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Adipositas-Behandlung: Roche und Vernalis geben Kooperation bekannt
Roche und Vernalis geben die klinische Entwicklung einer Substanz für die Adipositas-Behandlung bekannt. Klinische Studien beginnen Ende 2001
Roche und Vernalis Group haben bekannt gegeben, dass eine gemeinsame erforschte Substanz für die Adipositas-Behandlung zur klinischen Entwicklung freigegeben worden ist. Präklinische Arbeiten seien derzeit sowohl bei Vernalis als auch bei Roche im Gange. Roche ist ein führender Hersteller im Bereich Gewichtsmanagement und wird sämtliche klinischen Entwicklungsprogramme mit der Substanz übernehmen. Klinische Studien werden voraussichtlich Ende 2001 beginnen. Gianni Gromo, MD, Leiter des Forschungsbereichs für Gefäss- und Stoffwechselerkrankungen bei Roche Basel, erklärt: „Die Ergebnisse dieser Forschungskooperation sind viel versprechend. Wir beabsichtigen, per Ende Jahr mit den klinischen Studien zu beginnen. Die Substanz hat die zukünftige Behandlung von Adipositas entscheidend mitzugestalten, und zwar bei Menschen, deren Sättigungsmechanismus gestört ist. Dies führt zu einer massiv erhöhten Nahrungszufuhr und als Folge davon zu Übergewicht.“ Robert Mansfield, CEO von Vernalis, fügt an: „Wir haben in diesem Forschungsprojekt mit Roche einen ausserordentlichen Erfolg erzielt. Nach der Selektion des Produktkandidaten im letzten November kamen wir zügig voran und konnten nun das Präparat für die klinischen Prüfungen freigeben.“ Ziel der Zusammenarbeit ist es, neuartige und hoch selektive 5-HT2c-Rezeptor-Agonisten als Appetitzügler zu entwickeln. Dass 5-HT2c-Rezeptoren eine grosse Wirkung auf das Hungergefühl ausüben, haben Forscher von Vernalis im Jahre 1997 entdeckt. Diese Substanzen nehmen Einfluss auf das Sättigungssystem im Gehirn, indem sie nach dem Essen das Gefühl des Sattseins stimulieren. Bei vielen fettleibigen Menschen scheint dieser Mechanismus gestört zu sein, sodass sie zu viele Kalorien zu sich nehmen, die der Körper dann als Fett ablagert.
Adipositas (Fettleibigkeit) hat sich zu einer weltweiten Epidemie entwickelt und in den Industriestaaten deutlich zugenommen. Die höchsten Zuwachsraten dieser Krankheit werden heute jedoch in den Entwicklungsländern verzeichnet. Schätzungsweise 250 Millionen Menschen leiden weltweit an Adipositas. Am meisten betroffen sind die USA, wo 35% der Bevölkerung als fettleibig und 54% als übergewichtig gelten. In Europa weist Grossbritannien die höchsten Raten auf, mit 18% Fettleibigen und mehr als 50% Übergewichtigen. Fettleibigkeit entsteht infolge eines chronischen Überschusses der Energiezufuhr gegenüber dem Energieverbrauch. Als Richtgrösse gilt der Body Mass Index (BMI), der mittels Teilung des Körpergewichts (kg) durch die Körperlänge im Quadrat bestimmt wird. Ein BMI von mehr als 25 gilt als Zeichen für Übergewicht, während ein BMI von über 30 Fettleibigkeit anzeigt. Fettleibigkeit gilt als grosse gesellschaftliche Belastung in Bezug auf die daraus entstehenden Kosten für Gesundheit und Wirtschaft, umso mehr, als die Erkrankungsrate und Sterblichkeit bei einer Reihe von Krankheiten im Zusammenhang mit Adipositas zunimmt. Epidemiologische Daten haben zum Beispiel gezeigt, dass Fettleibigkeit das Risiko für Typ-II-Diabetes, Erkrankungen der Herzkranzgefässe, Bluthochdruck, Osteoarthritis und Krebs erhöht. In den USA betrugen die direkten Kosten von Fettleibigkeit im Jahre 1995 70 Milliarden Dollar, was 9,4% der gesamten Gesundheitsausgaben entsprach. Die finanziellen Folgen von Adipositas sind also weltweit beträchtlich.