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Blutzuckerzielwerte mit Metformin
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Heike
Rang: Gastam 10.10.2010 13:17:19
Hallo,
ich habe eine gestörte Glucosetoleranz und dafür Metformin verschrieben bekommen.
Wegen ständiger gefühlter Hypos war ich deswegen im Krankenhaus und dort wurde das so verordnet.
Früh messe ich jedoch ca. 40-50min. nach dem Essen Werte von 140-157 (Plasma) und weitere 10min. später bin ich dann auf 115-125.
Ist das noch im Rahmen oder solle ich die Metformindosis zum Frühstück erhöhen ?
Tagsüber hält es sich im Rahmen, es steigt auch langsamer an (vermutlich weil das Met. dann greift) Meine Werte am Nachmittag/Abend sind allgemein niedriger, vermutlich weil ich dann den ganzen Tag rumgelaufen bin und somit durch die Bewegung das Metformin besser wirkt.
Mein Hausarzt meinte, ich soll es probieren. Aber bevor ich "probiere" wollte ich lieber nachfragen.
Schönen Sonntag. von Heike -
Jürgen
Rang: Gastam 10.10.2010 14:41:36
Moin Heike,
ich finde ganz toll, dass Du Deinen BZ misst. Die meisten Leute in Deiner Situation tun das nämlich nicht.
Hattest Du denn auch schon mal gemessen und was, wenn Du dich hypo-mäßig gefühlt hast? Und wann war das wohl meistens, eher kurz vor oder eher ne Stunde oder 2 nach dem Essen? Oder nach viel Bewegung?
Bisdann, Jürgen -
Joa
Rang: Gastam 10.10.2010 15:01:14
Hallo Heike,
> Wegen ständiger gefühlter Hypos war
> ich deswegen im Krankenhaus und
> dort wurde das [Metformin?] so verordnet.
Wenn die Betazellen bereits überlastet arbeiten müssen, und den Insulinbedarf nicht mehr ausreichend bereit stellen können kommt es zu einer paradoxen Reaktion. Die Insulinsektretion erfolgt dann zwar verspätet, aber die Betazellen geben hintendran auch zu viel Insulin ab, so dass es zu hypoglykämischen BZ.-Situationen kommen kann.
Das ist unter dem Begriff "Sekretionsstarre" bekannt.
> Früh messe ich jedoch ca. 40-50min.
> nach dem Essen Werte von 140-157
> (Plasma) und weitere 10min. später
> bin ich dann auf 115-125.
> Ist das noch im Rahmen oder solle ich
> die Metformindosis zum Frühstück
> erhöhen ?
Das sieht eigentlich sehr gut aus. :-)
Vergleiche es mal mit den BZ-Kurven von Gesunden Probanden nach Mahlzeiten, besonders nach dem Frühstück:
ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2769652/
figure/fig2/
;-)
Gruß
Joa
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Heike
Rang: Gastam 10.10.2010 20:52:59
Die gefühlten Hypos waren meistens nach dem Essen. Werte dazu habe ich leider keine mehr im Kopf. Im Krankenhaus hat man mir gesagt, dass es noch keine echten Hypos sind, sondern ich sie nur so empfinde. Das Metformin sollte jetzt die Zellen empfindlicher für das Insulin machen. Teilweise habe ich aber den Eindruck, dass die Dosis vom Morgen nicht ganz bis zum Abend reicht. Überlegungen waren jetzt entweder früh die komplette Dosis zu nehmen oder einfach früh noch etwas dazu.
Meine Blutzuckerkurven scheinen soweit ganz gut hinzukommen,danke für den Link :-)
Was ich jedoch bemerkt habe ist, dass es gegen Abend hin dann meistens für ca. 1 h bei einem gewissen Wert "stehen" bleibt und dann auf einmal abfällt. Gestern z.B. war es 3h nach der letzten Mahlzeit die ganze Zeit erst bei um die 100 und dann ne halbe Std. später auf einmal bei 75 und wieder eine halbe Stunde später bei 90.
Der Blutzucker sollte sich ja aber doch dem Nüchternwert langsam annähern, oder ?
Ich habe mich auch gefragt, wie lange beim Gesunden der Nüchternwert dann erhalten bleibt oder ob der Körper dort dann auch (sagen wir mal nach 4-5Stunden) wieder den BZ etwas ansteigen lässt ? von Heike -
Jürgen
Rang: Gastam 10.10.2010 21:15:56
Moin Heike,
die blaue Kurve in der Grafik zeigt einen durchschnittlichen gesunden Verlauf nach dem Einverleiben von viel Stärke=Zucker
http://www.phlaunt.com/diabetes/16422495.php
Zwischen den Mahlzeiten sorgen gesund Leber und Nieren für ausreichend Zucker im Blut, sonst müssten gesunde spätestens alle 2 Stunden nen Happen essen, wenn sie nicht unterzuckern wollten.
Typ2-charakteristisch fehlgesteuert gibt die Leber bis zu 3mal soviel und mehr an Zucker aus, wie beim gesunden Menschen und stellt die Ausgabe vor allem auch dann nicht ein, wenn neuer Zucker gegessen wird. Und Metformin kann als Hauptwirkung laut Hersteller bis zur Hälfte der fehlgesteuert zuvielen Ausgabe verhindern.
Bisdann, Jürgen -
Joa
Rang: Gastam 11.10.2010 01:25:23
Hei Heike,
> Ich habe mich auch gefragt, wie
> lange beim Gesunden der Nüchternwert
> dann erhalten bleibt oder ob der Körper
> dort dann auch (sagen wir mal nach 4-
> 5Stunden) wieder den BZ etwas
> ansteigen lässt ?
Grundsätzlich funktioniert das in einem ganz ausgefeilten, aber eigentlich auch einfachen System.
Ab einem Blutzuckerwert von 80 mg/dl geben die Betazellen Insulin ab um den BZ nicht (sonderlich) ansteigen zu lassen.
Insulinwirkung führt zum Absenkung des BZ durch Aufnahme desselben in die Muskelzellen. Zugleich unterbricht die Insulinwirkung die Glucoseabgabe der Leber, und unterstützt dadurch in der Leber selbst auch die Aufnahme von Glucose aus dem Blut zur Umwandlung in Speicherzucker (=Glykogen).
Erreicht der BZ dann wieder 80 mg/dl, stoppt die Insulinabgabe der Betazellen.
Die Insulinwirkung lässt nach und auch die insulinbedingte Hemmung der Leber an der Freisetzung von Speicherzucker.
Dieses System ist durch die Insulinresistenz des Typ 2 Diabetikers gestört, weil die Insulinwirkung dummerweise sowohl am Insulinrezeptor der Leber- als auch der Muskulaturzellen gestört ist (=Insulinresistenz). Auch bei recht hohen Insulinspiegeln kommt nur ein Bruchteilteil der Insulinwirkung in den Zellen zum Ziel.
Was dazu führt, dass weder die Muskulaturzellen die Glucose angemessen verbrauchen, wie auch die Leber sich nicht sonderlich an der Glucosefreisetzung gehemmt fühlt.
Metformin ist ein echtes Allround-Mittelchen.
Es verbessert die Insulinwirkung in den Muskulatur- und den Leberzellen, erhöht die Fähigkeit der Betazellen zur Insulinproduktion und verlangsamt auch noch die Magen-/Darmpassage der Nahrung.
Dass Du am Abend eine etwas geringere Insulinwirkung feststellst ist nicht unnormal.
Am frühen Morgen und Abend gibt es im Körper einige biorhythmisch bedingte Hormonausschüttungen. Die Zeiträume werden Dawn und Dusk (Morgen- und Abenddämmerung) genannt. Die dann freigesetzten Hormone sind kontrainsulinär. Sie hemmen also die Insulinwirkung. Dann kommen Deine Betazellen wohl nur noch etwas gestresster mit, den dann erhöhten Insulinbedarf zu deckeln.
Sehr spekulativ würde ich denken, dass Du mal versuchen könntest mit einer zweiten Dosis Metformin, ca. 1 bis 2 Stunden vor dem Abendessen, die Insulinwirkung zusätzlich zu beflügeln.
Auch wenn Deine Werte nicht dramatisch sind, aber jede Entlastung stark geforderter Betazellen ist hilfreich um ein Fortschreiten des Betazellverlustes zu bremsen.
Gruß
Joa -
Heike
Rang: Gastam 11.10.2010 10:56:04
Guten Morgen,
erstmal recht herzlichen Dank für Eure Ausführungen. So genau hat mir das noch kein Arzt erklärt.
Am Abend nehme ich schon Metf. (immer früh und am Abend 425mg)
Wenn ich jetzt früh z.b. die Dosis erhöhen würde, würde die dann auch länger wirken oder nur stärker ? Denn das ist mir noch nicht ganz klar ?
Ist dieses "stehen bleiben" des Bz. ein Zeichen dafür, dass das Insulin nicht richtig wirkt ? Oder ist das dann "normal"
Bsp. (alle Werte in Plasma, von gestern)
vor dem Mittag 79
ca. 45min. nach dem Mittag 135
60min. nach dem Mittag 115
90min. 112
120min. 114
Danach war ich dann leider unterwegs, dass ich nicht weiter messen konnte.
von Heike -
Jürgen
Rang: Gastam 11.10.2010 11:42:26
Moin Heike,
Du startest vor dem Mittag voll im gesunden Bereich zwischen 65 und 85mg/dl, und der Anstieg nach dem Essen bleibt offenbar unter 140. Das anschließende Absinken geht ein bisschen langsam. Aber bevor ich dafür mehr Medi nehmen würde, würde ich erst einmal schauen, wie viel schneller der BZ mit etwas Bewegung in der Stunde nach dem Essen sinkt. Wenn die Oma in diesem Beispiel ein senkendes Medikament genommen hätte, wäre sie nach jedem Hundegang, mit dem ihr BZ gepasst hat, mit zu wenig wieder gekommen http://www.onmeda.de/foren/forum-diabetes/
bz-%26-bewegung/1619276/read.html
Bisdann, Jürgen -
Heike
Rang: Gastam 11.10.2010 20:44:42
Hallo Jürgen,
bewege mich eigentlich immer nach den Mahlzeiten. Nach dem Frühstück gehts los zur Arbeit , nach dem Mittag schnell nach Hause zu unseren Pferden usw.. :-)
Wenn ich den Plasmawert von 157 in Vollblut rechne, passts ja mit knapp 140 *g*
Mein Arzt hat auch Bedenken, ob ich mit mehr Metformin dann nicht insgesamt zu tief komme (von den Werten her)
Denn soweit liege ich ja im Zielbereich.
Dieses "stehen bleiben" ist dann wohl diese Sekretionsstarre ?
Ich bin froh das ich das selber messen kann, obwohl es mir untersagt wurde. Aber so weiß man doch eher bescheid und bevor ich unnötig Tabletten schlucke ... danke euch lieb. von Heike -
Jürgen
Rang: Gastam 11.10.2010 21:58:34
Moin Heike,
Beta-Zellen werden von der Glukose im Blut zum Insulin-Ausgeben bewegt, wenn die Glukose-Menge so etwas wie die persönliche Grundlinie überschreitet. Die liegt gesund irgendwo zwischen 65 und 85mg/dl. Sekretionsstarre meint nun ursprünglich, dass die Typ2-geschädigten Beta-Zellen auf diesen Glukose-Anreiz nicht mehr so einfach reagieren, sondern eben starr weiter ihren Trott gehen. Tatsächlich reagieren sie ja noch, aber auf deutlich höhere Glukose-Werte.
Missverständlich wird der Begriff Sekretionsstarre dann auch als Erklärung für das häufig beobachtete Phänomen gebraucht, dass der BZ nach dem Essen zunehmend höher als normal ansteigt und anschließend steil bis unter die Unterzuckergrenze abfällt. Diese Blutzucker-Bewegung kommt daher, dass die Glukose-Regelung der Beta-Zellen nur zur Steuerung kleinerer BZ-Unterschiede eingerichtet ist. Je größer und plötzlicher die auszugleichenden Mengen ankommen, desto verzögerter reagieren auch völlig gesunde Betas.
Aber für plötzliche größere Mengen neue Glukose nach dem Essen werden die Beta-Zellen gesund nicht vom ansteigenden Blutzucker angesteuert, sondern von einem Darmhormon-Team, das immer passend bei ihnen Insulin bestellt, wenn neue Glukose aus dem Darm in den Blutkreislauf übergeben wird. Diese Art der Bestellung wird als Inkretin-Effekt bezeichnet. Und so treffen sich dann die Glukose und das zugehörige Insulin in der Pfortader auf dem kurzen Weg in die Leber und werden dort sofort zum größten Teil verwurstet, so dass die meiste Glukose und das meiste Insulin gar nicht erst auf den Weg durch den ganzen Organismus geht.
Mit beginnendem Typ2 verschwindet immer mehr von diesem Inkretin-Effekt und immer mehr Glukose wird zunächst auf den Weg durch den ganzen Organismus geschickt, bis die schließlich bei den Betas ankommt und die dann eben selbst zu mehr und in der Menge schließlich häufig auch ein bisschen zu viel Insulin-Ausgabe anstoßen kann.
Wo Du selber misst, kannst Du ja auch direkt über die Zusammensetzung und Portionsgröße Deiner Mahlzeiten steuern, dass Dein Blutzucker etwa 1 Stunde nach dem Essen unter 140 bleibt und auf die Weise hoffentlich noch lange mehr Medis und damit häufig auch mehr unerwünschte Wirkungen vermeiden :-)
Daumendrück, Jürgen -
Lilo
Rang: Gastam 12.10.2010 11:29:00
Hallo Heike,
ich will nur mal meinen Fünfer zur Metformin-Dosis allgemein dazugeben.
Du bist jetzt bei 2x 425 mg. Der Hersteller schreibt von einer maximalen Tagesdosis bis zu 3000 mg täglich, ABER, die Diabetologen sagen: nicht mehr als 2000 mg täglich, weil das Zeuchs ja auch erst mal durch die Nieren und Leber muss.
Nach dem Motto: so viel wie nötig und so wenig wie möglich. Ich wollt dir nur damit sagen, du hast also noch "Testspielraum".
Das Tabletten-Diabetiker nicht messen sollen/dürfen, ist leider so. Man gibt denen ein Rezept und die Kontrolle erfolgt dann NUR im Arztlabor 1x im Quartal.
Und überwiegend bekommen die überhaupt keine Messtreifen verordnet, weil die KK die Kosten für nichtinsulinpflichtige Diabetiker nicht übernehmen.
Ich weiß nicht, wie das bei dir aussieht.
Deshalb noch ein Tipp. bei Akku chek kann derzeit kostenos das Messgerät accu chek mobile erhalten, Anruf genügt. Das Gerät hat eine Kassette inside für 50 Messungen.
Damit kommt man ja auch ein Stück.
Ansonsten find ich das Klasse, wie du das angehst, denn nur durch Messen, testen, gucken, messen findest du heraus, wie dein BZ tickt..
Ich wünsch dir weiterhin gutes Gelingen.
von Lilo -
Heike
Rang: Gastam 12.10.2010 13:38:22
Vielen Dank für die tollen Erklärungen.
Jürgen, was Du schreibst kenne ich. Ich hatte nach dem Essen öfter dieses "unterzuckern". Das war dann vermutlich das zu viel an Insulin weil die 1. Antwort etwas zu spät kam ?
Was mir aber mal aufgefallen ist, dass ich für eine Weile nach Beginn der Metformineinnahme viel tiefere Werte gemessen hatte. Allerdings ging der BZ da auch schneller rauf und runter und ich fühlte mich immer gestresst. Gibt es bei der Bauchspeicheldrüse so eine Art "Trainingseffekt" ?
Denn irgendwann hatte es sich ja eingependelt, es stieg langsamer, es sinkt langsamer - allerdings auch jetzt nach meinem Gefühl noch ab und an etwas unter "normal".
von Heike -
thomas2002
Rang: Gastam 12.10.2010 13:38:52
wie joa schon etwas weiter oben andeutete, spielen hormone auch als gegenspieler des insulin eine rolle, nicht nur beim morgen- und abendphenomän, sondern auch bei streß.
von thomas2002 -
Jürgen
Rang: Gastam 12.10.2010 16:20:55
Moin Heike,
weniger Gas geben macht weniger große Zahlen auf dem Tacho, also weniger Stärke=Zucker weniger BZ. Wer öfter um 1 Stunde nach dem Essen misst, kommt gar nicht umhin, das zu entdecken und sich unwillkürlich wenigstens ein bisschen danach zu richten. Damit werden dann auch kleinere Mengen Insulin mit ebenso kleineren Mengen zuviel angefordert, so dass der BZ nicht mehr so tief absinkt.
Einen Trainingseffekt hab ich noch nirgendwo gefunden, aber warum sollte es den nicht auch geben? Nach meiner Info ist das beste, was wir erreichen können, dass wir uns den schon abgeschrumpften Rest unserer Beta-Zellen mit ner möglichst gesunden BZ-Führung möglichst lange erhalten. Wie lange, weiß noch niemand, denn als lebenserhaltend behandelbar gilt der Typ2 erst seit etwa 30 Jahren, und erst seit etwa 15 ist fachintern bekannt, dass auch beim Typ2 bei Diagnosereife schon 50-80% der Betazellmenge eines gesunden Menschen gleichen BMIs, Alters und Geschlechts abgestorben sind.
Eine weitere Typ2-Baustelle und Hauptwirkungsort von Metformin ist die innere Glukose-Ausgabe. Gesund liefern Leber und Nieren etwa die Hälfte vom alltäglichen Glukose-Umsatz. Denn was wir neu essen, ist gesund nach etwa 2 Stunden verarbeitet=eingelagert oder verbraucht. Ohne die innere Glukose-Ausgabe würden gesunde Menschen also alle 2 Stunden abschlappen, wenn sie nicht in so kurzen Abständen immer wieder was essen würden. Gesund sorgt eine geniale Relgelung dafür, dass die innere Glukose-Ausgabe den BZ immer auf der gesunden Betriebshöhe irgendwo zwischen 65 und 85mg/dl hält.
Typ2-behindert funktioniert diese Regelung immer schlechter mit dem Ergebnis, dass 3mal und noch mehr MEHR Glukose als bei gesunden Menschen von Leber und Nieren ausgegeben wird und dass diese Ausgabe auch nicht wie bei gesunden für die Ankunft neu gegessener Glukose weniger wird, sondern zumindest machmal eher noch mehr. Und Metformin kann nun die Leber in ihrer Glukose-Ausgabe so behindern, dass die bis zur Hälfte weniger ausgibt, sagt der Hersteller. Aber er sagt nicht, zur Hälfte wovon :-(
Heißt konkret, der BZ steigt mit Metformin weniger hoch an als ohne, so lange und so gut das Mittel bei einem persönlich wirkt. Und dafür ist gut zu wissen, dass Metformin mit stetiger Einnahme einen beständigen Wirkspiegel aufbaut und eben gleichförmig durchgehend wirkt und dass natürlich die eigene Insulin-Ausgabe in dem Maße entlastet wird, in dem das Metformin die eigene Zucker-Ausgabe bremsen kann. Super, oder?
Bisdann, Jürgen -
Joa
Rang: Gastam 13.10.2010 01:27:30
> Und Metformin kann nun die Leber in
> ihrer Glukose-Ausgabe so behindern,
> dass die bis zur Hälfte weniger ausgibt,
> sagt der Hersteller. Aber er sagt nicht,
> zur Hälfte wovon :-(
Hallo Jürgen,
Bis zur Hälfte ihrer Glucoseabgabe? Der die sie ansonsten ohne Metformineinfluss machen würde?
Aber ob nun Metformin die Glucoseabgabe direkt hemmt, oder ob es die Insulinwirkung in der Leberzelle erst ermöglicht, die dann ihrerseits hemmt?
Jedenfalls findet sich, dass Metformin ohne Mitwirkung von Insulin in der Leberzelle keine Glucosefreisetzung hemment tut.
Ähnlich wie Inkretine für sich alleine keine Insulinsektretion bewirken, wenn kein Glucosereiz an der Beta-Zelle anliegt.
Gruß
Joa von Joa -
Jürgen
Rang: Gastam 13.10.2010 10:48:45
Moin Siggy,
im Gegensatz zu Dir kann Dein Dok nur schätzen, was Du vielleicht zu welchem Essen mehr an Insulin brauchen könntest. Er macht das, indem er Dich zunächst nach Hypos fragt. Wenn Du keine hast und er auch meint, dass Du weniger BZ haben solltest, erhöht er Deine BE-Faktoren um eine Einheit. Wenn Du in den nächsten Tagen dann die eine oder andere Hypo hast, nimmt er die Empfehlung wieder zurück. Wenn Du keine Hypo hast und bei Deinem nächsten Besuch in ein paar Wochen noch immer von BZs berichten kannst, die auch in seinen Augen zu hoch sind, erhöht er Deine BE-Faktoren wieder um eine Einheit usw.
Dabei kannst Du selbst im Rahmen von ein paar Tagen sehr viel zutreffender herausfinden, zu welchen Tageszeiten Du wie viel weniger Gas geben - Fett und Eiweiß statt Stärke=Zucker essen - kannst oder wie viel mehr Bremsen - mehr IEs spritzen - musst, um dir einen gesünderen BZ-Verlauf zu machen. Dazu brauchst Du nur alles wie bisher zu machen, wie üblich Messen-Spritzen-Essen und dann aber in Halbstundenschritten nach dem Essen messen, wie der BZ ansteigt und wieder absinkt bis er nicht mehr weiter sinkt. Am besten nur jeweils immer zu einer Mahlzeit, weil der Insulinbedarf sich über den Tag ändern kann.
Wenn er auf der selben Höhe zu sinken aufhört, auf der Du vor dem Essen gespritzt hast, haben BEs und IEs mengenmäßig zusammen gepasst. Wenn er niedriger als beim Spritzen absinkt, waren es weniger BEs oder mehr IEs als notwendig. Dann nimmt man bei der nächsten Mahlzeit zur selben Tageszeit das gleiche Futter und 1 IE weniger und schaut, wie der BZ dann anschließen verläuft. Und das macht man so lange, bis Futtermenge und Insulinmenge zueinander passen. Und umgedreht genau so, wenn der BZ mit der Messreihe nach dem Essen höher ausläuft. Dann erhöht man eben an den Folgetagen zur selben Tageszeit für das gleiche Futter die Insulinmenge um jeweils 1 Einheit, bis der BZ beim Wirkauslauf passt :-)
Daumendrück, Jürgen -
Heike
Rang: Gastam 13.10.2010 11:20:18
Guten Morgen,
ich frage mich, warum einem Ärzte das nicht so gut erklären können, wie ihr das macht :)
Vielen Dank für Eure Ausführungen.
Gestern habe ich nochmal eine komplette Messreihe gestartet.
Brunchen mit der Firma und ich hatte dabei ein belegtes Körnerbrötchen mit nem halben Glas O-Saftmix (das war wohl mein Fehler...)
Werte wie immer Plasma:
Nüchtern: 83
nach 40min: 175 (hätt ich nicht gedacht ..)
nach 60min: 135
nach 75min: 117
danach leider Hektik & Stress auf Arbeit und hab dann auch nochmal ein halbes Brötchen zwischngeschoben, weils mir auf einmal ganz schön schwindelig wurde, konnte aber leider nicht messen.
Mittag:
ein Teller Linsen und ein Roggenbrötchen, diesmal ohne Bewegung am Rechner im Büro.
Davor: 79
nach 40min: 105
nach 60min: 104
nach 90min: 102
nach 120min: 93
nach 180min: 85
Kurz vor Arbeitsschluss, Nachmittag. Jetzt wollte ich das mit dem Saft nochmal genauer wissen ...
nur ein Saft/Wassermix (ähnlich dem vom Frühstück)
nach 40min: 145
nach 60min: 110
Anschließend noch schnell ein Brötchen gegessen, nach Hause gefahren, reiten gegangen usw.
19.00 zu Hause BZ 83
Abendessen (1,5 Scheiben Vollkornroggenbrot, belegt):
nach 60min: 102
nach 90min: 96
nach 180min: 92
heute Morgen nüchtern BZ 83
Frage nochmal dazu:
Können auch bei gesunden kurzzeitig solche hohen Werte nach einem Glas Saft auftreten ? Fruchtgehalt waren 50%. Ich war zugegeben erschrocken ... in Zukunft dann kein Saft zum Frühstück von Heike -
Jürgen
Rang: Gastam 13.10.2010 15:01:20
Moin Joa,
Insulinresistenz war in der geschichtlichen Entwickung die erste logische Erklärung dafür, dass neue Glukose bei den Betroffenen mit deutlicher Verzögerung abgearbeitet wurde. Die Jahre später folgende Entdeckung von größerem Insulin-Umsatz via C-Peptid-Bestimmung schien die These zu bestätigen. Doch mit den Jahren wurde immer klarer, dass mehr als die Hälfte der völlig gesunden Bevölkerung so einen höheren Insulin-Umsatz haben, und zwar völlig ohne alle konkreteren Anhaltspunkte für Typ2, die man in der Folge entdeckt hatte. Also ohne erhöhtes Proinsulin, ohne Inkretin-Defekt, ohne Betazell-Verlust. Und auch ohne erhöhten Glukose-Umsatz.
Der scheint in der Reihe die neueste Erkenntnis, denn die innere Glukose-Ausgabe ist erst seit wenigen Jahren bestimmbar. Seitdem wurde entdeckt, dass die innere Glukose-Ausgabe gesund dauernd läuft und nicht nur zur Not, wie man ursprünglich angenommen hatte, und dass sie in ihrer Menge nur kurz mit neu gegessener verringert wird und dass die Menge etwa zur Hälfte aus dem Glykogen-Speicher der Leber kommt und zur anderen aus Glukoneogenese, und die wiederum zur einen Hälfte aus der Leber und zur anderen aus den Nieren.
Metformin scheint nun, wie ich es verstehe, nur von der Leber-Ausgabe zu bremsen. Und wie Metformin konkret auf Zellebene wirkt, wird meines Wissens noch immer eher thesenhaft vermutet als mit prüfbaren Fakten belegt.
Bisdann, Jürgen -
Jürgen
Rang: Gastam 13.10.2010 19:24:36
Moin Heike,
nein, ein gesunder Mensch kann einen Eimer von solchem Saft aussaufen, ohne dass sein BZ auf 170 ansteigt. Denn bei einem gesunden wird eben schon passend Insulin bestellt, wenn der Zucker aus dem Saft in den Blutkreislauf übergeben wird. Diese erste Bestellfunktion fällt leider auf dem Weg zum Diabetes immer mehr aus :-(
Einzig vernünftiges Verhalten: Selbst mit Auswahl und Portionierung dafür sorgen, dass mit der verbliebenen Restfunktion die Spitze von 140 nach dem Essen und Trinken nach Möglichkeit zu keiner Zeit überschritten wird.
Und dran denken, dass alle Stärke verdauungstechnisch Zucker ist, egal ob Biomehl oder einfaches Mehl oder Brot oder Kartoffeln oder Reis oder... Nur Austesten kann sagen, wovon wieviel in den eigenen 140ger Rahmen passt. Und der ist bei den meisten von uns morgens besonders eng. Bei manchem passt mittags 2mal soviel wie morgens in diesen Rahmen.
Daumendrück, Jürgen -
Heike
Rang: Gastam 13.10.2010 21:42:55
Gut, suppi. Dann bin ich ja froh, dass ich doch mal selber gemessen habe - obwohl es mir verboten wurde. Da weiß ich jetzt woran ich bin und hoffe, dass ich nicht unbedingt mal im Diabetes lande. Soweit scheinen meine Werte ja recht gut zu sein, wenn man die vom Frühstück mal weglässt ;-)
Heute Mittag hab ich´s mal mit Späzzle, Zwiebel-Sahnesoße und Schnitzelfleisch versucht - auch alles gut. Maximaler Wert waren 115.
Dann heisst es wohl vorerst alles was Saft, Cola & Co. heisst meiden ...
Euch allen noch einen schönen Abend und ein ganz liebes Danke für das geduldige Erklären. von Heike -
Heike
Rang: Gastam 13.11.2010 10:45:38
Hallo,
da ich seit einiger Zeit mich wieder vermehrt "unterzuckrig" fühle und auch verstärkt Migräne vorhanden ist, habe ich mir erneut Teststreifen besorgt und gemessen.
Folgendes Phänomen besteht jetzt (Werte immer in Plasma)
früh nüchtern: 73 (fühl ich mich nicht so besonders gut, sonst hatte ich immer um 80-83)
40min nach Frühstück (1,5 Roggenbrötchen, Tee ungesüst, wie immer): 100
120min: 78
130min: 80
140min: 90
150min: 82
Bei den letzten Werten wollte ich testen, ob das noch weiter fällt...
Dosis von Metf. wurde nicht geändert -nur noch etwas mehr Bewegung und 2kg weniger Gewicht.
Sind die Werte noch ok oder zu tief ? von Heike