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"mein" leben mit diabetes....

  • peter

    Rang: Gast
    am 11.05.2002 14:12:25
    geschätzte leser dieses eintrages

    mittlerweile bin ich 32 jahre alt und habe seit meiner kindheit diabetes hautnah miterlebt: mein vater ist diabetiker.

    weshalb diese zeilen:
    1) meine erfahrungen als angehöriger
    2) suche rat / hilfe, da eine ausnahmesituation bevorsteht
    3) einen dank an unseren schutzengel

    viele grüsse und vielen dank für euer feedback!

    peter.

    1) meine erfahrungen als angehöriger

    seit meiner kleinsten kindheit habe ich erlebt, wie mein vater plötzlich "komisch" wurde, teilnahmslos am mittagstisch sass, kaum kaute und immer abwesender wurde. ich wusste aber nicht, weshalb. ich ging dann meistens auf mein zimmer, und als ich 1 stunde später zurückkam, war die situation normal - man sprach aber nicht davon (manchmal endete alles in einem streit zwischen meinen eltern). dass mein vater zuckerkrank war, habe ich von nachbarskindern erfahren. weshalb? mein vater ist in einem kleinen dorf aufgewachsen. seine eltern haben versucht, diese krankheit zu verbergen, da diese als schwäche angesehen wurde und soziale ächtung befürchtet wurde. mein vater hat sein leben lang versucht, sein "leiden" zu verheimlichen, ein grosser teil seines umfeldes weiss heute noch nicht, dass er diabetiker ist.... als ich dann ca. 12 jahre alt war, habe ich mitbekommen, dass von dieser krankheit eine gewisse gefahr für mich ausgeht. ein beisiel: mein vater hat mich einmal mit dem auto am bahnhof abgeholt und war sehr stark unterzuckert. diese horrorautofahrt endete damit, dass ich bei ca. 60km/h zum fahrenden auto raussprang und weinend nachhause lief. dann folgten 2 stunden der panik, des suchens und der ungewissheit, bis wir einen anruf aus dem spital erhielten. mein vater fuhr in eine mauer (blieb unverletzt!) und wurde mit der diagnose "sturtbesoffen" ins spital eingeliefert, wo dann ein sehr cleverer arzt feststellte, dass er nicht nach alkohol roch.... nun folgten für mich schwierige jahre. immer wenn ich mit meinem vater unterwegs war, hoffte ich und hoffte ich und hoffte ich. was ich alles erlebt habe würde ein buch füllen.... erst etwa mit 20 jahren habe ich gelernt, dass ich keine angst haben muss und meinem vater in solchen situationen helfen kann. aber heute noch gibt es momente des unverständnis (macht er das absichtlich???), der angst (weshalb nimmt er sein handy nicht ab???), der aggression (iss jetzt diesen traubenzucker!!!), der hilflosigkeit, der trauer (nicht schon wieder....), des glücks (piuuuu - scheint alles io zu sein!) etc.
    weshalb diese zeilen? zum einen sicher, weil es mir gut tut, dies niederzuschreiben, zum andern aber auch um euch die sicht und die erfahrungen eures umfeldes zu zeigen (ich bin überzeugt, dass ihr einen viel offeneren umgang mit eurer krankheit und eurem umfeld habt - das freut mich für euch und ich bewundere euch dafür!)

    als ich euer forum gesehen habe, war das für mich sehr ungewöhnlich, mit welcher offenheit hier über diese krankheit gesprochen wird, die mich sehr geprägt hat und es immer noch tut, obwohl ich selber nicht mal daran leide.

    2) suche rat / hilfe, da eine ausnahmesituation bevorsteht

    meine mutter ist die lebensversicherung meines vaters. in stresssituationen kommt es vor, dass er während des schlafes in eine gefährliche unterzuckerung fällt und nicht mehr geweckt werden kann. meine mutter spürt das und verabreicht ihm dann eine notspritze. von all den hilfeaktionen während des tages muss ich gar nicht sprechen. nun wird meine mutter in den nächsten monaten an einem hirntumor sterben. für mich war das absulut undenkbar. seit meiner kindheit war mir klar, dass mein vater irgendwann infolge einer "unglücklichen konstellation" sterben würde. dass meine mutter vorher stirbt hätte ich wirklich nicht gedacht. wir sind uns alle bewusst, dass diese tatsachen sich nicht gerade positiv auf meinen vater auswirken. hmmm, was soll ich jetzt schreiben? ich suche nicht mitleid (unsere familie - vater, mutter, meine frau und ich - hat im letzten jahr viel schönes und eindrückliches erlebt, wir sind wirklich weitergekommen, wurden zusammengeschweisst und ich bin irgendwie um diese erfahrungen dankbar. lieber ein intensives, glückliches jahr, als 20 jahre belangloses, unzufriedenes lebensabsitzen.....).
    vielleicht hat aber jemand von euch etwas ähnliches erlebt. vielleicht ist jemand unter euch, mit dem mein vater auch mal über das eine oder andere diskutieren könnte - es würde ihm sicher gut tun, auch mal ausserhalb der familie über seine freuden, sorgen und ängste (und die sind sicher da!) zu reden.

    3) einen dank an unseren schutzengel

    beschützung eines diabetikers ist wahrscheinlich nicht gerade der traumjob eines schutzengels. diejenigen, die sich dieser aufgabe dennoch annehmen, sind aber die besten ihrer gattung, sie haben ein grosses herz und viel ausdauer! und wer weiss, vielleicht bedienen sie sich ja auch dieses forums, um mehr über die bedürfnisse ihrer schützlinge zu erfahren. deshalb hier ein grosses dankeschön an unseren und alle anderen schutzengel!
  • Kathrin lamm

    Rang: Gast
    am 28.12.2002 13:03:08
    Hallo Du!
    Ich sitze hier gerade in Tränen aufgelöst vor meinem Computer weil ich dich genau verstehen kann mein Vater hat auch Diabetes hält sich aber nicht an die Ernährung !
    Jetzt liegt er unten weil er gestern viel zu viel getrunken hat und ich hab verdammt nochmal Angst.... von Kathrin lamm
  • cati

    Rang: Gast
    am 31.03.2005 16:34:07
    hallo Peter, ich habe deine Zeilen gelesen, und ich interessiere mich dafür! Wir, also eine Gruppe von 4 Mädchen eines Gymnasiums schreiben zur Zeit an einer Seminarfacharbeit mit dem Thema Diabetes mellitus!und da wir gern alle Quellen die uns dafür zur Verfügung stehen in Anspruch nehmen, wäre es total nett wenn auch du uns ein bisschen unterstützen könntest! Natürlich ist das ganz allein deine Entscheidung, aber wir würden uns wirklich darüber freuen! Also wenn du möchtest schreib zurück, danke, cati