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Problem
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am 29.11.2011 20:47:10
Hallo liebe Forenmitglieder,
zunächst einmal zu mir.Ich bin 24 Jahre alt,männlich und habe seit knapp 3 Jahren Diabetes.
Mein Problem ist jetzt,dass mir auffällt,dass ich immer mehr Insulin brauche.
Beispiel:Für 60g Haferflocken benötigte ich sonst 3 i.E. Mittlerweile liege ich bei 5 Einheiten bei gleicher Kohlenhydratmenge.
Meine Fragen wären:Ist es schlimm immer mehr Insulin zu benutzen?
Kann ich die Insulinresistenz auch wieder senken,in dem ich z.b.
eine Low-Carb Diät starte?
Ich wäre für jede Antwort sehr dankbar.
Gruss Andi -
am 30.11.2011 18:43:55
Hallo Andi,
kann es sein, daß Du Dich weniger bewegst als vor drei Jahren? Oder hast Du zugenommen? Beides kann dazu führen, daß Du mehr Insulin brauchst.
Was heißt bei Dir Insulinresistenz? Habe ich eine Insulinresistenz, weil ich vor 6 Jahren rund 40 IE/Tag gebraucht habe, dann unfreiwillig 14 Kilo Gewicht verloren habe und nur noch knapp 30 IE/Tag brauchte? Mittlerweile habe ich mein altes Gewicht wieder und liege erneut bei knapp 40 IE/Tag. Für mich ist nur wichtig, daß mein BZ möglichst oft im Normbereich liegt - egal, wie viel Insulin ich dafür brauche! Echte Insulinresistenzen habe ich natürlich auch schon gehabt: ich brauchte mal an einem Tag insgesamt(!) 22 IE, in der folgenden Nacht begann mein Diabetes zu spinnen (zwei Ketoazidoasen innerhalb von zwei Nächten), und nur vier Tage später war ich bei fast 80 IE - der höchsten Tages-Insulindosis in 49 Jahren Diabetes! Im nachhinein hat sich herausgestellt, daß das Insulin nicht mehr in Ordnung war. Natürlich habe ich dann wieder etliche Tage gebraucht, bis mein Insulinbedarf wieder in den damals normalen Bereich gesunken ist.
Seit vielen Jahren schwankt mein Insulinbedarf hormonbedingt sehr stark. Die Basalrate steigt innerhalb von rund drei Wochen um bis zu 50% an und fällt dann innerhalb von ein bis drei Tagen wieder auf die Ausgangsrate. Meine Aufgabe besteht nur darin, meine Insulindosis an den Bedarf anzupassen und nicht darin, mit möglichst wenig Insulin auszukommen! Wichtig ist schließlich nur, daß mein BZ möglichst im Normbereich liegt!
Viele Grüße
Katja
Bearbeitet von User am 30.11.2011 18:47:31. Grund: Nicht angegeben -
am 30.11.2011 20:01:30
Hallo Katja,erstmal vielen Dank für deine ausführliche Antwort.
Ja ich habe 3kg zugenommen,ob die schon ausschleggebend sein können weiss ich allerdings nicht?! Klar,ist mir auch wichtig,dass meine Werte im Normbereich liegen,nur versuche ich mit möglichst wenig Insulin über den Tag zu kommen.Das schaffe ich in Form von viel Eiweiss und gesunden Fetten.Kohlenhydrate gibt es bei mir nur rund ums Training (ich betreibe professionell Bodybuilding) und morgens.So komme ich am Tag auf höchstens 20 IE.
Ich habe halt mal gehört,dass zu viel Insulin auch nicht gut für den Körper ist,daher meine Frage ob das denn überhaupt stimmt? -
Gast
Rang: Gastam 01.12.2011 10:49:37
Ich glaube, mit Bewegung ist hier "richtiger" Sport gemeint. Jogging, Radsport, Schwimmen und andere Ausdauersportarten, die die Glucosetransporter der Zellen auf Trab bringen. Kraftsport bringt meiner Meinung hier nicht viel.
Gruß,
Rudolf
PS.: Und auch Fette und Proteine können den Blutzuckerspiegel in die Höhe treiben. -
am 01.12.2011 11:18:00
Hallo Rudolf,
wenn man dieser Studie glaubt, dann besteht zwischen Kraftsport und Ausdauersport zumindest für Typ2-Diabetiker kein großer Unterschied. Dabei ist der Kraftsport aus der Studie wahrscheinlich nur Spielerei gegen das, was Andi macht. Deshalb denke ich schon, dass sich das professionelle Bodybuilding sehr positiv auf Andis Diabetes auswirken kann.
Bei der Studie ist übrigens rausgekommen, dass der beste Effekt mit einer Kombination aus Ausdauer- und Kraftsport erreicht werden kann.
Beste Grüße, Rainer -
am 01.12.2011 11:44:49
Hallo Rainer,
ja da muss ich dir Recht geben,ich habe durch diesen Sport sehr gute Erfolge erzielen können.Meinen HBA1C habe ich von 9,0 auf 5,9 runterbekommen.Für mich ist das Bodybuilding eine tolle Sache,da man sich an strikte Ernährungspläne halten muss um Erfolge zu erzielen.So benötige ich in Diätphasen gar kein Insulin,da ich auf die anabole Diät setze(keine Kohlenhydrate).In der jetzigen Aufbauphase habe ich allerdings mit den Kohlenhydraten etwas übertrieben,sodass ich allmählich immer mehr Einheiten für eine BE brauche.Das stört mich,von daher war ja meine Frage,ob ich das durch das Reduzieren der Kohlenhydrate wieder in den Griff bekomme,sprich sich die Insulinresistenz wieder legt? -
am 01.12.2011 11:52:05
Hallo Andi,
probiere es doch einfach aus. Ich denke, dass die Erfolgsaussichten gut sind, auf keinen Fall kann es was schaden.
Allerdings brauchst du dir bei dem geringen BE-Faktor eigentlich noch keine Gedanken zu machen. Ich würde es trotzdem ausprobieren, um für den Fall eines weiteren Anstiegs eine Gegenmaßnahme parat zu haben. Wenn du es probierst, dann berichte bitte über das Ergebnis.
Beste Grüße, Rainer -
am 01.12.2011 12:03:03
Danke für die schnelle Antwort Rainer,echt nett.
Ja ich werde diesen Thread immer mal aktualisieren und meine Ergebnisse mitteilen.Ab heute geht's los.Auch mein Diabetologe hat mir vor ca. einem Jahr das OK,für die anabole Diät gegeben.Er meinte,dass zu viel Eiweiss nicht schädlich ist,vorausgesetzt man nimmt genügend Flüssigkeit zu sich.Ich liege am Tag so bei 5 Liter Wasser,das sollte also passen. Mein Ernährungsplan sieht an trainingsfreien Tagen also wie folgt aus:
Morgens:
30g Proteinpulver
250g Magerquark
20g Öl
2h später:
200g Frischkäse
20g Mandeln
1 Apfel
2h später:
200g mageres Schweinefleisch
200g Broccoli
20g Öl
3h später:
200g Frischkäse
20g Mandeln
10g Öl
2h später:
150g Mozzarella
20g Öl
2h später:
250g Magerquark
30g Proteinplver
2h später:
Rührei aus 6 Eiern
10g Öl
Macht zusammen: 2800kcal aus: 180g Fett,57g Kohlenhydraten(4,8 BE),250g Eiweiss.
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am 01.12.2011 12:18:15
Hallo Andi,
die (Insulinmengen-)Liga, in der ich beispielsweise spiele, ist völlig unproblematisch! Bevor es Insulin gab (also vor 90 Jahren), konnten Typ-1-Diabetiker eine gewisse Zeit lang nur überleben, indem sie praktisch auf Kohlenhydrate verzichteten. Aber das ist lange her! Als es dann Insulin gab, setzte sich die Erkenntnis nur langsam durch, daß insulinbehandelte Diabetiker völlig normal essen können. Im 2. Weltkrieg bekamen Diabetiker noch mehr Fettmarken und weniger für Kohlenhydrate. Aber es dauerte bis 1991, bis klar war, daß Diabetiker ALLES essen können! Meine Mutter hat jedenfalls meine Diät so berechnet, daß ich 50% Kohlenhydrate bekam - und natürlich das entsprechende Insulin dafür. Wie gesagt, das ist inzwischen 49 Jahre her. Ich habe mein ganzes Leben lang nie auf etwas verzichtet, nur um Insulin zu sparen! Jetzt bin ich 50, habe keinerlei Folgeschäden und Normalgewicht. Das Sparen wäre auch deshalb schon ziemlich unsinnig, weil mein Insulinbedarf (u.a.) von den weiblichen Hormonen abhängt. Allein der Zyklus sorgt also dafür, daß ich mal mehr und mal weniger Insulin brauche. Dasselbe gilt natürlich auch für gesunde Frauen - nur daß die es nicht merken! Dasselbe gilt beispielsweise für Jugendliche "im hungrigen Alter": Für einen halben Laib Brot, zwei Pizzen und was weiß ich noch alles braucht der Körper einfach mehr Insulin - und das gilt genauso für Gesunde! Dazu kommt natürlich noch die Wirkung der Wachstumshormone als Gegenspieler des Insulins.
Die von mir angesprochenen 22 IE waren für mich schon extrem wenig. Normal für mich waren in dieser Zeit 25 - 30 IE. Mit weniger als 20 IE/Tag kam ich nur bis zum 5. Geburtstag aus ...
Es gibt Typ-2-Diabetiker, die extrem viel Insulin brauchen. Dabei handelt es sich aber um hunderte(!) von Einheiten pro Tag! Ich habe mal eine zwanzigjährige Doppel-Diabetikerin (Typ 1 UND Typ 2) kennengelernt, die jeden Tag 100 Einheiten brauchte. Ihr BZ lag dabei relativ konstant um 140 mg/dl. In solchen Fällen wird durchaus versucht, den Insulinverbrauch etwas zu senken, zumal zu viel Insulin auch dazu führt, daß überschüssige Kohlenhydrate im Körper gespeichert werden. Das ist aber eine ganz andere (Insulinmengen-)Liga als die, in der wir spielen!
Wußtest Du übrigens, daß der Körper auch für die Verstoffwechselung von Eiweiß Insulin braucht? Das hängt damit zusammen, daß bestimmte Aminosäuren die Ausschüttung von Glukagon anstoßen, was natürlich den BZ steigen läßt. Bei Fisch passiert letzteres etwa dreieinhalb Stunden, bei Fleisch rund fünf Stunden nach der Mahlzeit. Ein 180g-Steak wirkte sich so aus, als ob ich 1 BE ohne Insulin gegessen hätte - mehr als fünf Stunden später! Andere Aminosäuren regen die Ausschüttung von Insulin an - dumm nur, daß das bei Typ-1ern ins Leere läuft ...
Viele Grüße
Katja1 Benutzer dankte für diesen Nützlichen Beitrag. -
am 01.12.2011 12:32:28
Danke für den langen Bericht Katja.Kann schon sein,dass ich vielleicht etwas ängstlich bin was Insulin betrifft,dass liegt aber daran,dass ich als Bodybuilder kein Fett ansetzen will.Mit Aminosäuren arbeite ich auch noch zusätlich,Leucin,Valin,Isoleucin,Arginin...Damit diese gut in die Muskelzellen geschleust werden injiziere ich 1-2 IE.Wie schauts denn aus,wenn ich für die eiweisshaltigen Mahlzeiten gar kein Insulin spritze?Wird das Eiweiss,sprich die Aminos dann gar nicht verwertet?
Bearbeitet von User am 01.12.2011 12:37:57. Grund: Nicht angegeben