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Diabetes und keine Aufklärung
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Kati
Rang: Gastam 25.06.2011 09:59:09
Hallo,
ich schreibe zum ersten Mal hier weil ich etwas hilflos bin und mir von "Gleichgesinnten" ein paar Tips erhoffe.
Ich bin 28, Mutter und bei mir wurde am Donnerstag Diabetes mellitus Typ 2 diagnostiziert. Meine Anzeichen waren übermäßiger Durst, häufiges Wasserlassen, Wadenkrämpfe, hoher Ruhepuls, besonders am Morgen etc. Ich hab mich mit der Krankheit vorher nie auseinander gesetzt. Meine beiden Uromas hatten dies auch, mussten sich spritzen. Am Donnerstag hatte ich einen nüchternen Blutzuckerwert von 14,4. Mehr wurde nicht gemessen etc. Meine Ärztin schwankte zwischen Krankenhaus und ambulant. Ich bestand erstmal auf ambulant. Sie verschrieb mir Metformin-ratiopharm, die ich seit Donnerstag nehme und sagte mir zwischen Tür und Angel was ich nun alles nicht mehr essen und trinken dürfe. Montag muss ich erneut nüchtern zum messen. Sie will schauen ob die Tabletten anschlagen.
Mein Problem: ein "erfahrener" Diabetiker sagte mir, dass normalerweise ein Blutbild gemacht wird, wo die Werte der Organe gemessen werden. Nieren, Leber usw. Ebenso der HbA1-Wert gemessen. Das erfolgte bei mir alles nicht. Auch das mein Wert wohl extrem hoch sei und ich eigentlich hätte sofort ins KH gemusst.
Ich steh damit ein bisschen im Wald und fühle mich unzureichend aufgeklärt. Ich hab zwar viel gelesen aber vieles ist ja Situationsbedingt. Ich habe also eine Krankheit, worüber ich nur wenig weiß und fühle mich von meiner Ärztin ein bisschen damit im Stich gelassen. Ich kenne die Ernährung nicht ausreichend, die Folgen und Risiken.
Ich hoffe, ihr versteht was ich meine und könnt mir evtl. ein paar Ratschläge geben.
LG Kati -
am 25.06.2011 14:53:36
hallo Kati,
erstmal solltest du deine Lage nicht als hoffnungslos ansehen und dich vor allem nicht "verrückt" machen.
Du wirst ab jetzt genug Zeit haben dich mit deiner Krankheit auseinanderzusetzen. Ich bin da vor einem halben Jahr auch ins kalte Wasser gefallen und mittlerweile um einiges Wissen reicher und die Werte auch besser.
Aus der einmaligen Messung kann man noch nicht viel ableiten.
Essen: fürs Erste würd ich vorsichtshalber möglichst Kohlehydratarm essen. Tipps bekommst du sicher hier noch.
Blutbild sollte auf jedenfall gemacht werden. Wenn nicht am Montag dann besser einen Diabetologen aufsuchen.
Einfach am Wochenende im Internet mal ein paar Infos sammeln. Ich denke Wiki oder Diabetesseiten sind da für den Anfang am Besten und am Montag sehen wie es weitergeht.
Überstürzen und in Hektik verfallen musst du auf jedenfall nicht.
Grüsse
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am 25.06.2011 18:33:40
Moin Kati,
Diagnose Diabetes bedeutet, dass wir unseren Blutzucker am besten selbst steuern. Denn unsere Blutzucker-Automatik ist defekt. Deswegen ist unser Blutzucker - meistens im Verlaufe mehrerer Jahre - zunehmend höher als gesund und schließlich auch über die Höhen angestiegen, die als Grenzwerte für die Diagnose Diabetes gelten.
Höher als gesunder Blutzucker macht mit der Zeit (nicht plötzlich von einem auf den anderen Tag) all die schrecklichen Schäden an Gefäßen und Nerven und damit an Augen, Nieren und Füßen, die als diabetische Folgekrankheiten gefürchtet werden. Die soll eine gute Diabetes-Behandlung vermeiden bzw. begrenzen, wenn sie schon eingetreten sind. Dafür müssen wir selbst lernen, unseren Blutzucker möglichst viele von 24 Stunden möglichst so flach & niedrig zu steuern, wie unsere Automatik das tun würde, wenn sie nicht defekt wäre.
Die notwendigen Informationen und vor allem Medikamente dafür bekommen wir von guten Ärzten. Von Betroffenen, die schon ein paar Diabetes-Jahre mehr an Erfahrung haben, bekommen wir für den alltäglichen praktischen Umgang viele gute Tipps wie z.B. diesen, der schon viele tausend Neue in aller Welt zu ihren ersten Schritten angeleitet hat.
Daumendrück, Jürgen -
Gast
Rang: Gastam 25.06.2011 18:53:00
Auch hallo,
> Ich bin 28, Mutter ...
Wann war die letzte SS?
> und bei mir wurde am Donnerstag Diabetes mellitus Typ 2 diagnostiziert.
Hast Du deutliches Übergewicht?
> Meine Anzeichen waren übermäßiger Durst, häufiges Wasserlassen, Wadenkrämpfe ...
Seit wann bemerkst Du die Beschwerden?
> Meine beiden Uromas hatten dies auch, mussten sich spritzen.
In welchem Alter trat bei den Uris der Diabetes auf?
> hatte ich einen nüchternen Blutzuckerwert von 14,4.
= ca. 250 mg/dl. Also schon hoch, wenn auch nicht wirklich extrem. Allerdings kommt es weniger auf den BZ-Wert an, sondern auf die Frage ob zugleich die Ketone erhöht sind, und wieviel. Hat Dir die Ärztin Urinteststreifen auf Keton mitgegeben?
Wenn nicht solltest Du mal die Bereitschaftsapotheke heimsuchen und Dir welche besorgen.
Ich kann bislang in keinster Weise sagen, ob die Typ-2 Diagnose zutrifft, aber diese wird auch recht häufig fälschlich ausgesprochen. Es kann sich auch um einen langsamen Typ 1 (LADA) oder eine Variante von Typ 3 (MODY) handeln.
Da insbesonere bei Typ 1 immer ein gewisses Risiko besteht, dass es zu einer Entgleisung in die Ketoazidose kommt, eine Übersäuerung mit lebensbedrohlichem Potenzial, solltest Du das, schon mal vorsichtshalber, schlicht im Blick haben und überprüfen. Auch wenn mit ziemlicher Sicherheit erst mal keine kritischen Entwicklungen wahrscheinlich sind.
Aber trotzdem erst mal entspannen und viel Trinken, aber nichts Kohlenhydrathaltiges.
Trotz alledem ein schönes Wochenende und
Gruß
Joa -
Kati
Rang: Gastam 26.06.2011 08:47:11
Danke für die Antworten.
Also meine SS ist nun schon 10 Jahre her. Wann es bei meinen Uromas aufgetreten ist, weiß ich nicht mehr. Ich war selbst noch ein Kind. Die Anzeichen bzw Symptome habe ich merklich seit gut 2 Wochen.
Ich muss mich auch korrigieren was den Typ angeht. Meine Hausärztin hat den Typ 2 einfach so festgelegt. Ich war gestern im KH und da wird nun ein Blutbild gemacht und erstmal mein Diabetestyp ermittelt, auch der hba1c wird konrolliert. Sie sprach auch noch was von gab(?) Die Ärztin dort sagte mir, dass es wohl Typ 1 ist und nicht Typ 2. Metformin soll ich vorerst nicht nehmen und ich solle dringend zu einem Diabetologen gehen.
Ich habe den Eindruck, dass meine Hausärztin ein bisschen an mir rumdoktert :-/. Im KH sagten sie, dass erstmal hätte der Typ ermittelt werden sollen ehe ich Tabletten bekomme, denn es kann möglich sein, dass ich direkt auf Spritzen eingestellt werden muss.
Also noch mehr Verwirrung für mich aber ich hoffe, dass es nun alles seinen richtigen Gang geht. Ich muss auch sagen, dass es mir ohne die Tabletten nun wesentlich besser geht. Kein Schwindel oder Übelkeit mehr. Kann aber auch andere Ursachen haben. -
am 26.06.2011 09:29:21
Moin Kati,
als es noch kein Insulin gab, war Kern jeder Diabetes-Behandlung der vollständige Verzicht auf Kohlenhydrate. Also kein Brot und nichts mit Mehl, Kartoffeln, Reis und selbstverständlich Zucker. Und als ich Töffel kürzlich zu ner Einladung zu nem Familienfestmal meinen Insulin-Pen vergessen hatte, hab ich mich halt an Gemüse und Fleisch gehalten.
Denn am meisten Insulin brauchen wir zum Verstoffwechseln von Kohlenhydraten=Glukose, und über gesund ansteigender Blutzucker sagt bei allen Diabetes mellitus Typen, dass das Insulin fehlt, das für die gesunde Blutzucker-Höhe notwendig wäre. Bei allen muss dieses Fehlen folglich ausgeglichen werden. Das geht generell zu einem großen Teil und wenigstens für ein paar Tage eben mit dem Verzicht auf Kohlenhyrate und dann langfristig und mit den gewünschten Kohlenhydraten mit dem passenden Ersatz des fehlenden Insulins aus dem Pen. Dazwischen liegen beim Typ2 einige Jahre, die er auch noch mit anderen Medis auskommen kann. Aber auch die meisten Typ2 müssen über kurz oder lang Insulin spritzen, denn auch der Typ2 ist von Anfang an durch den Verlust von Insulin produzierenden Beta-Zellen in der Bauchspeicheldrüse gekennzeichnet. Der kann sich beim Typ2 allerdings über viele Jahre hin ziehen, während er beim Typ1 vom ersten Auffallen wie bei Dir bis zum mehr oder weniger vollständigen Verlust meistens nur wenige Monate braucht.
Die weit und breit beste und verständlichste Info zum Typ1, die ich kenne, findest Du auf diabetesinfo.de. Da wird Dir auch schnell klar werden, dass Diabetes heute keine schreckliche Krankheit mehr sein muss, sondern eine eher leichte Behinderung sein kann, die wir Betroffene mit etwas Übung gesund ausgleichen können :-)
Daumendrück, Jürgen -
Gast
Rang: Gastam 26.06.2011 17:21:47
Gast schrieb:
Ich muss mich auch korrigieren was den Typ angeht. Meine Hausärztin hat den Typ 2 einfach so festgelegt. Ich war gestern im KH und da wird nun ein Blutbild gemacht und erstmal mein Diabetestyp ermittelt,
Das war ein gutes Vorgehen von Dir.
schrieb:
Sie sprach auch noch was von gab(?)
GAD oder auch GADA = Glutamic Acid Decarboxylase Antikörper.
Dieser autoimmune Antikörper ist ziemlich klassisch für einen langsam verlaufenden Immunprozess im Erwachsenenalter (= Typ-1 LADA)
schrieb:
Ich habe den Eindruck, dass meine Hausärztin ein bisschen an mir rumdoktert.
Na ja, dann hast Du ggf. jetzt bei Ihr was gut. ;-)
Gruß
Joa -
Kati
Rang: Gastam 29.06.2011 09:39:23
Hallo :)
Danke für die Erklärung.
Ich war nun bei einer Diabetologin. Nun bin ich schlauer und fühl mich dort auch richtig aufgehoben. Werde gerade auf Insulin eingestellt. War natürlich erstmal ein Schock aber so soll es nun wohl sein. Sie nahm auch nochmal Blut ab und lässt alles checken.
Meine Werte sind zwar immer noch hoch aber ich hab jetzt erstmal eine feste Einstellung, damit sie sieht, wie das Insulin anschlägt.
Hab für die Mahlzeiten Humalog und zur Nacht Lantus bekommen.
Demnächst werde ich dann meine Mahlzeiten selbst berechnen müssen und danach spritzen. Mal sehen ob und wie das klappt. Ein bisschen Angst davor habe ich zuzunehmen. Darum achte ich nun besonders auf meine Ernährung. Klar, auch wegen dem Zucker aber nun auch vermehrt auf Fett und kcal.
Mit dem Spritzen komm ich ganz gut zurecht, kostet mich zwar jedes Mal noch ein bisschen Überwindung aber es geht ganz gut bisher.
Eine Kur bzw Reha wurde von meiner Diabetologin wohl auch schon vorgemerkt, wo ich nochmal zusätzlich viele Infos und Schulungen bekommen soll.
Nun muss ich lernen damit zu leben. -
am 29.06.2011 15:02:19
Gast schrieb:
Darum achte ich nun besonders auf meine Ernährung. Klar, auch wegen dem Zucker aber nun auch vermehrt auf Fett und kcal.
Hallo Kati,
der BZ wird fast ausschließlich durch die KH hochgetrieben. Deshalb musst du für eine gute BZ-Führung besonders auf die Menge der KH achten und die entsprechend begrenzen. Du nimmst auch nicht von dem Insulin zu. Du nimmst zu, wenn du viele KH isst und dafür viel Insulin spritzen musst.
Wenn du weniger KH isst, dann musst du natürlich automatisch etwas mehr Eiweß und Fett zu dir nehmen. Aber das ist kein Problem. Wenn du dir eine Ernährung ansehen willst, die für Diabetiker gut geeignet ist, dann empfehle ich dir LOGI. Sieh es dir einfach mal hier an und überlege, ob das für dich die richtige Ernährung sein könnte - deinen BZ wirst du damit auf jeden Fall viel einfacher im Griff behalten und dein Gewicht wahrscheinlich auch.
LG Rainer -
Gast
Rang: Gastam 29.06.2011 17:07:22
schrieb:
der BZ wird fast ausschließlich durch die KH hochgetrieben. ... Wenn du weniger KH isst, dann musst du natürlich automatisch etwas mehr Eiweiß und Fett zu dir nehmen. Aber das ist kein Problem.
und was ist mit den fpe (fett-protein-einheiten)??? link dazu: fett und eiweiß steigern den bz-spiegel -
am 29.06.2011 17:38:38
Macht nur einen Bruchteil des Insulinbedarfs für KHs aus, fällt erst 3-5 Stunden nach dem Essen an und wird in den ersten Jahren von LADA und Typ2 INSULINERn meistens noch voll mit der eigenen Restproduktion ausgeglichen.