigens für den Tip mit dem Buch, vielleicht kann ich es mir ausleihen oder ich kaufe es mir. Ich würde mich freuen wieder von Dir zu hören/lesen. Ich wünsche Dir alles Gute. Liebe Grüße, Bea
  • Sara

    Rang: Gast
    am 14.05.2004 21:31:24
    Liebe Bea,

    ich hab ab und zu mal hier reingeschaut, weil es mich interessiert hat, wie es Dir inzwischen geht und habe mich gefreut, als ich heute Deinen Eintrag entdeckt habe.

    Ich kann mir denken, wie belastend und auch frustrierend es sein muß, Theater zu spielen. Das kannst Du vielleicht ein wenig umdrehen, indem Du einfach zu Deinem Mann sagst: "Du, mir geht es heute nicht gut. Ich fühle mich mit der neuen Situation noch etwas überfordert und würde mir wünschen, daß Du Dir einfach mal meine Probleme anhörst. Ich möchte kein Theater vor Dir spielen müssen, wenn es mir nicht gut geht." Vielleicht könnt ihr dann offen miteinander reden - jedenfalls würde ich es Dir wünschen.
    Ich kenne das Medikament, von dem du schreibst, tatsächlich nicht - sind das die berühmten Tabletten für Typ 2 Diabetes? Was nimmst Du momentan gegen den Diabetes?
    Man hat mittlerweile herausgefunden, daß ich zum Typ 1 gehöre - somit also insulinpflichtig bin.
    Also, mit dem Insulin spritzen komme ich eigentlich ganz gut klar. Natürlich erwischt man ab und zu mal eine Stelle, wo es etwas mehr pickst als woanders, aber das ist sicher normal.
    Am Dienstag komme ich in eine Diabetesklinik - für den Aufenthalt dort mußte ich ein wenig kämpfen, habe aber, auch mit Hilfe meines Mannes, jetzt grünes Licht dafür bekommen. Mein Arbeitgeber hat zum Glück auch Verständnis für meine Situation.
    Ich habe mich die letzten Tage mit dem Problem ziemlich alleine gefühlt und mir eine Schulung (Umgang mit Insulin, BE abschätzen, Spätfolgenaufklärung) echt gewünscht. Klar, man kann viel lesen, man kann viel probieren, aber es ist echt besch...eiden, wenn Der Diabetologe so gut ist, das die Praxis brechend voll ist und der gute Mann dementsprechend keine Zeit und lange Wartezeiten für einen Termin hat oder, wenn man ein Problem hat und anruft, nur den Anrufbeantworter zu hören bekommt. Mein Hausarzt hat das ganze auch ziemlich runtergespielt und das macht mich echt wütend und traurig zugleich.
    Heute abend hat eine Tante meines Mannes angerufen, die weiß das ich in die Klinik komme. Warum hat sie angerufen, im Kern wollte sie glaube ich wissen, wieso ich überhaupt in diese Klinik gehe um mich schulen zu lassen, denn eine Freundin von ihr, die ja schließlich auch Diabetes und einen streßigen Job hat, hätte das ratz-fatz in 3 Abendschulungen gelernt und alles sei super.
    Ich hatte so eine Wut! Jeder Mensch ist schließlich anders und der eine geht so, der andere so mit einem Problem um.
    Diabetes ist eine Krankheit, mit der man leben kann, aber sie ist nicht so harmlos, wie das manche Menschen darstellen.
    Ich möchte einfach wissen, WIE man am besten damit lebt, was es für neues Insulin gibt, wie man BE's in der Kantine oder im Restaurant abschätzen kann (schließlich kann man ja keine Waage mitschleppen) oder was man machen kann, wenn man einen Zuckerschock hat etc. etc.
    Gerade am Anfang, wenn die Krankheit neu ist, finde ich braucht man eben etwas Hilfe zur Selbsthilfe und keine dummen Sprüche.
    Je mehr man weiß und lernen kann, desto besser kommt man doch klar.

    Ich wünsche Dir auch alles Gute, Bea und würde mich freuen, mal zu hören, wie es bei Dir weitergegangen ist.

    Bis bald,
    liebe Grüsse,

    Sara
  • Bea

    Rang: Gast
    am 15.05.2004 01:00:16
    Liebe Sara,

    vielen Dank für Deine nette Antwort.

    Ich kann Dich sehr gut verstehen und Dir nachfühlen wie es Dir damit geht, dass Du Dich damit allen fühlst. Mir geht es ja nicht anders.

    Ich habe hier meine Internetadresse angegeben und würde mich freuen wenn wir uns per email schreiben könnten. Aber nur wenn Du möchtest.

    Leider kann ich jetzt nicht mehr schreiben, weil ich einfach zu müde bin, ist ja auch schon spät. Solltest Du mir nicht mehr antworten können bevor Du in die Klinik gehst, möchte ich noch sagen, dass ich Dir für den Aufenthalt dort alles Gute wünsche und dass Dir so gut geholfen wird, dass Du auch mit allem gut klar kommst. Melde Dich doch danach bei mir. Ich würde mich wirklich freuen.

    Alles Gute für Dich,
    Bea