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Statt „Spätschäden“ Frühsymptome

Schwerpunkt: „Schmerzen verstehen und früh behandeln“

Viele Menschen mit Diabetes bekommen irgendwann in ihrem Leben eine diabetesbedingte Nervenerkrankung – in der Fachsprache "diabetische Polyneuropathie". Wichtig zu wissen ist, dass man mit heutigem Wissen keinesfalls mehr von "Spätschäden" des Diabetes reden sollte – eine Polyneuropathie kann man sogar schon im Vorstadium des Diabetes haben. Hier gibt es die aktuellen Informationen zu Diagnostik und Therapie.

Entgegen einer häufig vertretenen Meinung ist die diabetische Neuropathie nicht immer Zeichen eines Spätschadens bei Diabetes – nein, sie kann auch schon sehr früh im Verlauf der Erkrankung auftreten. Nach aktuellen Daten aus der KORA-Studie (in der Region Augsburg) hatten 24 Prozent der Menschen zwischen 61 und 82 Jahren eine Polyneuropathie zusammen mit einer gestörten Zuckerverwertung oder erhöhten Nüchternblutzuckerwerten – fast so häufig wie bei Menschen mit bekanntem Diabetes!

Es handelte sich hierbei um eine Ausbildung der Polyneuropathie schon im Frühstadium eines Diabetes, sprich im Stadium des Prädiabetes. In der Deutschen Diabetes Studie (DIS) konnte mit Hilfe neuerer Methoden (z. B. Hautgewebe-Entnahme) ein Verlust an Nervenfasern bereits wenige Jahre nach Diagnose eines Typ-2-Diabetes festgestellt werden – nicht als Spät-, sondern als Frühsymptom!

Anders als beim Typ-1-Diabetes

Hyperglykämie (hoher Blutzucker) ist bei Typ-1-Diabetikern der entscheidende Auslöser für eine periphere Neuropathie – nicht so beim Typ-2-Diabetes: Hier scheinen zusätzliche Faktoren eine Rolle zu spielen wie Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen, Mangel an Wachstumsfaktoren, oxidative Prozesse und eventuell auch immunologische Faktoren. Kribbeln, Missempfindung, Taubheit und einschießende Schmerzen sind in der Regel nicht auf einen Organ- bzw. Gewebeschaden zurückzuführen, sondern entstehen durch eine Schädigung der Nerven selbst.

Mit einer neuen "Testbatterie" (quantitative sensorische Testung, QST) aus 13 Einzeltests kann mit einfachen Tests in der Praxis die Neuropathie früher als bisher entdeckt werden. Dazu gehören z. B. Messungen der Wahrnehmungs- und Schmerzschwellen für Kälte und Wärme, für Berührung (mit feiner Glasfaser, Watte, Pinsel), Druck (mit Druckmesser), spitze Schmerzreize (mit stumpfen Metallstiften) und Vibrationen (mit Stimmgabel). Verglichen wird jeweils das schmerzhafte Areal mit dem nichtschmerzhaften Areal der Gegenseite. Hier weiterlesen

 

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