Die Vorteile der Insulinpumpe
Die Einführung der Insulintherapie zu Anfang des Jahres 1922 ist eine der großen Entwicklungen der modernen Medizin. Schon damals wurden aufwendige Behandlungsformen durchgeführt - mit mehrfach täglicher Spritze, Stoffwechselselbstkontrolle und entsprechender Dosisanpassung: ähnlich wie wir dies heute im Sinne unserer intensivierten Insulintherapie (ICT) tun. Viele Studien haben bis heute nachgewiesen, daß diese Therapieform eindeutige Vorteile hat und diabetesbedingte Folgeerkrankungen reduzieren sowie die Lebensqualität verbessern kann im Vergleich zur konventionellen Therapie.
Pumpentherapie: Sonderform der Intensivtherapie!
Die Insulinpumpentherapie ist letztlich eine Sonderform der ICT, durch die aufgrund der bedarfsgerechten, kontinuierlichen Insulinzufuhr in der Regel eine noch bessere Stoffwechselkontrolle möglich ist. Für jede Stunde des Tages kann die zu diesem Zeitpunkt erforderliche Insulinmenge auf 0,1 Einheiten genau einprogrammiert und abgegeben werden. Sie ahmt damit die Insulinfreisetzung eines Nichtdiabetikers optimal nach und wird vor allem bei Typ-1-Diabetikern angewendet, die mittels ICT keine optimale Stoffwechselkontrolle erzielen können. Auch bei Kindern wird diese Behandlungsform manchmal angewendet.
Die Insulinpumpentherapie begann Ende der 70er Jahre. Die damals verwendeten, recht großen und schweren Geräte boten wenig Komfort, die Behandlung damit war aufwendig und zeitraubend. Dies hat sich im Laufe der Jahre erheblich verändert, zwischenzeitlich kamen zahlreiche Pumpenmodelle auf den Markt, die zunehmend kompakter und technisch ausgereifter waren. Moderne Geräte haben etwa die Größe einer Scheckkarte, die Dicke eines Kartenspiels und wiegen um die 100 Gramm. Sie sind damit in der Anwendung äußerst diskret, können z. B. ohne aufzufallen in der Hosentasche getragen werden, Pumpenträgerinnen lassen sie gern in ihrem BH verschwinden.
Wie funktioniert die Pumpe?
Das Prinzip ist folgendes: Ein elektrischer Präzisionsmotor wird von einem kleinen Computer mit Uhr gesteuert. Entsprechend der Programmierung durch den Benutzer werden über einen im Unterhautfettgewebe liegenden Katheter rund um die Uhr kleinste Insulinmengen aus dem Reservoir der Pumpe abgegeben. Damit wird der Insulingrundbedarf (der „Basalinsulinbedarf“) des Pumpenträgers gedeckt. Ermittelt bzw. überprüft wird diese Basalrate durch gezielte Mahlzeitenauslaßversuche (Fastentests).
Insbesondere dem sehr stark wechselnden Insulinbedarf in der Nacht kann durch entsprechende Programmierung besonders gut Rechnung getragen werden: So kann bei vielen Betroffenen das Auftreten nächtlicher Unterzuckerungen deutlich reduziert werden; und ein eventuell bestehendes Morgendämmerungsphänomen, also starker Blutzuckeranstieg in den Morgenstunden, kann gut abgefangen werden. Auch für Menschen, die bereits an diabetischen Folgeerkrankungen leiden und für die optimale Blutzuckerlangzeitwerte (HbA1c) dringend notwendig sind, ist die Insulinpumpentherapie häufig von Vorteil; ebenso bei jungen Diabetikerinnen mit Kinderwunsch. Das Mahlzeiten- und Korrekturinsulin (Bolus) kann vom Pumpenträger jederzeit und je nach Bedarf zusätzlich per Knopfdruck abgegeben werden; er muß dafür die Regeln der ICT beherrschen und korrekt anwenden.
Statt 8mal spritzen alle zwei Tage neuer Katheter
Praktisch gesehen ergibt sich der Vorteil, daß unter der Pumpentherapie nicht mehr bis zu 8mal täglich gespritzt werden muß - statt dessen wird alle ein bis zwei Tage ein neuer Katheter „gelegt“, der dann bis zum nächsten Wechsel im Unterhautfettgewebe bleibt. Auch dies bedeutet für viele Diabetiker einen deutlichen Zugewinn an Flexibilität und Lebensqualität.
Die heute verfügbaren Insulinpumpen sind mit einem umfangreichen Sicherheitssystem ausgestattet: Ein akustischer und/ oder Vibrations-Alarm zeigt Funktionsstörungen an und warnt vor kritischen Situationen (auch im Display). Alle Diabetiker, die neu auf eine Pumpe eingestellt werden, müssen geschult sein, die Pumpe bedienen können und wissen, was in besonderen Situationen zu tun ist - damit mögliche Komplikationen vermieden werden (wie zum Beispiel eine Ketoazidose). Gerade die Ketoazidose war in den Anfängen der Pumpentherapie relativ häufig zu beobachten. Ursache dafür ist die Tatsache, daß in der Pumpe nur spezielle, kurz wirksame (Normal- oder Analog-) Insuline verwendet werden. Dies kann bei einer unbemerkten Unterbrechung der Insulinzufuhr (z. B. durch einen verstopften Katheter) innerhalb weniger Stunden zum Auftreten eines Insulinmangels führen. Die Wirkdauer dieser Insuline ist nun einmal deutlich kürzer als die des Basalinsulins; das „Depot“ hält nicht lange vor.
Pumpe: die Vorteile überwiegen. Gut geschulte Diabetiker wissen jedoch, daß regelmäßige Blutzuckerkontrollen (mindestens viermal täglich) unerläßlich sind, auch um anhand des Blutzuckerverlaufs auf eventuelle technische Probleme rückzuschließen. Man lernt, wie in solchen Fällen vorzugehen ist, und kann dadurch schwerwiegende Probleme weitgehend vermeiden, so daß die genannten Vorteile der Pumpentherapie in der Regel bei weitem überwiegen.
Jeder Computer (und auch jede Insulinpumpe) ist nur so gut wie der Mensch, der ihn (sie) bedient! Noch gibt es keine Geräte, die beispielsweise auch gleichzeitig den Blutzucker messen und selbständig auf Schwankungen reagieren. Die Verantwortung kann also nicht an die Pumpe abgegeben werden. Im Gegenteil: Die Pumpentherapie erfordert aktive Mitarbeit, Zuverlässigkeit und gute Schulung. Ein in der Pumpentherapie erfahrener Arzt, ob in der Praxis oder in einer Klinik, sollte stets erreichbar sein.