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  • hajo

    Rang: Gast
    am 31.12.2003 11:43:57
    Hallo,

    ich möchte hier mal den Fall meines Vaters schildern: mit 72 wurde bei ihm eine Diabetes diagnostiziert und er wurde während eines Krankenhausaufenthalts auf Insulin eingestellt.

    Anschließend machte er eine Art Ernährungsschulung. Dort wurde ihm gesagt, das allerwichtigste sei es, massiv abzunehmen. Er hatte leichtes Übergewicht. Auch im Krankenhaus hatten sie ihn natürlich sehr spartanisch ernährt und die dazugehörige Insulindosis verwendete er weiterhin.

    Seine Ernährungsgewohnheiten wirklich nachhaltig zu ändern, schaffte er nicht. Das Gewicht blieb eigentlich konstant, wie auch schon in den 30 Jahren vorher.

    Die Zuckerwerte hat er vor jeder Mahlzeit bestimmt. Sie lagen immer viel zu hoch. Mehr Insulin wollte er nicht. Er sagte, dass habe man ihm bei der Ernährungsberatung verboten. Mehr Insulin erzeuge mehr Hunger und dadurch Gewichtszunahme.

    Drei Jahre später war er tot. Hirnzellen, Herz, Nieren, Blutdruck, Füße alles im Eimer. Er starb schließlich an Herzversagen.

    Ich konnte da nicht viel ausrichten. Der behandelnde Arzt fürchtete auch eine Gewichtszunahme. Als ich ihn jetzt darauf ansprach, meinte er, das sei eben ein heikles Thema.

    Mir scheint eine Gewichtszunahme da doch das deutlich geringere Übel zu sein. Oder hätte die im Endeffekt ähnlich böse Folgen gehabt?

    mfg
  • Harry

    Rang: Gast
    am 31.12.2003 21:36:44
    Da müßte man schon wissen, wie
    hoch denn sein Gewicht war. von Harry
  • hajo

    Rang: Gast
    am 01.01.2004 00:01:38
    Hallo,

    also wenn das wichtig ist: 85 kg bei 1,85 m Größe.
  • Harry

    Rang: Gast
    am 01.01.2004 09:15:22
    Hallo,

    85 kg bei 1,85 ist zwar nicht das
    berühmte Idealgewicht, aber noch ok.
    Das hat deinen Vater nicht umgebracht. Geschadet haben ihm
    ständig schlechte BZ-Werte. Andere
    überleben schlechte Werte noch viel
    länger, jeder Mensch ist/reagiert
    anders, vielleicht war sein Herz schon
    vorher geschädigt ...

    Das Tragische hier ist, daß dein Vater
    leider inkompetenten Ärzten in die
    Hände gefallen ist. Er hätte aich einen
    Diabetologen suchen sollen, aber ver-
    mutlich wußte er gar nicht, daß es
    solche gibt. Mensch kann halt nicht
    jedem Weißkittel blind vertrauen ...
    durch die Berichterstattung in den
    Medien und durchs Internet haben
    das mehr und mehr Patienten zum
    Glück erkannt. von Harry
  • Hajo

    Rang: Gast
    am 01.01.2004 11:27:41
    Hallo Harry,

    mein Vater war zur Einstellung in einem Diabetes-Zentrum. Und dieses Training zur Ernährungsberatung war auch speziell empfohlen. Man hat dort eben sehr stark die Gewichtsabnahme in den Vordergrund gestellt und betont, man könne ohne sie mit Insulin nichts bewirken.

    Als er merkte, dass es mit der Gewichtsabnahme in drastischer Weise nichts wurde, hatte er wohl immer stärker die angedrohte Zunahme bei Erhöhung der Insulin-Dosis im Ohr. Die von ihm festgestellten Werte lagen ständig über 200.

    Zwischendurch landete er einmal als Notfall im zuständigen Kreiskrankenhaus. Die hielten die Insulintherapie gar nicht für nötig. Dort waren die Werte noch höher.

    Da er auf dem platten Lande wohnte, hatte vermutlich der Hausarzt keine große Ahnung. Das Diabetes-Tagebuch zum Beispiel, dass mein Vater so aufwendig führte, hat sich niemals ein Arzt angesehen. Der Hausarzt erklärte gleich, er könne das Insulin eigentlich nur verschreiben.

    mfg
  • Andreas

    Rang: Gast
    am 01.01.2004 13:52:04
    Hallo!

    So ein Krankheitsverlauf ist zweifellos tragisch.

    Man kann nun natürlich diskutieren, ob eine Gewichtsreduzierung sinnvoll gewesen wäre oder nicht. Tatsache bleibt jedoch, daß die Einstellung des Zuckerstoffwechsels offensichtlich unzureichend war.

    Das Gewicht bei der angegebenen Körpergröße halte ich übrigens für normal und somit nicht therapiebedürftig. Bei vielen Typ-2-Diabetikern kommt es ja durch Insulinresistenz zu einer Hyperinsulinämie, die dann zur Gewichtszunahme führt. Die einsetzende Insulintherapie führt dabei zu einer weiteren Gewichtszunahme. Diese Patienten haben dann allerdings schon Jahre vorher ein deutliches Übergewicht entwickelt.

    Ich plädiere immer dafür, daß Ursachen abgeklärt werden müssen, damit pauschalierte Therapien nicht zum Standard werden. Patienten müssen individuell betreut werden und dazu gehören Gespräche, Erklärungen und Einsichten. Eine Therapie kann langfristig nur erfolgreich sein, wenn sie vom Patienten verstanden und akzeptiert wird.

    Viele geschulte Typ-1-Diabetiker werden sich an dieser Stelle fragen, warum der Patient seinen Zucker nicht besser eingestellt hat? Weil er es nicht wollte oder weil er es nicht konnte? Hat der Patient versagt oder der Therapeut? Oder war es eine Folge von unglücklichen Umständen? Tatsache bleibt jedoch, daß wir an diesem Verlauf leider nichts rückgängig machen können.

    Herzliche Grüße
    Andreas
  • Harry

    Rang: Gast
    am 01.01.2004 17:56:22
    Hallo,

    seit ich Diabetiker bin und auch viele
    Kontakte mit anderen habe, mußte
    ich leider zur Kenntnis nehmen, daß
    viele Hausärzte von Diabetes wenig
    bis keine Ahnung haben. Ein Laie
    glaubt das gar nicht.

    Und im Fall Ihres Vaters hat es offen-
    bar an der richtigen Kommunikation
    gefehlt, was tragische Konsequenzen
    hatte, die nicht nötig gewesen wären.
    Deshalb:Information ist ALLES!
    Patienten älteren Semesters sind oft
    noch zu sehr in einer Art Ehrfurchts-
    haltung vor Weißkitteln verhaftet und
    wagen nicht zu fragen oder zu wider-
    sprechen. Das hat sich in den jüngeren
    Generationen doch schon merklich
    gebessert.
    von Harry
  • Hajo

    Rang: Gast
    am 07.01.2004 14:31:15
    hallo,

    ich danke euch für eure Antworten. Ich kam mir schon irgendwie blöd vor. Natürlich weiß ich, dass ich nichts hätte ändern können, da niemand auf mich hören wollte. Ich habe es durchaus versucht.

    Leider sind Ärzte häufig gar nicht bereit, auch nur ansatzweise zu erklären, worum es eigentlich geht. Bei der chronischen Erkrankung meines Sohns bekam ich auch gleich gesagt: "Das verstehen sie sowieso nicht. Sorgen sie nur dafür, dass er seine Tabletten nimmt." Irgendwie ein gewagter Ansatz. Dann sucht man sich durch Fachbücher und Internet, bis man die Infos hat, die man braucht.

    Gut, dass es Foren dieser Art gibt. Und Leute, die hier geduldig dumme Fragen beantworten.

    mfg
  • Petra Friebe

    Rang: Gast
    am 15.01.2004 20:50:41
    hallo
    dein Vater ist Typ2 Diabetiker?
    da verstehe ich nicht das es keine gescheiten Ärzte dafür gibt
    er sollte sich ein Accu-Check Gerät kaufen die Stäbchen dazu verschreiben lassen und sich öfter messen und das ganze in eigenregie übernehmen.Oder zu einem Diabetologen gehen.