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Sündigt ihr auch mal für euer soziales Leben?
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am 02.09.2023 19:07:57 | IP (Hash): 557854224
Jürgen, ich habe nie behauptet, dass ALLE diese Schulungsprogramme alle Aspekte einer Diabetestherapie berücksichtigen. Das geht auch gar nicht, dafür ist das Thema zu komplex. Ich wollte lediglich auf die Vielzahl der alleine bei der DDG gelisteten Schulungsprogramme hinweisen.
Ich widerspreche aber deiner Behauptung, dass in D nicht zu einer selbstständigen Therapieanpassung geschult wird. Das stimmt einfach nicht. Ich habe es persönlich anders erlebt und erfahren und vermute das PRIMAS-Programm ist unter anderen aus diesen Schulungen entstanden.
Auch darauf, dass natürlich gewachsenen Lebensmittel sehr schwankende Kohlenhydratmengen haben können und dass nicht jeder Mensch jede Form von komplexen Kohlenhydraten gleich gut verdauen kann, kam durchaus zur Sprache. War allerdings eine Schulung mit zum größten Teil wissenschaftlich gebildeten Schülern der Oberstufe und Studierenden. In einer Durchschnittsschulung hätte das mindestens die Hälfte der Teilnehmer abgehängt.
Ich weiß aber auch, dass es viel zu viele Diabetiker gibt, die nur eine Basis-Schulung gemacht haben. Die Frage ist nur, hat man denen nicht mehr angeboten, wollen sie vielleicht gar nicht mehr oder haben sie nicht danach gefragt.
Mir wurde in diesem Jahr schon zweimal eine Schulung angeboten (wegen DMP), die ich aber dankend abgelehnt habe.
Sollte man mich dazu nötigen, wird es für mich seeeeehhhhhr lustig... Für den Schulenden eher nicht ;)
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am 02.09.2023 20:42:29 | IP (Hash): 788752248
Da spielt sicher vieles zusammen. Für nen ausführlicheren Austausch zur Sache hab ich diesen neuen Fred aufgemacht:
Schulungsangebot: welche Inhalte würde ich zeitgemäß erwarten?
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Schon im völlig gesunden Bereich können höhere Blutzuckerspitzen diabetische Beschwerden und Schäden verursachen. Wenn man davon betroffen ist, ist das zuverlässige Vermeiden solcher Spitzen die erste Wahl - geht meistens völlig ohne Arzt und Medis :) -
am 04.09.2023 09:36:00 | IP (Hash): 167114523
HeikeOV schrieb:
Meine ersten "richtigen" Schulungen waren zwischen 1994 und 2002 im St. Joseph-Stift in Celle (ICT) und bei Prof Janisch (CSII) in Erlangen. Da wurden am Anfang gefragt, was für die Teilnehmer am interessantesten ist, und diese Themen wurden dann auch beackert. Und die selbständige Anpassung der Faktoren wurde da eher als selbstverständlich vorausgesetzt...
Und in meiner Praxis in Nürnberg lagen früher im Schulungsraum auch immer diverse Schätzobjekte rum und aus den Tafelinhalten konnte man auf selbstständige Dosisanpassungen schließen...
@July: Wie läuft denn das in Bad Mergentheim?
Bad Mergentheim hat ja den Vorteil, dass es eine Komplexbehandlung ist und somit nicht nur in den reinen "Schulungseinheiten" Wissen vermittelt wird.
Es fängt an auf Station vor jeder Mahlzeit, Blutzucker messen und Insulinfaktor für die Mahlzeit besprechen. Dazu 8x tgl/nächtlich BZ Messungen, die mit allen gegessenen KHs und IEs in eine BZ Kurve eingetragen werden.
Täglich gibt es für T1 Pumpenpatienten (T1 ICT auch nochmal separat) eine Kurvendiskussion vor der gesamten Gruppe mit Arzt und Diabetesberaterin, wo Einstellungen gemacht werden und Erklärungen zu einzelnen Werten gegeben werden. Da lernt man sehr viel von der eigenen Kurve, aber auch von den Kurven anderer. Dauer war ca. 1-1,5 Std./täglich.
Dann gibt es die Schulungsgruppe (ca. 8 Patienten mit Typ1), wo an 4 oder 5 Terminen bestimmte Grundlagen (Primas/Input) besprochen werden. Welche Insuline gibt es, wie setze ich diese ein, TBR, dualer/verzögerter Bolus, Krankheit, FPEs, Basalratentest, Faktoren selbstständig anpassen, PP-Korrektur, Alkohol, ...
Dann gab es spezifische einzelne Schulungen, wo jeder nach Bedarf eingetragen wurde. Standard war für alle Typ1er Fehlerquellen der Insulintherapie und Sport/Bewegung (und i.d.R. Hyperglykämie). Und je nachdem entweder allgemeine Hypo-Schulung (1 Termin) oder Hypowahrnehmungstraining (5 Termine).
Dazu gab es noch Vorträge zu Bluthochdruck, Schwerbehinderung, Führerschein, Übersicht über aktuelle Sensoren/Pumpen, KEs schätzen, Motivation, ... (noch einige mehr, die mir gerade nicht mehr einfallen).
Probe-Trinken macht Bad Mergentheim nicht mehr, gab es zu viele schwere Hypos. Coronabedingt gab es bei mir auch kein Pizzaessen, sonst war das mit dabei.
Zwecks Sport war immer die Einstellung 1. TBR, 2. Faktor vor Mahlzeit reduzieren und dann ggf. 3. Sport-KEs. Das gute war, wir konnten in Bad Mergentheim auch unter Begleitung austesten, wie der BZ reagiert. Es gab Sporteinheiten im Plan (plus freiwillige). Bei jedem wurde vorab die Intensität angegeben.
Vorgehen war dann: auf Station Besprechung zur Sportanpassung (TBR und ggf. Faktor reduzieren), BZ Kontrolle vor dem Treffpunkt zum Sport auf Station und ggf. Sport-KEs. Dann Treffpunkt zum Sport mit Sport-Therapeut, aktueller BZ und alle Maßnahmen (TBR, Sport-KEs,...) wurde in eine Liste eingetragen. Dann Beginn des Sports, währenddessen zu festen Zeiten (plus Sensoralarme) BZ Scheck und ggf. Sport-KEs. (Alles auch dokumentiert in Sportkurve). Hinterher BZ Check und Analyse des BZ Verlaufes. Die Sport-Kurve wurde dann wieder auf Station gegeben.
Ich war damals bei einer Ausdauerwanderung 2-3 Std. dabei (Anstrengung mittel), da hat es sehr gut funktioniert. Beim Fitness/Trampolintraining (Anstrengung hoch) hat es auch gut geklappt. Aber bei der kurzen Wanderung mit schnellen, "steilen" Anstieg (Anstrengung mittel-hoch) waren alle aus der Gruppe zur exakt gleichen Zeit unterzuckert. Das war schon sehr interessant.