Mehr bewegen, richtig essen und trinken
Fragen zum Thema beantwortet Prof. Dr. med. R. Petzoldt.
Ich habe die versteckten Kalorien entdeckt
„Lange Zeit hieß es ‚Du mußt!‘, und immer wollte ich eigentlich nicht so recht ran an das Abnehmen. Auch die Ratschläge von Bekannten und Verwandten, von meinem Arzt und aus den vielen Zeitschriften haben es nicht gebracht, ich hatte einfach keine Lust dazu. Als ich vor einiger Zeit von der Arzthelferin wieder zu hören bekam: »Suchen Sie nach den versteckten Fetten«, da habe ich mich endlich auf die Socken gemacht und wirklich im Kühlschrank gesucht. Wissen Sie, was ich gefunden habe? Ganz viel versteckte Kalorien! Warum haben mir alle Leute mit ihren guten Ratschlägen nie gesagt, daß sie mit den versteckten Fetten eigentlich die versteckten Kalorien meinen? Mit der Suche nach versteckten Kalorien bin ich wirklich erfolgreich, ich habe danach schon 7 Pfund abgenommen.“
Diese 52jährige, stark übergewichtige Typ-2-Diabetikerin (Größe 163 cm, Gewicht immer noch 78,6 kg) trifft den Nagel auf den Kopf: Man sollte nach zuviel versteckten Kalorien suchen und diese konsequent aus dem Kühlschrank verdammen.
Krafttraining soll helfen
„Ich gehe regelmäßig ins Fitneß-Zentrum und hoffe, daß mir mein Krafttraining auch bei der Diabeteseinstellung hilft. Ist da etwas dran für Typ-2-Diabetiker?“
Kürzlich habe ich von einer österreichischen Studie gehört, wonach Krafttraining bei den 40 Typ-2-Diabetikern, die an der Studie teilgenommen haben, zu einer Senkung des durchschnittlichen Nüchternblutzuckers und auch zu einer Verbesserung des HbA1c-Wertes geführt hat; auch erhöhte Blutfette und ein erhöhter Blutdruck wurden dabei eindeutig gebessert. Nur beim Übergewicht war kein Einfluß zu beobachten.
Vater werden - Nichtraucher bleiben!
„Jahrelang habe ich immer wieder versucht, mit dem Zigarettenrauchen aufzuhören. Aber mir fehlte wohl doch der richtige Wille dazu, immer wieder fiel ich von 10 auf 30 Zigaretten pro Tag zurück.
Als unsere kleine Lena zur Welt kam, hat es auch bei mir endlich ‚klick‘ gemacht. Und dieser Klick bedeutete für mich, daß ich nun nicht mit dem Zigarettenrauchen aufhören muß, sondern daß ich es will. Ich wollte es, und auf einmal ging es auch. Und mittlerweile fällt es mir auch nicht mehr schwer, anderen beim Rauchen zuzugucken und selbst nicht zur Zigarette greifen zu können.“
Es stimmt: Wer den richtigen Willen dazu hat, der schafft es auch, mit dem Rauchen aufzuhören - und wenn der Wille noch nicht so richtig ausgeprägt ist, dann hilft nicht nur Kinderkriegen: Zur Hilfe bei der Entwöhnung können auch Gruppenkurse, Broschüren, Akupunktur oder Medikamente beitragen.
Rezept
„Nach dem Tod meines Mannes habe ich mich lange Zeit zurückgezogen und fast alle Kontakte verloren. Vor lauter Kummer habe ich auch noch weiter zugenommen, und natürlich sind die Zuckerwerte gestiegen und gestiegen. Aber ich hatte ja auch zu nichts Lust. Eigentlich hat mir erst der Rat meines Hausarztes geholfen, der mir schon ein Rezept für einen Hund schreiben wollte. Nun gehe ich mit meinem Rauhaardackel täglich mehrmals raus, auch bei Wind und Wetter, und treffe ständig andere Hundebesitzer. Und die Bewegung tut sicher auch dem Diabetes gut.“
Der amerikanische Diabetesspezialist E. P. Joslin soll vor Jahrzehnten der erste gewesen sein, der diesen praktischen Rat gegeben hat; auch heute kann „ein Hund auf Rezept“ zu mehr Bewegung verhelfen, wie zum Beispiel bei dieser 65jährigen Typ-2-Diabetikerin.
Mehr auf dem Teller und doch weniger Kalorien
„Als ich im Diabeteskrankenhaus lag, wurden mir täglich 1800 kcal angeboten, obwohl ich weniger haben wollte. Ich habe dann aber alles aufgegessen, obwohl ich viel mehr zu essen bekam, als ich es bisher gewohnt war. Wie kommt es, daß ich trotzdem abgenommen habe?“
Wenn in dem Klinik-Angebot von 1800 kcal pro Tag mehr auf dem Teller lag, als Sie es gewohnt waren, dann können Sie beruhigt sein: Eine 1800-Kalorien-Tageskost kann nach viel mehr aussehen, als die reduzierte Kalorienzahl vermuten läßt. Wahrscheinlich hatten auch Sie früher viele Kalorien in einer kleinen Menge an Nahrungsmitteln (in Wurst, Fleisch, Milch und Milchprodukten und anderem); die Klinik-Kost bot Ihnen dagegen weniger Kalorien in größeren Nahrungsmittelmengen (z. B. in Salat, Gemüse, Obst, Brot, Kartoffeln usw.). Bleiben Sie auch in Zukunft bei größeren Mengen auf dem Teller mit weniger Kalorien darin!
FdH - nur für Wurst etc.
„Ich möchte Ihnen gerne von einem alten und neuen Trick zum Abnehmen berichten, vom ‚FdH-Trick‘: Erst als ich jetzt diese alte Empfehlung ‚Friß die Hälfte = FdH‘ gehört hatte, habe ich es geschafft, in den letzten Monaten über 5 kg abzunehmen, und auch meine Zuckerwerte wurden besser. Schadet es auf Dauer, wenn ich weiter nach dem FdH-Trick verfahre?“
Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem schönen Erfolg auf allen Ebenen, herzlichen Glückwunsch zur Gewichtsabnahme und zu den guten Blutzuckerwerten! Auf Dauer sollten Sie das Prinzip „nur die Hälfte zu essen“ aber nicht auf alle Nahrungsmittel, sondern konsequent auf tierfettreiche Nahrungsmittel anwenden. Wenn Sie weiterhin von Wurst, Fleisch, Fisch, Eiern und Milchprodukten wie Käse nur etwa die Hälfte der Menge essen, die Sie früher gewohnt waren, dann werden Sie auch weiterhin Erfolg bei der Besserung von Gewicht und Blutzuckerwerten haben.
Auf zur Selbsthilfegruppe
„Wo finde ich Gleichgesinnte, die wie ich endlich mit ihrem Diabetes und ihrem Übergewicht fertig werden wollen? Mein Arzt rät mir zu einer Selbsthilfegruppe.“
Nutzen Sie den Rat Ihres Arztes, und fragen Sie ihn auch nach einer Selbsthilfegruppe in Ihrer Nähe. Sie können aber auch den Deutschen Diabetiker Bund als größte Selbsthilfeorganisation für Diabetiker in Deutschland danach fragen. Wenn Ihnen dies alles nicht genügt oder wenn Sie weit weg von aktiven Selbsthilfegruppen wohnen, dann können Sie sich aber auch überlegen, ob Sie vielleicht nicht selbst eine Gruppe gründen. Wenn Sie dies wollen und organisieren können, dann hilft Ihnen dabei vielleicht Ihre Krankenkasse, und Interessenten dazu finden Sie durch eine Anzeige in der Presse.
Zucker frei erlaubt?
„Als Langzeitdiabetiker habe ich mich immer ohne Zucker ernährt, für mich war das nie ein Verzicht. Jetzt soll Zucker für alle Diabetiker erlaubt sein, was halten Sie davon?“
Das alte Zuckerverbot hat schon lange keine Geltung mehr. Es heißt heute aber auch nicht, daß man unkritisch und in jeder Menge Zucker essen kann oder gar Zucker essen muß.
Man weiß, daß mäßiger Zuckerverzehr keinen Schaden bei der Diabeteseinstellung anrichtet. „Mäßig“ bedeutet, daß Sie nicht mehr als ein Zehntel Ihrer täglichen Kalorienmenge, das sind etwa 30 - 40 g Zucker, genießen können (aber nicht müssen). Und bei der jetzt so viel besprochenen Freigabe von normalem Zucker sollten Sie immer darauf achten, daß es auch ein „Aber“ gibt: Der Zucker sollte nicht alleine, sondern immer nur in verpackter Form, auf dem Brot als Marmelade oder Honig, im Kuchen, im Pudding oder ähnlich genossen werden. Zucker alleine genossen, z. B. auch in zuckerhaltigen Getränken, führt natürlich immer noch schnell und stark zum Blutzuckeranstieg; deshalb kann die Empfehlung nur lauten: „Zucker? Ja, aber nur in Maßen und in verpackter Form!“
Trimmen vorm Fernseher
„Meine Frau hatte die richtige Idee, wie ich trotz eines 13-, 14-Stunden-Arbeitstages noch Zeit und Lust für etwas Trimmen finde. Denn tagsüber habe ich keine Zeit dazu und abends nach 20 Uhr auch keine Lust mehr. Nun steht das Trimmrad vor dem Fernseher, und der Fernseher steht vor dem Trimmrad. Da mir das frühe Aufstehen leicht fällt, sehe ich mir morgens eine halbe Stunde lang die neuesten Nachrichten beim Radfahren im Fernseher an.“
Haben Sie Ihrer Frau schon oft genug mit einem Blumenstrauß dafür gedankt, daß sie Ihnen damit so erfolgreich Spaß an Bewegung gemacht hat?
6mal Pro für kleine Mahlzeiten
„Die meisten Mitglieder in unserer Selbsthilfegruppe sind Typ-2-Diabetiker, die sich nach der Empfehlung richten, täglich fünf oder sechs kleinere Mahlzeiten zu sich zu nehmen. Wir haben für unsere Typ-1-Diabetiker Argumente gesammelt, die für häufige kleine Mahlzeiten am Tag sprechen. Was halten Sie von unseren Pro-Argumenten?
- Es schadet uns nichts, öfter kleine Mahlzeiten zu essen.
- Kleine Mahlzeiten belasten die Bauchspeicheldrüse weniger, sie entlasten sie.
- Der Blutzucker steigt nach kleinen Mahlzeiten weniger an.
- Alle Blutzuckerergebnisse bessern sich.
- Kleine Mahlzeiten überfordern den Verdauungsvorgang nicht.
- Nach kleineren Mahlzeiten ist man weniger müde als nach großen Mahlzeiten.“
Ja, mehrmals am Tag kleinere Mahlzeiten zu sich zu nehmen, bringt Vorteile für die Diabeteseinstellung. Allerdings sollten auch mögliche Probleme vermieden werden: Wenn man Schwierigkeiten hat, weil aus kleinen Mahlzeiten rasch große Mahlzeiten werden und dann viele Großmahlzeiten doch zur Gewichtszunahme führen, dann sollte man sich besser auf drei oder vier Mahlzeiten am Tag beschränken.