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Diabetes? BZ leicht erhöht Insulin stark erhöht

  • Stefanie

    Rang: Gast
    am 07.09.2009 22:15:24
    Hallo zusammen!

    Ich war heute bei meiner Endo und die hat mir gesagt das ich wahrscheinlich "Zucker" hab....
    Nach meiner Nachfrage antwortete sie es sei "Insulinresistenz" ?? ist das beginnende Diabetes? kann ich da noch gegensteuern? mit Ernährung und Bewegung?

    Beim Zuckerbelastungstest waren mein nüchterner BZ normal 86 nach einer halben Stunde noch unter hundert nach einer Stunde bei 216 und dann sank er wieder nach zwei Studen 96
    Mein Insulinwert war aber schon nüchtern fast bei 100 und nach zwei Stunden immer noch bei ca. 200.

    Irgendwie kenn ich mich jetzt nicht mehr aus.... kann mir jemand helfen?

    Vielen Dank!!
    Liebe Grüße
    Stefanie
  • Jürgen

    Rang: Gast
    am 08.09.2009 00:48:55
    Moin Stefanie,

    gesund wird mit um gut 60 bis um gut 80 mg/dl aufgewacht, 1 Stunde nach dem Input von viiiiel Stärke=Zucker(auch oGTT) um 120 bis max 140 gemessen und 1 Stunde noch weiter wieder um gut 80. Dafür, dass das so funktioniert, braucht es in der ersten Stunde nach dem Essen besonders viel Insulin, wie Du hier sehen kannst www.phlaunt.com/diabetes/16422495.php

    Was bei Dir nicht funktioniert, findest Du hier http://de.wikipedia.org/wiki/Inkretin-Effekt
    Damit bist Du in der Tat auf dem besten Weg zum Diabetes, denn der ist keine großartige Veränderung Deiner Situation, sondern nur noch etwas mehr Blutzucker. Und zu viel Blutzucker macht von gesund an ansteigend immer mehr krank. Da ist keine Schwelle unter der erheblich weniger und über der erheblich mehr Folgekrankheiten eintreten. Die Diagnose-Größen wurden Ende der 70ger Jahre des vorigen Jahrhunderts völlig unabhängig von medizinischen Gesichtspunkten rein verwaltungstechnisch festgesetzt und seitdem nur wenig modifiziert.

    Du kannst also jetz abwarten, bis Dein Blutzucker mit immer größeren und weiteren Schwankungen nach dem Essen endlich über 200 mg/dl 2 Stunden nach dem Essen bleibt, und Dich dann auf Diagnose Diabetes behandeln lassen. Oder Du machst dich mit etwas System an die Arbeit und findest heraus, was Du in welchen Portionen essen kannst, wenn Du Deinen Blutzucker gezielt im gesunden Rahmen halten willst - und hältst dich dran :-)

    Daumendrück, Jürgen
  • Stefanie

    Rang: Gast
    am 08.09.2009 12:06:58
    Hallo Jürgen

    Vielen Dank für Deine Antwort! Ein bischen was versteh ich jetzt besser....

    Meinst Du ich kann das mit dem Diabetes noch abwenden?
    Sollte ich mir so ein Blutzuckermessgerät zulegen? Wann und Wie sollte ich dann messen? Sollte ich zur Ernährungsberatung gehen?

    Vielen Dank für Deine Antworten!!!

    Sorry kenn mich leider noch garnicht aus.

    LG Stefanie
  • Rainer.

    Rang: Gast
    am 08.09.2009 17:44:19
    Hallo Stefanie,

    ein BZ-Messgerät solltest du dir zulegen. Die Ernährungsberatung kannst du dir schenken.

    Versuche deinen Speiseplan so zu gestalten, dass der 1h-Wert möglichst unter 140 bleibt. Da deine BZ-Automatik noch ziemlich gut funktioniert, dürfte das für dich ganz einfach sein. Du musst nur ausprobieren, wieviel und welche Sachen du zu welcher Mahlzeit essen kannst, ohne die 140 zu übersteigen. Dabei kommt es besonders auf die KH an. Vielleicht bringen es bei dir Vollkornbrot und -brötchen. Vielleicht musst du weniger Kartoffeln, Nudeln, Reis und mehr Gemüse essen. Vielleicht reicht es für dich sogar schon, langsamer bzw. in Etappen zu essen. Das ist bei jedem etwas anders, deshalb musst du das mit probieren und messen herausfinden.

    Wenn du dein Essen so umstellen kannst und deinen BZ gesund führst, dann hast du sehr große Chancen, niemals Diabetes zu bekommen. Du musst das ganze auch nicht sehr verbissen sehen. Du hast viel Zeit zum probieren und Fehlversuche können dir auch nicht viel anhaben. Das ist dein Vorteil, solange du noch keinen Diabetes hast - du solltest den nutzen.

    Alles Gute, Rainer von Rainer.
  • Jürgen

    Rang: Gast
    am 08.09.2009 18:51:45
    Moin Stefanie,

    es gibt inzwischen Ärzte, die Diabetes ab 200 mg/dl irgendwann am Tag definiert sehen. Bei denen gehörst Du dann schon jetzt dazu. Denn ne Stunde nach 2 Brötchen wirst Du's wahrscheinlich schon schaffen, allerdings eher nicht, wenn Du die wie erstes und zweites Frühstück mit ner Stunde Pause dazwischen einschiebst.

    Diabetes ist also nicht wie Masern, wo Viren im Untergrund wirken und sich vermehren, bis ihre kritische Masse überschritten wird und die Krankheit mit diesen roten Flecken sichtbar ausbricht. Diabetes ist eher ähnlich Bluthochdruck. Und wenn der krankmachend zu hohe Druck eine eigene Namensbezeichnung hätte, würden Dir auch alle zu erklären versuchen, dass sich mit der Namensänderung bei Überschreiten eines bestimmten Druckes diese Krankheit eben manifestiere und dass Du sie so lange noch nicht hast, so lange die Definition noch nicht überschritten ist. Beim Blutzucker und Diabetes finden das alle völlig logisch.

    Wie Rainer schon geschrieben hat, BZ-Messgerät besorgen (z.B. auf der Homepage eines Geräteherstellers anklicken, dass Du so ein Teil probieren und gegen Rücksendung des entsprechenden Fragebogens behalten willst). In den ersten Wochen schon mit 10 Streifen am Tag rechnen. Wirst Du allerdings selbst bezahlen müssen :-(
    Wenn Du Deine neuen Grenzen dann ausgetestet und dich drin eingerichtet hast, wird Dir sicher reichen, wenn Du alle paar Wochen mal ein paar Stichproben machst, damit Dir rechtzeitig auffällt, wenn Dein Blutzucker seine gesunden Grenzen doch mal öfter überschreiten will oder/und Du dazu neigst, ihm immer mehr Antrieb dazu zu geben ;-)

    Daumendrück, Jürgen
  • thomas2002

    Rang: Gast
    am 09.09.2009 01:21:10
    jürgen und rainer haben dir ja schon einiges gesagt. für dich ist es wichtig zu verstehen, das der typ 2 diabetes nur per schlag auf fall entsteht, und die unterscheidung prediabetes und diabetes nur verwaltungstechnisch zu erklähren ist.

    das problem an diabetes ist nicht der diabetes, sondern, daß die gefahr der folgeerkrankungen mit dem grad der entgleisung stetig steigt. ich würde nicht soweit gehen, zu sagen, daß du den diabetes vermeiden kanst, jedoch ist mit einem etwas an mehraufwand eine verzögerung der medikamentösen behandlung von einigen jahren drinnen. für deine "heim"therapie google doch mal glykämischer index und glykämische last. und für billige teststreifen schaue doch mal unter www.INSULINER.de, die optische teststreifen für 11,50 je 50 stk anbieten. die kann man so herrlich mit ner schere halbieren. tagebücher gibt es von hexal, ratiopharm, lifescan, accu check etc pp. entweder bestellen oder ausdrucken. schaue dich auch mal unter dem stichwort versandapotheken oder medizinfuchs um.

    da du von deiner insulinresistenz weist, lasse mal auch deine fettwerte, also hdl, ldl, triglyzeride und cholesterin sowie beim augenarzt den augenhintergrund testen. mein erstes zeichen von dm war etwa 5 jahre vorher eine abweichung der trieglyzeride. von thomas2002
  • Joa

    Rang: Gast
    am 09.09.2009 02:06:19
    Die Gefahr der Entstehung von Folgeschäden beim Typ 2 Diabetes entsteht schon lange, bevor die BZ-Werte überhaupt zur Diagnose eines Diabetes Veranlassung bieten. :-((

    Das hat damit zu tun, dass schon die überforderten Beta-Zellen, auch wenn die Insulinwirkung den BZ-Spiegel noch bändigen kann, erheblich mehr Proinsulin abgeben.

    Und das Proinsulin scheint einen erheblichen Schädigungsfaktor für die Gefäße zu bergen.

    Sagt zumindest Pfützner und sieht das Diagnosekriterium nicht im BZ-Wert, sondern im Spiegel des Proinsulinins.

    Und wenn Du mal bei Google Proinsulin eingibst, wird Dir das vermutlich schnell recht deutlich.

    Gruß
    Joa
  • Jürgen

    Rang: Gast
    am 09.09.2009 10:28:33
    Moin Joa,

    aber hast Du schon mal gehört, dass intaktes ProInsulin bestimmt worden wäre? Noch dazu bei BZs noch unterhalb der Diagnosereife?

    Vielleicht erinnerst Du dich: Im Anfang, geht die Mär, habe der Typ2 viel zu viel Insulin. Dr. DeFronzo hat zwar vor nem knappen Jahr in seiner Dankesrede für den 2008 Banting-Preis vor der ADA (American Diabetes Association) vorgetragen, dass schon im Stadium des Prädiabetes nur noch etwa 20% der Betazellmasse eines gesunden Menschen gleichen Geschlechts und Alters und gleicher Statur Dienst tun, aber wie lange wird das daueren, bis diese Erkenntnis in den Schwerpunktpraxen hierzulande (und auch im diabetesinfo ;-) angekommen ist? Und vor allem, bis die Standardtherapie darauf Rücksicht nimmt oder gar aufbaut?

    Das Proinsulin hat mich übrigens damals bei meiner 140-120-100-Entwicklung angetrieben. Wenn ich die Insulinzusammensetzung schon nicht steuern kann, war die Überlegung, dann wenigstens ein Stück weit die ausgegebenen Insulinmengen, indem ich schon mit meinem Input und gezielter Bewegung und später auch mit gespritztem Insulin einen BZ-Verlauf herstelle, der möglichst wenig eigene Insulinausgabe erfordert.

    Bisdann, Jürgen
  • Rainer

    Rang: Gast
    am 09.09.2009 11:43:46
    Hallo Stefanie,

    du bist hier so massiv mit Fakten und Vorschlägen bombardiert worden, dass ich dich gerne wieder beruhigen möchte.

    Meine Einschätzung ist, dass du dich in einem Anfangsstadium befindest, in dem das Gegensteuern zu dem kleinen Defekt der BZ-Automatik noch total easy ist. Mit deinem oGTT-2h-Wert von 96 hast du noch gut funktionierende Betazellen. Es ist nicht einmal raus, ob bei dir in Zukunft eine Betazellen-Dysfunktion auftreten wird und ob du überhaupt Diabetes bekommen würdest. Deshalb kannst du dir ziemlich sicher sein, dass du nie Diabetes bekommst, wenn du 1 Stunde nach jede Mahlzeit den BZ unter 140 hältst. Vielleicht reicht auch schon 150 oder gar 160, aber dafür möchte ich meine Hand nicht ins Feuer legen. Gelegentliche Ausnahmen sind übrigens vollkommen unbedenklich, wenn sie nicht zur Regel werden.

    Wenn du das nur mit Änderung des Essverhaltens und mit Bewegung nicht hinbekommst, dann kannst du deinen Doc bitten, dir Metformin zu verschreiben. Aus deinem hohen 1h-Wert lässt sich vermuten, dass einer deiner Hauptdefekte neben einer kaputten Phase 1 die ungeregelte Glukagonausgabe der Alphazellen und Glukoseausgabe der Leber ist. Das wird mit Metfomin wirkungsvoll gebremst. Aber probiere es erst einmal ohne Medis. Ich denke, dass du das hinbekommst.

    Das ganze macht für dich nur Sinn, wenn du es als Chance auf eine ausgezeichnete Gesundheit annimmst und mit Elan an die Sache rangehst. Freue dich, dass es jetzt noch ganz einfach geht. Wenn du dich aber durch die mögliche Aussicht auf Diabetes runterziehen lässt und dich dabei krank fühlst, dann lass es lieber sein. Dann kommst du besser, wenn du die weitere Entwicklung abwartest und jedes Jahr den oGTT machen lässt und die Veränderungen beobachtest. Bis du wirklich Diabetes bekommst, können durchaus noch 10 Jahre oder mehr vergehen.

    Viel Freude am Erfolg, Rainer
  • Jürgen

    Rang: Gast
    am 09.09.2009 12:30:16
    Moin Rainer,

    ein bisschen Korrektur: gesund haben wir 2 voneinander unabhängige Regelkreise für unsere BZ-Automatik, den alimentären und den basalen.

    Der alimentäre sorgt für die passende Insulinmenge unmittelbar zur Übergabe der Glukose aus dem neuen Futter aus dem Darm in den Blutkreislauf. Das bestellen die Inkretine genannten Darmhormone (daher Inkretin-Effekt) völlig unabhängig vom aktuellen BZ. So lange dieser Regelkreis funzt, gibt es auch nach einem Eimer Cola keinen BZ-Anstieg über 140 mg/dl.

    Der basale sorgt dafür, dass bei einem relativ konstanten BZ-Verlauf gesund um etwa 65 bis etwa 85 immer alle Zellen mit ausreichend Glukose versorgt werden. Wenn der BZ durch die Entnahme sinkt, geben die Alpha-Zellen des Pankreas mehr Glukagon aus und stimulieren damit die Leber zur Zucker-Ausgabe, und wenn der BZ dann steigt, geben die Beta-Zellen mehr Insulin aus und verstärken damit die Aufnahme der Glukose in die Zellen. Alpha- und Beta-Zellen ergänzen sich so wechselseitig in der gesunden Glukoseversorgung.

    Wenn nun der alimentäre Regelkreis Typ2-mäßig seinen Betrieb einstellt und die ganze neu gegessene Glukose zum Abarbeiten für den basalen übrig lässt, muss der BZ erst höchst auffällig ansteigen, um den zunehmend zu aktivieren. Deswegen die auffällige Spitze beim 1-Stunden-Wert. Und wenn die dann basal bis auf normal abgearbeitet wird, sagt das lediglich, dass dafür noch ausreichend Beta-Zellen funzen.
    Sagt aber keineswegs, dass da noch kein Schwund eingetreten ist oder dass noch kein nennenswerter Anteil der Insulin-Ausgabe in der Form intakten Proinsulins erfolgt, das nur 10% BZ-Senkung im Vergleich zum Insulin bewirkt, dafür aber fleißig in Adipositas und Arteriosklerose macht.

    Trotzdem bleibt natürlich Deine Empfehlung als einzig praktikable (Be)Handlungs-Option: So essen, dass der BZ nach dem Essen zu keiner Zeit über 140 mg/dl ansteigt, nach Möglichkeit. Und häufig lässt sich so ein Anstieg auch sehr wirksam dadurch begrenzen, dass man sich direkt nach dem Essen bewegt. Das muss kein Sport sein. Das kann der Gang mit dem Hund genauso wie der zum Einkaufen sein oder Haus- oder Gartenarbeit. Und für alles gilt: Nicht glauben, dass es den BZ senkt, sondern MESSEN!

    Bisdann, Jürgen