Willkommen Gast! Um alle Funktionen zu aktivieren musst Du Dich Anmelden oder Registrieren.
Blutzucker & Sport
-
Gast
Rang: Gastam 25.01.2012 16:07:50
Moin, moin,
ein Zufallsbefund brachte vor 4 Wochen hohe Blutzuckerwerte an den Tag. Mittlerweile bin ich auf Metformin-Diät und Jogge. Die Werte fallen zwar etwas, aber der Arzt vermutete bereits, daß die M.-Dosis noch angepaßt werden müsse.
Ich esse unverändert in Menge und Zusammenstellung bis auf Frühstück (Keine Marmelade mehr und Vollkornbrot statt weiße Schrippen), zwischendurch (deutlich reduzierte Süßigkeiten) und Getränke (ich saufe Wasser wie ein Kamel).
Zusammen mit konstanterem Nachtschlaf fühle ich mich deutlich frischer, klarer und irgendwie ist ein Schleier entfernt...
Die tägliche Blutanalyse ist ein echtes Drama: Ich könnte nichts anderes sagen, als daß Essen Einfluß auf den Blutzucker hat und 2h nach einer Mahlzeit das Maximum erreicht ist. Die Werte streuen wie verrückt zwischen 115 und 335 (handgemachtes Müsli nach schweizer Rezept - bisher das gesündeste, das ich kannte).
Ich neige mittlerweile zu der fatalistischen Ansicht, daß Essen zum Überleben notwendig ist und 5.000 Jahre Pathologie in Ägypten, Persien, England und USA diesen Wissensstand bisher nicht wirklich verbessern konnte. Auch was hier im Forum zu lesen ist, drückt häufig ähnliches aus: Die Neuen (wie ich selbst) suchen (natürlich) algorithmische Determinanten des Blutzuckers aufzuspüren; die alten Hasen(?) sagen, iß und sei ruhig.
Hm? Ich kann mindestens in Form einer Frage mehr Verwirrung beitragen:
Wenn man Sport treibt, erwartet der gesunde Menschenverstand, daß der Blutzuckerwert fällt. Das sagt der Arzt und leuchtet ein, weil die Muskeln Blutzucker in km umwandeln und verbrauchen. Bei mir beobachte ich allerdings das Gegenteil: Nach dem Lauf ist der Blutzuckerwert höher als davor!
Hm... Möglicher Erklärungsansatz: Die Biologie arbeitet mit Wirkkreisen. Die Muskeln fordern Energiezufuhr, woraufhin ein Energiereservoir geöffnet wird und es zu einer Ausschüttung von Blutzucker auf den Systembus "Blutsystem" kommt. Die Muskeln greifen sich vom Bus, was sie finden können und ich kann weiter laufen. Zuhause angekommen messe ich mehr als vorher, weil ich vorm Laufen gepennt habe und dafür keine Energie nötig ist. Prima: Wir machen uns unsere eigene Biologie!
Hör ich etwa Kritik?
Gruß,
zucchero -
am 25.01.2012 17:44:59
Hallo zucchero,
Dein "handgemachtes Müsli nach schweizer Rezept" ist gesund - aber es hat auch viele Kohlenhydrate! Haferflocken, Obst, Milch, dazu dann vielleicht noch Zucker oder Honig - um sich davon satt zu essen, nimmt man sehr viele Kohlenhydrate zu sich! Ich habe vor Jahrzehnten mal überschlagen, daß ich nur einen gehäuften Eßlöffel Müsli und eine Bechertasse Milch essen darf, um auf meine morgendlichen zwei BE zu kommen! Weil ich davon natürlich nicht satt wurde, habe ich auf Müsli verzichtet.
Wenn Du Dein Müsli berechnen willst, sind "Kalorien mudgerecht" eine gute Hilfe.
Zum Thema Sport siehe http://www.idaa.de/diabetes_und_sport.html
Viele Grüße
Katja -
Gast
Rang: Gastam 25.01.2012 17:46:35
Moin Zucchero,
hab mal ne alte Frau betreut und bei der ohne Zuckermedis in der Spitze 1 Stunde nach ihren Standard-Mahlzeiten 250-280 gemessen, wenn sie bis dahin in ihrem Schaukelstuhl genickt hatte. Anschließend ging sie dann so um 20 Minuten mit dem Hund und kam mit um die 150-180 wieder, die dann bis zur nächsten Mahlzeit bis auf etwa 100 sinken konnten, übrigens auch ohne Hundegang. Und wenn sie den Hundegang kurz vor der nächsten Mahlzeit machte, wenn der BZ schon bei 120-100 war, war er nach der Hunderunde wieder bei 160-180.
Wenn sie dagegen direkt nach dem Essen 20 Minuten mit dem Hund ging, konnte sie anschließend mit 80-100mg/dl im Schaukelstuhl abnicken.
Persönlich habe ich heute zum Mittagessen nur 1/3 meiner normalen Insulinmenge gespritzt und mich anschließend 2 Stunden wie der hier bei herrlichem Wetter und Puls um 140 bewegt und bei meiner Rückkehr 71 gemessen :-)
Bisdann, Jürgen -
Gast
Rang: Gastam 25.01.2012 18:53:13
Gast schrieb:
Hm? Ich kann mindestens in Form einer Frage mehr Verwirrung beitragen:
Wenn man Sport treibt, erwartet der gesunde Menschenverstand, daß der Blutzuckerwert fällt. Das sagt der Arzt und leuchtet ein, weil die Muskeln Blutzucker in km umwandeln und verbrauchen. Bei mir beobachte ich allerdings das Gegenteil: Nach dem Lauf ist der Blutzuckerwert höher als davor!
Dein Körper ist bereits an (Ausdauer-)Sport gewöhnt? Sonst treibt die Leber den Blutzucker in die Höhe, wenn Du puterrot durch die Gegend hechelst. 80% Leistung sollte man z.B. beim Joggen aufbringen. Oder anders ausgedrückt, man sollte sich beim Laufen noch gut unterhalten können. Und umso trainierter Du wirst, desto mehr Glucosetransporter bilden sich in den Zellen, die für den Transport der Glucose ins Zellinnere verantwortlich sind, was eine höhere Sensibilität für Insulin zur Folge hat.
Gruß, Heinz
-
Gast
Rang: Gastam 26.01.2012 13:44:05
Hallo zusammen,
vielen Dank für die Antworten.
Also kein Müsli mehr - schade! (war nebenbei auch total lecker) Balance also auch im Kleinsten, jeder Stunde des täglichen Lebens. Katja, die IDAA-Seite war ein guter Tipp zum Verstehen der Zusammenhänge.
@Jürgen: Der sog. Verdauungsspaziergang wirkt also tatsächlich verdauend. Das hätte ich nie gedacht. Werde ich nach dem nächsten Mittagessentermin mit einplanen.
@Heinz: Die ganze Wahrheit ist: Ich habe vor 2 Monaten mit dem Rauchen aufgehört, vor 1 1/2 Monaten wurde Zucker im Urin gefunden, vor 1 Monat hab ich ein Jogging-Training begonnen und seit dem versuche ich mich dem Normbereich für Blutzucker anzunähern - nein, ist bin nicht trainiert, obwohl eher ein sportlicher Typ mit nur wenig Übergewicht.
Die Glucosetransporter geben meinen Ambitionen beim Laufen nochmal Auftrieb, danke! Denn ich hoffe immer noch ein bißchen, ohne Tablette nochmal von der Insulin-Schippe springen zu können. Die nächsten 2 Wochen gewöhne ich Knochen, Bänder und Herz-Lunge noch mit langsamem Tempo an die veränderten Lebensbedingungen und laufe alle 2 Tage 1/2h. Danach steigere ich Dauer und Rhythmus beim Laufen und das Training beginnt. Ich bin gespannt, wie der Körper darauf reagieren wird...
Noch ne Frage: Ich habe noch nirgens etwas über die Ursache von Diabetes gelesen.
Wurde das schon mal untersucht?
Was müssen wir unseren Kindern mitgeben, damit sie nicht in die gleiche Zivilisationsfalle tappsen wie wir?
Gruß,
zucchero -
am 26.01.2012 15:38:04
Hallo zucchero,
Deine Kinder haben ein Risiko von etwa 50%, ebenfalls einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln - sofern Deine Frau nicht auch noch betroffen ist. Wenn ein eineiiger Zwilling einen Typ-2 hat, beträgt das Risiko für den anderen rund 80%! Um das Risiko zu minimieren, gibt es eigentlich nur eine Strategie: in Bewegung bleiben, um die Insulinempfindlichkeit möglichst hoch zu halten. In einem Vortrag wurde mal gesagt, daß ein "künftiger" Typ-2-Diabetiker bereits von Geburt an eine Insulinresistenz und damit einen höheren Insulinbedarf hat. Mit Bewegung und Normalgewicht schafft es der Körper aber, den BZ im Normbereich zu halten. Ich habe schon von Kindern gehört, die schlank waren und dann einen Typ-1-Diabetes bekamen. Dadurch stellte sich heraus, daß ihr Insulinbedarf deutlich höher war als bei vergleichbaren Kindern mit Typ 1 ... Diese Kinder bekamen dann irgendwann auch noch einen Typ-2-Diabetes dazu.
Inzwischen wird diskutiert, daß der Diabetes nicht durch Übergewicht entsteht, sondern daß bereits eine Stoffwechselstörung besteht, die erst zu Übergewicht und dann zu Diabetes führt. Andererseits haben Menschen mit Typ-2-Anlagen einen genetischen Vorteil bei Hungersnöten: als bessere Futterverwerter können sie Hungersnöte sehr viel besser überleben. Das dürfte auch der Grund sein, warum es Gegenden gibt, in denen 50% und mehr einen Typ-2 haben. Dazu gehören Gebiete in der Südsee und manche Indianerstämme. Vor der Invasion der Supermärkte war dort fast immer Schmalhans Küchenmeister ...
Viele Grüße
Katja -
Gast
Rang: Gastam 26.01.2012 20:43:10
hallo katja,
>>diese Kinder (typ1) bekamen dann irgendwann auch noch einen typ-2-diabetes dazu<< ???
noch nie davon gehört. auch dass bereits eine stoffwechselstörung besteht, die erst zu übergewicht,
dann zu diabetes führt.
bei mir war das anders, erst gewichtsabnahme, dann typ 2.
das essen dem energiebedarf anpassen und in bewegung bleiben funktioniert seit 11 jahren
ohne folgeschäden. wenn es am besten schmeckt, aufhören.
gruss rudi2
-
am 27.01.2012 12:38:19
Gast schrieb:
hallo katja,
>>diese Kinder (typ1) bekamen dann irgendwann auch noch einen typ-2-diabetes dazu<< ???
noch nie davon gehört. auch dass bereits eine stoffwechselstörung besteht, die erst zu übergewicht,
dann zu diabetes führt.
bei mir war das anders, erst gewichtsabnahme, dann typ 2.
das essen dem energiebedarf anpassen und in bewegung bleiben funktioniert seit 11 jahren
ohne folgeschäden. wenn es am besten schmeckt, aufhören.
gruss rudi2
Kann schon sein, daß du nie davon gehört hast, deswegen gibt es diese Störung trotzdem.
Mir ist es so ergangen. Ich bin innerhalb eines Jahres von 50 auf 70kg Körpergewicht gekommen, ohne daß sich mein Eßverhalten geändert hätte - und dann war der Diabetes da. Meiner Schwester erging es genau so und ich habe derartiges schon öfter von Betroffenen gehört.
Die Ärzte allerdings hören das nicht gerne und tun es als ins Reich der Fabel gehörend ab - es paßt so gar nicht zu der Story vom "angefressenen" Diabetes.
Die Erkenntnisse über Typ2 sind bei uns noch nicht mal bis zu allen Ärzten vorgedrungen, ich komme gerade aus dem Krankenhaus und mußte feststellen, daß die Kenntnisse über Diabetes dort um etwa 20 Jahre hinterherhinken. -
am 27.01.2012 13:15:55
Gast schrieb:
Was müssen wir unseren Kindern mitgeben, damit sie nicht in die gleiche Zivilisationsfalle tappsen wie wir?
Hallo Zucchero,
Katjas 50%-Erklärung ist reine Spekulation. Ein genetischer Zusammenhang konnte für Typ2-Diabetes bisher nicht nachgewiesen werden, obwohl intensiv danach gesucht wird. Statistisch zeigt sich eine gewisse familiäre Häufung, die aber weit unterhalb der von Katja behaupteten 50% liegt.
Die Lösung für deine Kinder liegt klar auf der Hand. Versuche sie nicht zu fettarmer und KH-reicher Ernährung anzuleiten und gebe ihnen Wertschätzung für natürliche Lebensmittel mit. Dann können Sie die größten Ernährungsfehler vermeiden und ihr Diabetesrisiko um ein vielfaches senken.
Beste Grüße, Rainer
Bearbeitet von User am 27.01.2012 14:28:25. Grund: Nicht angegeben -
am 27.01.2012 13:29:51
Ich frage mich, ob es sich je rumsprechen wird, daß Diabetes (egal welcher Typ) absolut nichts mit der Ernährung zu tun hat.
Aber dieses Märchen hält sich hartnäckig und wird sogar von Diabetikern verbreitet (wenn es denn wirklich Diabetiker sind).
Bearbeitet von User am 27.01.2012 13:30:30. Grund: Nicht angegeben