Willkommen Gast! Um alle Funktionen zu aktivieren musst Du Dich Anmelden oder Registrieren.

Wie ist dieser Verlauf zu werten?

  • Gast

    Rang: Gast
    am 04.07.2011 11:44:47
    Hallo zusammen,

    ich möchte meinen bisherigen (recht kurzen) Werdegang einmal schildern, da ich dessen Verlauf absolut nicht einschätzen kann und gerne Erfahrungen oder Bewertungen meiner Situation einholen möchte.

    Das „Dilemma“ begann Mitte März diesen Jahres mit einer Verschlechterung des Sehens, Abgeschlagenheit und enormen Durst. Bis auf den Durst hab ich das auf einen sich anbahnenden Infekt geschoben und mir vorgenommen zum Arzt zu gehen. Dazu kam es allerdings nicht mehr.
    Denn am Montag den 21. März fragte mich mein Chef was ich überhaupt in diesem Zustand im Büro mache und was für Symptome ich denn habe. 2 Minuten nach dem ich meine Beschwerden beschrieben hatte saß ich bei Ihm im Auto auf dem Weg zur nächsten Apotheke für einen Blutzucker – Schnelltest. Aufgrund einiger Diabetiker in seinem Umfeld kannte er die Anzeichen als Diabetes.

    In der Apotheke wurde dann für 1,50 € ein kurzer Test gemacht. Das Messgerät (ein ähnliches wie ich es jetzt ebenfalls besitze; Aviva Nano) konnte das Ergebnis nicht mehr darstellen, stattdessen leuchtete „HIGH“ auf. Mit der Empfehlung direkt einen Arzt aufzusuchen bin ich wieder ins Büro meine Sachen zusammen suchen.

    Da ich Pendler (PKW) bin und zu stolz war mich fahren zu lassen bin ich selbst noch zu meinem Hausarzt (50 KM) gefahren. Was mit jetzigem Wissensstand doch recht aberwitzig war.
    Beim Arzt hab ich mich vorgestellt mit dem Hinweis , dass ich wohl einen hohen BZ habe. Dieser wurde auch ohne Wartezeit kontrolliert und das Ergebnis von 720 mg/dl löste sofort enorme Hektik aus. Ich musste auf eine Liege, bekam eine Infusion und wurde 4 Minuten später via Krankenwagen in die Notaufnahme eines Krankenhauses gebracht. (Im Krankenwagen durfte ich netter Weise sitzen, mir gings ja nicht schlecht und ich konnte auch scherzen!)

    In der Notaufnahme gab es Infusion Nummer 2 und wieder die waagerechte Position. Nachdem ich da eine Weile lag wurde eine Röntgenaufnahme des Oberkörpers gemacht sowie Blut abgenommen.
    Nach ewiger Wartezeit (mit Infusion Nummer 3 inzwischen) kam dann die Ärztin und bestätigte das Ergebnis der Blutuntersuchung und gab mir eine erste Insulinspritze. 40 Minuten später dann eine weitere.
    Dann eröffnete man mir, dass man mich stationär aufnehmen möchte, aber kein Bett zur Verfügung hat. Ich wurde also in ein anderes Krankenhaus verlegt gegen 17.30 Uhr (Hatte ich erwähnt das ich bis dahin nichts gegessen hatte?)
    In Krankenhaus Nummer 2 gab es nur ein freies Bett auf der Intensivstation, aber die Erlebnisse dort gehören zu einer anderen Geschichte 

    Dort war ich 4 Tage und bekam alle 2 Stunden! Eine Insulinspritze um den BZ zu senken. Der jetzt immerhin bei 400 lag. Zumindest wurde mir im Krankenhaus bereits gezeigt wie man misst und spritzt.
    An Tag Nummer 4 durfte ich das Krankenhaus verlassen um direkt einen Diabetologen aufzusuchen. Dort gab es dann einen 3 stündigen Marathon mit Untersuchung der Füße, Blutabnahme, Vorstellung beim Arzt und erste Beratung durch eine Diabetesberaterin. Alles in allem fühle ich mich in der Diabetes Schwerpunkt Praxis enorm wohl und gut beraten.

    Ich wurde dann 14 Tage krankgeschrieben in denen ich 2 weitere Termine hatte und zudem telefonisch betreut wurde.

    Mein Schema sah wie folgt aus:
    Vor jeder Mahlzeit 10 Einheiten Normalinsulin (Actrapid), sowie entsprechende Korrektureinheiteun um auf 130 mg/dl zu kommen. Dann morgens und abends je Metformin 1000 sowie vor dem Schlafen 12 Einheiten Verzögerungsinsulin (Protaphane).
    Nach ca. 2 Wochen kam ich ohne Korrektur aus und hatte einen BZ von durchschnittlich 84.
    am 22. April wurde ich dann umgestellt auf die KE Berechnung mit einem Faktor von 1.
    Das wurde jetzt bis zum 22. Juni beibehalten. Dort hatte ich meine erste Schulung. Hier fielen meine niedrigen Werte auf und man reduzierte den Faktor auf 0,5 sowie das Protaphane auf 6 Einheiten.
    Im Laufe der Schulungswoche gab es auch einen Basaltest. Also Entwicklung des nüchternen Blutzuckers über den Tag. Hier kam ich nicht über 86 mg/dl hinaus und der Tiefstwert lag bei 71.
    Danach entschied man sich Protaphane auf 3 Einheiten zu kürzen.

    Insgesamt hat sich jede Reduzierung der Insulinmenge nicht ausgewirkt. Meine Werte liegen immer zwischen 75 und 90 mg/dl. Witziger Weise ist es so, dass ich Sonntag zum Kaffee zwei Stück Kuchen essen und dennoch zum Abendessen einen Wert um 85 aufweise. Das habe ich mehrfach getestet auch zwischen Frühstück und Mittag.
    Auch das trinken von Alkohol hat nicht die beschriebenen Wertschwankungen gehabt. Ich bin mit 90 mg/dl ins Bett und am Morgen mit 85 mg/dl aufgewacht nach einigen Bier und Tequilla. Sowie Cola und ordentliches Essen mit halber Insulindosis.

    Ich wiege aktuell 129 Kilogramm bei 184 cm Körpergröße (Erwähnte ich meine 26 Lenze?).
    Mein Gewicht von Beginn des Jahres kann ich nur schätzen, da es mich schlicht nicht interessiert hat und ich recht ungesund gelebt hab. Unsere Waage zuhause geht bis 150 KG und sie konnte mein Gewicht im Januar nicht anzeigen. Also gehe ich von 152 KG aus.

    Geändert habe ich folgendes:
    - Bewegung; vorher sehr wenig und jetzt schwimmen, Fahrrad fahren etc. (nicht täglich, aber häufig)
    - Keine gezuckerten Getränke mehr
    - Gleiche Nahrung wie vorher, aber halbierte Portionen (ernähre mich gesund aber mit „Sünden“ wie Pizza natürlich auch mal)

    Morgen habe ich wieder einen Termin bei meiner Diabetesassistentin und dort wird, in Absprache mit dem Arzt, mein Insulin komplett abgesetzt.
    Ich habe auf dem Seminar nur langjährige Typ II Patienten kennengelernt die zum einen erschreckend wenig über ihre Krankheit und deren Zusammenhänge wussten und zum anderen niemanden der eine ähnliche Entwicklung und geringe Insulindosis hat.

    Auch geht man bei mir jetzt von einem MODY Diabetes aus. Was noch näher untersucht werden muss.

    Hat jemand eine ähnliche Entwicklung und kann sagen wie wahrscheinlich es ist das ich dauerhaft auf Insulin verzichten kann?
    Mein aktueller Zielwert soll so um 100 – 110 liegen. Wie sehen die Ziele bei euch aus?
    Der Mittelwert meiner aktuellen Werte liegt bei 88 mg/dl.


    Vielen Dank für das Lesen dieses Wort – Monolithen. Mit allen Details hätte es den Rahmen wohl definitiv gesprengt :)

    Gruß,
    Andreas



  • Rang: Erweitertes Mitglied
    Punkte: 972
    Beiträge: 5074
    Mitglied seit: 25.02.2011
    am 04.07.2011 12:53:06
    Hallo Andreas,

    Glückwunsch zu deinem Engagement und zu den erreichten Ergebnissen.

    Mach einfach weiter so und versuche mit deinen Werten unter 140/120/100 in 1/2/3 Stunden nach den Mahlzeiten zu bleiben. Wenn du deinen BZ so gesund führen kannst, dann kann es dir egal sein, ob du Diabetes hast oder nicht und ob es nun Mody oder ein stinknormaler T2-Diabetes ist. Wenn du das ohne Medis erreichst, dann ist das natürlich besonders gut, unter Umständen musst du dafür die KH (nicht nur den Zucker) ein wenig reduzieren.

    Selbst wenn du jetzt erst einmal wieder unter die Diagnoseschwelle gerutscht bist, kannst du dir sicher sein, dass du ein potentieller Diabeteskandidat bleibst. Deshalb solltest du unbedingt dein Leben lang mit deinen Bemühungen um die richtige Ernährung und viel Bewegung fortfahren. Betrachte es als Warnschuss, aus dem du hoffentlich genug gelernt hast.

    Beste Grüße, Rainer
  • Gast

    Rang: Gast
    am 04.07.2011 14:48:16

    Hallo Rainer,

    ich sehe das als absoluten Warnschuss. Und jener hat die Wirkung nicht verfehlt.
    Man braucht so etwas anscheinend um einen Wandel zu veranstalten.
    Bei allen Fortschritten hin zu einem guten BZ bzw. generell guten Werten für alle Vitalfunktionen bleibe ich ja immernoch die Diabetiker, nur halt ohne ICT. Das Bewusstsein für diese Erkrankung muss vorhanden sein, dann bedarf es, wie ich persönlich finde, keiner erdrückenden Disziplin.

    Ich habe auch einige Studien gelesen, dass die sofortige Gewichtsreduktion nach Diagnosestellung diesen Effekt den ich habe unterstützen kann. Aber warum bemühen sich dann so wenige (übergesichtige) darum? Und warum sind so viele Diabetiker so schlecht informiert?

    Laut Signatur nimmst du keine Medikamente. Heisst das, du brauchst auch kein Insulin?
  • Gast

    Rang: Gast
    am 04.07.2011 15:13:49
    so selten ist deine verlaufsform nicht geh in eine größere shg da wirst du das wiederfinden.
    nur eben mit dem ergebnis daß der(diejenige)erst seit 3 monaten ohne insulin vernünftige werte hat - aber niemand sagen kann wie lange.
    während ein anderer diese phase für 6 monate genießen konnte und inzwischen wieder genau wie früher spritzt (allerdings war er vorher nicht üg und ist es auch jetzt nicht.)
    bez mody - von den bisher bekannten untertypen ist nur einer nicht-insulin aber medikamentenpflichtig - daher ist das ergebnis der sauteuren gentests völlig irrelevant.
    soll heißen kommst du ohne medis aus ok wenn nicht dann nicht.
  • Rang: Erweitertes Mitglied
    Punkte: 972
    Beiträge: 5074
    Mitglied seit: 25.02.2011
    am 04.07.2011 15:46:19
    Gast schrieb:
    Laut Signatur nimmst du keine Medikamente. Heisst das, du brauchst auch kein Insulin?


    Nein, ich brauche keine Tabletten und kein Insulin. Allerdings nur, weil ich relativ wenig KH essen. Das ist für mich kein Problem, ich ernähre mich genussvoll und gesund mit LCHF.

    Wenn die Vermutung von Gast#6 zutrifft, dann hast hast du Typ 1 und befindest dich in der Remissionsphase. Es kann sein, dass er Recht hat und dann kannst du dich wirklich nur eine Weile über den geringen Insulinbedarf freuen. Es kann aber auch sein, dass du Typ2, Mody, Lada, ... bist und noch lange ohne Medis auskommen kannst. Die Chance hast du aber wirklich nur, wenn du deinen BZ nahezu so führst, wie er bei gesunden verläuft. Auch als Typ 1 kannst du mit einer gesunden BZ-Führung die Remissionsphase verlängern.

    Beste Grüße, Rainer
    Bearbeitet von User am 04.07.2011 17:30:10. Grund: Nicht angegeben
  • Gast

    Rang: Gast
    am 04.07.2011 16:10:06

    Ich bin gerade etwas verwirrt. Denn von einer Typ I Indikation hat in meinem Zusammenhang noch nie jemand etwas gesagt. (Mal abgesehen davon, dass ich erst eine handvoll Termine hatte).
  • Bild User
    Rang: Erweitertes Mitglied
    Punkte: 1233
    Beiträge: 8857
    Mitglied seit: 20.02.2011
    am 04.07.2011 16:57:57
    Diabetes Typ1:
    Insulin-Produzierende Beta-Zellen im Pankreas werden infolge Fehlsteuerung vom eigenen Immun-System innerhalb weniger Wochen bis Monate nahezu komplett abgefressen.

    Diabetes Typ2:
    1. Insulin-Produzierende Beta-Zellen im Pankreas sterben infolge eines bisher in keiner Weise ergründeten Prozesses innerhalb von Jahren immer mehr und schließlich weitgehend ab. Schon bei Erreichen der Diagnosereife fällt im Vergleich zu gesunden Menschen gleichen Alters und Geschlechts mit gleichem BMI und gleicher Insulinresistenz (Insulin-Mehrbedarf) ein erhebliches Defizit an Betas auf.
    2. Auffällig viel C-Peptid und Insulin werden bei der Ausgabe nicht gesund getrennt, sondern ungetrennt als Proinsulin ausgegeben. Das hat zwar nur 10% der BZ-Senkwirkung vom ordentlich getrennten Insulin, fördert dafür aber super Adipositas und Arteriosklerose.
    3. Die BZ-unabhängige Insulinbestellung durch Darmhormone passend zur Übergabe von neu verdauter Glukose in den Blutkreislauf stirbt ab. In der Folge steigt der BZ direkt nach dem Essen immer höher an, bevor die neue Glukose nach ihrem ersten Ganzkörperdurchlauf ihr Insulin selbst bei den Betas bestellen kann.
    4. Die Glukose-Ausgabe aus der Leber - gesund etwa 50% des täglichen Gesamtumsatzes - steigt diabetisch fehlgesteuert bis zum 3fachen und u.U. Sogar noch mehr an.

    1-4 nicht entweder oder, sondern immer im GesaMTPaket
  • Gast

    Rang: Gast
    am 04.07.2011 19:08:18
    schrieb:
    Allerdings nur, weil [size=6]ich[/size] relativ wenig KH essen. Das ist für [size=6]mich[/size] kein Problem ...
    Auch als Typ 1 kannst du mit einer gesunden BZ-Führung die Remissionsphase verlängern.


    Das ist ja wunderbar für [size=6]dich[/size]! Jedoch sollte dir schon klar sein, dass du nicht das Mass aller Dinge bist und eben jeder Mensch is(s)t , wie er ist oder es braucht! Und was bitte bringt dem 1er eine verlängerte Remissionsphase, ausser total schlecht einschätzbarer BZ-Verläufe incl. Hypos und gefährlich hoher Werte?
  • Gast

    Rang: Gast
    am 04.07.2011 19:17:48

    Ich bin immernoch etwas verunsichert, aufgrund der geschilderten Faktenlage.
    Fakt ist, dass ich mich aktuell sehr wohl fühle und einen sehr konstanten BZ - Verlauf habe auf niedrigem Niveau..
    Wie bereits erwähnt fühle ich mich in meiner Diabetologischen Schwerpunkt Praxis enorm wohl und gut betreut. Glücklicherweise habe ich morgen meinen nächsten Termin und kann wieder meine gefühlt 100 Fragen stellen.

    Es liegt jetzt auch ein zweites Blutbild mit Triglyceriden, Cholesterin und allem drum und dran vor.
    Das soll morgen mit besprochen und ausgewertet werden. Sollte ein Typ 1 in Frage kommen sollte sich das anhand dessen doch recht schnell herauskristallisieren oder?

    Im Grunde spielt es für mich persönlich keine Rolle welchen Typ ich habe.
    Schritt eins, und der reifte ohne Einwirkung von außen, war eine Umstellung in etlichen Schlüssel - Belangen. Und das ist relevant für alle vertretenen Typen.

    Die Verunsicherung rührt daher, dass weder Ärzte noch Diabetesassistenten jemals in meinem Fall von Typ 1 sprachen.

    Schöne Grüße aus Hamburg,
    Andreas

    P.S.: Ich geb natürlich auch gern aAuskunft über die Resultate morgen.
  • Bild User
    Rang: Erweitertes Mitglied
    Punkte: 1233
    Beiträge: 8857
    Mitglied seit: 20.02.2011
    am 04.07.2011 19:52:26
    #10
    ne verlängerte Remi stört die Einstellung und hilft ungemein, wenn man nicht einfach eingestellt werden, sondern seinen BZ wirklich steuern lernen will :-)

    #11
    Schlanke werden auf den ersten Blick zum Typ1 ernannt und Beleibtere zum Typ2. Wenn die Betroffenen dann selbst wie Du darauf achten, dass sie ihren BZ im gesunden Rahmen steuern, macht diese simple Klassifizierung überhaupt kein Problem. Denn dann nehmen die, so wie sie in der ersten Erholungsphase wie jetzt bei Dir immer weniger Medis nehmen, halt wirksam passend immer mehr Medis dazu oder andere, wenn der BZ ohne oder mit den bis dahin genommenen über gesund ansteigen will :-)
  • Gast

    Rang: Gast
    am 04.07.2011 23:52:45
    Du schreibst wahrlich, wie du es brauchst:
    schrieb:
    ne verlängerte Remi stört die Einstellung und hilft ungemein, wenn man nicht einfach eingestellt werden, sondern seinen BZ wirklich steuern lernen will :-)


    Aha, Herr Doctor meinen also, dass ein "Frischling" innerhalb weniger Wochen bis Monate lernt, seinen BZ zu steuern:
    schrieb:
    Insulin-produzierende Beta-Zellen im Pankreas werden infolge Fehlsteuerung vom eigenen Immun-System innerhalb weniger Wochen bis Monate nahezu komplett abgefressen.


    Aber auch das ist nicht so, denn es gibt genug, die eine Remission über Jahre haben (was belegt, dass die Remi-Phase nicht zu beeinflussen ist - egal was man tut, es ist eine AUTOIMUNITÄT.). Ausserdem ändert nur der Wille zum Lernen und nicht die Remi-Phase die total schlecht einschätzbaren BZ-Verläufe incl. Hypos und gefährlich hohen Werte. Und lernen kann man auch ohne jeglich Remission (wie auch oft genug bewiesen wird).
  • Rang: Erweitertes Mitglied
    Punkte: 972
    Beiträge: 5074
    Mitglied seit: 25.02.2011
    am 05.07.2011 08:21:15
    Hallo Andreas,

    du kannst ruhig erst einmal davon ausgehen, dass du einen Typ2-Diabetes hast. Wenn sich dann irgendwann herausstellt, dass es doch Typ1 oder LADA ist, dann hast du nichts verkehrt und nichts umsonst gemacht.

    Falsch machen kann man eigentlich nur etwas, wenn man den Typ1er mit Tabletten behandeln will. Da du von vornherein mit Insulin behandelt wurdest, ist das bei dir nicht der Fall.

    Die Chance ist sehr groß, dass es ein Typ2-Diabetes ist und dass du nach dem Warnschuss rechtzeitig die Kurve gekriegt hast. Freu dich darüber und mach weiter so wie bisher - du machst das sehr gut.

    Beste Grüße, Rainer
  • Gast

    Rang: Gast
    am 05.07.2011 09:19:27
    wer seine werte im gesunden bereich hält völlig egal wie, ob mit medis oder anders,
    kann nichts falsch machen unabhängig vom typ.
    und es ist ein irrtum daß aus einem blutbild etwas auf den typ geschlossen werden kann.
    schon die normalen ak untersuchungen belasten das budget, daher wird meist höchstens c-peptid getestet(meist noch falsch)
  • Gast

    Rang: Gast
    am 05.07.2011 09:56:33
    Gast schrieb:
    wer seine werte im gesunden bereich hält völlig egal wie, ob mit medis oder anders,
    kann nichts falsch machen unabhängig vom typ.



    Das stimmt nicht. Ein Typ 1er MUSS von Anfang an mit Insulin behandelt werden, auch wenn seine Werte mit Metformin o.ä. im gesunden Rahmen liegen. Ansonsten wird (wie bereits geschrieben), die Remissionsphase verkürzt, weil die Beta-Zellen durch die ständige Überbelastung früher absterben.

    Gast schrieb:
    und es ist ein irrtum daß aus einem blutbild etwas auf den typ geschlossen werden kann.
    schon die normalen ak untersuchungen belasten das budget, daher wird meist höchstens c-peptid getestet(meist noch falsch)



    Bei begründetem Verdacht auf Typ 1 werden immer mindestens zwei verschiedene Antikörper überprüft (meist GAD und IA2, weil diese meist nicht gleichzeitig auftreten, aber fast alle 1er mindestens eine der beiden haben). Und warum sollte das C-Peptid falsch gemessen werden?
  • Gast

    Rang: Gast
    am 05.07.2011 12:42:18

    Hallo zusammen,

    wie versprochen gebe ich kurz durch, was heute herausgekommen ist.
    Beide Insulintypen (Novorapid & Protaphane) wurden jetzt abgesetzt. In der kommenden Woche wird geprüft ob die Entwicklung ohne Insulin in den korrekten Bahnen verläuft und ob man eventuell noch Änderungen am Therapieschema vornehmen muss.
    Sollte es bleiben wie jetzt in diesem Moment nehme ich morgens sowie Abends je eine Metformin 1000.

    Mir wurde auch bestätigt das vor allem der schnelle Abbau von Gewicht und die Umstellung in der Ernährung (die wie ich finde nicht schmerzt und marginal ist) die tragenden Elemente dieser Entwicklung sind und ich absolut mit meinen Werten zufrieden sein kann.

    Auf die Frage hin wo man denn die Notbremsen ziehen sollte und wieder mit Insulin einsetzen kann fiel der Wert 140. Das nehm ich erstmal so hin. Wobei ich mich schon sehr an Werte unter 90 gewöhnt habe, dass alles darüber sich für mich schon als "falsch" anfühlt.

    Ich habe mir auch gleich noch einmal die Remissionsphase im Zusammenhang mit Typ I erklären lassen. Bestätigt wurde, dass mein Verlauf sehr dieser Phase ähnelt. Danach wurde mir aber anhand meiner bisher genommenen beiden Blutbilder gezeigt, dass meine Antikörper <= 0.1 sind und somit Typ ausgeschlossen werden kann.

    Interessant ist auch, dass sich so ziemlich alle Werte deutlichst gesenkt haben.

    Ich habe am 24.03. beispielsweise einen Triglyceridwert von 2107 (kein Tippfehler) gehabt und nun 187. Auch mein Cholesterin hat sich von 441 auf 220 erholt. Und bei gleichbleibender Verhaltensweise rechnet man dort auch mit einem Rückgang auf einen Wert unter 200.
    Einzig der Kreatininwert ist von 1.0 auf 1.1 angestiegen was mir mit meinem (anhaltenden) Gewichtsverlust erklärt wurde.
    Je weiter ich meinem Normalgewicht näher komme, desto besser scheint es ja zu laufen mit meinem BZ. Insofern gibt es keine bessere Motivation.

    @Rainer
    Ohne zu persönlich werden zu wollen, hast du "Normalgewicht"? Und wie verhält es sich mit LCHF und Abnehmambitionen?
    Ich hoffe zwar momentan, dass ich auch mit Kohlehydratverzehr im Rahmen bleiben werde, aber man kann seiner gebeutelten Bauchspeichdrüse ja zumindest etwas entgegen kommen :)
  • Gast

    Rang: Gast
    am 05.07.2011 14:36:21
    da eine remission erst nach insulingaben beginnt, kann sie nicht ohne insulin schneller beendet sein da sie nicht begonnen hat.
    außerdem sind die vorteile der remission von allen dmlern unterschiedlich bewertet,
    von hoffentlich noch lange bis hoffentlich bald vorbei.
  • Gast

    Rang: Gast
    am 05.07.2011 14:51:05
    Gast schrieb:
    da eine remission erst nach insulingaben beginnt, kann sie nicht ohne insulin schneller beendet sein da sie nicht begonnen hat.



    Tolles Argument! Dann hat man eben überhaupt keine Remission und dann sind die Betas noch schneller komplett zerstört als wenn die Remi bereits eingesetzt hat.

    Gast schrieb:
    außerdem sind die vorteile der remission von allen dmlern unterschiedlich bewertet,
    von hoffentlich noch lange bis hoffentlich bald vorbei.



    Bei manchen ist es tatsächlich so, dass in der Remission scheinbar willkürlich Insulin produziert wird und dies zu unerklärlichen Schwankungen des BZ führt. Bei der großen Masse der 1er (so auch bei mir) führt eine Resteigenproduktion jedoch zu einer Glättung der BZ-Kurve (vor allem auch der pp-Werte).
  • Bild User
    Rang: Erweitertes Mitglied
    Punkte: 1233
    Beiträge: 8857
    Mitglied seit: 20.02.2011
    am 05.07.2011 15:59:09
    Moin Andreas,

    gratuliere zum super Einstieg! Und wenn Du in der Art dieser bewährten kleinen Einleitung Deinen BZ weiter an der gesund kurzen Leine führst, hast Du den Warnschuss optimal verwertet :-)

    Die weitaus meisten Menschen mit Deinem Ausgangs-Kaliber haben übrigens keinen Diabetes und kriegen auch nie welchen. Denn bei ihnen ist die Menge der Beta-Zellen einfach mit dem Insulin-Bedarf mit gewachsen, während sie bei Dir abgenommen hat und abnimmt. Ohne zu wenige Betas gibt es weder Typ1 noch Typ2. Und der Teil der Beschleunigung zur weiteren Abnahme Deiner Betas, den Du selbst in der Hand hast, ist häufiger über mehrere Stunden anhaltender Blutzucker über 120-140, der schlicht vergiftend auf sie wirkt. Glukotoxisch heißt das auf Medizinsprech.

    Wer wirklich etwas für die möglichst lange Erhaltung seiner restlichen Betas tun will, entlastet sie möglichst viele Stunden täglich bei um 70-80mg/dl vom Ausgabe-Druck. Damit minimiert der Typ2 auch seine Proinsulin-Belastung (s.o.). Dabei kann auch Bewegung vor allem immer direkt nach dem Essen super helfen, wie ich in diesem Fred gerade ausführlicher beschrieben hab.

    Und wenn Metformin (bremst die Glukose-Ausgabe der Leber) und weniger Stärke=Zucker-KHs nicht mehr zum gesunden Ausgleich des Beta-Zell- und Insulin-Defizits ausreichen, empfiehlt sich dafür nichts mehr als Insulin. Denn Insulin macht von allen BZ-Senkern die berechenbarste BZ-Senkung bei der geringsten Menge an unerwünschten möglichen Nebenwirkungen.

    Bisdann, Jürgen

    Zur Qualität der Info bei Deinem Dok: Es gibt völlig gesunde Menschen ohne jeden Diabetes mit jeder Menge Antikörper und ausgewiesene Typ1 völlig ohne :-(
  • Gast

    Rang: Gast
    am 05.07.2011 16:49:45
    ich hätte gern mal einen link, aus dem eindeutig hervorgeht, dass eine senkung der kh-zufuhr bzw. dass insulingaben zur verlängerung der remission führen. da müsste ja bei jedem 1er das insulin automatisch zur remission führen - komisch, dass sehr viele gar keine remi kennen (ich z.b.)
  • Bild User
    Rang: Erweitertes Mitglied
    Punkte: 1233
    Beiträge: 8857
    Mitglied seit: 20.02.2011
    am 05.07.2011 17:29:48
    Remission ist ja kein Zauber und auch keine spezielle Medi-Wirkung, sondern vorübergehendes Nachlassen des Insulin-Bedarfs und recht einfach erklärbar:

    Ab etwa 80% Beta-Zell-Verlust macht sich der gemeine Typ1 mit ner Keto bemerkbar. Bis relativ kurz davor reichen die gut 20% Restbestand mit ihrer Insulin-Ausgabe noch aus, um den da schon immens hohen BZ vor dem Entgleisen in die Keto zu bewahren. In dieser BZ-Höhe ist der Insulin-Bedarf pro BE um ein Vielfaches höher, als bei gesund niedrigem BZ. Daher kann die noch ausgegebene Insulin-Menge bei gesund niedrigem BZ noch völlig für den persönlich normalen Glukoseumsatz ausreichen.

    Ob überhaupt und wie lange, richtet sich wohl nach der Größe des verbliebenen Beta-Zell-Rests bei Behandlungsbeginn, nach der jeweils üblichen Glukose-Belastung und natürlich nach der Geschwindigkeit des Fortschreitens des autoimmunen Zerstörungsprozesses.
  • Gast

    Rang: Gast
    am 05.07.2011 18:17:01
    Gast schrieb:
    ich hätte gern mal einen link, aus dem eindeutig hervorgeht, dass eine senkung der kh-zufuhr bzw. dass insulingaben zur verlängerung der remission führen. da müsste ja bei jedem 1er das insulin automatisch zur remission führen - komisch, dass sehr viele gar keine remi kennen (ich z.b.)



    Hier (Unter Punkt 3. Insulinsubstitution):
    http://www.aerztemagazin.at/dynasite.cfm?dsmid=61464&dspaid=880548

    oder:

    http://www.diabpartner.de/en/node/43

    oder:

    http://www.ernaehrung.de/lexikon/diabetes/r/Remissionsphase.php

    etc.
  • Gast

    Rang: Gast
    am 05.07.2011 20:57:43
    Ich muss jetzt mal fragen woher dieses geballte und umfassende wissen kommt Jürgen.
    Nicht zufällig Diabetologe? :)
  • Gast

    Rang: Gast
    am 05.07.2011 21:45:23
    danke für die links. allerdings stellt sich mir nach wie vor die frage, auf welchen vergleichswerten die studien beruhen, in denen man festgestellt hat, dass die insulingabe die remissionsphase "verlängert". woher weiss man denn vorher, wie lange die remission dauert? wenn in einem autoimmunen zerstörungsprozess die beta-zellen angegriffen werden (worden sind) und bei manifestation des dm t1 80% mausetot sind, dann werden die restlichen 20% durch das exogene insulin natürlich unterstützt bei der bz-regulierung, nur was sollte das an ihrer autoimmunen zerstörung ändern? und wie überall beschrieben kann die remission von 0 - jahre "dauern" - wenn denn insulin "hilft", warum dann bei jedem unterschiedlich? (klar, weil jeder anders ist!).
  • Gast

    Rang: Gast
    am 05.07.2011 23:00:35
    Gast schrieb:
    allerdings stellt sich mir nach wie vor die frage, auf welchen vergleichswerten die studien beruhen, in denen man festgestellt hat, dass die insulingabe die remissionsphase "verlängert". woher weiss man denn vorher, wie lange die remission dauert? wenn in einem autoimmunen zerstörungsprozess die beta-zellen angegriffen werden (worden sind) und bei manifestation des dm t1 80% mausetot sind, dann werden die restlichen 20% durch das exogene insulin natürlich unterstützt bei der bz-regulierung, nur was sollte das an ihrer autoimmunen zerstörung ändern? und wie überall beschrieben kann die remission von 0 - jahre "dauern" - wenn denn insulin "hilft", warum dann bei jedem unterschiedlich? (klar, weil jeder anders ist!).



    siehe hier, Seite 295:
    http://books.google.com/books?id=U91_qgCwI2kC&printsec=frontcover&hl=de#v=onepage&q&f=false

    Ist zwar nicht genau erklärt, gibt aber vielleicht einen kleinen Ansatzpunkt!
  • Bild User
    Rang: Erweitertes Mitglied
    Punkte: 1233
    Beiträge: 8857
    Mitglied seit: 20.02.2011
    am 05.07.2011 23:13:43
    Deine Frage ist sehr berechtigt, denn die Datenlage zu (nicht nur) Diabetes ist erschreckend dürftig. Die einzige allgemeine Diabetes-Sammlung wurde bis 1989 in der DDR geführt und dann gestoppt, denn allgemeine Erfassung vieler ja eigentlich urpersönlicher Parameter widerspricht doch zutiefst unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung, oder?

    Aber fangen wir erst mal mit dem Entmystifizieren an:
    Insulin, das wir spritzen, hilft nicht irgendwie, sondern es gleicht ideal genau das an Insulin aus, das uns in der jeweiligen Situation fehlt, weil unsere eigene Produktion die gerade notwendige Menge teilweise oder ganz nicht (mehr) liefern kann. Wir ersetzen das fehlende mit gespritztem. Es entlastet halt den noch funktionierenden Rest an Betas vom übergroßen Ausgabe-Druck. Das ist der ganze Zauber.

    Für den Rest weist Du zu Recht auf folgende Unzulänglichkeiten hin:
    Selbst wenn wir nur die Betroffenen zum Vergleich ihrer Remission heranziehen, die mit ner Ketoazidose in der Notaufnahme eines kranken Hauses ihre Erstdiagnose erfahren haben, streut die Annahme von ca 20% Restbestand an Betas höchst vage eher im Bereich zwischen 40 und 20 oder 30 und 10 oder... Selbst mit ganz aktuellen Messmethoden ist die Bestimmung der jeweils produzierenden Beta-Zell-Menge nur sehr ungenau möglich.
    Dazu kommt, dass die Menge an Insulin pro BE von Betroffenem zu Betroffenem beträchtlich variieren kann, zudem auch der Prozentsatz, um den der Bedarf mit dem BZ ansteigt und schließlich der BZ, mit dem die Keto ins kranke Haus lädt.

    Und wann wäre eine Remission zuende? Bei welchem BZ infolge welcher Glukoselast ähnlich dem OGTT zur Diagnose? So eine Definition gibt es bis heute nicht. Jeder Arzt und noch mehr jeder Betroffene entscheidet tatsächlich für sich, wann eine Remission zuende ist.
     1 Benutzer dankte für diesen Nützlichen Beitrag.